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Sufismus (teil 1 von 2)

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Beschreibung: Ein kurzer Einblick darüber, wie sich der Sufismus vom Islam unterscheidet und wie er den Lehren des Islam widerspricht.  Dieser erste Teil definiert den Sufismus, erwähnt seine Ursprünge und wie er sich in der Vorstellung des Glaubens an Gott, des Glaubens an den Propheten Muhammad (Gottes Segen und Frieden seien auf ihm) und dem Glauben an Paradies und Hölle vom Islam unterscheidet.  

  • von Abdurrahman Murad (© 2009 IslamReligion.com)
  • Veröffentlicht am 16 Mar 2009
  • Zuletzt verändert am 21 Oct 2010
  • Gedruckt: 446
  • Gesehen: 29209 (Tagesmittelwerte: 8)
  • Bewertung: 1.6 von 5
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Einleitung   

Ob von einem Dokumentarfilm oder von einer wunderschön aufgemachten Website, die meisten haben schon einmal von ´Sufis´ und dem ´Sufismus´ gehört; Fernsehprogramme werden ausgestrahlt, Gäste in Talkshows machen von sich Reden und Politiker scheinen an dieser Gruppe ein großes Interesse zu haben... man braucht nur das Wort ´Sufi´ in irgendeine Suchmaschine einzugeben und schon wird man von allen möglichen Videos und Bildern überschüttet, die verfügbar sind.  Im Cyberspace kann man Bilder und Videos von Sufimystikern und Älteren sehen, die rhythmisch zu vibrierenden Melodien im Hintergrund tanzen.  Verwirrende Bilder von älteren Sufimystikern, die mit Messern in ihre Köpfe stechen oder sich anderen unterschiedlichen Folterungen unterziehen, sind ebenfalls allgegenwärtig zu finden.  Jemand, der sich für den Islam interessiert, könnte eine falsche Vorstellung vom Islam und den Muslimen bekommen, denn im Abendland ist ´Sufi´ und ´Sufismus´ nur ein Synonym für Muslim und Islam. 

Die Frage, die sich stellt, ist die: sind sie wirklich Muslime und praktizieren sie tatsächlich den Islam?  Zugegeben, es gibt zahlreiche Sites, Artikel und Bücher, die geschrieben und zusammengestellt worden sind, aber die meisten sprechen auf eine emotionale Weise über den Sufismus, die einen denken lässt, sie seien voreingenommen.  In dieser einfachen Abhandlung versuche ich, auf rein informative Weise über den ´Sufismus´ zu schreiben, weit von jeglichen Neigungen entfernt. 

Obwohl sie nur eine kleine Minderheit darstellen, kann man Sufis in vielen Ländern antreffen, egal ob muslimisch oder nicht-muslimisch.  Aber im Gegensatz zu dem Glauben, dass Sufismus eine ´Gruppe´ wäre, ist der Sufismus in ´Bruderschaften´ geteilt; jede unterscheidet sich in Glaubensdingen und Praktiken von den anderen.  Einige Gruppen sind größer als andere und andere sind im Lauf der Zeit mit einander verschmolzen.  Unter den überlebenden Gruppen sind die Tijaani- Bruderschaft, die Naqschabandi- Bruderschaft, die Qadiri- Bruderschaft und die Schadthili- Bruderschaft. 

Der Ursprung des Sufismus                

In seiner frühesten Form betonten die Lehren des Sufismus, dass der Einzelne mehr Nachdruck auf die spirituellen Aspekte des Islam legen sollte, ein Ergebnis der Vielen, die dieses hohe Ziel des Islam aus den Augen verloren haben.  Nach einer Zeit haben unehrenhafte Ältere fremde Praktiken in den Islam eingeführt, die von ihren Anhängern begrüßt wurden.  Zu diesen eingeführten Praktiken gehörten Tanzen, Musik spielen und sogar das Konsumieren von Haschisch. 

Der Gelehrte Ibn al-Jawzi schrieb in seinem Buch ´Tablis Iblis´ über den Ursprung des Namens, den diese Gruppe verwendete, indem er sagte: "Sie werden bei diesem Namen genannt, in Verbindung mit der ersten Person, die ihr Leben dafür weihte, bei der Ka´bah Gott zu dienen, deren Name war Sufah." 

