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Polygamie ist keine Praxis, die nur auf
die Religion des Islam beschränkt ist; sondern sie ist vielmeher etwas Wohlbekanntes
auch in der Geschichte der Leute der Schrift, der Juden und Christen. Erst in
der letzten Zeit haben ihre religiösen Männer sie missbilligt und für Unrecht
erklärt. Wenn man allerdings die frühe Geschichte der Religionen betrachtet,
findet man heraus, dass es sich zumindest um eine akzeptierte Praxis handelt,
wenn nicht sogar um eine empfohlene.
Polygamie im Judentum
Polygamie existierte unter den Israeliten
lange vor der Zeit Moses, der diese Einrichtung fortsetzte, ohne eine
Begrenzung für die Anzahl der Ehen, die ein Hebräer eingehen durfte, festzulegen.
Die Jüdische Enzyklopädie stellt fest:.
Während es keine Beweise für polyadrische Zustände in der primitiven
jüdischen Gesellschaft gibt, scheint Polygamie eine weitverbreitete Einrichtung
gewesen zu sein – von der frühesten Zeit bis hin zu vergleichsweise modernen
Zeiten.
Eine andere verbreitete Praxis war das
Nehmen von Konkubinen. In späteren Zeiten, dem Talmud von Jerusalem, wurden Einschränkungen in
der Anzahl von Ehefrauen gemacht, die ein Mann ordentlich unterhalten kann. Manche
Rabbiner legten fest, dass ein Mann nicht mehr als vier Ehefrauen nehmen darf.
Polygamie wurde im Judentum schließlich von den Rabbis verboten, nicht von
Gott. Von Rabbi Gershom ben Judah wird geglaubt, dass er die Polygamie im 11.
Jahrhundert für die osteuropäischen Juden (Ashkanazi) für die nächsten tausend
Jahre verbot (endete 1987). Die mediterranen (Sephardischen) Juden behielten
die Polygamie bei. Dementsprechend, nach Will Durant: "Praktizierten die reichen
Juden in islamischen Ländern Polygamie, während sie unter den Juden in
christlichen Ländern selten vorkam."
Gemäß Joseph Ginat, Professor für Gesellschaftliche und
kulturelle Anthropologie an der Universität von Haifa, ist es unter den 180.000
Beduinen Israels eine gewöhnliche und sogar anwachsende Praxis. Auch unter den
mediterranen Juden, die im Jemen leben, kommt es häufig vor, die Rabbis
erlauben den Juden bis zu fünf Frauen zu heiraten.
Im modernen Israel gibt der Rabbi dem Ehemann das Recht, eine
zweite Frau zu heiraten, ohne die erste scheiden zu lassen, wenn sie keine
Kinder mehr bekommen kann oder unter einer geistigen Erkrankung leidet."
Polygamie im Christentum
Jesus, der anderswo die Polygamie übersah,
ist als Beispiel für Heiratsbräuche nicht relevant, da er selbst in seiner
Mission auf der Erde nicht geheiratet hat. Laut Vater Eugene Hillman: "Nirgendwo
im Neuen Testament gibt es einen besonderen Hinweis darauf, dass die Ehe
monogam sein soll oder ist gar ein Verbot der Polygamie zu finden."
Die Kirche in Rom verbannte die Polygamie, um sich der
griechisch-römischen Kultur anzupassen, welche nur eine Ehefrau für rechtens
erklärte, aber Konkubinen und Prostitution erlaubte.
Der römische Eroberer, Valentinian I, erlaubte
den Christen im vierten Jahrhundert zwei Frauen zu nehmen. Im achten
Jahrhundert lebte Karl der Große, der Macht über Kirche und Staat besaß, selbst
polygam: er hatte sechs oder laut mancher Quellen auch neun Frauen.
Gemäß Joseph Ginat, dem Verfasser von Polygame Familien in der
gegenwärtigen Gesellschaft, missbilligte die katholische Kirche diese
Praktiken, erlaubte aber gelegentlich eine zweite Heirat für Politische Führer.
St. Augustine scheint darin keine
wesentliche Unsittlichkeit oder Sündigkeit gesehen zu haben, und erklärte, dass
Polygamie kein Verbrechen darstelle, wo es sich um eine legale Einrichtung in eines
Landes handle. Er schrieb in The Good of Marriage (Kapitel 15, Paragraph 17), dass
Polygamie…
… bei den Urvätern erlaubt war: ob sie jetzt immer noch erlaubt ist,
würde ich nicht so übereilt sagen. Denn heutzutage besteht nicht Derselbe
Bedarf daran, viele Kinder zu bekommen, so wie es damals der Fall gewesen ist,
wo es sogar erlaubt war, weitere Frauen zusätzlich zu heiraten, wenn die Frau
Kinder bekam, damit man eine große Nachkommenschaft erzeugte, was jetzt
sicherlich nicht erlaubt ist.”
