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Agnostizismus (teil 1 von 4): Das Konzept des Agnostizismus  

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Beschreibung: Eine kurze Analyse des Konzepts des Agnostizismus. 

  • von Laurence B. Brown, MD
  • Veröffentlicht am 04 Jan 2010
  • Zuletzt verändert am 01 Apr 2012
  • Gedruckt: 565
  • Gesehen: 9550 (Tagesmittelwerte: 4)
  • Bewertung: 5 von 5
  • Bewertet von: 2
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“Wir können kein Seil schwingen, das an unserem eigenen Gürtel festgemacht ist.”
--William Ernest Hocking

Das Thema des Agnostizismus ist in jeder theologischen Diskussion von intgraler Wichtigkeit, denn Agnostizismus existiert eher selbstzufrieden gleichzeitig  mit dem breiten Spektrum der Religionen, als eine eigene oder entgegengesetzte theologische Position einzunehmen.  Thomas Henry Huxley, der Urheber des Begriffs, legte im Jahr 1869 n Chr, deutlich fest:  [1]

“Agnostizismus ist kein Glaube, sondern eine Methode, deren Wesentliches in der nachdrücklichen Anwendung eines einzigen Prinzips liegt...  Positiv kann dieses Prinzip als Angelegenheit des Intellekts ausgedrückt werden, deinem Verstand zu folgen, soweit dies ohne weitere Überlegungen möglich ist.  Und negativ in Angelegenheiten des Intellekts behaupte nicht, Schlussfolgerungen seien sicher, die nicht bewiesen wurden oder nachweisbar sind.”[2]

Das Wort selbst, wie Huxley es beabsichtigt zu haben scheint, definiert keine Sammlung religiöser Ansichten, sondern gebietet eher eine rationale Annäherung bei jeglichem Wissen, einschließlich dem von der Religion in Anspruch genommenen.  Das Wort ´Agnostizismus´ ist allerdings zu dem am meisten fehlinterpretierten Begriffen der Metaphysik geworden, der sich einer Vielfalt von Anwendungen erfreut.   

Zu unterschiedlichen Zeiten wurde dieser Begriff auf zahlreiche Individuuen und Untergruppen angewendet, die sich erheblich in den Graden ihrer Frömmigkeit und Aufrichtigkeit ihrer religiösen Zielsetzung unterschieden.  Das eine Extrem sind aufrichtige Suchende, welche auf die konkrete Wahrheit in den Religionen, denen sie ausgesetzt sind, noch nicht gestoßen sind.  Am häufigsten verwenden allerdings die religiös unmotivierten den Begriff, um ihr persönliches Desinteresse zu entschuldigen, und um hiermit zu versuchen, ihre Flucht vor der Realität der Verantwortlichkeit für ernsthaftes Bemühen um die religiösen Beweise zu rechtfertigen. 

Die moderne Definition von ´Agnostizismus´, wie wir sie im Oxford Dictionary of Current English finden, stimmt nicht streng mit Huxleys Erklärung des Begriffs überein; allerdings repräsentiert sie das allgemeinste moderne Verständnis und den gewöhnlichen Gebrauch dieses Wortes, das ist, dass ein Agnostiker jemand ist, „der glaubt, dass die Existenz Gottes nicht beweisbar ist.“[3]  Mit dieser Definition kann diese agnostische Sicht von Gott mit derartigen hypothtetischen Dingen wie Schwere, Entropie, absolute Null, schwarze Löcher, mentale Telepathie, Kopfschmerzen, Hunger, Geschlechtstrieb und die menschliche Seele eingereiht werden, die nicht mit dem Auge zu sehen sind oder mit der Hand angefasst werden können, die aber trotzdem real und offensichtlich erscheinen.  Nicht in der Lage zu sein, manche spezielle Dinge zu sehen oder in der Hand halten zu können, leugnet nicht notwendigerweise deren Existenz.  Die Religiösen argumentieren, dass die Existenz Gottes eine solche Realität sei, während die Agnostiker das Recht auf derartigen Glauben verteidigen, solange kein Beweis erbracht wurde. 

Am Rande bemerkt, die Philosophie, dass nichts absolut bewiesen werden kann, scheint ursprünglich von Pyrrho von Elis, einem griechischen Gerichtsphilosophen bei Alexander dem Großen, übernommen worden zu sein, der auch als „Vater des Skeptizismus“ bekannt ist.  Obwohl ein bestimmter Grad an Skeptizismus gesund ist,  sogar schützend, ist die extreme Einstellung des Pyrrho von Elis irgendwie problematisch.  Warum?  Weil der eingewurzelte Pyrrhonist die Skepsis des Skeptizismus (dh. einer normal denkenden Person) logisch stimuliert, bis zu der Frage: „Du behauptest, dass nichts mit Sicherheit gewusst werden kann...  wie kannst du dir dann sicher sein?“  Die Feinde der Logik können mit einer derartigen Zusammenstellung von paradoxem und philosophischem Müll eine Menge Verwirrung stiften.  Eine große Gefahr besteht in der Veführung, die Logik zugunsten einer Entscheidung des Begehrens aufzugeben.  Eine andere Gefahr ist, ein Abtauchen in intellektuelle Verdreherei zu erlauben, um den gesunden Menschenverstand zu ersticken. 

