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N.K., Ex-Katholik, USA (teil 4 von 5)

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Beschreibung: Ein Katholik, der seinen Glauben zurückweist und sich der Philosophie zuwendet, und dann wegen vieler unbeantworteter Fragen später den Islam annimmt.  Teil 4: Mehr unbeantwortete Fragen in der Philosophie und Lektüre über den Islam.  

  • von N.K.
  • Veröffentlicht am 07 Jun 2010
  • Zuletzt verändert am 07 Jun 2010
  • Gedruckt: 296
  • Gesehen: 7925 (Tagesmittelwerte: 2)
  • Bewertung: 5 von 5
  • Bewertet von: 2
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Diese Betrachtungen im Kopf kehrte ich zu meinem zweiten Studienjahr nach Chicago zurück, wo mir durch die Studien der philosophischen Moralsysteme bewusst wurde, dass Philosophie in der Vergangenheit nicht darin erfolgreich gewesen war, die Moral der Menschen signifikant zu beeinflussen und Ungerechtigkeiten vorzubeugen und mir wurde klar, dass es wenig Hoffnung geben kann, dass es ihr in Zukunft gelingen würde.  Ich fand, dass der Vergleich menschlicher kultureller Systeme und Gesellschaften in deren historischer Abfolge und Vielfältigkeit zahlreiche Intellektuelle zu moralischem Relativismus geführt hatte, da kein moralischer Wert entdeckt werden konnte, der allein transkulturell gültig war, eine Überlegung, die zum Nihilismus führte, die Perspektive, die menschliche Zivilisationen wie Pflanzen betrachtete, die aus der Erde wachsen, aus ihren verschiedenen Samen und Böden keimen, eine Zeitlang überleben und dann dahin sterben. 

Einige feierten dies als eine intellektuelle Befreiung, unter ihnen Emile Durkheim in seinem “Elementary Forms of the Religious Life”, oder Sigmund Freud in seinem “Totem and Taboo”, das die Menschheit diskutierte, als wäre sie ein Patient und die Diagnose stellte, dass ihre religiösen Traditionen eine Form einer kollektiven Neurose seien, von der wir nun hoffen können, sie durch die Anwendung eines gründlichen wissenschaftlichen Atheismus heilen zu können – eine Art der Erlösung durch reine Wissenschaft. 

Zu diesem Thema kaufte ich mir die Jeremy Shapiro Übersetzung von “Knowledge and Human Interests” von Jurgen Habermas, der argumentierte, dass es so etwas wie reine Wissenschaft gar nicht gäbe, auf die man sich verlassen könne, um kühn zu einer beständigen Verbesserung ihrer selbst und der Welt voranzuschreiten.  Er nannte es eine missverstandene Wissenschaftlichkeit, keine Wissenschaft.  Wissenschaft in der realen Welt sei, so sagte er, nicht frei von Werten oder wenigstens von Interessen.  Die Arten der Forschung, die Funde hervorbrachten, beispielsweise, waren eine Funktion dessen, was ihre Gesellschaft für bedeutungsvoll, gewinnbringend oder wichtig hielt.  Habermas war einer der deutschen Akademiker gewesen, die in den Dreißigern und Vierzigern wußten, was in ihrem Land vor sich ging, aber behaupteten, sie seien nur in intellektuellen Produktionen beschäftigt gewesen, dass sie im Reich der Gelehrsamkeit gelebt haben und sich mit nicht damit beschäftigt haben, was der Staat mit ihren Forschungen anfangen würde. Das grausige Fragezeichen wurde den deutschen Intellektuellen angehängt, als die Konzentrationslager der Nazis nach dem Krieg bekannt wurden, dies ließ Habermas tief über die Ideologie der reinen Wissenschaft nachdenken.  Wenn irgendetwas offensichtlich war, dann war es, dass der Optimismus der Denker des neunzehnten Jahrhunderts wie Freud und Durkheim nicht länger haltbar war. 

Ich fing an, das intellektuelle Leben um mich herum neu zu bewerten.  Wie Schopenhauer fühlte ich, dass eine höhere Bildung auch höhere menschliche Wesen hervorbringen müsste.  Aber an der Universität fand ich Laborpersonal, die darüber sprachen, Forschungsdaten zu fälschen, um den Fundus für das kommende Jahr zu sichern; Leuchten, die es nicht gestatteten, dass in ihren Vorträgen Aufnahmen gemacht wurden, aus Angst dass ihre Konkurrenten im selben Gebiet in ihrer Forschung einen Schritt weiter kommen würden und sie bei der Veröffentlichung ausstechen könnten; Professoren, die in der Länge ihrer Lehrkurse wetteiferten.  Die moralischen Qualitäten, an die ich von der einfachen, sündigen Menschheit gewöhnt war, schienen genauso häufig mit verdorbener Weltfremdheit in Berührung zu kommen, wie die Fischersleute.  Wenn man über Fischer lachen könnte, die, nachdem sie bei einem großen Fang mit einem vollbeladenen Boot vor den anderen immer vor und zurücksegeln, anscheinend nach noch mehr Fisch Ausschau haltend, damit die anderen ihren Tiefgang bewundern konnten – was soll man dann über die Ph.D.s sagen, die sich auf dieselbe Weise verhielten, wenn es um ihre Bücher und Artikel ging?  Ich fühlte, dass ihr Wissen nicht ihre Person weiterentwickelt hat, dass das Geheimnis des höheren Menschen nicht in seiner Weltklugkeit zu finden ist. 

