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Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 1 von 7): Eine Einleitung

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Beschreibung: Eine islamische Sicht von der Rolle der Zinsen in der heutigen Gesellschaft, mit einer historischen und gegenwärtigen Studie.  Teil 1: Warum Muslime am Verbot der Zinsen festhalten, obwohl christliche und jüdische Säkularisten zu deren Legalisierung aufrufen. 

  • von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2010 IslamReligion.com)
  • Veröffentlicht am 15 Nov 2010
  • Zuletzt verändert am 15 Nov 2010
  • Gedruckt: 459
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Einleitung

Zins wird im Oxford English Dictionary definiert als: “Geld, das für die Benutzung entliehenen Geldes bezahlt wird (Hauptbedeutung), oder für das Aufschieben einer Schuld, gemäß eines festgelegten Anteils.”[1]

In der Tat kennt der Einzelne und vermutlich die ganze Welt die Last der Zinsen nur zu gut, so dass keiner wirklich die oben zitierte Definition benötigt.  Zinsen sind etwas, das jedem bekannt ist, der in einem kapitalistischen Land lebt.  Sie sind in den modernen Ökonomien so institutionalisiert und akzeptiert worden, dass es fast unmöglich ist, sich vorzustellen, dass manche sie völlig ablehnen und jegliche Transaktionen, die Zinsen beinhalten, vermeiden.  Aber es gibt ergebene Muslime, die mit Zinsen nichts zu tun haben wollen. 

Der tatsächliche Grund, warum solche Muslime mit Zinsen nichts zu tun haben wollen, ist, dass Zinsen in der islamischen Religion verboten sind, wie wir in kürze genauer betrachten werden.  Zur gleichen Zeit glauben Muslime auch, dass Gottes Rechtleitung auf Seinem Wissen, Seiner Weisheit und Seiner Gerechtigkeit basiert.  Mit anderen Worten, Gott verbietet den Menschen nichts ohne irgendeinen Grund.  Daher gibt es zweifellos gute Gründe dafür – manche davon können wir deutllich erkennen – warum Gott diese Praktik verboten hat. 

In der heutigen Welt werden Muslime ständig mit Argumenten bombardiert, die den Handel mit Zinsen unterstützen.  Viele Muslime haben derartigem Druck und vermeintlich vernünftigen Argumenten nachgegeben, was dazu führte, dass sie das Konzept der Zinsen akzeptierten. 

Daher soll dieser kurze Artikel den islamischen Standpunkt bezüglich der Zinsen auf der Grundlage der Haupttexte des Glaubens diskutieren und auch eine vernünftige Diskussion über Zinsen anregen, um festzustellen, ob die Argumente die zugunsten der Zinsen vorgebracht werden, wahrhaftig gültig sind. 

Gottes Rechtleitung für die Menschheit 

Der Islam lehrt, dass Gott der Menschheit gnädig Rechtleitung in allen Aspekten des Lebens gegeben hat.  Diese Rechtleitung umfasst nicht nur gottesdienstliche Handlungen sondern alles von der Ethik in Ökonomie und Geschäftsleben bis hin zu ehelichen Beziehungen, internationalen Verbindungen, Sittenkodex für die Kriegsführung usw.  Es ist einer der unterscheidenden Züge der heutigen Muslime, dass sie noch immer an derartige Rechtleitung von Gott glauben, während so viele der Menschen ihre religiösen Lehren abgelegt oder verkauft haben, wenn es um „sekuläre“ Dinge geht. 

Es gibt zahlreiche Gründe, warum viele Muslime nicht denselben Weg verfolgen, den beispielsweise viele Juden und Christen eingeschlagen haben.  Einer der größten Gründe ist, dass Muslime davon überzeugt sein können, dass die Offenbarung, die die Grundlage der islamischen Religion bildet, seit der Zeit ihrer Offenbarung nicht verfälscht oder verdreht wurde.  Mit anderen Worten, es hat keinerlei menschliche Einflussnahme oder Veränderung an der Offenbarung gegeben.  Aus diesem Grund besteht kein Bedarf daran, jetzt daherzukommen und die Fehler der früheren Menschen zu beheben, wie sekuläre Juden und Christen argumentieren würden.  Tatsächlich wäre das einzige Ergebnis für Muslime, dass die Menschen die Offenbarung Gottes beschädigen, die von Gott gekommen ist. 

Zweitens glauben viele Muslime, dass ihnen nicht viele starke oder überzeugende Beweise gezeigt worden wären, dass ihre Religion irgendwie mit der Realität nicht mehr in Verbindung stehe oder in modernen Zeiten nicht mehr durchführbar wäre.  Im Islam beispielsweise hat es nie einen Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft gegeben, der zum Zusammenbruch des Vertrauens in die Kirche geführt hatte und zur eigentlichen Revolte gegen die Autorität der Religion, wie sie der Westen erfahren hat.[2]  Viele Menschen, auch manche Muslime, haben sich für zahlreiche Veränderungen im Islam ausgesprochen, aber in Wirklichkeit sind die Argumente, die sie vorbringen - milde ausgedrückt - fehlerhaft und fadenscheinig.  Der Fall der Zinsen, das Thema dieses Artikels, kann hierfür als vortreffliches Beispiel dienen.  

Interessanterweise, hat die Erfahrung des Verfassers gezeigt, dass viele Nicht-Muslime, obwohl der Islam in letzter Zeit ziemlich oft in den Medien aufgetaucht ist, nichts über seinen Standpunkt zu Zinsen wissen.  Daher wirft dieser Artikel Licht auf dieses interessante Thema, das kein totes, “mittelalterliches” Thema ist, sondern eines mit außerordentlicher Relevanz in unserer heutigen Welt. 



Footnotes:

[1] Oxford English Dictionary Software (Oxford, England: Oxford University Press, 2002), entry, “interest.”

[2] Ein klassisches Werk über die Geschichte der christlichen / europäischen Erfahrungen  im Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft ist John William Drapers History of the Conflict between Religion and Science (Geschichte des Konflikts zwischen Religion und Wissenschaft) (Order of Thelemic Knights, 2005). Der Titel sollte eigentlich korrigiert werden, denn es handelt sich um die Geschichte des Konflikts zwischen Wissenschaft und Christentum in Europa.  In seinem Werk  A History of the Intellectual Development of Europe (Eine Geschichte der intellektuellen Entwicklung Europas) (Honolulu, Hawaii: University Press of the Pacific, 2002), teilt derselbe John William Draper die Geschichte Europas in die Zeitalter des Glaubens, gefolgt vom Zeitalter der Vernunft, indem er noch einmal den Konflikt, der insbesondere im Christentum existiert (aber auch im Judentum): „Vernunft“ und „Wissenschaft“ contra „Glauben“.   Aber der Islam hat nie derartige Erfahrungen durchgemacht.  Die Übereinstimmung des Islam mit der modernen Wissenschaft ist eine Tatsache, die viele Konvertierte zum Islam getrieben hat.  Zum Beispiel studierte der nicht-muslimische Professor Tejatat Tejasen von der Chiang Mai University in Thailand die Beziehung zwischen Islam  und moderner Wissenschaft und stellte schließlich fest::  .

“In den letzten drei Jahren interessierte ich mich für den Qur´an...  Anhand meiner Studien….glaube ich, dass alles, was im Qur´an vor vierzehn Jahrhunderten berichtet wurde, die Wahrheit sein muss, die mit wissenschaftlichen Mitteln bewiesen werden kann.  Da der Prophet Muhammad weder lesen noch schreiben konnte, muss Muhammad ein Gesandter gewesen sein, der diese Wahrheit dargebracht hat, die ihm in einer Erleuchtung von einem, der als [Der] Schöpfer fähig ist, offenbart worden war.  Deshalb denke ich, ist es jetzt an der Zeit, zu sagen...[an dieser Stelle sprach Prof. Tejasen  das islamische Glaubensbekenntnis aus].” [Zitiert von  I. A. Ibrahim, A Brief Illustrated Guide to Understanding Islam (Ein kurzer illustrierter Wegweiser, um den Islam zu verstehen)  (Houston: Darussalam, 1997), S. 31.

Das Buch im Ganzen finden sie unter www.islam-guide.com/de . Ibrahim berichtet und fasst die Schlussfolgerungen vieler zeitgenössischer Wissenschaftler zusammen.]

 

 

Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 2 von 7): Der Islamische Standpunkt

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Beschreibung: Eine islamische Sicht von der Rolle der Zinsen in der heutigen Gesellschaft, mit einer historischen und gegenwärtigen Studie.  Teil 2: Ein kurzer Einblick in einige Texte aus Qur´an  und Sunna, die ernsthaft davor warnen, Zinsen zu nehmen. 

  • von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2010 IslamReligion.com)
  • Veröffentlicht am 22 Nov 2010
  • Zuletzt verändert am 22 Nov 2010
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Die islamischen Texte über Zinsen 

Wenn man die islamischen Texte über Zinsen liest, fällt einem gleich auf, wie bindend die Warnungen gegen jegliche Verwicklung in Zinsen sind.  Der Islam verbietet zahlreiche unsittliche Taten wie Unzucht, Ehebruch, Homosexualität, Alkoholkonsum und Mord.  Aber die Vielfalt der Diskussion und das Ausmaß der Warnungen erreicht nicht das gleiche Level wie bei denen über Zinsen.  Dies hat Sayyid Qutb zu der Aussage geführt:  “Kein anderes Thema wurde derart heftig verdammt und kritisiert wie der Qur´an es mit Wucher gemacht hat.”[1]

Der Qur´an enthält beispielsweise folgende Verse über Zinsen[2]:  

“O ihr, die ihr glaubt, verschlingt nicht die Zinsen in mehrfacher Verdoppelung, sondern fürchtet Gott; vielleicht werdet ihr erfolgreich sein.  Und fürchtet das Feuer, das für die Ungläubigen vorbereitet ist.” (Quran 3:130-131)

Dies ist eine ziemlich gewaltige Warnung für die Gläubigen, sie warnt vor den fatalen Konsequenzen: in das Höllenfeuer geworfen zu werden, das für die Ungläubigen vorbereitet worden ist. 

