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Ramadhan ist für die Muslime ein sehr
besonderer Monat, denn die Muslime auf der ganzen Welt verrichten darin viele unterschiedliche
gottesdienstliche Handlungen, von denen das Fasten die wichtigste ist. Dieses
Fasten im Ramadhan ist eine der fünf Säulen des Islam, es ist eine Pflicht für
alle Erwachsenen und alle Heranwachsenden, die dazu in der Lage sind. Ramadhan
ist auch der Monat, in dem der Prophet Muhammad seine erste Offenbarung erhalten
hat, deshalb wird er auch "Monat des Quran" genannt. Während dieses
Monats kann man eine deutlich spürbare Veränderung im Leben der Menschen, wie
auch in den Gesellschaften feststellen. Dieser Artikel wird einen typischen
Tag eines Muslim in diesem Monat der Vergebung beschreiben.
Eine frühe Mahlzeit
“Nehmt eine Mahlzeit vor der
Morgendämmerung ein; denn diese ist eine segenvolle Mahlzeit.” (Sahieh
Al-Bukhari)
Obwohl es keine Pflicht ist, stehen
muslimische Familien den ganzen Ramadhan hindurch früh am Morgen, bevor das
erste Morgenlicht zu sehen ist, auf, und nehmen in Anlehnung an die Lehren des
Propheten, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm, eine leichte Mahlzeit ein. Normalerweise
beginnt der Tag eines Muslim mit dem Frühgebet, das verrichtet wird, wenn die
ersten Spuren des Lichts am Himmel erkennbar sind, aber da dies die Zeit ist,
zu der man zu fasten beginnt und sich des Essens und Trinkens enthält,
ermunterte der Prophet die Muslime, vor dieser Zeit aufzustehen und ein Mahl
einzunehmen.
Hier sehen wir deutlich, dass der Sinn des
Fastens nicht darin besteht, den ganzen Tag hungrig zu sein, sondern eher, dass
man seinen Lebensalltag umstellt, um mehr Zeit mit dem Gottesdienst für Allah
zu verbringen, das ist eine Tatsache, die uns bald ganz klar werden wird.
Jemand, der oft das Frühgebet verpasst, dasjenige der fünf Gebete, das am
schwersten in seiner vorgeschriebenen Zeit zu beten ist, steht in diesem
gesegneten Monat früh auf, um die Mahlzeit einzunehmen. Also gewöhnt sich
diese Person daran, früh aufzustehen, was ihm dabei behilflich ist, das
Frühgebet in der restlichen Zeit des Jahres pünktlich zu beten.
Das beliebteste freiwillige Gebet ist
eines, das als "Qiyaam-ul-Lail" oder als das Nachtgebet bezeichnet
wird. Dieses Gebet wird einzeln vor dem Frühgebet verrichtet. Es ist so
beliebt, dass es auch liebevoll als "Gebet der Frommen" bezeichnet
wird, es ist ein Gebet der Demütigen, während der Großteil der anderen Menschen
noch in ihren Betten schläft. Gott beschreibt dieses Gebet im Quran indem Er
sagt:
“Ihre Seiten halten sich fern von (ihren)
Betten; sie rufen ihren Herrn in Furcht und Hoffnung an ...” (Quran
32:16)
Das Aufstehen in den frühen Morgenstunden
ermuntert die Gläubigen ebenfalls, dieses gesegnete Gebet zu beten, etwas das für
manche sonst eine mühsame Aufgabe darstellt.
Diese Mahlzeit vor der Dämmerung sollte
möglichst nahe an der Zeit der Dämmerung eingenommen werden und so essen die
Menschen, bis sie den Mu´ezzin oder Gebetsrufer den Adhan von der örtlichen
Moschee rufen hören, was anzeigt, dass das erste Morgenlicht nun sichtbar ist.
Daher beenden die Muslime dann ihre Mahlzeit und bereiten sich darauf vor, am
Gemeinschaftsgebet in der örtlichen Moschee teilzunehmen, das das ganze Jahr über
fünfmal am Tag gebetet wird.