Hiernach nannten sich jene, die ihm nacheifern wollten, selbst ´Sufis´.  

Ibn al-Jawzi nennt auch noch einen anderen Grund, er sagte: "sie trugen wollene Kleidung."  Wolle heißt auf arabisch ´suuf´ und wollene Kleidung war in jenen Zeiten ein Zeichen für einen Asketen, denn Wolle war die billigste Kleidung und sie war sehr rauh auf der Haut; kurz gesagt, sie war ein Zeichen der Askese.   Jedenfalls gab es das Wort ´Sufi´zur Zeit des Propheten und seiner Gefährten noch nicht, sondern es tauchte erst ungefähr im 2. Jahrhundert der Hijrah auf (200 Jahre nach der Auswanderung des Propheten nach Medina). 

Der wohlbekannte Gelehrte, Ibn Taymiyyah, erwähnte auch, dass der Sufismus zuerst in Basrah im Irak, aufgetreten ist, wo manche Menschen im Gottesdienst und im Meiden des weltlichen Lebens zu solchen Extremen gingen, wie man es in anderen Ländern nie gesehen hatte.[1]

Was also ist Sufismus? 

Sufismus besteht aus einer Reihe von Konzepten und Praktiken, die von Armut, Zurückgezogenheit, Täuschung, Verzicht, bis hin zum Singen und Tanzen reichen, und er basiert auf der Vermischung vieler verschiedener Religionen und Philosophien, wie der griechischen Philosophie, dem Zoroastismus, dem Buddhismus, dem Hinduismus ebenso wie dem Islam.  Sufis bezeichnen sich oft selbst als "Islamische Mystiker" oder sie werden von den Orientalisten als solche bezeichnet, um den Eindruck zu erwecken, dass der Islam gänzlich oder teilweise eine dogmatische Religion mit zahlreichen bedeutungslosen Ritualen sei.  Gerade diese Natur des Sufismus (oder Tasawwuf ) widerspricht dem, woran die Muslime glauben sollen, das erkläre ich später noch, wenn ich auf den Glauben der Sufis allgemein zu sprechen komme. 

Die Züge eines Muslim  

Ein Muslim bezieht sich in religiösen Angelegenheiten immer auf den Qur´an und die Überlieferungen des Propheten Muhammad, Gottes Segen und Frieden seien auf ihm, die Sunnah genannt werden.  Gott sagt uns im Qur´an:  

“Und es ziemt sich nicht für einen gläubigen Mann oder eine gläubige Frau, dass sie – wenn Gott und Sein Gesandter eine Angelegenheit beschlossen haben – eine andere Wahl in ihrer Angelegenheit zu treffen.  Und der, der Gott und Seinem Gesandten nicht gehorcht, geht wahrlich in offenkundiger Weise irre.” (Quran 33:36)

Der Prophet Muhammad betonte die Wichtigkeit, dem Qur´ an und der Sunnah zu folgen und welche Gefahr davon ausgeht, wenn irgendwelche Erneuerungen in den Islam eingeführt werden.  Es ist wohlbekannt, dass der Prophet gesagt hat: "Wer eine Tat verrichtet, die nicht im Einklang mit meinen Befehlen steht, die soll zurückgewiesen werden." (Sahieh Muslim)

Ibn Mas’uud (ein Gefährte des Propheten), möge Gott mit ihm zufrieden sein, sagte:

“Der Gesandte Gottes, Gottes Segen und Frieden seien auf ihm, machte mit seiner Hand eine gerade Linie auf dem Boden, dann sprach er: "Dies ist der gerade Weg Gottes."  Dann zog er auf jeder Seite der geraden Linie eine (kurze) Linie; dann sagte er: "Diese (kurzen) Linien - jede einzelne hat einen Teufel, der die Menschen zu ihr einlädt."  Dann rezitierte er die Verse (aus dem Qur´an):  

“Und dies ist Mein gerader Weg.  So folgt ihm; und folgt nicht den (verschiedenen) Wegen, damit sie euch nicht weitab von Seinem Weg führen.” (Quran 6:153)

Sahieh: Überliefert von Ahmed und an-Nasaai´ie. 

