Zakah
Die dritte Pflicht ist Zakah. Jeder
Muslim, dessen finanzielle Bedingungen ein bestimmtes Minimum überschreiten,
muss jährlich 2,5 Prozent von seinem oder ihrem Vermögen einem bedürftigen
Mitmenschen geben. Dies ist das Minimum. Je mehr du
gibst, deso höher ist die Belohnung, die Gott dir dafür gewährt.
Das Geld, das wir als Zakah zahlen,
ist nichts, das Gott bräuchte oder bekäme. Er steht über jeglichen Wünschen
oder Bedürfnissen. In Seiner gutmütigen Barmherzigkeit verspricht Er uns
vielfache Belohnung, wenn wir unseren Brüdern helfen. Aber es gibt eine
Grundbedingung dafür, derart belohnt zu werden. Und das ist folgende: dass wir
es im Namen Gottes geben und wir sollten dafür keine weltlichen Gewinne von den
Empfängern erwarten oder verlangen oder uns als Wohltäter bezeichnen.
Zakah ist
eine Grundlage im Islam, wie auch andere Formen des Gottesdienstes: Salah
(Gebete) und Saum (Fasten). Die grundsätzliche Wichtigkeit der Zakah
liegt in der Tatsache, dass es in uns die Bereitschaft abzugeben fördert
und uns von unserer Selbstsüchtigkeit und Geldgier befreit. Der Islam
akzeptiert in seinen Reihen nur diejenigen, die bereit sind, einen Teil von
ihrem hart verdienten Wohlstand ohne irgendweche zeitweiligen oder persönlichen
Gewinne auf dem Wege Gottes zu spenden. Er hat mit den Geizigen nichts zu tun.
Ein wahrer Muslim wird, wenn er dazu aufgefordert wird, seinen gesamten Besitz
auf dem Wege Gottes spenden, denn Zakah hat ihn bereits auf derartige
Opfer vorbereitet.
Die Einrichtung der Zakah birgt
einen immense Nutzen für die Gesellschaft. Es ist eine verbindliche
Verpflichtung für jeden offenherzigen Muslim, seinen niedriger gestellten
Brüdern zu helfen. Seinen Reichtum darf man nicht einzig und allein für seinen
eigenen Komfort und Luxus ausgeben, denn es gibt auch andere, die einen
berechtigten Anspruch darauf haben: da sind die Witwen und die Waisen der
Nation; die Armen und die Behinderten; und diejenigen, Fähigkeiten besitzen,
aber denen es an Mitteln mangelt, um eine sinnvolle Beschäftigung anzufangen; und
diejenigen, die über Fähigkeiten und Klugheit verfügen, aber nicht über das
Geld, um sich Wissen aneignen zu können, um so nützliche Mitglieder der
Gesellschaft zu werden. Derjenige, der das Recht solcher Mitglieder seiner
eigenen Gemeinschaft auf sein Vermögen nicht anerkennt, ist wirklich grausam.
Denn es kann keine größere Grausamkeit geben, als sein Vermögen zu horten,
während Tausende des Hungers sterben oder unter den Qualen der
Beschäftigungslosigkeit leiden. Der Islam ist ein verschworener Feind von
solcher Eigennutzigkeit, Gier und Habsucht. Menschen, in denen diese Sitten
nicht verwurzelt sind, die derartige Gefühle der Nächstenliebe nicht kennen,
sind nur darauf aus, Reichtum anzuhäufen und zu mehren, imdem sie davon gegen
Zinsen verleihen. Der Islam lehrt uns genau das Gegenteil dieser
Machenschaften. Hier teilt man seinen Reichtum mit anderen und hilft ihnen,
damit sie auf ihren eigenen Beinen stehen und produktive Mitglieder der
Gesellschaft werden können.
Hağğ
Hağğ oder die
Pilgerreise nach Mekka ist die vierte grundlegende gottesdienstliche Handlung.
Sie ist einmal im Leben eine Pflicht, aber nur für diejenigen, die dafür die
Mittel haben. Wenn Muslime die Pilgerreise unternehmen, müssen sie ihre
Begierden unterdrücken, dürfen kein Blut vergießen und sollen nur Gutes
sprechen und tun. Gott verspricht uns Belohnungen für unsere Aufrichtigkeit
und Unterwürfigkeit.
Die Hağğ ist
gewissermaßen die größte gottesdienstliche Handlung. Dies ist so, weil die
Menschen keine so lange und anstrengende Reise unternehmen würden, alle ihre
Nächsten und Lieben zurücklassen würden, wenn sie nicht Gott so überaus lieben
würden. Es scheint heutzutage leicht zu sein, mit den Möglichkeiten an
Flugzeugen und anderen Fahrzeugen; aber stell dir mal vor, was für eine lange,
anstrengende Reise, die häufig über ein Jahr dauerte, die Muslime früher
unternehmen mussten, sie waren erschöpft, litten Hunger, blickten dem Tod ins
Auge – und manche waren über ein Jahr lang unterwegs!
Die Pilgerreise ist nicht wie
irgendeine andere Reise. Hierbei sind die Gedanken der Pilger ganz auf Gott
konzentriert, ihr ganzes Wesen erzittert unter dem Geist der intensiven
Hingabe. Wenn sie die Heiligen Stätten erreichen, empfängt sie eine Atmosphäre
der Frömmigkeit und Güte; sie besuchen Plätze, die Zeugen der Glanzzeit des
Islam waren und dies alles hinterlässt einen unauslöschlichen Eindruck in ihren
Köpfen, den sie bis zu ihrem letzten Atemzug behalten werden.
Zusätzlich gibt es beim Hağğ,
wie bei den anderen gottesdienstlichen Handlungen auch, viel Nutzen, den der
Muslim daraus ziehen kann. Mekka ist das Zentrum, in dem sich die Muslime
einmal jährlich treffen und Themen von allgemeinem Interesse besprechen. Hağğ
erfrischt den Glauben in ihnen, dass alle Muslime gleich sind und Liebe und
Zuneigung verdienen, egal welchen geographischen oder kulturellen Ursprung sie
haben. Deshalb vereint Hağğ die Muslime aus der ganzen Welt und
macht aus ihnen eine internationale Bruderschaft.
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