Gott sagt auch:   

“Diejenigen, die Zinsen verschlingen, sollen nicht anders dastehen als wie einer, der vom Satan erfaßt und zum Wahnsinn getrieben wird.  Dies (soll so sein,) weil sie sagen: „Handel ist dasselbe wie Zinsnehmen.“  Doch Gott hat den Handel erlaubt und das Zinsnehmen verboten.  Und wenn zu jemandem die Ermahnung von seinem Herrn kommt und er dann aufhört – dem soll verbleiben, was bereits geschehen ist.  Und seine Sache ist bei Gott.  Wer es aber von neuem tut – die werden Bewohner des Feuers sein, darin werden sie ewig bleiben.  Gott wird den Zins dahinschwinden lassen und die Mildtätigkeit vermehren.  Und Gott liebt keinen, der ein hartnäckiger Ungläubiger und Übeltäter ist.  Wahrlich, denjenigen, die gläubig sind und gute Werke tun und das Gebet verrichten und die Zakah entrichten, ist ihr Lohn von ihrem Herrn (gewiß) und sie brauchen keine Angst haben noch werden sie traurig sein.” (Quran 2:275-276)

Diese Verse enthalten viele interessante Punkte.  Beim Kommentar vom ersten Teil des Verses, schrieb Maududi: 

Gerade wie eine geisteskranke Person, ohne die Zügel irgendwelcher Vernunft, unsittliche Taten aller Art begeht, so tut dies auch derjenige, der Zinsen nimmt.  Er ist hinter dem Geld her, als wäre er geisteskrank.  Er ist der Tatsache gegenüber sorglos, dass Zinsen die tatsächlichen Wurzeln der menschlichen Liebe, Brüderlichkeit und Nächstenliebe schneidet und das Wohlergehen und die Freude der menschlichen Gesellschaft untergräbt, und dass seine Bereicherung auf Kosten des Wohlergehens vieler anderer Menschen geht.  Dies ist der Zustand seiner „Geisteskrankheit“ in dieser Welt: da jemand im Jenseits in dem Zustand wieder erweckt wird, in dem er in dieser Welt verstorben war, wird er als Wahnsinniger wieder erweckt.[3]

Zweitens macht der Vers ganz deutlich, dass es einen Unterschied zwischen erlaubten geschäftlichen Transaktionen und Zinsen gibt.  Der Unterschied dazwischen ist so auffallend, dass der Vers sich nicht die Mühe macht, ihn näher zu erklären, was ein stilistisches Mittel des Qur´an ist.  Drittens sagen diese Verse klar und deutlich aus, dass Gott den Zins dahinschwinden lassen und die Mildtätigkeit vermehren“ wird.  Dies ist eines der Gesetze Gottes, das die Menschheit nicht ohne weiteres selbst entdecken kann.  Die ultimativen und vollen negativen Auswirkungen der Zinsen auf den Einzelnen, die Gesellschaft und die gesamte Welt in diesem Leben und im Jenseits sind nur Gott bekannt.  Allerdings werden wir später einige dieser negativen Effekte, die die Wahrheit dieser Verse bezeugen, nennen.  Tatsächlich betont die Aussage des Propheten (Gottes Segen und Frieden seien auf ihm) ebenfalls: “ Zinsen – auch wenn es eine große Menge ist, werden später eine kleine Menge ergeben.“[4]  Zweifellos wird, wenn der Einzelne Gott im Jenseits trifft, alles, was mit solchen unerlaubten Mitteln angehäuft hat, zu einer Quelle seiner eigenen Zerstörung werden. 

Kurz nach dem oben zitierten Vers sagt Gott weiter:  

“O ihr, die ihr glaubt, fürchtet Gott und verzichtet auf das, was noch übrig ist an Zinsen, wenn ihr Gläubige seid.  Und wenn ihr dies nicht tut, dann ist euch Krieg angesagt, von Gott und Seinem Gesandten.  Doch wenn ihr bereut, dann soll euch euer Kapital zustehen, so dass weder ihr Unrecht tut, noch euch Unrecht zugefügt wird.” (Quran 2:278-279)

Welcher Vernünftige würde sich selbst einer Kriegserklärung durch Gott und Seinen Gesandten aussetzen?  Ohne Zweifel gibt es keine stärkere Drohung.  Am Ende des Verses macht Gott sehr deutlich, warum Zinsen verboten sind: sie sind ein Unrecht.  Das arabische Wort dafür ist Dhulm, was bedeutet, dass jemand einem anderen oder seiner Seele Unrecht getan, ihm geschadet oder ihn unterdrückt hat.  Dieser Vers zeigt, dass Zinsen nicht einfach so verboten sind, wegen irgendwelcher Regelungen Gottes ohne vernünftigen Grund dahinter.  Zinsen schaden definitiv und deshalb sind sie verboten worden. 

Außerdem machte auch der Prophet Muhammad (Gottes Segen und Frieden seien auf ihm) Aussagen über Zinsen.  Beispielsweise die folgende, die deutlich die Schwere dieser Sache zeigt.

“Meidet die sieben zerstörerischen Sünden: Gott Partner beigesellen, Zauberei, eine Seele töten, die Gott (zu töten) verboten hat, außer es entspricht dem Gesetz, Zinsen verzehren, den Besitz der Waisen verzehren, fliehen, wenn die Heere auf einander treffen und keusche, gläubige, unschuldige Frauen verleumden.” (al-Bukhari und Muslim)

Eine andere Aussage des Propheten (Gottes Segen und Frieden seien auf ihm) sollte genügen, um jeden Gottes-fürchtigen Menschen gänzlich von Zinsen fernzuhalten.  Der Prophet (Gottes Segen und Frieden seien auf ihm) sagte:

“Eine Münze von Zinsen, die bewußt von einer Person ausgegeben wird, ist in der Sicht Gottes schlimmer als 36 mal unerlaubten Geschlechtsverkehr zu haben.” (al-Tabarani und al-Hakim)

Der Gefährte Jaabir berichtete, dass der Gesandte Gottes (Gottes Segen und Frieden seien auf ihm) denjenigen verfluchte, der Zinsen nimmt, denjenigen, der sie gibt, denjenigen, der darüber Zeuge ist [d.h. über den Vertrag] und den, der darüber berichtet.  Dann sagte er: „Sie sind alle gleich.“ (Muslim)

Dies ist ein Grundprinzip des Islam.  Wenn etwas verboten oder falsch ist, sollte ein Muslim nicht daran teilnehmen oder es auf irgendeine Art und Weise unterstützen.  Da Zinsen verboten sind, ist es auch verboten, derartige Verträge zu bezeugen, darüber zu berichten und so weiter.  Die Worte des Propheten erklären ebenfalls, dass kein Unterschied besteht zwischen demjenigen, der Zinsen bezahlt, und demjenigen, der sie erhält.  Dies ist so, weil sie beide an dieser verachtenswerten Tat beteiligt sind und daher sind beide gleich schuldig. 

Der Prophet Muhammad (Gottes Segen und Frieden seien auf ihm) sagte auch:  

“Wenn unerlaubte sexuelle Beziehungen und Zinsen in einer Stadt öffentlich auftauchen, haben sie sich der Strafe Gottes selbst geöffnet.” (al-Tabarani und al-Hakim)

Diese Feststellung bezieht sich auf eines von Gottes “Sozialgesetze”.  Die Strafe Gottes kann in verschiedenen Formen kommen – in dieser Welt oder in der nächsten.



Footnotes:

[1] Sayyid Qutb, In the Shade of the Quran (Markfield, Leicester, England: The Islamic Foundation, 1999), Bd. 1, S. 355.

[2] Das arabische Wort, das in diesen Qur´anversen verwendet wird, ist ribaa. Ribaa kann definiert werden als “ein Zuschlag und ein Zusatz über die eigentliche Summe hinaus [die entliehen oder ausgegeben wurde].” Cf., E. W. Lane, Arabic-English Lexicon (Cambridge, England: The Islamic Texts Society, 1984), vol. 1, 1023. Unglücklicherweise verwenden einige englische Übersetzer des Qur´an (einschließlich Abdullah Yusuf Ali, Khan und al-Hilali, und Pickthall) für die Übersetzung des Wortes ribaa als “Wucher.” Dies hat zu einiger Verwirrung geführt, sogar unter westlichen Muslimen.  The Oxford English Dictionary definiert Wucher als: “Die Tatsache oder Praktik Geld mit Zinsen auszuleihen; besonders bei späterer Verwendung, beim Sparen, nehmen, vertraglich vereinbaren, übertriebener oder ungesetzlich hoher Raten auf entliehenes Geld.” Mit anderen Worten war das Wort “Wucher” einmal dem Akt, Geld mit Zinsen auszuleihen, gleich, früher als dies noch immer verschmäht gewesen war. Nachdem Zinsen völlig legalisiert worden waren, fing das Wort Wucher an, die Bedeutung “leihen mit übertriebenen oder ungesetzlichen Raten” zu bekommen.  Der arabische Begriff ribaa, muss heutzutage als “Zinsen” übersetzt werden, denn es beinhaltet absolut alle Zahlungen, die zusätzlich zum Ausgangsbetrag gemacht werden.  

[3] Sayyid Abu Ala Mawdudi, Towards Understanding the Quran (Leicester, United Kingdom: The Islamic Foundation, 1988), Bd. 1, S. 213.

[4] Berichtet von al-Hakim. Siehe al-Albani, Sahih al-Jami al-Sagheer, Bd. 1, S. 664, Hadith Nr. 3543. Zinsen ist alles an Anhäufen von mehr Geld, auch ohne es mit Risiko einzusetzen.  Dies bringt auf lange Sicht keine Freude: “General Social Survey (GSS) Studies berichtete in Business Week (6.Oktober 2000) und schlußfolgerte, dass Geld keine Freude erkaufen kann und der neue Lebensstil und seine Nachwirkungen das Vermehren des Unglücks verursachten.  Jener Studie zufolge wurden die Amerikaner, obwohl das Einkommen zwischen 1970 und 1998 pro Kopf anstieg, im Gegensatz dazu immer unglücklicher.  Die neuen gesellschaftlichen Tendenzen überschatteten alle materiellen Gewinne.  Die Studie fand heraus, dass Extraeinkommen zwar Freude bereitet, aber der Einfluß war überraschend ärmlich.  Sie fand ebenfalls, dass Faktoren wie Geschlecht und materieller Status schwerer zählen.  Ein anderer Fund war, dass Frauen unglücklicher wurden als Männer.  Die Zunahme an Scheidungen und Trennungen von Eheleuten hat einen negative Einfluß auf die Familienstruktur und die Psychologie ihrer Mitglieder.  Business Week zog daraus den Schluß: ‘Letztendlich meinen wir, dass diejenigen, die denken, Einkommen alleine garantiere mehr Freude, sich selbst täuschen.  Und es zeigt, dass manche offensichtliche Aspekte der Neuen Ökonomie, wie mehr Arbeitlosigkeit und größere Einkommensdifferenzen signifikante psychologische Kosten mit sich bringen.’” Abdulhay Y. Zalloum, Painting Islam as the New Enemy: Globalization & Capitalism in Crisis (Technology One Group S.A. 2002), S. 357.

 

 

Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 3 von 7): Religion und frühe Denker

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Beschreibung: Zinsen und Wucher in der Bibel (Judentum und Christentum) und gemäß der frühen Denker. 

