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Teil 2: Ein neuer Mann mit einer
neuen Botschaft.
Das Einssein des Menschen unter dem
Einen Gott
Es war während seiner Pilgerreise,
wo er begann, einige Briefe an seine treuen Assistenten in der neugestalteten
Muslimischen Moschee in Harlem zu schreiben. Er bat darum, dass seine Briefe
vervielfältigt wurden und an die Presse verteilt würden:
“Niemals zuvor war ich Zeuge einer so aufrichtigen
Gastfreundschaft und eines so überwältigenden Geistes wahrer Brüderlichkeit geworden,
die von Menschen aller Hautfarben und Rassen hier in diesem alten Heiligen
Land, dem Heim Abrahams, Muhammads und all der anderen Propheten der Heiligen
Schriften, praktiziert werden. Die letzte Woche verbrachte ich ganz und gar
sprachlos und verzaubert von der Dankbarkeit, die diese Menschen aller Farben
um mich herum ausstrahlten...
Ihr werdet schockiert sein, diese
Worte von mir zu hören. Aber auf dieser Pilgerreise hat mich das, was ich
gesehen und erfahren habe, gezwungen, viele meiner früheren Denkmuster neu zu
ordnen und einige meiner früheren Schlussfolgerungen über Bord zu werfen. Das
war nicht allzu schwer für mich. Trotz meiner festen Überzeugungen bin ich
immer ein Mann geblieben, der versucht, den Tatsachen ins Auge zu sehen und die
Realität des Lebens als neue Erfahrung und neues Wissen zu akzeptierten und zu
entfalten. Ich habe mir immer ein offenes Bewusstsein bewahrt, das für die
Flexibilität notwendig ist, die mit einer jeglichen Form der intelligenten
Suche nach der Wahrheit Hand in Hand gehen muss.
Während der letzten elf Tage hier
in der muslimischen Welt habe ich mit muslimischen Brüdern, deren Augen das
blaueste Blau, deren Haare das blondeste Blond und deren Haut das weißeste Weiß
besaßen, von demselben Teller gegessen, aus demselben Glas getrunken und auf
derselben Matte geschlafen, während wir zu demselben Gott beteten. Und in den
Worten und Taten dieser weißen Muslime fühlte ich dieselbe Aufrichtigkeit, die
ich unter den schwarzen afrikanischen Muslimen Nigerias, Sudans und Ghanas
verspürte.
Wir
waren wirklich alle gleich (wie Brüder) – denn ihr Glaube an einen Gott hat das
Weiße aus ihrem Bewusstsein, das Weiße aus ihrem Verhalten und das Weiße aus
ihrer Einstellung verbannt.
Daran konnte ich erkennen, dass
vielleicht, wenn die weißen Amerikaner die Einheit Gottes akzeptieren könnten,
dass sie dann vielleicht auch die Einheit der Menschheit wirklich akzeptieren
könnten – und davon ablassen würden, andere anhand ihres
"Farbunterschiedes" zu messen, zu behindern und zu schädigen.
Mit dem Rassismus, der Amerika wie
ein unheilbares Krebsgeschwür plagt, sollte das sogenannte ´christliche´ weiße
amerikanische Herz empfänglicher für eine bewiesene Lösung eines derart
zerstörerischen Problems sein. Vielleicht könnte es für Amerika gerade noch
rechtzeitig sein, um das Land vor einer drohenden Katastrophe zu bewahren – der
Rassismus brachte Deutschland dieselbe Zerstörung und hat vielleicht die
Deutschen selbst zerstört.
“Sie fragten mich, was mich am Hajj am meisten beeindruckt habe…
ich antwortete: "Die Brüderlichkeit! Die Menschen aller Rassen, Hautfarben,
aus der gesamten Welt kommen zusammen! Das hat mir die Macht des Einen Gottes
bewiesen… Alle aßen zusammen, alle schliefen zusammen. Die gesamte Atmosphäre
der Pilgerreise betonte das Einssein der Menschen unter Einem Gott."