Von einem Muslim wird also verlangt, Gott und Seinem Gesandten zu gehorchen.  Dies ist die größte Autorität im Islam.  Man braucht nicht blind religiösen Führern zu folgen; von uns Menschen wird vielmehr verlangt, dass wir unsere Fähigkeiten nutzen, die Gott uns verliehen hat: zu denken und vernünftig zu urteilen.  Der Sufismus andererseits besitzt eine verbindliche Ordnung, die den Menschen seines freien Denkens und seiner persönlichen Diskretion beraubt, und ihn der Gnade des Scheikhs dieser Ordnung unterwirft... wie von einigen Sufi-Ältesten gesagt wurde: ´man muss mit seinem Scheikh sein, wie ein Toter, der gewaschen wird´; d.h. man sollte nicht diskutieren oder der Ansicht des Scheikhs widersprechen, sondern absoluten Gehorsam und Unterwerfung ihm gegenüber zum Ausdruck bringen.

Wahre Muslime sind mit dem Namen "Muslim" zufrieden, den Gott, der Allmächtige, ihnen gegeben hat:

“Er hat euch erwählt und hat euch nichts auferlegt, was euch in der Religion bedrücken könnte, der Religion eures Vaters Abraham.  Er (Gott) ist es, Der euch (in den früheren Schriften) vordem schon Muslime nannte und (nun) in diesem (Buch).” (Quran 22.78)

Sufis mögen darauf bestehen, dass sie Muslime sind, aber zur gleichen Zeit bestehen manche darauf, sich eher als Sufis zu bezeichnen denn als Muslime.

Islamische Glaubensgrundlagen auf einen Blick: Glaube an Gott            

Kurz gesagt, ein Muslim glaubt an die Einzigartigkeit Gottes.  Er hat keinen Partner, niemand ist wie Er.  Gott, der Allmächtige, sagt:      

“Es gibt nichts Seinesgleichen;[2] und Er ist der Allhörende, der Allsehende.” (Quran 42:11)

Gott ist von Seiner Schöpfung getrennt und kein Teil von ihr.  Er ist der Schöpfer und alles andere ist Seine Schöpfung. 

Sufis haben abweichende Ansichten über Gott, den Allmächtigen, darunter sind folgende:   

a)     Al-Huluul: Diese Ansicht besagt, Gott, der Allmächtige, weile in Seiner Schöpfung. 

b)     Al-It’tihaad: Diese Ansicht besagt, Gott, der Allmächtige, und die Schöpfung seien eins, eine vereinigte Erscheinung. 

c)     Wahdatul-Wujuud: Diese Ansicht besagt, man solle nicht zwischen dem Schöpfer und der Schöpfung unterscheiden, denn Schöpfer und Schöpfung seien eine Einheit.  

Mansuur al-Hallaaj, eine hoch geschätzte Persönlichkeit bei den Sufis, behauptete: "Ich bin Der, Den ich liebe," dann rief er aus, "Der, Den ich liebe, bin ich; Wir sind zwei Seelen, die in einem Körper leben.  Wenn ihr mich seht, seht ihr Ihn und wenn ihr Ihn seht, seht ihr mich.”[3]

Muhiyddin Ibn Arabi, eine andere geschätzte Persönlichkeit im Sufismus, war berüchtigt für seine Aussage: "Was unter meinem Kleid ist, ist nichts als Gott."  Und "Der Diener ist der Herr und der Herr ist ein Diener."[4]