  • von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2010 IslamReligion.com)
  • Veröffentlicht am 29 Nov 2010
  • Zuletzt verändert am 29 Nov 2010
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Der Islam ist natürlich nicht die einzige Religion, die Zinsen verbannt hat und sie für eine verachtenswerte Sache halt.  Das Verbot von Zinsen – wenigstens in einem gewissen Ausmaß – ist ein bekanntes Gesetz sowohl im Alten als auch im Neuen Testament der Bibel.  An vielen Stellen des Alten Testaments wird sich auf “Wucher” oder “Zins” bezogen.  (Wieder werden die Begriffe Wucher und Zinsen gleichmaßen verwendet und erst mit der Zeit bekam Wucher die Bedeutung eines übertriebenen oder ungesetzlichen Betrags von Zinsen.  Daher hat die American Standard Version der Bibel wiederholt in der King James Version Wucher zu Zinsen geändert.)

Im 5. Buch Mose 23:19-20 lesen wir:

“Du sollst von deinem Bruder nicht Zinsen nehmen, weder für Geld noch für Speise noch für alles, wofür man Zinsen nehmen kann.  Von dem Ausländer darfst du Zinsen nehmen, aber nicht von deinem Bruder, auf dass dich der Herr, dein Gott, segne in allem, was du unternimmst im Lande, dahin du kommst, es einzunehmen.”

Ähnlich heißt es im 2. Buch Moses 22:25:

“Wenn du Geld verleihst an einen aus meinem Volk, an einen Armen neben dir, so sollst du an ihm nicht wie ein Wucherer handeln; du sollst keinerlei Zinsen von ihm nehmen.”

Im 3.Buch Moses 25:37 liest man:   

“Denn du sollst ihm dein Geld nicht auf Zinsen leihen noch Speise geben gegen Aufschlag.”

In Jeremia 15:10 beklagt sich der Prophet darüber, dass er verflucht wurde, obwohl er nie so etwas getan habe, wie Zinsen nehmen, was bedeutet, dass eine derartige Verfluchung für ihn angemessen wäre, wenn er jemand gewesen wäre, der Zinsen nahm.  Vielleicht ist einer schärfsten Verse des Alten Testaments bezüglich Zinsen in Hezekiel 18:13:

“.. der Zinsen gibt und einen Aufschlag nimmt – sollte der am Leben bleiben?  Er soll nicht Leben, sondern, weil er alle diese Greuel getan hat, soll er des Todes sterben; seine Blutschuld komme über ihn.”

Es gibt noch andere Verse des Alten Testaments, die auf das Verbot von Zinsen hinweisen, aber was oben zitiert wurde, sollte genügen.[1]  Easton’s Bible Dictionary hat das Mosaische Gesetz zu Zinsen in folgender Passage zusammengefasst. 

Das Mosaische Gesetz besagte, wenn ein Israelit etwas leihen wollte, um das er bat, musste es ihm frei geliehen werden, und kein Zins durfte darauf veranschlagt werden, obgleich er von Ausländern genommen werden durfte.  (2.Buch Moses 22:25; 5.Buch Moses 23:19,20; 3.Buch Moses 25:35-38). Nach Beendigung von sieben Jahren wurden sämtliche Schulden erlassen.  Von einem Ausländer allerdings konnte die Leihe gefordert werden.  Später im hebräischen Reich als der Handel mehr geworden war, kam die Vorgehensweise auf, Wucher oder Zinsen auf Anleihen zu fordern, und von einer Sicherheit im kommerziellen Sinn.  Aber das Fordern von einem Hebräer wurde als verachtenswert angesehen.  (Psalter 15:5; Sprüche  6:1,4; 11:15; 17:18; 20:16; 27:13; Jeremia 15:10).

Unglücklicherweise, wie so häufig mit praktischen Angelegenheiten, ist das Neue Testament mit dem Thema der Zinsen etwas vage.  Gemäß der The Encyclopedia of Religion and Ethics, “gibt es keine direkten Vorschriften [bezüglich Zinsen], um das christliche Bewusstsein zu leiten.”[2]  Allerdings gibt es in den Lehren, die Jesus im Neuen Testament zugesprochen werden, einige Passagen, die ganz eindeutig gegen die Vorgehensweise der Zinsen zu sein scheinen. In einer Passage wird berichtet, dass Jesus gesagt habe: 

“Vielmehr liebet eure Feinde, tut wohl und leihet, wo ihr nichts dafür hoffet, so wird euer Lohn groß sein und ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein, denn er ist gütig über die Undankbaren und Bösen.” (Lukas 6:35).

In dieser Passage wurden die Christen angewiesen, Geld zu verleihen, ohne irgendeinen Lohn oder Gewinn daran zu haben.  Dies könnte für eine der „harten Aussagen“ gehalten werden, denn es ist wohlbekannt, dass christliche Gelehrte unterschiedliche Meinungen darüber vertreten, wie solche Passagen zu interpretieren und anzuwenden sind.[3]

In Matthäus 25:14-28 gibt es eine längere Parabel, in der Gott verschiedenen Dienern unterschiedliche Mengen an Münzen (Talente oder Zentner genannt) gibt.  Einige von ihnen investierten das Geld und brachten Gott mehr zurück, als Er ihnen gegeben hatte.  Derjenige aber, dem Gott nur eine solche Münze gegeben hatte, wird in Vers 18 beschrieben: 

“Der aber den einen empfangen hatte, ging hin und machte eine Grube in die Erde und verbarg seines Herrn Geld.”

Als Gott seine Diener zu Sich rief und fragte, was sie mit dem Geld angefangen hatten, sagte der, der nur eine Münze erhalten hatte zu Gott:

“Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wußte, dass Du ein harter Mann bist: Du schneidest, wo Du nicht gesät hast, und sammelst, wo Du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich und ging hin und verbarg deinen Zentner in die Erde.  Siehe, da hast du das Deine.” (Matthäus 25:24-25).

Da antwortete der Herr ihm streng:   

“Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht!  Wußtest du, dass ich schneide, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe, so solltest du mein Geld zu den Wechslern getan haben, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine zu mir genommen mit Zinsen.  Darum nehmet von ihm den Zentner und gebet ihn dem, der die zehn Zentner hat.” (Matthäus 25:26-28).

Im Kommentar dieses Verses stellt die Geneva Study Bible fest:

Banker, die ihre Läden oder Tische draußen aufstellen, wo sie Geld gegen Zinsen verleihen.  Wucher oder Geld gegen Zinsen verleihen, ist in der Bibel streng verboten (2.Buch Moses 22:25-27; 5.Buch Moses 23:19,20). Selbst eine geringe Rate wie ein Prozent Zinsen war nicht gestattet (Nehemia 5:11). Dieser Diener hat bereits zwei Lügen erdichtet.  Zuerst sagte er, sein Herr sei ein harter, strenger Mann.  Dies ist eine Lüge, denn der Herr ist gnädig und barmherzig.  Dann nannte er seinen Herrn einen Dieb, denn er raube, was er nicht säe.  Schließlich sagte der Herr sarkastisch zu ihm, warum hast du nicht Beleidigung zu den Übertretungen noch hinzugefügt und das Geld gegen Zinsen verliehen, damit du deinen Herrn einen “Wucherer” auch noch nennen kannst!  Wenn der Diener dies getan hätte, wäre sein Herr für die Taten seines Dieners verantwortlich und des Wuchers schuldig. 

Auf der Grundlage des Alten und Neuen Testaments verbot die frühe Kirche Zinsen.  Schließlich war allen Christen die Beteiligung an Zinsen untersagt, nicht nur dem Klerus.  Kirchenväter wie St. Thomas Aquinas[4], behandelten das Thema der Zinsen detaillierter.  “In dem Erlaß von Gratian, wie nachfolgend bei dem Third Lateran Council (1179), legte ein Kanon fest, dass ´augenscheinliche Wucherer weder zur Kommunion zugelassen werden sollen, noch wenn sie auf dieser Sünde sterben, die christliche Beisetzung erhalten dürfen.´”[5] Das Fourth Lateran Council von 1215 verdammte die Praktik, gestattete sie aber den Juden.  Die Christen blieben bis zum 19ten Jahrhundert fest gegen Zinsen.  Martin Luther, der protestantische Führer, verdammte im 16ten Jahrhundert ebenfalls Wucherei, aber es wird behauptet, dass er sie unter dem Vorwand der menschlichen Schwäche gestattet habe.[6] Mit Calvin begann mehr als mit irgendeinem anderen eine weichere Sicht bezüglich der Zinsen unter christlichen Führern.  Langsam befreite sich die zivile Gesetzgebung von dem kanonischen Gesetz und Zinsen fingen an, sich mit der Zeit durchzusetzen. 

Es waren nicht nur diejenigen mit jüdisch-christlicher Denkweise, die Zinsen verdammten.  In der Tat hatten auch die griechischen Philosophen hatten sehr negative Ansichten von Zinsen.  Aristoteles und andere führende griechische Gelehrte verdammten Zinsen.  Der berühmte österreichische Ökonom  Eugen von Böhm von Bawerk (auch bekannt als Boehm-Bawerk) schrieb in seinem wichtigen Werk Capital and Interest:

Die feindlichen Ausdrücke der antiken Welt, nicht wenige an der Zahl, bestehen aus einer Menge legislativer Akte, die das Nehmen von Zinsen verbieten und aus teilweise unabsichtlichen Aussagen von Philosophen wie Plato, Aristoteles, die beiden Catos, Cicero, Seneca und Pantus etc.  Die griechischen Philosophen betrachteten Geld als nichts weiter als ein Tauschmittel und daher lehnten sie die Produktivität von Geldleihen ab.  Ein Geldstück kann kein anderes Geldstück befruchten, war die Doktrin des Aristoteles.  Die offensichtliche Schlussfolgerung war, dass Zinsen ungerecht sind.[7]

Anfänglich verbot das Römische Reich ebenfalls das Nehmen von Zinsen.  Mit dem Aufkommen der Handelsklassen lies dies ein wenig nach, jedoch gab es noch strenge Einschränkungen für das Leihen mit Zinsen ebenso wie Gesetze zum Schutz des Schuldners.  

Shakespeares Figur Shylock in The Merchant of Venice (der Kaufmann von Venedig) (kurz vor 1600 geschrieben) demonstriert, wie die Geldverleiher, die mit Zinsen handelten, verachtet wurden.  Die Frage, die nun auftaucht, ist, wie es dazu kam, dass Zinsen, die verachtet und verboten waren, zu einer gesellschaftlich anerkannten und institutionalisierten Praktik im Westen wurden. 