Malcolm kehrte als El-Hajj Malik
al-Shabazz von der Pilgerreise zurück. Er brannte von neuen spirituellen
Einsichten. Für ihn hatte sich der Kampf von einem Kampf um Bürgerrechte eines
Nationalisten zu einem Kampf um Menschenrechte eines Völker- und
Menschenrechtlers ausgeweitet.
Nach der Pilgerreise
Weiße und andere Reporter waren begierig
darauf, El-Hajj Maliks neuen Ansichten über sich selbst zu erfahren. Sie
konnten kaum glauben, dass sich der Mann, der so viele Jahre gegen sie
gepredigt hatte, plötzlich um 180 Grad gedreht haben und sie als Brüder
bezeichnen könnte. Diesen Menschen hatte El-Hajj Malik folgendes zu sagen:
“Ihr fragt mich: ´Hast du nicht gesagt, dass du jetzt die
hellhäutigen Männer als Brüder akzeptierst?´ Nun, meine Antwort ist, dass ich
in der muslimischen Welt gesehen, gefühlt und nach Hause geschrieben habe, wie
sich meine Denkweise ausgeweitet hat! Genau, wie ich beschrieben habe, teilte
ich wahre, brüderliche Liebe mit vielen weißen Muslimen, die an meine Rasse
oder Hautfarbe oder die eines anderen Muslim nie einen einzigen Gedanken
verschwendet haben.
“Meine Pilgerreise hat meine Sichtweise erweitert. Sie hat mich
mit einer neuen Einsicht gesegnet. In den zwei Wochen im Heiligen Land sah
ich, was ich hier in Amerika in neununddreißig Jahren nicht gesehen hatte. Ich
sah alle Rassen, alle Hautfarben, -- von blauäugigen Blonden bis hin zu
schwarzhäutigen Afrikanern -- in wahrer Brüderlichkeit! Eine Einheit! Als Eins
zusammenlebend! Keiner, der trennte, keine Liberalen; sie hätten gar nicht gewußt,
wie man die Bedeutung dieser Worte interpretiert.
“In der Vergangenheit, ja, da habe ich radikale Anschuldigungen
gegen alle weiße Menschen ausgesprochen. Ich möchte mich solcher Dinge nie
wieder schuldig machen – denn ich weiß jetzt, dass einige weiße Menschen
wirklich aufrecht sind, dass einige weiße Menschen wirklich fähig sind,
brüderlich gegenüber dem schwarzen Mann zu sein. Der wahre Islam hat mir
gezeigt, dass eine bloße Anschuldigung aller weißen Menschen genauso verkehrt
ist, wie wenn die Weißen bloße Anschuldigungen gegen Schwarze hervorbringen.”
Zu den Schwarzen, die ihn vermehrt
als Führer betrachteten, predigte El-Hajj Malik eine neue Botschaft, geradezu
das Gegenteil von dem, was er als Prediger in der Nation des Islam gesagt
hatte:
“Der wahre Islam hat mich gelehrt, dass alle religiösen, politischen,
wirtschaftlichen, psychologischen und alle rassenmäßigen Inhaltsstoffe oder
Eigenheiten dazugehören, um die Familie und die Gesellschaft der Menschen
vollständig zu machen.
“Ich sagte zu meinen Zuhörern in der
Harlem Street, dass, nur wenn sich die Menschheit dem Einen Gott ergibt, Der
sie erschaffen hat -- nur dann wird sich die Menschheit dem "Frieden"
auch nur nähern, von dem so viel gesprochen... aber in dessen Richtung so wenig
unternommen wird.”