Diese oben genannten Ansichten widersprechen dem muslimischen Glauben an die Einheit Gottes völlig, denn der Islam ist ein strikter Monotheismus.  Diese Hauptdoktrinen der Sufis sind nicht weit von einigen der christlichen oder der hinduistischen Doktrinen der Reinkarnation entfernt.  S. R. Sharda sagte in seinem Buch ‘Sufi Thought’(Sufigedanken): "Die Sufiliteratur der Periode nach Timur zeigt eine bedeutende Veränderung der Denkinhalte.  Es ist pantheistisch.  Nach dem Machtverlust der orthodoxen Muslime in Zentralindien vor fast einem Jahrhundert aufgrund der Invasion der Timur, war der Sufismus von der Kontrolle durch die muslimischen Orthodoxen befreit und verband sich mit hinduistischen Heiligen, die ihn auf erstaunliche Weise beeinflussten.  Die Sufis übernahmen den Monismus und die weibliche Ergebung von der Vaishnava Vedantischen Schule und Bhakti und Yogi- Praktiken der Vaishnava Vedantischen Schule.  Zu jener Zeit hatte die Popularität des vedantischen Pantheismus unter den Sufis ihren Höhepunkt erreicht.”

Glaube an den Propheten Gottes    

Ein Muslim glaubt, dass der Prophet Muhammad der letzte Prophet und Gesandte Gottes war.  Er war weder göttlich, noch wird er angebetet; aber ihm ist zu gehorchen und man kann Gott nicht anbeten, außer auf die Art und Weise, die der Prophet Muhammad, Gottes Segen und Frieden seien auf ihm, gutgeheißen hat.    

Die sufistische Ordnung hält eine breite Vielfalt an Ansichten in Verbindung mit dem Propheten, Gottes Segen und Frieden seien auf ihm, bereit.  Unter ihnen gibt es solche, die glauben, er hätte nicht das Wissen besessen, das die Sufi-Ältesten besitzen.  Al-Bustami, ein Sufi-Schaikh, sagte: "Wir haben ein Meer des Wissens betreten, an der Küste, an der die Propheten und Gesandten gestanden haben.”

Andere Sufis schreiben dem Propheten, Gottes Segen und Frieden seien auf ihm, eine gewisse Art der Göttlichkeit zu, indem sie sagen, dass die gesamte Schöpfung von dem ´Licht´des Propheten Muhammad erschaffen wurde.  Einige glauben sogar, er sei das erste Geschöpf gewesen, und er würde auf Gottes Thron ruhen; dies ist der Glaube von Ibn Arabi und anderen Sufis, die ihm nachfolgten. 

Glaube an Himmel und Hölle     

Kurz gesagt, Muslime glauben, dass sowohl der Himmel als auch die Hölle bereits jetzt existieren, und sie sind beide wirkliche Aufenthaltsorte.  In der Hölle wird die sündige Person bestraft, und im Himmel wird die fromme Person belohnt.  

Sufis glauben allgemein, dass man Gott nicht bitten muß, einem das Paradies zu gewähren; sie behaupten sogar, dass der Wali (Hüter) nicht darum bitten sollte, denn es sei ein Zeichen für mangelnde Intelligenz.  Für sie hat das ´Paradies´ eine übertragene Bedeutung, und zwar, die Kenntnisse von der Verborgenheit von Gott zu erhalten und sich in Ihn zu verlieben.

Was die Hölle angeht, glaubt ein Sufi, dass man nicht versuchen sollte, davor zu fliehen.  Nach ihnen sollte ein wahrer Sufi keine Angst vor dem Feuer haben.  Manche glauben sogar, wenn ein Sufi-Älterer auf das Feuer spuckte, würde es ausgehen, wie Abu Yazid al-Bustami behauptet hat. 



Footnotes:

[1] Al-Fataawaa (11/6)

[2] Es gibt keinerlei Ähnlichkeit zwischen dem Schöpfer und Seiner Schöpfung im wesentlichen, in Seinen Eigenschaften oder Taten. 

[3] At-Tawaasien by Al-Hallaj

[4] Al-Fatoohaatul-Makkiyyah & Al-Fatoohaat

 

 

Sufismus (teil 2 von 2)

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Beschreibung: Einige Prinzipien des Sufismus, die Rolle des "Schaikh", des Bundes, des “Dhikr” und der Stand des Sufismus zur Qur´aninterpretation; alles Dinge, die den Lehren des Islam stark widersprechen.