 



Footnotes:

[1] Cf., Psalter 15:1-5; Hesekiel 18:5-9 und Sprüche 28:8. Das Alte Testament bestätigt auch, dass es den Juden untersagt war, Zinsen zu nehmen, sie machten sich oft schuldig, dass sie dies taten. Siehe Nehemia 5:6-7 und Hesekiel 22:12.

[2] Zitiert von Abdelmoneim El-Gousi, “Riba, Islamic Law and Interest” (Ph.D. Dissertation, Temple University, 1982), S. 113.

[3] Repräsentieren derartige Fragen einen perfektionistischen Kodex, ein unmögliches Ideal, einen “interim ethic” oder etwas anderes? Christliche Gelehrte waren nicht in der Lage gewesen, der Antwort auf diese Frage zuzustimmen.  Cf., Lisa Sowle Cahill, Love Your Enemies: Discipleship, Pacifism, and Just War Theory (Minneapolis, MN: Fortress Press, 1994), S. 27.

[4] Einen Überblick über Aquinas Gedanken kann man finden in Rodney Wilson, Economics, Ethics and Religion: Jewish, Christian and Muslim Economic Thought (Washington Square, New York: New York University Press, 1997), S. 82-85. In Wirklichkeit, der christlichen Vorstellung über gerechte Kriegsführung ziemlich ähnlich, war Aquinas stark von vor-christlicher griechischer und römischer Denkweise beeinflußt. 

[5] El-Gousi, S. 114.

[6] Cf., Anwar Iqbal Qureshi, Islam and the Theory of Interest (Lahore, Pakistan: Sh. Muhammad Ashraf Publications, 1974), S. 8.

[7] Boehm Bawerk, Capital and Interest (1959), Bd. I, S. 10-11, Zitiert von Afzal-ur-Rahman, Economic Doctrines of Islam (Lahore, Pakistan: Islamic Publications Limited, 1976), Bd. III, S. 11.  Siehe auch Qureshi, S. 6; El-Gousi, S. 114.

 

 

Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 4 von 7): Vom Verbot zur Rechtfertigung 

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Beschreibung: Wie etwas so verachtenswertes wie Zinsen gerechtfertigt werden und sogar als ein Standard istitutionalisiert werden konnte.  

  • von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2010 IslamReligion.com)
  • Veröffentlicht am 06 Dec 2010
  • Zuletzt verändert am 06 Dec 2010
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Mit der Zeit wurde in betracht gezogen, dass das Verbot von Zinsen nichts weiter als ein religiöses Dogma sei, das beiseite geschafft werden müsse.  Der Religion dürfte nicht länger gestattet sein, die Wirtschaft zu bestimmen.  Dies war sicherlich ein Gefühl, das von dem bekannten Wirtschaftshistoriker Richard Tawney ausgedrückt wurde, als er sagte: “Das ganze Schema der mittelalterlichen Gedanken versuchte die wirtschaftlichen Angelegenheiten als Teil einer Hierarchie von Werten zu behandeln, die sämtliche Zinsen und Tätigkeiten umfasste, deren Gipfel die Religion bildete.”[1] Zur gleichen Zeit schien sich die Veränderung in der Haltung, die stattfand, nicht nur aus rein wirtschaftlichen Gründen zu vollziehen.  Lawrence Dennis sagte:

Aristoteles, die römisch-katholischen Kanonisten, die jüdische Thora,….alle verboten das Leihen mit Zinsen oder verurteilten Zinsen als Wucher.  Das Leihen mit Zinsen verbreitete sich in den Jahrhunderten des Mittelalters als Folge des Preisausgleichs, der nötig war, weil nicht genug Geld zur Kriegsführung und für öffentliche Zwecke aufgebracht werden konnte.  Im Gegensatz zu den gegenwärtigen Vorstellungen wurde das Verleihen nicht ursprünglich als Mittel, um den Handel zu finanzieren entwickelt.  Die Venezier, Holländer, Hanseaten, Briten und anderen Händler finanzierten ihre Transaktionen bis zum siebzehnten Jahrhundert mit Partner-Kapitaleinlagen.[2]

Dennis stellt weiter fest:  

Die katholischen Kanonisten mißbilligten nicht die Profite aus Handelsrisiken, Miete für die Nutzung von Land oder den Verkauf von Früchten des Landes oder anderem Kapital.  Sie mißbilligten lediglich Zinsen in Form von Geld für das Verleihen von Geld.  Während der Reformationszeit kam es dazu, dass Zinsen hauptsächlich von den Protestanten wirtschaftlicher gestaltet wurden, um die Entgegnungen der Kanonisten zu umgehen. Die katholische Kirche hat diese Haltung gegenüber den Zinsen nie aufgegeben, aber sie fügte sich oder tolerierte die Leihen auf der Grundlage bestimmter Voraussetzungen.  Diese moralische Billigung durch die katholische Kirche und die positive Unterstützung durch die kalvinistischen Händler führte zur Verankerung in Gesetzen und Denkweisen und Verhaltensmustern der modernen Gesellschaften.[3]

Die Rationalisierungen, auf die Dennis sich beruft, können an einer Menge Bibelkommentare gesehen werden.  Obwohl die Texte des Alten Testaments klar und deutlich in ihrer Verdammung der Zinsen sind, hielt dies die späteren Gelehrten nicht davon ab, diese einfach zu ignorieren oder dieses Verbot anscheinend zu verdrehen.[4] Beispielsweise heißt es im Henry’s Concise Commentary vom 3. Buch Moses 25:37:

Und dieses Gesetz ist zwar immer noch bindend, kann aber nicht als verbindlich betrachtet werden, wenn Geld für den Kauf von Land, Handel oder andere Verbesserungen geliehen wird; denn dort ist es vernünftig, dass der Verleiher den Profit des Leihenden teilt.  Das Gesetz hier beabsichtigt nur, die Armen zu entlasten, für die es manchmal ein großes Almosen ist, freie Anleihen zu geben. 

Diese Erklärung ist widerlegbar, angesichts dessen, dass es bei Zinsen nie darum ging, dass der Verleiher mit dem Leihenden den Profit teilt.  Wenn dies der Fall wäre, würde viel Schaden der Zinsen beseitigt.  Ähnlich heißt es im Jameison-Fausset-Brown Kommentar:      

 “Wucher wurde streng verbannt (Psalter 15:5, Hezekiel 18:8,17), aber das Verbot kann in der modernen Handlungsweise von Männern in Geschäftsleben, Leihen und Borgen bei berechtigten Zinsenraten nicht mehr als anwendbar betrachtet werden.”

Wie konnte die Tat von der strengen Verdammung zu möglicherweise in der “modernen Handlungsweise von Männern in Geschäftsleben“ nicht anwendbar kommen?  Kein logischer Beweis wird für einen derartigen Sprung geliefert.  Ähnlich heißt es in ihrem Kommentar vom 5. Buch Moses:. 

Du sollst von deinem Bruder nicht Zinsen nehmen, …von dem Ausländer darfst du Zinsen nehmen Die Israeliten lebten in einem bescheidenen gesellschaftlichen Staat und deshalb wurden  sie ermuntert, untereinander auf freundliche Weise zu leihen, ohne einen Gewinn zu erwarten.  Aber mit Fremden, die in Handel und Kommerz engagiert waren und liehen, um ihr Kapital zu vermehren, war der Fall anders, und es könnte vernünftig sein, dass sie auf die Leihen Zinsen bezahlen.”

Wieder geben sie für ihre Vorschläge keinerlei Beweise. (Da scheint es allerdings so, als wären die heiligen Texte nicht in der Lage, sich deutlich auszudrücken.)  Tatsächlich versuchte sogar ein berühmter Wirtschaftler, einen Bibelkommentar abzugeben: Paul Samuelson schrieb in seinem klassischen Buch über Ökonomie: “Die biblischen Aussagen gegen Zinsen und Wucher beziehen sich eindeutig eher auf Leihen, die zum Gebrauch bestimmt waren, als auf solche zu Investitionszwecken.[5]

Mit der Widerlegung der Einsprüche der “Gelehrten” war es eine Angelegenheit der angehenden Wirtschaftswissenschaft, das Zahlen von Zinsen zu rechtfertigen.  Dies war, wie sich herausstellte, viel schwieriger als es klingt.  Haberler hatte sicherlich recht, als er sagte:

Die Theorie der Zinsen war lange Zeit ein Schwachpunkt in der Wirtschaftswissenschaft, und die Erklärung und die Festlegung der Zinsraten läßt noch immer weiter Unstimmigkeiten unter den Ökonomen anschwellen als irgendein anderer Zweig der allgemeinen Wirtschaftstheorie.[6]

In Wirklichkeit gibt es unter Ökonomen “keine einzige angemessene und allgemeine akzeptierte Theorie des Zinses, die eine einleuchtende Erklärung des Ursprungs und der Begründung für Zinsen geben kann”.[7]



Footnotes:

[1] Zitiert in Qureshi, S. 7.

[2] Zitiert in Qureshi, S. 167.

[3] Zitiert in Qureshi, S. 167.

[4] Viele der Anhänger solcher Religionen erwarten, dass Muslime ihren Fußspuren folgen, auch wenn ihre Argumente nicht vernünftig oder logisch zu sein scheinen.  Die große Mehrheit der muslimischen Gelehrten in der ganzen Welt haben bis heute vermieden, so klar und deutlich mit den Texten des Quran und der Hadithe zu spielen und sie zu verdrehen. 

[5] Paul A. Samuelson, Economics (New York: McGraw-Hill Book Company, 1976), S. 605. Emphasis added.

[6] Haberler, Prosperity and Depression (1st edition), S. 195. Zitiert aus Afzal-ur-Rahman, S. 9.

[7] Afzal-ur-Rahman, S. 9.

 

 

Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 5 von 7): Erklärungen und Theorien

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Beschreibung: Die unterschiedlichen Wege, mit denen Denker in der Vergangenheit versucht haben, Erklärungen für die Existenz von Zinsen zu beschwören.  

  • von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2010 IslamReligion.com)
  • Veröffentlicht am 13 Dec 2010
  • Zuletzt verändert am 13 Dec 2010
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Die bloße Fülle der Meinungen, die versuchen, die Existenz der Zinsen zu erklären und ihre Zahlung zu rechtfertigen – begleitet von glaubwürdigen Kritiken aller dieser Ansichten von bekannten und respektierten Ökonomen[1]- sollten ein Zeichen für jeden sein, dass etwas nicht ganz richtig ist.  In der Geschichte der wirtschaftlichen Gedanken kann man (unter anderen) folgende Theorien finden, die Zinsen rechtfertigen: 

(1)  Die “Farblosen” Theorien (wie Böhm-Bawerk sie nennt): Diese wurden von Adam Smith, Ricardo und anderen frühen Ökonomen vorgebracht.  Diese Theorie hat viele Fehler, einschließlich der Vermischung von Zinsen mit Zuwachsprofit von Kapital.  Ricardo verfolgt alle Werte vom Kapital auf Arbeit zurück – aber irgendwie versäumt er, zu bemerken, dass es nie Arbeit war, die die Bezahlung für den besagten Wert erhielt. 