Er neigte dazu, die Partiarchen zu
verurteilen, aber er folgerte aus ihren Praktiken nicht die weitergehende
Annehmbarkeit der Polygamie. An anderer Stelle schrieb er: "Zu unserer
Zeit und in Übereinstimmung mit dem römischen Brauch, ist es tatsächlich nicht
länger erlaubt, eine andere Frau zu nehmen, so dass man mehr als eine lebende
Ehefrau hat."
Während der protestantischen Reformation
sagte Martin Luther: "Ich für meinen Teil bestätige, dass wenn ein Mann
wünscht, zwei oder mehr Frauen zu ehelichen, so kann ich es ihm nicht
verbieten, den es widerspricht nicht den Schriften." Er riet Philip von
Hessen an, dass dieser seine zweite Ehe geheim halten solle, um einen
öffentlichen Skandal zu vermeiden.
Einer der größten Dichter der englischen Sprache und der
berühmte englische Puritanier John Milton (1608-1674) schrieb: "Ich habe
nicht gesagt:´die Heirat eines Mannes mit einer Frau´ aus Furcht, damit
stillschweigend die heiligen Patriarchen und die Säulen unseres Glaubens,
Abraham und andere, die mehr als eine Ehefrau besessen haben, mit einer
gewöhnlichen Sünde zu belasten; und aus Furcht, dass ich dazu gezwungen würde,
diese und ihre ganze Nachkommenschaft, ja die gesamten Söhne Israels, von dem
Heiligtum Gottes als illegitim ausschließen zu müssen. Denn im 5.Mose (23:3)
steht: ´Es soll auch kein Mischling in die Gemeinde des Herrn kommen; auch
seine Nachkommenschaft bis ins zehnte Glied soll nicht in die Gemeinde des
Herrn kommen.´” Am 14. Februar 1650 entschied das Parlament in Nürnberg darüber, dass,
weil so viele Männer im Dreißigjährigen Krieg gestorben waren, jedem Mann nun
erlaubt sei, bis zu zehn Frauen zu heiraten.
Afrikanische Kirchen haben Polygamie
längst anerkannt. Sie stellten 1988 in der Lambeth Konferenz fest: "In
der afrikanischen Kommunion wurde längst erkannt, dass die Polygamie in Teilen
Afrikas und die traditionelle Heirat tatsächlich sowohl gottergebene als auch
rechtschaffene Züge aufweisen.”
Mwai Kibaki, der christliche Präsident Kenyas, dessen Sieg von
der presbyterianischen Kirche ´der Hand Gottes´ zugeschrieben wurde, lebt polygam.
Nicht länger unter dem Gesetz der früheren weißen Christen hat
Südafrika nach der Apartheid ebenfalls die Polygamie legalisiert.
In ihrer frühen Geschichte hat die ´Church
of Jesus Christ of Latter-day Saints´ in den Vereinigten Staaten Polygamie
praktiziert. Splittergruppen verließen die Kirche, um damit weiterzumachen,
nachdem diese es verbannt hat. Unter diesen Gruppen in Utah, Nachbarstaaten
und manchen Kolonien besteht die Polygamie weiter fort; wie auch unter manchen
Individuen, die keiner kirchlichen Organisation angehören.
In den Vereinigten Staaten ist die
Polygamie illegal, aber sie existiert inoffiziell und schätzungsweise 30.000
bis 80.000 Menschen leben im Westen polygam. Typischerweise handelt es sich
bei diesen Familien um mormonische Fundamentalisten oder christliche Gruppen,
die die Polygamie als altehrwürdige und biblische Lebensweise aufrechterhalten.
Bevor jemand mit dem Finger auf den Islam
und die Muslime deutet, wenn von Polygamie die Rede ist, ist es erforderlich
genug Wissen von diesem Thema und seiner Vergangenheit zu haben. Man sollte Praktiken,
die sich durch die ganze Geschichte hindurch als angemessen erwiesen haben,
nicht mit unseren eingeschränkten Ansichten der Gegenwart verurteilen. Man
sollte sich lieber bemühen, das Thema gründlich zu erforschen und – noch viel
wichtiger – die Göttliche Leitung ersuchen.
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