  • von Abdurrahman Murad (© 2009 IslamReligion.com)
  • Veröffentlicht am 23 Mar 2009
  • Zuletzt verändert am 23 Mar 2009
  • Gedruckt: 369
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Prinzipien des Sufismus

‘Willige und absolute Ergebenheit dem Schaikh’, ist vermutlich das Motto des Sufismus.  Auf den ersten Blick ist klar, dass ein besonderer und vollständiger Bund  zwischen dem Anführer der Sufibruderschaft (dem ´Schaikh´) und dem Muried (Anhänger) gebildet wird; um die Prinzipien des Sufismus zu verstehen, muss man aber auch seine Grundstruktur verstehen.  Wie sieht diese also aus?     

Grundsätzlich legt der Anhänger einen Treueschwur ab, wodurch er sich verpflichtet, dem Schaikh gehorsam zu sein und im Gegenzug verspricht der Schaikh, seinen Anhänger von jedem Problem oder Kümmernis zu befreien, das ihn befallen könnte.  Der Schaikh bietet dem aufrichtigen Anhänger lohnende Vorteile am Rande.  Sobald der Anhänger zustimmt, wird er gesegnet und ihm werden einige Dhikr (Gesänge) zugewiesen.  Der Anhänger soll sein Leben auf eine Weise weiterleben, die ihm die Sufibruderschaft vorschreibt.  Wenn ein Konflikt in bezug auf seine Pflichten gegenüber der Bruderschaft und äußere Pflichten auftritt, muss der Anhönger den Anweisungen seines Schaikhs entsprechend handeln.  In diesem Fall wird die Macht des Schaikhs absolut. 

In allem ist der Anhänger von der Außenwelt abgeschlossen und wird auf viele Arten ausgenutzt.  Als Muslime glauben wir, dass kein menschliches Wesen spezielle Kräfte oder Fähigkeiten besitzt, um uns von den Qualen im Grab oder im Jenseits zu befreien.  Jeder von uns wird vor Gott stehen, und es wird über jeden einzeln gerichtet werden. 

Gott sagt uns: 

“Und keine Seele wirkt, es sei denn, gegen sich selbst, und keine lasttragende (Seele) soll die Last einer anderen tragen.” (Quran 6:164)

Wir glauben auch, dass wir uns als Muslime niemand anderem als Gott, dem Allmächtigen, unterwerfen und hingeben dürfen.  Alle außer dem Schöpfer neigen dazu, Fehler zu begehen.  Der Prophet (Gottes Segen und Frieden seien auf ihm)  sagte:  

“Jeder Sohn Adams begeht Fehler und die besten von ihnen sind die, die bereuen.” (Tirmidhi)

Der Schaikh

Er ist die ´oberste Autorität´, das absolute Oberhaupt der Bruderschaft und teilt jedem seiner Anhänger sein notwendiges Dhikr zuDiesem Menschen schwören die Anhänger vollständigen und absoluten Gehorsam; hernach treten die beiden universellen Gesetze für den Anhänger des Schaikhs in Kraft. 

a.     Der Anhänger darf niemals mit dem Schaikh streiten und ihn auch nicht nach Beweisen für seine Taten befragen. 

b.    Wer dem Schaikh widerspricht, dessen ´Bund´ mit ihm ist gebrochen und damit erlöschen für ihn auch die lohnende Vorteile, die ihm der Schaikh bot, auch wenn er sein enger Freund bleibt.  

Als Muslime glauben wir, dass alle gottesdienstliche Handlungen ´Tauqiefijah´ sind, d.h. keine Auswahlmöglichkeit besteht, sondern sie sind durch Beweise zu belegen, die sowohl authentisch als auch entscheidend sind.  Gott der Allmächtige sagt uns:  

“Bringt euren Beweis her, wenn ihr wahrhaftig seid.” (Quran 2:111)

Wir glauben, dass es keinen Vermittler zwischen Gott und Seinen Dienern gibt, wir dürfen Gott direkt ansprechen.  Gott sagt uns:

“Und euer Herr sprach: "Bittet Mich, Ich will eure Bitte erhören."  Die aber, die zu überheblich sind, um Mir zu dienen, werden unterwürfig in die Hölle eintreten.” (Quran 40:60)

