Der Unterschied zwischen der Sunnah und dem
Qur´an
Der Qur´an ist die Grundlage des
islamischen Rechts. Es ist die wunderbare Rede Gottes, die dem Gesandten, Gottes
Segen und Frieden seien auf ihm, durch den Engel Gabriel offenbart worden ist.
Er wurde uns durch so viele zuverlässige Quellen übermittelt, dass seine
historische Glaubwürdigkeit absolut unfragwürdig ist. Er wurde als eigenes
Buch aufgeschrieben und seine Rezitation ist eine Form des Gottesdienstes.
Was die Sunnah angeht, so ist das alles
andere, das vom Gesandten Gottes stammt, außer dem Qur´an. Sie erklärt und
liefert Einzelheiten für die Gesetze, die im Qur´an stehen. Sie liefert
ebenfalls Beispiele für die praktische Anwendbarkeit dieser Gesetze. Es
handelt sich bei ihr also entweder um direkte Offenbarung von Gott oder um
Entscheidungen des Gesandten, die dann durch Offenbarung bestätigt wurden. Daher
ist die Quelle aller Sunnahs die Offenbarung.
Der Qur´an ist die Offenbarung, der
formell als ein Akt des Gottesdienstes rezitierte wird, und die Sunnah ist
Offenbarung, die nicht rezitiert wird. Die Sunnah ist also genau wie der
Qur´an eine Offenbarung, der Folge geleistet und beibehalten werden muss.
Dem Qur´an muss auf zwei Arten der Vorrang
gegeben werden. Einerseits besteht der Qur´an auf wunderbare Art bis zum
letzten Vers aus den exakten Worten Gottes. Die Sunnah allerdings muss nicht
unbedingt aus dem exakten Worten Gottes bestehen, sondern in der Bedeutung, die
uns durch den Propheten erklärt wurde.
Die Stellung der Sunnah im islamischen Recht
Während der Lebenszeit des Gesandten waren
der Qur´an und die Sunnah die einzigen Quellen der islamischen Gesetzgebung.
Der Qur´an liefert die allgemeinen
Anordnungen, die die Grundlage des Rechts bilden, ohne auf alle Einzelheiten und
die sekundäre Gesetzgebung einzugehen, mit Ausnahme weniger Anordnungen, die
mit den allgemeinen Prinzipien einhergehen. Diese Anordnungen sind nicht
Subjekt der Veränderung im Lauf der Zeit oder der wechselnden Umstände der
Menschen. Der Qur´an kommt mit der Glaubenslehre, legt die gottesdienstlichen
Handlungen fest, erwähnt die Geschichten der Früheren und liefert sittliche
Richtlinien.
Die Sunnah steht in Übereinstimmung mit
dem Qur´an. Sie erläutert die Bedeutungen dessen, was im Text unklar ist,
liefert Details für das, was allgemein beschrieben ist, spezifiziert, was
allgemein gehalten ist und erklärt Anordnungen und Ziele. Die Sunnah kommt
ebenfalls mit Anordnungen, die der Qur´an nicht liefert, die aber immer mit
seinen Prinzipien harmonieren, und sie fördern immer die Ziele, die im Qur´an
hervorgehoben werden.
Die Sunnah ist ein praktischer Ausdruck
dessen, was im Qur´an steht. Dieser Ausdruck kann verschiedene Formen haben.
Manchmal ist es etwas, das der Gesandte Gottes getan hat. Ein anderes Mal ist
es eine Aussage, die er als Antwort auf eine Frage gegeben hat. Manchmal ist
es eine Aussage oder Handlung eines seiner Gefährten, die er weder unterbunden
noch abgelehnt hat. Im Gegenteil blieb er still oder drückte seine Zustimmung
darüber aus.
Die Sunnah erklärt und verdeutlicht den
Qur´an auf vielerlei Art. Sie erklärt, wie die gottesdienstlichen Handlungen
durchzuführen und die Gesetze anzuwenden sind. Gott befiehlt den Gläubigen das
Gebet, ohne die Zeiten, zu denen die Gebete verrichtet werden sollen oder die
Art und Weise wie gebetet werden soll, zu erwähnen. Der Gesandte verdeutlichte
dies mit seinen igenen Gebeten und indem er die Muslime lehrte, wie sie beten
sollen. Er sagte: "Betet, wie ihr mich beten gesehen habt."
Gott machte Hağğ, die
Pilgerreise, zur Pflicht, ohne ihre Riten zu erklären. Der Gesandte Gottes
erklärte dies, indem er sagte:
“Übernehmt die Riten der
Hağğ von mir."
Gott machte die Zakat –Steuer zur Pflicht,
ohne zu erwähnen, welche Arten von Vermögen und Produkten besteuert werden. Gott
erwähnt auch nicht die Mindestmenge an Vermögen, die zur Steuer verpflichtet. Die
Sunnah aber verdeutlicht all dies.
Die Sunnah spezifiziert allgemeine
Aussagen aus dem Qur´an. Gott sagt:
“Gott schreibt euch hinsichtlich eurer Kinder
vor: auf eines männlichen Geschlechts kommt (bei der Erbteilung) gleichviel wie
auf zwei weiblichen Geschlechts... ” (Quran 4:11)
Der Wortlaut ist allgemein auf jede
Familie anwendbar und macht jedes Kind zum Erben seiner oder ihrer Eltern. Die
Sunnah spezifiziert diese Regel weiter, indem die Kinder der Propheten
ausgeschlossen werden. Der Gesandte Gottes sagte:
“Wir Propheten hinterlassen keine
Erbschaft. Was auch immer wir hinterlassen ist Almosen.”