Zu gefährlich, zum Bleiben
El-Hajj Maliks neue universelle
Botschaft stellte den schlimmsten Alptraum der Vereinigten Staaten dar. Nicht
nur, dass er die schwarzen Massen anzog, sondern auch die Intellektuellen aller
Rassen und Hautfarben. Jetzt wurde er ständig von der Presse als
"gewaltverherrlichend" und "militant" dämonisiert, obgleich
in Wirklichkeit er und Dr.Martin Luther King sich von ihren Standpunkten her
näherten:
“Das Ziel war immer dasselbe geblieben, mit Annäherungen, so
verschieden sie auch waren, meine und die von Dr.Martin Luther Kings
gewaltlosen Kundgebungen, welche die Brutalität und das Schlechte der weißen Männer
gegenüber wehrlosen Schwarzen dramatisierten. Und heutzutage in dem
rassistischen Klima dieses Landes, stellt jeder Vermutungen an, welches
"extrem" die Probleme des schwarzen Mannes zuerst mit einer
persönlichen fatalen Katastrophe treffen würde; der ´friedliche´ Dr.King oder
ich, den sie als ´gewalttätig´ betrachteten.”
El-Hajj Malik wußte nur zu gut,
dass er die Zielscheibe zahlreicher Gruppen war. Trotz alledem hatte er nie
Bedenken, das auszusprechen, was er sagen wollte, wenn er meinte, es sagen zu
müssen. Wie eine Art Grabesinschrift sagt er am Ende seiner Autobiographie:
“Ich weiß, dass Gesellschaften häufig die Menschen getötet
haben, die daran beteiligt gewesen waren, diese Gesellschaften zu verändern. Und
wenn ich sterben kann, und ich habe zuvor irgendein Licht gebracht, irgendeine
bedeutungsvolle Wahrheit gebracht, die dabei helfen wird, das rassistische
Krebsgescheschwür zu zerstören, das den Körper Amerikas schädigt -- dann
gebührt alles Lob und alle Ehre Gott. Nur die Fehler sind von mir.”
Das Vermächtnis des Malcolm X
Obwohl El-Hajj Malik wußte, dass
er eine Zielscheibe für Mörder war, akzeptierte er diese Tatsache, ohne um
Polizeischutz zu bitten. Als er am 21. Februar 1965 in einem New Yorker Hotel eine Rede vorbereitete, wurde er von drei schwarzen Männern
erschossen. Drei Monate später wäre er vierzig geworden. Obwohl deutlich ist,
dass die Nation des Islam etwas mit dem Mord zu tun hat, glauben viele
Menschen, dass noch mehr Organisationen daran beteiligt gewesen waren. Das FBI
– bekannt für ihre Tendenz, gegen die Scchwarzenbewegung zu sein – wurde als
Komplize in betracht gezogen. Wir werden möglicherweise nie mit Sicherheit
wissen, wer hinter der Ermordung von El-Hajj Malik oder den Morden an anderen
nationalen Führern in den frühen 60ern steckte.
Malcolm X’ Leben hat die
Amerikaner auf viele wichtige Arten beeinflusst. Das Interesse der
Afro-Amerikaner an ihren islamischen Wurzeln ist seit El-Hajj Maliks Tod
erblüht. Alex Haley, der Malcolms Autobiographie schrieb, verfasste später das
Werk ´Roots´ (Wurzeln) über die Erfahrungen einer afrikanischen,
muslimischen Familie mit der Sklaverei. Immer mehr Afro-Amerikaner werden
Muslime, nehmen muslimische Namen an oder erkunden die afrikanische Kultur. Das
Interesse an Malcolm X hat durch Spike Lees Film "X" eine neue Flutwelle
erfahren. El-Hajj Malik ist eine Quelle des Stolzes für Afro-Amerikaner,
Muslime und Amerikaner im allgemeinen. Seine Botschaft ist einfach und klar:
“Ich bin kein Rassist, in welcher Form auch immer. Ich glaube
an überhaupt keine Art des Rassismus. Ich glaube an keine Art der
Diskriminierung oder Trennung. Ich glaube an den Islam, ich bin ein Muslim."
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