Der Monat des Quran
Nachdem sie am Frühgebet teilgenommen
haben, wählen viele Muslime diese Zeit aus, um eine Weile in der Moschee sitzen
zu bleiben und einen ausgewählten Abschnitt aus dem Quran zu lesen. Die Quranrezitation
ist zu jeder Zeit empfohlen, denn durch sie vertieft sich der Glaube im Islam:
“Gläubig sind wahrlich diejenigen, deren Herzen
erbeben, wenn Allah genannt wird, und die in ihrem Glauben gestärkt sind, wenn
Seine Verse verlesen werden.” (Quran 8:2)
Da es sich um den Monat handelt, in dem
der Quran herabgesandt wurde, bemühen sich die Muslime noch eifriger darum, ihn
ganz zu rezitieren, wie es auch der Prophet, Gottes Segen und Frieden sei auf
ihm, getan hat.
“[Der Prophet] traf ihn (Gabriel) jede
Nacht im Ramadhan und rezitierte ihm den Quran.” (Sahieh Al-Bukhari)
Im Ramadhan findet man höchst selten eine
Moschee zu irgendeiner Tageszeit leer vor. Muslime versuchen in diesem Monat
eine Zeit zu reservieren, um den Quran vollständig zu lesen und über seine
Bedeutungen nachzudenken.
Am Tag fasten
In den meisten muslimischen Ländern sind
die Arbeitslast und die Zeitpläne im Ramadhan gelockert, um den Besonderheiten
dieses Monats gerecht zu werden. Die Kinder gehen später zur Schule, damit sie
das frühe Aufstehen und das späte Nachtgebet kompensieren können, und der
Großteil der Geschäfte schließt zeitig vor Sonnenuntergang. Viele Läden bleiben
dafür aber die ganze Nacht hindurch geöffnet.
Während der Tagesstunden bis die Sonne
hinter dem Horizont versinkt, enthält sich der Muslim des Essens und Trinkens
aller Art, und auch des Geschlechtsverkehrs mit seinem Ehepartner. Dies
verschafft dem Muslim im Tagesverlauf einen Sinn dafür, dass er all dies tut,
um Gottes Befehlen zu gehorchen, denn es unterlässt Dinge, die sonst tagsüber
erlaubt sind. Dies schuf in den Muslimen ein Bewusstsein dafür, das sie
ermuntert, unerlaubte Taten auch sonst zu unterlassen. Die Muslime mit
ausgetrockneten Mündern durch den Wassermangel und die Enthaltsamkeit von
jeglichem Essen den ganzen Tag, erhalten einen sechsten Sinn: Gottesbewusstsein
– und das ist das Ziel des Fastens im Monat Ramadhan. Gott sagt im Quran:
“Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es
denen vorgeschrieben war, die vor euch waren. Vielleicht werdet ihr
Gott fürchten.” (Quran 2:183)
Fasten ist ein verborgener Gottesdienst,
den eine Person Gott darbietet. Sie könnte auch genauso gut heimlich essen und
trinken ohne dass jemand etwas davon erfahren würde... aber was sie davon
zurückhält, ist das Bewusstsein von der Anwesenheit ihres Herrn.
Aus diesen Grunde sieht man zahlreiche
sündige Muslime viele ihrer Sünden in diesem gesegneten Monat wegen seiner
Heiligkeit unterlassen, und man kann nur hoffen, dass sie das verbleibende Jahr
so vom Glauben erfüllt bleiben werden.
Der Prophet, Gottes Segen und Frieden sei
auf ihm, warnte die Muslime vor bestimmten Sünden, in die man leicht verfallen
kann und die das Ziel des Fastens ruinieren. Der Prophet sagte:
“Wer das falsche Wort und dessen
tatkräftige Durchsetzung nicht unterlässt, von dem verlangt Gott nicht, dass er
auf sein Essen und Trinken verzichtet.” (Sahieh Al-Bukhari)
Er warnte auch davor, sich provozieren zu
lassen, sich unpassend zu benehmen. Er forderte die Muslime auf, jemandem, der
einen provozieren möchte, folgendes zu antworten:
“Ich faste, ich faste.” (Sahieh Al-Bukhari)
Diese prophetischen Aussagen
verdeutlichen, dass der Hauptnutzen vom Ramadhan spirituell und redlicher ist.