(2)  Die Abstinenztheorien („Enthaltsamkeitstheorien“): Diese Art von Theorien sind immer wieder aufgetaucht.  Ökonome haben bemerkt, dass „Enthaltsamkeit“ kein guter Begriff sein könnte[2]  und benutzen oft andere Begriffe wie „warten“ (a la Marshall).  Zins ist, im wesentlichen, der Lohn, den jemand erzielt, für das Warten oder die Enthaltsamkeit von der unmittelbaren Nutzung.  Diese Theorie schlug fehl, denn sie läßt einen denken, dass Ersparnisse einzig und allein eine Funktion der Zinsen seien, was bewiesenermaßen nicht der Fall ist. 

(3)  Produktivitätszuwachs: Diejenigen, die diese Theorie vorbringen, sehen Produktivität als dem Kapital innewohnend an und daher ist Zins einfach nur die Bezahlung für diese Produktivität.  Die Theorie, die von Say vorgebracht wird, nimmt an, dass Kapital einen Überschuß an Wert produziert, aber wieder gibt es keinen Beweis, der diese Behauptung unterstützt.  Das äußerste, das man behaupten kann, ist dass etwas Wert geschaffen wurde, das eine Bezahlung für das Kapital darstellt, aber man kann nicht beweisen, dass Übermaß oder überschüssiger Wert geschaffen wurde, was die Essenz ihrer Behauptung darstellt, die Zinsen rechtfertigt.  Natürlich ignorieren diese Theorien die Geldfaktoren, wenn sie Zinsen analysieren. 

(4)  Nutzungstheorien: “Böhm lehnte die Gültigkeit der Annahme ab, dass es neben jedem Kapitalgut einen Nutzen gäbe, wonach ein unabhängiges Wirtschaftsgut einen unabhängigen Wert besäße.  Er betonte desweiteren, dass ´es in erster Linie keine Sache gäbe, wie eine unabhängige Nutzung von Kapital´, und demgemäß kann es weder einen unabhängigen Wert besitzen, noch durch seine Teilnahme zum ´Phänomen von überschüssigem Wert´ beitragen.  Einen solchen Nutzen anzunehmen, gleicht eine unhaltbare Fiktion aufzustellen, die jeglichen Fakten widerspricht.”[3]

(5)  Entschädigungstheorien: Diese Gruppe von Ökonomen sieht Zinsen als Entschädigung für “die verrichtete Arbeit” durch den Geldgeber an.  Obwohl von englischen, französischen und deutschen Ökonomen unterstützt, benötigt diese Ansicht vielleicht keinen Kommentar. 

(6)  Die auswählende (Kombination früherer Theorien, wie Produktivität und Abstinenz) Theorie: Afzal-ur-Rahman schreibt:

Dieser Gedankengang scheint ein Symptom der Unzufriedenheit mit der Doktrin der Zinsen, wie sie von den Ökonomen in der Vergangenheit und der Gegenwart präsentiert und diskutiert wurden, zu enthüllen.  Und, da keine einzige Theorie zu diesem Thema in sich selbst als befriedigend betrachtet wird, haben die Leute versucht, eine Kombination der Elemente verschiedener Theorien zu machen, um eine befriedigende Lösung des Problems zu finden.[4]

(7)  Moderne Fruktifikationstheorie (Boden-Fruchtbarkeits-Theorie): Henry George war der Entwickler dieser Theorie, aber sie trug nie genug Gewicht, um viele, wenn überhaupt einige, Anhänger zu finden. 

(8)  Modifzierte Abstinenztheorie: Noch eine andere einzigartige Theorie, die von Schellwien vorgeschlagen worden ist, besaß nie großen Einfluß. 

(9)  Die österreicher Theorie (Die Agio[5] oder Zeit-Bevorzugungs-Theorie): Dies ist die Sicht, die Böhm-Bawerk selbst gutheißt.  Nach dieser Theorie steigt Zins „durch einen Wertunterschied zwischen gegenwärtigen und zukünftigen Gütern“.  Cassel hat diese Theorie im Detail kritisiert.  Sie kocht herunter zu einer fantastischen “Warte”- Theorie.    

(10)Geldtheorien (die Ausleihbare Fonds Theorie, die Liquiditäts-Präferenz-Theorie, die Stocks and Flows Theorie (´Lager und Fluss-Theorie´), die Assets-Preference Approach (die Güter-Bevorzugungs-Annäherung): Letztlich haben Ökonome versucht, den Einfluß von geldlichen Faktoren in das Thema der Zinsen einzuführen und zu betonen.  In Wirklichkeit beginnt die Betonung hier, von dem ´warum Zinsen gezahlt werden´, zu ´was die maßgebende Rate der Zinsen festlegt´, umzuschalten.  “Gemäß Robertson ist Zins in der Liquiditäts-Präferenz-Theorie zu nichts weiter reduziert als einer Risikoprämie gegen Schwankungen, über die wir uns nicht sicher sind.  Sie läßt den Zins in der Schwebe, so dass, um es krass zu sagen, Zins existiert, weil Zins existiert.”[6]  Ähnliche Kritiken wurden über andere Ansichten dieser ´Familie´ gemacht.

(11)     Exploitations-Theorie: Anfänglich haben sozialistische Ökonome Zinsen als bloße Ausbeutung betrachtet.  Man sollte sich daran erinnern, dass die „Gründungsväter“ der kapitalistischen Theorie, Adam Smith und Ricardo, glaubten, die Quelle aller Werte sei nichts als Arbeit.  Wenn dies wahr ist, dann sollten alle Zahlungen mit Arbeit gemacht werden und Zinsen sind nur Ausbeutung.

An einigen Stellen hat Afzal-ur-Rahman ausgezeichnete Schlußfolgerungen bezüglich dieser verschiedenen Zinstheorien gegeben.  Er stellte fest:   

Eine kritische Studie der historischen Entwicklung des Phänomens der Zinsen hat gezeigt, dass Zinsen als unabhängiger Faktor der Produktion gezahlt wird, entweder als Wartezeit oder Aufschub oder Abstinenz usw.  Aber alle diese Theorien versäumen es, zu beantworten oder zu beweisen, warum Zinsen auf diesen Faktor gezahlt werden oder gezahlt werden sollen.  Einer betont die Notwendigkeit des Wartens, ein anderer die Notwendigkeit der Abstinenz, wieder ein anderer die Notwendigkeit des Aufschubs; aber keine von diesen Erklärungen beantwortet die Frage.  Weder bloße Notwendigkeit des Wartens oder des Aufschubs oder der Abstinenz noch bloßer Nutzen oder Produktivität des Kapitals genügt, um zu beweisen, dass Zinsen eine notwendige Zahlung für die Verwendung des Kapitals bei der Produktion sind.  Abgesehen davon können diese Theorien keine Antwort auf die Frage geben, wie ein variable Faktor möglicherweise einen festgelegten Faktor wie eine Zinsrate bestimmen kann?  Wie kann eine solche Theorie gültig und haltbar sein? 

Später schreibt er:    

Die Geldtheorien wie die Grenzproduktivitätstheorie haben keinen Versuch unternommen, folgende Frage zu beantworten: warum sollten Zinsen gezahlt werden?  Sie haben diese Frage ganz einfach ignoriert und bei der Theorie über den Wert Zuflucht gesucht.  Sie sagen, wie bei allen anderen Dingen, wird der Preis des Kapitals durch die Nachfrage nach der Verfügbarkeit von Geld bestimmt.  Aber es scheint so, als hätten sie den grundsätzlichen Unterschied zwischen den beiden Problemen vergessen; die Theorie des Wertes ist ein Problem des Austauschs, während die Zinstheorie ein Problem der Verteilung ist.  Sowohl Loanable Fonds als auch Liquiditätspräferenz – Theorien sind gründsätzlich Angebot und Nachfrage Theorien des Zinses und erklären ihn unter Berufung auf das zur Verfügung stehen und die Nachfrage an ausleihbaren Fonds und Geld im einzelnen.  Aber sie geben keinerlei Rechtfertigung für das Phänomen des Zinses.  Selbst wenn das Kapital ein Anrecht auf angemessene Entschädigung für die Schaffung von Reichtum besitzt, „kann es nur seinen Anteil vom Anstieg nationalen Reichtums nur zu dem Ausmaß seiner Wiedergutmachung ziehen.  Es kann nicht gestattet werden, mit seinem Pfund Fleisch davonzulaufen, das im Voraus bestimmt wird und ohne Beziehung zu den aktuellen Produktionsdaten steht.“[7]  Nach Böhm-Bawerk enthüllt die Studie all dieser Theorien “die Entwicklung von drei wesentlichen abweichenden Grundkonzepten des Zinsproblems.“  Eine Gruppe, die Repräsentanten der Produktivitätstheorie, behandelt das Zinsproblem als ein Produktionsproblem.  Das sozialistische Beispiel von der Ausbeutung behandelt das Zinsproblem als reines Problem der Verteilung; während die dritte Gruppe, die Unterstützer der Geldtheorien, in der Zinstheorie das Problem des Wertes sucht.  Es besteht kein Zweifel daran, dass alle diese Theoretiker von dem Großmut und der Durchdringlichkeit des Phänomens des Zinses durcheinander gekommen, das Hauptthema, warum Zins gezahlt werden sollte, vermieden haben.  Sie haben in der Tat alle ihre Energien darauf verwendet, das Problem des Wartens oder der Abstinenz oder der Produktivität oder des „Arbeitswerts“ oder „der Bestimmung des Wertes“ zu lösen und sie haben nichts über den Ursprung oder die Rechtfertigung der Einrichtung von Zinsen gesagt.[8]



Footnotes:

[1] Tatsächlich gibt es kein Buch über die Geschichte der ökonomischen Gedanken, das eine Analyse der Rechtfertigungen von Zinsen und ihrer Kritik liefert.  Eine nützliche Quelle ist Mark Blaug, Economic Theory in Retrospect (Cambridge: Cambridge University Press, 1978).  Böhm-Bawerks Klassiker Capital and Interest (Kapital und Kapitalzins) ist eine starke Anklage gegen frühere Zinstheorien, obwohl seine eigene Theorie sicherlich nicht frei von Mängeln ist.  Böhm fand die früheren Theorien unbeständig und widersprüchlich und auch, dass sie versäumten, eine vollständige Theorie für Zinsen abzugeben, die erklärt, warum sie gezahlt werden und was ihre Rate bestimmt.  Siehe auch Qureshi, S. 11-39; Afzal-ur-Rahman, S. 9-48.