Die Sunnah beschreibt ungenaue Aussagen
des Qur´an genauer. Gott sagt:
“…und wenn ihr kein Wasser findet, so sucht
reinen Sand und reibt euch damit Gesicht und Hände ab… (Quran 5:6)
Der Vers erwähnt nicht das Ausmaß der
Hand, lässt die Frage offen, ob man die Hände bis zum Handgelenk oder über den
Unterarm reiben soll. Die Sunnah verdeutlicht es und zeigt, dass es bis zum
Handgelenk ist, denn der Gesandte Gotts tat es so, wenn er Tayammum machte.
Die Sunnah betont auch, was im Qur´an
steht oder liefert sekundäre Gesetzgebungen für ein Gesetz, das darin erwähnt
wird. Dies enthält alle Hadith die darauf hinweisen, dass Gebet, Zakahsteuer,
Fasten und Hağğ verpflichtend sind.
Ein Beispiel dafür, wie die Sunnah
untergeordnete Regelungen für eine Anordnung, die man im Qur´an findet,
liefert, ist die Regel, dass es verboten ist, Früchte zu verkaufen, bevor sie beginnen,
zu reifen. Die Grundlage für dieses Gesetz bildet die Aussage des Qur´an:
“Bringt euch nicht untereinander in
betrügerischer Weise um euer Vermögen! Anders ist es, wenn es sich um ein
Geschäft handelt, das ihr in gegenseitigem Übereinkommen abschließt.” (Quran
4:29)
Die Sunnah enthält Regelungen, die nicht
im Qur´an erwähnt werden und die nicht verdeutlichen, was im Qur´an erwähnt
wird. Ein Beispiel hierfür ist das Verbot, Eselfleisch zu essen und das
Fleisch von Raubtieren. Ein weiteres Beispiel ist das Verbot, eine Frau und
ihre Tante zur gleichen Zeit zu heiraten. An diese und andere Regelungen, die
die Sunnah liefert, muss man festhalten.
Die Verpflichtung, an der Sunnah festzuhalten
Ein Erfordernis des Glaubens an das
Prophetentum ist, alles was der Gesandte Gottes gesagt hat, als wahr zu
akzeptieren. Gott wählt Seine Gesandten unter Seinen Dienern aus, um Sein
Gesetz der Menschheit zu überbringen. Gott sagt:
“…Gott weiß am besten, wem Er Seine Botschaft
anvertraut…” (Quran 6:124)
Gott sagt auch:
“…sind die Gesandten für irgend etwas außer für
die deutliche Verkündigung verantwortlich?” (Quran 16:35)
Der Gesandte war vor Irrtümern in allen
seinen Handlungen beschützt. Gott hat seine Zunge davor bewahrt, irgend etwas
anderes als die Wahrheit zu sagen. Gott hat seine Glieder davor geschützt,
etwas zu tun, das nicht richtig ist.
Gott hat ihn behütet, irgend etwas das dem
islamischen Gesetz widerspricht, zu billigen. Er ist das vollständigste
Geschöpf Gottes. Dies geht klar daraus hervor, wie Gott ihn im Qur´an
beschreibt:
“Beim Stern, wenn er heruntersaust! Euer
Gefährte ist weder verwirrt, noch befindet er sich im Unrecht, noch spricht er
aus Begierde. Vielmehr ist es eine Offenbarung, die (ihm) eingegeben wird.” (Quran
53:1-4)
Wir sehen an den Hadithen, dass keine Umstände,
egal welcher Art, den Propheten davon abhalten konnten, die Wahrheit zu sagen.
Auch wenn er wütend war, beeinträchtigte das seine Sprache nicht. Er sagte nie
etwas Falsches, auch wenn er scherzte nicht. Seine eigenen Interessen ließen
ihn nie schwanken. Das einzige Ziel, das er verfolgte, war das Wohlgefallen
Gottes.
Abdullah b. Amr b. al-Aas berichtete, dass
er alles niederschrieb, was der Gesandte Gottes zu sagen pflegte. Dann verbot
der Stamm der Quraisch ihm, dies zu tun, als sie sagten: "Schreibst du
alles auf, was der Gesandte Gottes sagt, und er ist nur ein Mann, der mit
Zufriedenheit und mit Ärger spricht?"
Abdullah b. Amr hörte auf zu schreiben und
erzählte dies dem Gesandten Gottes, der ihm sagte:
“Schreib´, denn bei Dem in Dessen
Hand meine Seele ist, nur Wahrheit kommt hier heraus.” …und er zeigte auf
seinen Mund.
Der Qur´an, die Sunnah und der Konsens der
rechtsgelehrten betonen alle die Tatsache, dass es Pflicht ist, dem Gesandten
Gottes zu gehorchen. Gott sagt im Qur´an:
“O ihr, die ihr glaubt, gehorcht Gott und
gehorcht dem Gesandten und denen, die unter euch Befehlsgewalt besitzen. Und
wenn ihr über etwas streitet, so bringt es vor Gott und den Gesandten, wenn ihr
an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag...” (Quran 4:59)
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