Daher stellt man im Ramadhan in den
muslimischen Gesellschaften fest, dass ein Geist des Friedens in die Herzen der
Menschen eingezogen ist, aufgrund des zusätzlichen Gottesdienstes und dem
Meiden sämtlicher Schechtigkeit und bösen Verhaltensweisen. Die Menschen sind
allgemein viel umgänglicher und offenherziger und wenn man für einen Monat in
einer Gesellschaft lebt, in der die meisten Menschen fasten, dann entsteht eine
Einigkeit und Brüderlichkeit, die durch keine andere Gelegenheit übertroffen
werden, außer vielleicht dem Hağğ.
Iftar, oder Fastenbrechen
Wenn der Tag endet, sammeln sich due
Muslime in ihren Häusern und erwarten den Sonnenuntergang. Mütter und Töchter
sind normalerweise zu dieser Zeit damit beschäftigt, das Fastenbrechen und
Abendessen vorzubereiten, während die Männer von ihrer Arbeit zurückkehren und
sich bequemere Kleidung anziehen und dann entweder die Zeit nutzen, um Quran zu
lesen oder helfen, das Fastenbrechen vorzubereiten. Kurz vor Sonnenuntergang
versammelt sich die Familie am Esstisch, um auf den Mu´ezzin zu warten; diese
Zeit nutzen sie, um Allah zu preisen und um Seine Gnade zu bitten.
“Es gibt für die Fastenden wirklich
ein Gebet, das beantwortet wird, wenn sie ihr Fasten brechen.” (Tuhfat-ul-Muhtaj)
Wenn der Ruf zum Gebet zu hören ist,
beeilen sich die Muslime, ihr Fasten mit Datteln zu brechen, indem sie dem
Propheten nacheifern und Worte der Dankbarkeit sprechen, die der Prophet uns
gelehrt hat, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm.
“Der Durst ist gelöscht, die Adern
sind feucht geworden und die Belohnung ist gesichert, so Gott will.” (Abu
Dawud)
Viele Muslime fügen noch hinzu:.
“Oh Allah, für Dich Allein habe ich
gefastet und an Dich Allein habe ich geglaubt. Mit Deiner Versorgung habe ich
mein Fasten gebrochen und auf Dich habe ich vertraut.”
Muslime nehmen dann eine leichte Mahlzeit
mit unterschiedlichen Appetitanregern und Getränken zu sich. Häufig wird man
eingeladen oder lädt wiederum andere ein, entweder Familienmitglieder, Freunde
oder arme Menschen. In der Mehrzahl der Moscheen wird Essen verteilt, um das
Leid der Armen zu vermindern. In manchen Moscheen wird Iftar abgehalten,
um die Gemeinschaft zu stärken, normalerweise in Ländern in denen die Muslime
eine Minderheit darstellen. Der Prophet Muhammad, Gottes Segen und Frieden sei
auf ihm, ermunterte die Menschen, andere in diesem gesegneten Monat zu speisen,
als er sagte:.
“Wer einem Fastenden Essen gibt, mit
dem er sein Fasten bricht, wird diegleiche Belohnung erhalten (wie der
Fastende) ...” (Al-Tirmidhi)
Besondere Rationen werden zum Beginn von
Ramadhan durch wohltätige Organisationen an bedürftige Haushalte verteilt, um die
Bedürfnisse dieses Monats zu decken.
Die Erleichterung, die man beim
Fastenbrechen fühlt, ist wirklich unbeschreiblich. Niemals sonst erscheint einem
das ärmlichste Mahl so wohlschmeckend oder bereitet dem Gläubigen eine solche
Freude. Der Prophet, Gottes Segen und Frieden sei auf ihm, sprach wirklich die
Wahrheit, als er sagte:
“Der Fastende wird zwei Augenblicke
der Freude erleben: einmal wenn er sein Fasten bricht und ein anderes Mal, wenn
er seinem Herrn begegnet.” (Sahieh Al-Bukhari)
Es gibt keine Zeit für ein großes Essen,
denn der Sonnenuntergang ist die Zeit für ein anderes vorgeschriebenes Gebet.
Die Muslime bereiten sich darauf vor, an dem Gemeinschaftsgebet teilzunehmen,
das meistens zu Fuß zu erreichen ist. Nach dem Gebet essen manche Muslime
Abendessen, während andere das Essen verschieben, bis das Nachtgebet beendet
ist, ein Ereignis, das eines der Hauptmerkmale der Nächte des Ramadhan
darstellt, eine andere spirituelle Dimension dieses gesegneten Monats der Gnade
und Segnungen.
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