[2] Seniors Abstinenztheorie “wurde von einem sozialistischen Schreiber, Lasalle, gebührend lächerlich gemacht, der bemerkte: ´Der Profit von Kapital ist der „Lohn für die Abstinenz“.  Glücklicher, auch unschätzbarer Ausdruck.  Die asketischen Millionäre Europas wie indische Büßer oder Säulenheilige, sie stehen auf einem Bein, jeder auf seiner Säule mit verkrampften Armen und hängendem Körper und bleichen Blicken, ein Tablett den Menschen entgegenhaltend, um die Löhne für ihre Enthaltsamkeit zu sammeln.  In ihrer Mitte, seine Freunde überragend, als oberster Büßer und Asket, der Baron Rothschild.’” Qureshi, S. 17.

[3] Afzal-ur-Rahman, S. 23.

[4] Afzal-ur-Rahman, S. 30.

[5] “Agio” ist die Prämie, die jemand willig für gegenwärtige Güter, verglichen mit denselben Gütern in Zukunft zahlt.

[6] Afzal-ur-Rahman, S. 44.

[7] Afzal-ur-Rahman zitierte dies Ahmad, The Economics of Islam.

[8] Afzal-ur-Rahman, S. 46-47.

 

 

Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 6 von 7): Die Krankheiten des Zinses I

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Beschreibung: Die verschiedenen Arten, auf die Zinsen der Gesellschaft geschadet hat.  

  • von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2010 IslamReligion.com)
  • Veröffentlicht am 20 Dec 2010
  • Zuletzt verändert am 20 Dec 2010
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Die Krankheiten des Zinses 

Wirtschaftler können versuchen, mit zahllosen Rechtfertigungen für die Zahlung von Zinsen aufzuwarten, aber die wirkliche Prüfung besteht darin, zu studieren, welche Auswirkungen Zinsen haben.  Es ist wichtig, zu bemerken, dass wenn Gott etwas verboten hat, dies nicht bedeutet, dass es absolut nichts Nützliches an dem verbotenen Ding oder der verbotenen Handlung gäbe.  In der Tat mag man in der Lage sein, auch in verbotenen Dingen etwas Nützliches zu finden.  Beispielsweise sagt Gott im Qur´an über Alkohol:

“Sie befragen dich (O Prophet) über Berauschendes und Glücksspiel.  Sprich: „In beiden liegt großes Übel und Nutzen für die Menschen.  Doch ihr Übel ist größer als ihr Nutzen…” (Quran 2:219)

Also ist nicht der wesentliche Punkt, ob es etwas Nützliches darin gibt, sondern ob sein Schaden den Nutzen überwiegt.  Die Wirtschaftler können in der Lage sein, einen Hinweis auf eine Rechtfertigung für die Zahlung von Zinsen zu finden, aber diese wird den Schaden, den Zinsen nachweislich verursachen können, nicht aufwiegen, wie in diesem Abschnitt besprochen werden soll. 

Selbst wenn Zinsen als eine Art Zahlung für einen Produktionsfaktor betrachtet werden, so besitzen sie einige einzigartige Eigenschaften, die sie von jedem anderen Produktionsfaktor unterscheiden.  Aufgrund dieser einzigartigen Natur führt es zu einigen ziemlich störenden Ergebnissen. 

Erstens führen Zinsen zu einer ungleichmäßigen Verteilung des Einkommens.  Dies kann man sehen, wenn wir zum Beispiel drei Menschen nehmen.  Nehmen wir an, da sind drei Menschen, die all ihr Einkommen in einem vorgegebenen Jahr aufbrauchen, aber der erste von ihnen beginnt mit $1,000 Ersparnissen, der zweite mit $100 und der dritte mit keinen.  Bei 10% Zinsen pro Jahr wird die erste Person $1,100, die zweite $110 und die dritte Person nichts auf ihren Konten.  Wenn es im folgenden Jahr genauso weitergeht, wird die erste Person $1,210, die zweite $121 und die dritte wird nichts haben.  Man kann schon erkennen, wie die Verteilung zwischen den Dreien mit jedem Jahr mehr auseinandergeht, auch zwischen dem, der über eigene Ersparnisse verfügt.  Dieses Szenario wird noch schlimmer, wenn die reichste Person Ersparnisse hinzufügen kann.  Nehmen wir an, er fügt am Ende eines jeden Jahres ein Tausend hinzu.  Er wird dann am Ende des ersten Jahre 1,100 haben, er fügt $1,000 und macht weiter mit seinen  10% Zinsen und wird am Ende des zweiten Jahres $2,310 haben und so weiter.  Nun ist es eine Sache, ob dieses gezahlte Geld tatsächlich aufgrund eines positiven Produktionsfaktors gezahlt wurde, aber in Wirklichkeit kann keiner in diesem Fall dieses Argument bringen.  Das Geld, das die Menschen mit Zinsen machen, könnte von den Menschen, die es ausliehen,verschwendet, verloren oder sogar gestohlen worden sein, aber man muss immer noch Zinsen bezahlen.  Es könnte in ein völlig zum Scheitern verurteilts Objekt investiert worden sein und daher tatsächlich nichts produziert haben.  Aber dies alles zählt nicht, es muss gezahlt werden, ob dieser „Produktionsfaktor“ nun produziert oder nicht.  Dies ist einfach einer der einzigartigen Aspekte von Geld und Zahlungen von Geld.  Keiner kann argumentieren, dass dies gerecht sei und deswegen ist das Ergebnis eine ungleichmäßige Verteilung des Geldes.  

Desweiteren wird die Verteilung des Einkommens nach und nach immer schiefer.  Man kann sich vorstellen, dass manche Einzelne mit Millionen handeln, während andere in Hundertern oder Tausendern rechnen.  Der Unterschied in ihren Zinseinkommen wird in der Tat riesig sein und mit jedem Jahr anwachsen.  Mit anderen Worten, wie man häufig hört, wird es zu einer Situation führen, in der die Reichen reicher werden, während die Armen ärmer werden.  Bemerke, dass diejenigen in Schulden Zinsen zahlen, die von Jahr zu Jahr mehr werden, noch nicht bedacht wurden.  In ihrem Fall, wenn die Zinsen weiter ansteigen, wird immer mehr von ihrem Einkommen durch die Zinsen verbraucht, die ungleiche Verteilung des Einkommens wird damit noch weiter verschoben. 

Manch einer könnte fragen, ob eine gleichmäßige Verteilunng des Einkommens als ein Hauptthema betrachtet werden kann.  Abgesehen von den psychologischen Auswirkungen auf die Armen, insbesondere durch Massenmedien, die die Betonung des guten Lebens und des Bedarfs zu Konsumieren anpreisen, gibt es sehr wichtige Auswirkungen auf den Markt im Ganzen.  In einer Marktwirtschaft ist die Produktion auf diejenigen eingestellt, die Geld haben, um für die Leistung zu bezahlen, ungeachtet der Tatsache, wie notwendig andere Güter für die Gesellschaft sein könnten.  Wenn die Reichen eine Menge Geld für SUVs und benzin-saufende Fahrzeuge auszugeben  wünschen, danach fragen und dazu willig sind, werden diese produziert (ohne Rücksicht darauf, wie viele Umweltschützer sich darüber beschweren könnten).  Da die Einkommensverteilung immer schiefer wird, werden immer mehr Ressourcen den Wünschen der reichen Klassen geopfert.  Ressourcen sind aber etwas „festgelegtes“, daher bedeutet dies, dass immer weniger den Bedürfnissen der ärmeren Klassen gewidmet wird.  Außerdem je weniger Ressourcen für Güter, die die Armen brauchen, verwendet werden, desto höher gehen die Preise dieser Güter und schaden damit noch mehr der ökonomischen Situation der armen Menschen.  Zum Beispiel kann man zahlreiche medizinische Kliniken nehmen, die vorwiegend Reiche versorgen (diejenigen, die sich solche Behandlungen leisten können), auch wenn sie alles andere als notwendig sind, wie an vielen Stellen für kosmetische Chirurgie und ähnlichem.  Zur selben Zeit kann man wenige Kliniken finden, die Arme versorgen und ihre Grundbedürfnisse stillen.  Wenn sie für solche essentiellen Dienste mehr zahlen könnten, würde man in einer marktorientierten Ökonomie, auf jeden Fall mehr von diesen Kliniken finden, mehr Ressourcen, die für ihre Bedürfnisse eingesetzt werden und einen geringeren Preis auf lange Zeit für das, was sie benötigen.  (Außerdem hat diese schiefe Verteilung starke Bedeutungen für die Gesundheit der Demokratie; allerdings geht diese Diskussion über den Umfang dieser Abhandlung hinaus.)

Zusätzlich verbreitert die Last der Zinsen auf die Armen, die Schulden machen und sie in eine Situation kommen lassen, wo sie sozial oder ökonomisch nicht weiterkommen, die Kluft zwischen den Reichen und den Armen.  Schulden selbst schaffen eine schwierige Situation für jeden Einzelnen.  Allerdings sind es Zinszahlungen , die aus den Schulden eine lebende Zielscheibe machen, mit denen der Einzelne oft nicht zurechtkommt.  Wieder ist es ein Schwindelfaktor der Produktion, aber er funktioniert und gestattet den Reichen reicher zu werden, während er all jenen eine große Last auferlegt, die sich verschulden.  Vielleicht sind alle Leser damit vertraut, wieviel die Vereinigten Staaten, das reichste Land der Welt, von einer Schuldnergesellschaft erhält.  Dies hat nicht nur die niederen Klassen betrübt, sondern auch viele aus der Mittelklasse.  Einige bemitleidenswerte Einzelpersonen erkennen nicht, dass sie beispielsweise wenn sie nur den Minimum ihrer Kreditkartenrechnung bezahlen, nie den Ausgleich schaffen.[1]  Aber sicherlich trifft es den Armen am härtesten.  In der Tat ist das System gegen sie; je ärmer ein Einzelner ist, je schlimmer seine Kreditraten und je höher die Zinsrate, die er zu zahlen hat, sind.  Mirza Shahjahan Income, Debt and the Quest for Rich America: The Economic Tale of Small and Mid-Sized US Cities ist eine Studie darüber, wie Schulden und die damit zusammenhängende Zinslast viel von „Mittel-Amerika“ betrübt hat.[2]  Die gefährliche Lage von Kleinbauern, die sie zwang, aufgrund der fallenden Preise auf ihre Produkte auszuleihen, wurde gut dokumentiert.  Viele von ihnen haben ihre besonderen Besitztümer verpfändet oder ihre Farmen verloren, die über Generationen ihren Familien gehört hatten, einfach nur wegen der Zinszahlungen, mit denen sie nicht zurecht gekommen sind.  Shahjahan fand heraus, dass einige der Armen über 15% auf ihr jährliches Einkommen alleine an Zinsen zahlen (die meisten zahlen 8% bis 12%) – nicht zu reden von der Belastung der Anrufe und Drohungen durch die Kreditgeber, die die Armen häufig erhalten.  In Shahjahans Schlußfolgerung stellt er fest:

Sowohl die geldlichen als auch die wirklichen Belastungen der Schulden haben viele Schuldner in einen lebenslangen Kampf im Dienste ihrer Schulden versetzt.  Die durchschnittliche Größe der Schulden von verschuldeten Haushalten für die Zeit von 1990 bis 1993 war $32,493, was fast 100% des Einkommens dieser Haushalte entsprach.  Unsere Schätzung der pro Kopf Schulden im Haushalt für 1990-1993 liegt bei $12,571.  Schulden dieser Größenordnung in Verbindung mit einer Teilzeitstelle und niedrigem Einkommen können deprimierend sein und überwältigende psychologische Zustände schaffen... 