Im Sufismus wird der Schaikh als ´der inspirierte Mann´ angesehen, ´vor dessen Augen die Geheimnisse der Verborgenheit enthüllt wurden, denn die Schaikhs sehen mit dem Lichte Gottes und wissen, welche Gedanken und Verwirrungen in den Herzen des Menschen sind.  Nichts kann vor ihnen verborgen werden´.[1]  Ibn Arabi behauptete, er pflege direkte Offenbarungen von Gott zu erhalten, ähnlich der Weise, wie es der Prophet Muhammad erhalten hatte, und es wird zitiert, dass er sagte: "Einige Werke, die ich auf Befehl Gottes schrieb, sandte mir Gott im Schlaf oder durch mystische Offenbarungen".  M. Ibn Arabi, “The Bezels of Wisdom,” S.3ff

Wir glauben, dass die Kenntnis von der Verborgenheit auf Gott Allein beschränkt ist.  Jeder, der behauptet, Kenntnis von der Verborgeheit zu besitzen, erzählt Lügen.  Gott sagt uns:

“Wer ist ungerechter als derjenige, der eine Lüge gegen Gott erdichtet oder sagt: "Mir wurde offenbart," während ihm doch nichts offenbart worden war?” (Quran 6:93)

Der Prophet (Gottes Segen und Frieden seien auf ihm) sagte:

“Erdichtet keine Lügen gegen mich, denn derjenige, der dies tut, betritt das Feuer.” (Sahieh Muslim)

Der Bund

Dies ist eine interessante Zeremonie, die bei weitem das wichtigste Prinzip des Sufismus darstellt und bei allen sufistischen Bruderschaften zu finden ist.  Hier fassen sich der Schaikh und seine Anhänger an den Händen und schließen ihre Augen in schlafähnlicher Meditation.  Der Anhänger schwört aus freiem Willen und mit ganzem Herzen, den Schaikh als ihren Führer und Leiter zum Weg Gottes zu respektieren.  Er schwört an den Riten der Bruderschaft sein Leben lang festzuhalten und verspricht, niemals davon wegzugehen, gleichzeitig schwört der Anhänger vollständige und bedingungslose Treue, Gehorsam und Loyalität dem Schaikh gegenüber.  Danach rezitiert der Schaikh:  

“Wahrlich, diejenigen, die dir huldigen – sie huldigen in der Tat nur Gott.” (Quran 48:10)

Dem Anhänger wird ein spezielles Dhikr gegeben.  Der Schaikh fragt den Anhänger: "Hast du mich als deinen Schaikh geistlichen Führer vor Gott, dem Allmächtigen, akzeptiert?"  Der Anhänger antwortet darauf: "Ich habe akzeptiert."  Darauf antwortet der Schaikh: "Und wir haben akzeptiert."  Beide rezitieren das Glaubensbekenntnis und die Zeremonie endet damit, dass der Anhänger die Hand des Schaikhs küsst. 

Diese ganze Zeremonie war während des Lebens unseres Propheten und der drei besten Generationen, die darauf folgten, unbekannt.  Der Prophet (Gottes Segen und Frieden seien auf ihm) sagte:

“Wer nach mir lebt, wird viele Unterschiede (d.h. religiöse Erneuerungen) sehen; daher haltet an meiner Sunnah und der Sunnah meiner Rechtgeleiteten Kalifen fest.” (Abu Dawuud)

Der Prophet (Gottes Segen und Frieden seien auf ihm) sagte ebenfalls: 

“Wahrlich, die beste Rede ist das Buch Gottes, und die beste Rechtleitung ist die Rechtleitung von (dem Propheten) Muhammad und das Schlechte in allen religiösen Angelegenheiten ist eine Bid´ah, und jede Bid´ah ist eine Irreführung, und jede Irreführung wird ins Feuer führen.” (Sahieh Muslim)

Imam Malik, möge Allah mit ihm zufrieden sein, sagte: "Derjenige, der eine Erneuerung in die Religion des Islam einführt und es für eine gute Sache hält, der behauptet in der Tat damit, dass Muhammad bei der (vertrauenswürdigen Übermittlung der) Göttlichen Botschaft betrogen hat.”