Ich fragte mich, warum ich den Weg der Philosophie nicht so weit verfolgt hatte, wie man gehen könnte.  Obwohl ich meines Christseins beraubt war und einige unverfälschte Einblicke liefern konnte, hatte es die großen Fragen noch nicht beantworten können.  Außerdem fühlte ich, dass dies irgendwie zusammenhing, ich wußte nicht, ob es Ursache oder Wirkung war, dass unsere intellektuelle Tradition nicht länger sich selbst zu verstehen schien.  Was sind wir – ob Philosophen, Fischer, Müllmänner oder Könige – anderes als Darsteller in einem Theaterstück, das wir nicht verstehen, die gewissenhaft ihre Rollen spielen, bis unsere Vertretung geschickt wird und wir unsere letzte Vorstellung gegeben haben?  Aber kann jemand rechtmäßig auf mehr als dies hoffen?  Ich las “Kojves Introduction to the Reading of Hegel” (Kojves Einleitung zu den Lesungen Hegels), in dem er erklärte, dass Philosophie für Hegel nicht in dem System gipfelte, sondern eher in dem weisen Menschen, jemandem, der fähig ist, alle möglichen Fragen durch die ethische Folgerung der menschlichen Handlungen zu beantworten.  Dies ließ mich unsere eigene peinliche Lage im zwanzigsten Jahrhundert bedenken, die keine einzige Antwort auf eine einzige ethische Frage liefern konnte. 

Es war so, als wenn diese unvergleichliche Herrschaft konkreter Dinge dieses Jahrhunderts irgendwie beendet war und uns zu Gegenständen machte.  Ich verglich dies mit Hegels Konzept des Konkreten in “Phenomenology of Mind”(Phänomenologie des Verstandes).  Ein Beispiel des Abstrakten war, mit seinen Worten, die begrenzte physikalische Realität des Buches, das man gerade in den Händen hielt, während das Konkrete seine Verknüpfung mit den größeren Realitäten, die es voraussetzte, die Art und Weise der Herstellung, welche die Tinte und das Papier darin festlegte, der ästhetische Standard, der seine Farbe und Aufmachung vorschrieb, die Marketing- und Verbreitungssysteme, die es an den Leser brachten, die historischen Umstände, die dem Leser die Fähigkeit zum Lesen und den Geschmack daran brachten; die kulturellen Ereignisse, die seinen Stil und Gebrauch vermittelte; kurz gesagt, der größere Rahmen, in dem es verfasst wurde und sein Dasein hat.  Für Hegel führte die Bewegung der philosophischen Forschung immer vom Abstrakten zum Konkreten, zum Realeren.  Er war deshalb in der Lage, zu sagen, dass Philosophie notwendigerweise zur Theologie führte, deren Gegenstand das ultimative Reale ist: die Gottheit.  Dies schien mir einen nicht zurückführbaren Mangel unseres Jahrhunderts zu betonen.  Ich begann, mich zu fragen, ob wir uns nicht irgendwie selbst von unserer weiten Menschlichkeit abstrahiert haben – von unserer wahren Natur zu einer höheren Realität - , indem wir unsere Kultur und unsere Vergangenheit materialisierten.    

An diesem Punkt las ich eine Menge Werke über den Islam, darunter die Bücher von Seyyed Hossein Nasr, der glaubte, dass zahlreiche Probleme des westlichen Mannes, insbesondere die der Umwelt, daher kämen, dass er die göttliche Weisheit der offenbarten Religion verlassen habe, die ihm seinen wahren Platz als Geschöpf Gottes in der natürlichen Welt lehrt und auch sie zu verstehen und zu respektieren.  Ohne sie verbrannte und verbrauchte er die Natur mit immer effektiveren Mitteln im Stil einer kommerziellen Ausbeutung, die seine Welt in den Ruin führte, während er selbst zunehmend leerer darin zurückblieb, denn er weiß nicht, warum er existiert oder welches Ende er anstreben sollte.  

Ich überlegte, dass dies wahr sein könnte, soweit es ging, aber es bettelte nach der Frage was die Wahrheit der offenbarten Religion angeht.  Alles auf der Erdoberfläche, sämtliche Sitten und religiösen Systeme waren auf derselben Ebene, es sei denn, man gewann an Sicherheit, dass eines von ihnen von einer höheren Quelle stammt – die einzige Garantie für Objektivität, die ganze Kraft des moralischen Gesetzes.  Andererseits war die Meinung eines Mannes ebenso gut wie die eines anderen, und wir verharrten in einem undifferenzierten Meer streitender Interessen einzelner, in dem den Starken, die die Schwachen fraßen und kein gültiger Einwand erhoben werden konnte.   

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