Die Zinszahlungen mancher Haushalte übersteigen 15% ihres Einkommens.  Die hohen Zinskosten waren eine Quelle bedeutungsvoller Abtragungen des Haushaltseinkommens... 

Die meisten Haushalte in mittelgroßen Städten – Millionen an der Zahl – kämpfen Tag und Nacht, um ihre Grundbefürfnisse stillen zu können.  Tausenden von ihnen gelingt es nicht, für ein bescheidenes Leben ihrer Familien zu sorgen oder eine höhere Bildung ihrer Kinder zu finanzieren.  Sie leben mit Schulden und sterben mit Schulden.  Diese Situation läßt sie das Gefühl haben, kein volles Leben zu führen... 

Diese Haushalte sind in einer Situation der ökonomischen Dienstbarkeit gefangen, in der die offensichtlichsten Fluchtwege durch institutionelle Kräfte blockiert sind.  Sich Fertigkeiten oder eine höhere Schulbildung anzueignen, könnte der Schlüssel zu wirklichem Erfolg sein, aber höhere Bildung ist teuer und außerhalb der Reichweite der meisten Haushalte dieser Städte.  Diese Haushalte bestitzen keine Gelegenheit, sich fortzuentwickeln und finden sich still von den Positionen überholt, auf die sie gehofft hatten.  Dies ist die bedenkliche Lage der Familien der Arbeiterklasse in den kleinen und mittelgroßen Städten unserer Nation.“[3]



Footnotes:

[1] Shahjahan bemerkt “Die meisten Haushalte sind sich des Grades der Abtragung von ihrem Einkommen gar nicht wirklich bewusst, der von hohen Zinszahlungen auf ausstehende Schulden herrührt.”  Mirza Shahjahan, Income, Debt and the Quest for Rich America: The Economic Tale of Small and Mid-Sized US Cities (Beltsville, MD: Writers’ Inc. International, 2000), S. 103.

[2] Shahjahan, passim.

[3] Shahjahan, S. 224-236.

 

 

Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 7 von 8): Die Krankheiten des Zinses II

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Beschreibung: Die verschiedenen Arten, auf die Zinsen der Gesellschaft geschadet haben.  Teil 2: Die zerstörerischen Krankheiten des Zinses auf internationaler Ebene. 

  • von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2010 IslamReligion.com)
  • Veröffentlicht am 27 Dec 2010
  • Zuletzt verändert am 27 Dec 2010
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Auf internationaler Ebene ist die Situation noch zerstörerischer und gefährlicher.  Ganz ohne Zweifel, wenn man die Situation aus internationaler Perspektive betrachtet, töten Zinsen Menschen.  Die Schuldentilgung weniger entwickelter Länder ist heute so groß, dass sie wesentliche gesundheitliche und versorgungsbezogene Bedürfnisse opfern müssen.  Es ist erschütternd, wenn man bedenkt, dass die unausgesprochene Zahl von Kindern, die täglich in weniger entwickelten Ländern sterben, dies aufgrund des „Werkzeugs“ des modernen Kapitalismus: des Zinses, tun.  Manche afrikanische Regierungen sind gezwungen, mehr für die Schuldenbegleichung auszugeben, als sie für Gesundheit oder Bildung ausgeben.[1]

In diesem Zusammenhang hat die UNDP (1998) vorausgesagt, wenn die externen Schulden der 20 ärmsten Länder der Welt erlassen würden, könnten bis zum Jahr 2000 die Leben von über 20 Millionen Menschen gerettet werden.  Mit anderen Worten bedeutet das, dass nicht rückgängig gemachte Schulden am Tod von 130.000 Kindern wöchentlich bis zum Jahr 2000 verantwortlich waren.[2]

Ken Livingston, Mayor of London, behauptete, dass globaler Kapitalismus jedes Jahr mehr Menschen tötet, als von Adolf Hitler getötet worden waren.  Er tadelte die IMF und die Weltbank für den Tod von Millionen aufgrund ihrer Ablehnung, die Schuldenlasten zu erleichtern.  Susan George stellte fest, dass seit 1982 jedes Jahr zwischen 15 und 20 Millionen Menschen unnötigerweise wegen Schludenlasten gestorben sind „weil die Regierungen der Dritten Welt die Programme zur Wasserreinigung und für die Gesundheit einschränken mussten, um die Rückzahlungen einhalten zu können.”[3]

Schulden mit ihrer ansteigenden Menge an Zinsen darauf sind gefährlich für jedes Land, denn sie bedeuten einen Verlust der Souveränität und der Kontrolle.[4]  Dieser Aspekt ist zufällig kein Unfall.  Weniger entwickelte Länder – insbesondere deren Eliten und korrupten Führer – sind nicht unschuldig, wenn es um das Thema der Schulden geht, die sie angehäuft haben.  Wenn sie außerdem nichts geliehen hätten und Schulden gemacht hätten, so wären die unter den Druck geraten, dies zu tun.  Caufield bemerkte: 

So war es mit der Weltbank; Rückzahlungsleistungen sind vom Ganzen der Anleihen mehr und mehr geworden.  Das Ergebnis war eine Anhäufung der Schulden bei den Entleihern der Bank geworden – und ein gradueller Verlust der Souveränität ebenfalls.  Kein Gläubiger ist willens Rückzahlungen für immer zu halten, ohne etwas Kontrolle darüber zu haben, wie der Schuldner wirtschaftet.  In früheren Zeiten zögerten die Großmächte nicht, militärische Kraft einzusetzen, um widerspenstige Schuldner gefügig zu machen.  In seinem klassischen Essay “Public Debts”, 1887 veröffentlicht, schrieb der amerikanische Ökonom Henry Carter Adams, dass “die Bewilligung ausländischer Kredite der erste Schritt zum Aufbau einer aggressiven Außenpolitik ist und unter bestimmten Bedingungen unausweichlich zu Unterwerfung und Besetzung führt.”

Die Annäherung der Bank an die Schuldner ist nicht so grausam.  Anstatt die Marine zu schicken, bietet sie Ratschläge, wie die Länder ihre Finanzen managen sollten, wie sie ihre Gesetze machen sollten, stellt Dienste für das Volk zur Verfügung und bewegt sich selbst auf dem internationalen Markt.  Ihre Überzeugungskräfte sind riesig, aufgrund der allgemeinen Überzeugung, dass wenn sie sich entscheiden sollte, einen Entleiher zu ächten, ihrer Führung alle großen nationalen und internationalen Kräfte folgen werden.  Daher hat die Bank durch das übermäßige Leihen – geboren aus einer zugrundeliegenden Inkonsistenz ihrer Mission – sich selbst Kraft hinzugefügt und die ihrer Entleiher erschöpft.[5]

John Perkins’ jetzt bekanntes Confessions of an Economic Hit Man [6] erläutert zeitgenössische Wirtschaftsintrigen.  Als er seine Arbeit, die Bewertung von Projekten, beschreibt, berichtet er:

Der unausgesprochene Aspekt von jedem dieser Projekte war, dass sie dazu beabsichtigt waren, große Erträge für die Vertragsschließenden zu schaffen und um eine Handvoll wohlhabener und einflußreicher Familien in den erhaltenden Ländern sehr glücklich zu machen, während sie eine finanzielle Langzeitabhängigkeit sicherten und daher die politische Loyalität der Regierungen auf der ganzen Welt.  Je höher die Ausleihe, umso besser.  Die Tatsache, dass die Schuldenlast, die auf einem Land lastet, die ärmsten Einwohner der Gesundheit, Bildung und anderen sozialen Diensten für kommende Jahrzehnte beraubt, wurde nicht in Betracht gezogen.[7]

Perkins Werk ist nun gefolgt worden von A Game as Old as Empire: The Secret World of Economic Hit Men und Web of Global Corruption herausgegeben von Steven Hiatt.[8]  Hiatt schreibt:

Schulden halten die Dritte Welt unter Kontrolle.  Abhängig von Hilfe, Darlehensverlängerungen und Schuldenumverlegungen, um zu überleben – egal, wie es sich tatsächlich entwickelt - sind sie gezwungen worden, ihre Wirtschaft zu restrukturieren und ihre Gesetze umzuschreiben, um die Bedingungen zu erfüllen, die in den IMF Strukturangleichungsprogrammen und den Konditionen der Weltbank vorschreiben.[9]

Die laufende Schuldensituation mit der Hauptrolle, die Zinsen darin spielen, ist möglicherweise sehr zerstörerisch für die gesamte Welt.  In Global Trends 2015 bemerkte die Central Intelligence Agency (CIA):

Die aufgehende Stömung der Weltwirtschaft wird viele wirtschaftliche Gewinner schaffen, aber sie wird nicht alle Schiffe ins Trockene bringen.  [Sie wird] Konflikte zu Hause und außerhalb hervorbringen, die eine immer breitere Kluft zwischen regionalen Gewinnern und Verlierern sichern wird, als sie heute existiert.  Die Entwicklung [Globalisierung] wird steinig sein, gekennzeichnet von einer chronischen finanziellen Unbeständigkeit und einer sich ausbreitenden ökonomischen Teilung.  Regionen, Länder und Gruppen, die sich verlassen fühlen, werden tiefer werdende ökonomische Stagnation, politische Instabilität und kulturelle Entfremdung verspüren.  Sie werden politischen, ethnischen, ideologischen und religiösen Extremismus mit der Gewalt, die ihn häufig begleitet, nähren.[10]

Noreena Hertz hat in ihrem Werk The Debt Threat: How debt is destroying the developing world… and threatening us all ein hervorragendes Kapitel, das viele Gefahren von massive Zinsen skizziert – und die, wieder einmal, gar nicht so massiv wären, wenn die ständig anwachsenden Aspekte der Zinsen nicht wären – die der Welt heute auferlegt sind.  Sie geht im Einzelnen auf die Gefahren des Extremismus, des Terrorismus, der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen der Welt unter anderen ein.  Um nur einen Aspekt zu zitieren, schreibt sie:  

Die häßlichen Nachkommen der Schulden – Armut, Ungleichheit und Ungerechtigkeit – werden auch immer wieder angeführt, um Akte größter Gewalt zu rechtfertigen, ja sogar zu legitimieren.  Nur wenige Wochen nachdem das World Trade Center angegriffen wurde, schrieb der führende afrikanische Berichterstatter Michael Fortin: “Wir müssen erkennen, dass diese verachtenswerte Tat der Aggression zumindest teilweise ein Racheakt von Seiten verzweifelter und gedemütigter Menschen gewesen sein könnte, die am Gewicht der ökonomischen Unterdrückung zerbrochen sind, die von den Völkern des Westens praktiziert wird.”  Fortins Sprache -“zerbrochen”, “Unterdrückung”, “verzweifelt”, “gedemütigt” – ist mit Bedacht beschwörend.  Und es ist offensichtlich und klar, dass es eine Zuhörerschaft gibt, bei der solche Worte wiederhallen.[11]

Es gibt tatsächlich noch andere Krankheiten, die mit den Zinsen in Verbindung stehen und hier erläutert werden könnten, aber das zuvor genannte sollte unserem Zweck hier genügen.