Das Dhikr

Es ist ebenfalls als ´Wird´ bekannt und im Sufismus ist es das ständige Wiederholen von Gottes Namen und das Wiederholen einer bestimmten Anzahl von Anrufungen.  Diese Anrufungen können das Ersuchen toter Menschen oder anderer als Gott um Hilfe bei Bedürfnissen beinhalten, die nur Gott, der Allmächtige, gewähren kann. 

Ahmad at-Tijani, ein Sufi-Älterer, behauptete, das Wird sei vom Propheten Muhammad zurückgehalten worden; er habe es keinem seiner Gefährten gelehrt.    At-Tijani behauptete, der Prophet habe gewusst, dass eine Zeit kommen würde, zu der das Wird öffentlich gemacht würde, aber die Person, die dies tun würde, sei dann nicht mehr existent.  Als Ergebnis dessen glauben Sufis, dass es eine fortwährende Kette der Übermittlung zwischen dem Propheten Muhammad und ihrem gegenwärtigen Schaikh gäbe. 

Dhikr wird von den Sufi-Älteren in drei Kategorien unterteilt:. 

A.    Dhikr der Gemeinde, in dem sie ‘La ilaaha ill-Allah Muhammad-ur-Rasuulullah’ (d.h. es gibt keine Gottheit, der Anbetung zusteht, außer Allah und Muhammad ist der Gesandte Gottes.)

B.    Dhikr der oberen Klasse, was das Wiederholen von Gottes Namen ´Allah´ ist. 

C.    Dhikr der Elite, was das Wiederholen des göttlichen Pronomens ´Hu´ (d.h. Er) ist. 

Zeitweilig wird das Dhikr in melodischen Hymnen mit geschlossenen Augen gesungen, reichlich Musik kann gespielt werden (manchmal ist dies wesentlich); desweiteren tanzen manche vor dem Schaikh, während sie die Dhikr sagen.  Häufig beinhalten die Dhikr offenen Polytheismus (die größte Sünde im Islam).  Gott sagt uns:  

“(Dies) wo dir doch offenbart worden ist, wie schon denen vor dir: "Wenn du (Gott) Nebengötter zur Seite stellst, so wird sich dein Werk sicher als eitel erweisen, und du wirst gewiss unter den Verlierenden sein.” (Quran 39:65)

Auslegung des Qur´an

Im Sufismus ist das Studium der Qur´anauslegung oder das Nachdenken über seine Bedeutung verpönt, zu manchen Zeiten sogar verboten.  Sufis behaupten, dass jeder Vers des Qur´an eine äußerliche und eine innerliche Bedeutung besitzt.  Die innerliche Bedeutung wird nur von den Sufi-Älteren verstanden.  Aufgrund dessen habenn Sufis Konzepte und Worte eingeführt, die den Lehren des Islam völlig fremd sind. 

Im Qur´an fordert Gott, der Allmächtige, uns auf, Seine Worte richtig zu verstehen.  Gott sagt:

“Es ist ein Buch voll des Segens, das Wir zu dir herabgesandt haben, auf dass sie über seine Verse nachdenken, und auf dass diejenigen ermahnt werden mögen, die verständig sind.” (Quran 38:29)

Die Qur´anexegese wird vervollständigt, indem der Qur´an gemeinsam mit der Sunnah studiert wird; diese beiden Quellen des Islamischen Gesetzes müssen Hand in Hand gehen als eine integrale Einheit.  Wir sollen den Qur´an und die Sunnah auf die Weise verstehen, wie sie von den ersten Generationen verstanden wurde. 

Schlussfolgerung

Wie an dem Oberen zu erkennen ist, unterscheidet sich der Sufismus ziemlich drastisch von dem wahren Geist des Islam.  Sufismus prägt dem Anhänger ein, auf die grundlegenden Fakutäten, die ihm von Gott, dem Schöpfer der Welten, gegeben worden sind, zu verzichten und sich selbst einer Form der Sklaverei zu unterwerfen. 

Der Islam andererseits ist sehr einfach; es besteht kein Bedarf an Vermittlern oder irgendwelchen Heiligen zwischen dem Menschen und Gott, und man soll sich einzig und allein Gott, dem Allmächtigen, hingeben und unterwerfen.



Footnotes:

[1] Saif an-Nasr, Siera of Hamidiyyeh, 1956

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