Footnotes:

[1] Cf., Noreena Hertz.  The Debt Threat (New York: HarperBusiness, 2004), S. 3.

[2] Ali Mohammadi und Muhammad Ahsan, Globalisation or Reconolisation?  The Muslim World in the 21st Century (London: Ta-Ha Publishers, Ltd. 2002), S. 38.

[3] Mohammadi und Muhammad Ahsan, S. 43.

[4] Wieder würde einfach nur die Abschaffung der Zinsen Wunder wirken, um die Stellung der Ärmsten dieser Welt zu verbessern.  Der Betrag an Zinsen, der von diesen armen Ländern gezahlt wird, ist astronomisch.  Caufield bemerkte: “Bis 1978 pflegte ein Viertel allen Geldes, das von nicht-OPEC Dritte Welt Ländern gezahlt wurde, Zinsen auf existierende Schulden zu sein.  Die Situation war insbesondere in Latienamerika schlecht, wo das Leihen sich zwischen 1976 und 1982 verdoppelt hatte, und 70% von neuen Anleihen für die Zinszahlungen auf alte Schulden gingen...  Bis zum Jahr 1982 war die Situation wirklich absurd geworden.  Lateinamerika schuldete hunderte von Milliarden Dollars pro Jahr und verbrauchte alles, um Zahlungen für bestehende Schulden zu leisten.”  Catherine Caufield, Masters of Illusion: The World Bank and the Poverty of Nations (London, England: Pan Books, 1996), S. 137.  Selbst wenn “Schuldenerleichterung” gewährt wird, werden die Zahlungen verzögert, aber die Zinsen werden sich immer weiter anhäufen.  Laut Gwynne: “Obwohl die Banken es vielen Ländern, wie Polen gestatten, ihre Schulden zu ‘neu festzusetzen’ — sie genehmigen ihnen, über zwanzig Jahren zu zahlen anstatt über zehn beispielsweise – bleiben die Zinszahlungen weiter bestehen.  Und es sind die Zinsen, die die Grundlinie der Profit und Verlustserklärung einer Bank begrenzen.”  S. C. Gwynne, “Selling Money-and Dependency: Setting the Debt Trap,” in Steven Hiatt, ed.  A Game as Old as Empire: The Secret World of Economic Hit Men and the Web of Global Corruption (San Francisco: Berrett-Koehler Publishers, Inc., 2007), S. 35.  Zahlende haben dieses Phänomen bereits 1974 bemerkt, aber es ist nicht wirklich etwas unternommen worden, um es zu verbessern.  Siehe Cheryl Payer, The Debt Trap: The International Monetary Fund and the Third World (New York: Monthly Review Press, 1974), S 46.

[5] Caufield, S. 336

[6] John Perkins, Confessions of an Economic Hit Man (San Francisco: Berrett-Koehler Publishers Inc., 2004), passim.

[7] Perkins, S. 15.

[8] Steven Hiatt, ed.  A Game as Old as Empire: The Secret World of Economic Hit Men and the Web of Global Corruption (San Francisco: Berrett-Koehler Publishers, Inc., 2007)

[9] Hiatt, S. 23.

[10] Zitiert von Hertz, S. 156.

[11] Hertz, S. 161.

 

 

Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 8 von 8): Die Islamische Lösung

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Beschreibung: Eine islamische Lösung für das Zinsenmodell und wie Wirtschaft ohne Zinsen gedeihen kann.  

  • von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2011 IslamReligion.com)
  • Veröffentlicht am 03 Jan 2011
  • Zuletzt verändert am 03 Jan 2011
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Die islamische Lösung

Die islamische Lösung des Themas Zinsen beruht auf zwei Grundprinzipien: 

(1)  Wenn ein Einzelner einem anderen Geld ausleihen möchte, um ihm zu helfen, sollte diese Tat auf “brüderlichen Prinzipien” basieren, und es ist absolut nicht akzeptabel, in so einem Fall Zinsen zu berechnen.  Es ist kein Helfen, wenn man einen anderen in einen Schuldenzustand versetzt, wo er mehr zurückzahlen muss, als er ausgeliehen hatte.  Dieses Prinzip wird ebenfalls auf die internationalen islamischen Beziehungen angewendet.  Wenn dieses wichtige Prinzip heute angewendet würde, dann würden die Länder wahre “Hilfe” leisten und andere Länder eher unterstützen, als sie in eine Form der Abhängigkeit und der Schuldenlast zu drängen.

(2)  Wenn jemand sein Geld dazu verwenden möchte, um mehr Geld zu machen, dann muss er auch bereit sein, ein Risiko einzugehen.  Mit anderen Worten er kann sich selbst nicht garantieren, dass sie Summe fest bestehen bleibt (deren Betrag immer weiter anwächst), egal welches Resultat seine Investition, für die sein Geld verwendet wird, bringt.  Wenn er sein Geld riskiert, dann stehen ihm Anteile am Profit zu.  Allerdings bedeutet dies ebenfalls, dass er seine Verluste akzeptieren muss, wenn Verluste auftreten.  Dies ist ein System, das auf Gerechtigkeit basiert.  Es hat auch viel Nutzen.  Derjenige, der investiert, ist um die Resultate seiner Investition besorgt und kann sein “Pfund Fleisch” nicht ohne Rücksicht auf den Schuldner  verlangen. 

Die islamische Lösung gilt für Einzelne genauso wie für die gesamte Geselschaft.  Banken sind im wesentlichen finanzielle Zwischenhändler.  Sie nehmen Geld von denen, die überschüssiges Geld haben (Ersparnisse) und stellen es denen zur Verfügung, die Geld für Investitionen benötigen.  Zinsen sind nicht notwendig, damit ein derartiges System arbeitet.  Die Bank und ihre Einzahler (Aktionäre) investieren ihr Kapital eher als es einfach zu verleihen.  Das Geld wird einem Risiko ausgesetzt, und die Rückgabe an die Einzahler wird auf der Grundlage der Profite, die in den betreffenden Investitionen gemacht wurden, geschehen.  Unter normalen Umständen einer wachsenden Wirtschaft ist der Bank, wenn sie groß genug ist und ihren Investmentbereich abwechslungsreich gestaltet, eigentlich ein positive Umsatz auf ihre gesamten Investitionen „garantiert”.  Daher werden diejenigen, die ihr Geld bei der Bank investieren, ebenfalls positive Umsätze auf ihr Geld verbuchen, ohne dass es ihnen im voraus garantiert oder festgelegt wurde.

Zahlreiche “islamische” Finanzinstitutionen wurden heutzutage auf der ganzen Welt aufgebaut.  Sie wurden auf dem Prinzip eingerichtet, Zinsen zu vermeiden und einige von ihnen florieren.[1]

Schlußfolgerungen

Da der größte Teil der “modernen Zivilisation” beschlossen hat, der göttlichen Führung den Rücken zu kehren, (größtenteils aufgrund der Erfahrungen mit dem Christentum im Westen,) haben sie versucht, ihre eigenen Wirtschaftssysteme, politischen Systeme, internationalen Gesetze usw. aufzubauen.  Indem sie das taten, müssen sie allerdings zugeben, dass sie etwas versuchen, dass über ihre Macht hinaus geht.  Die Gesellschaftswissenschaft unterscheidet sich erheblich von der Physikwissenschaft.  Da gibt es keine Laboratorien, in denen Menschen eingesetzt werden können, um festzustellen, was die besten Ergebnisse unter verschiedenen Szenarien bringen wird (und selbst da würde man davon ausgehen, dass Menschen unter den gleichen Umständen immer gleich reagieren würden). 

Im Reich der Wirtschaft ist das erste, das einem in den Sinn kommt, der Kollaps von der Theorie des Sozialismus und des Kommunismus.  Man sollte daher einen intensiveren Blick auf den Kapitalismus werfen und wie weit die Realität davon entfernt ist, so zu sein, wie von ihr erwartet wird.  Die frühen kapitalistischen Theoretiker besaßen die Vision von einer Theorie, die „zur bestmöglichen aller Welten“ führen würde.  Allerdings gründeten ihre Theorien auf Voraussetzungen, die nie bestanden haben und nie erfüllt werden.  Sie gingen von einem perfekten Wettbewerb aus, perfektem Wissen, freiem Handel und so weiter.  Sobald alle diese Voraussetzungen gebrochen werden, und das werden sie unvermeidlich, dann führen sie nicht zur „zur bestmöglichen aller Welten“.  Anstatt dessen führen sie leicht zu einer Welt der Ausbeutung, in der die Reichen immer reicher werden und die Armen immer ärmer.  Eine der treibenden Kräfte hinter diesem System ist die Institutionalisierung der Zinsen. 

Gott hat die Menschen mit der Rechtleitung durch den Qur´an gesegnet – einem Buch, das seit seiner Offenbarung genauestens bewahrt wurde.  Dieses Buch enthält die Rechtleitung, die die Menschheit benötigt, um ein erfolgreiches Leben sowohl in dieser Welt als auch im Jenseits zu führen.  Es ist daher nicht verwunderlich, dass dieses Buch Zinsen auf stärkste Weise absolut verbietet und verdammt.



Footnotes:

[1] Mehr Details über die theoretischen und praktischen Tätigkeiten solcher Institutionen siehe El-Gousi, S. 199-247; Frank E. Vogel und Samuel L. Hayes III, Islamic Law and Finance: Religion, Risk, and Return (The Hague: Kluwer Law International, 1998), S. 181-295.

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