Die Menschheit sollte erkennen, dass wenn der gesunde Menschenverstand die Oberhand gewinnt, dann beginnen die hartnäckigen Verleumder, nach einem Unterschlupf Ausschau zu halten, wenn ihnen der Apfel ein paar Mal zu oft auf ihre Köpfe gefallen ist.  Nach einer Zeit werden die mit dem gesunden Menschenverstand anfangen, verschwindend kleine Intervalle des Vertrauens zu akzeptieren (oder ´P´-Werte, wie sie aus dem Bereich der statistischen Analyse bekannt sind), die in ihnen die Hoffnung auf größere, dickere und härtere Äpfel keimen lassen, um entweder die akademisch herausfordernden Pyrrhonisten zu überzeugen oder um sie einfach von der Waage zu entfernen.    

Also akzeptieren die meisten Menschen mit ihrem gesunden Menschenverstand (und ihrer allgemeinen Erfahrung) die Theorien, die ihnen am vernünftigsten erscheinen, seien sie nun wirklich bewiesen oder nicht.  Die meisten Menschen nehmen die Theorien von der Schwere, Entropie, absoluten Null, schwarzen Löcher, das Hungergefühl, die Kopfschmerzen des Autors und der Ermüdung der Augen des Lesers an – und nun, das sollten sie auch.  Diese Dinge sind verständlich.  Nach Meinung der Religiösen sollte die gesamte Menschheit die Existenz Gottes und des menschlichen Geistes akzeptieren, denn die überwältigenden Beweise, welche die vielen Wunder der Schöpfung bezeugen, unterstützen die Realität des Schöpfers bis zu dem Punkt, an dem das Level des Vertrauens die Unendlichkeit erreicht und der ´P´-Wert sich verkleinert zu etwas kleinerem, schwerer erfassbarem als die letzten Ziffern der Zahl ´pi´. 

In Hinblick auf  T. H. Huxley’s Einführung des Begriffs ´Agnostizismus´ wird zitiert, er habe erläutert: 

“Jede Variation philosophischer und theologischer Ansichten wurde dort (in der Metaphysischen Gesellschaft) repräsentiert und  machte sich in absoluter Offenheit verständlich; die meisten meiner Kollegen waren von der einen oder der anderen Sorte und, so nett und freundlich sie auch sein mögen, ich – ein Mann ohne Etikett, mit dem er sich bezeichnet – konnte nicht anders, als einige komische Gefühle zu haben, die den Fuchs aus den Fabeln befallen haben müssen, nachdem er der Falle entkommen war, in der sein Schwanz stecken geblieben war.  Er zeigte sich seinen normal gebauten Kollegen.  Da überlegte ich und ersann, was der passende Begriff sei: ´Agnostiker´.“ [4]

Gemäß dem oberen sollten Individuen, die sich mit dem Etikett ´Agnostiker´bezeichnen, erkennen, dass der Begriff eine Neueinführung ist, die einer persönlichen Identifikationskrise innerhalb eines Kreises von Metaphysikern entsprang.  Derjenige, der sich hier einreiht, identifiziert sich als ein Mensch ohne Etikett, analog zu dem Fuchs ohne Schwanz – beide implizieren die Selbstwahrnehmung eines bestimmten Grades an persönlicher Unzulänglichkeit.  Welchen Teil seines Stolzes hat dieser Mann in der Mündung eines quellreichen religösen Rätsels hinter sich zurückgelassen?  Klar und offensichtlich ist, dass Huxley, wie zahlreiche andere berühmte Metaphysiker und Theologen in der gesamten Geschichte, nicht in der Lage war, eine Doktrin zu finden, die zu seinem Konzept von Gott passte. 

Ohne Rücksicht auf die oben angestellten Überlegungen, selbst wenn jemand argumentieren würde, dass Huxley nicht mehr getan hat, als einer zuvor unbenannten aber alten Theologie ein Etikett zu verpassen, springen doch wieder einmal die beiden Worte: „Was also?“ ins Bewusstsein.  Eine Theorie zu benennen, bedeutet nicht, sie zu bestätigen oder – noch wichtiger – ihre Gültigkeit zu beweisen.  Wenn das Konzept bewiesen wäre, würde die Person vermuten, dass es bereits zuvor benannt worden sei – wie 1800 Jahre vorher und in den Lehren eines Propheten wie Jesus.  Die Propheten, Jesus eingeschlossen, scheinen eine völlig unterschiedliche Botschaft gehabt zu haben, bei der man für den Glauben in Abwesenheit von jeglichem Beweis belohnt wird, trotz der Unfähigkeit, die Wirklichkeit Gottes mit den eigenen Augen sehen zu können. 

 

Copyright © 2009 Laurence B. Brown; mit seiner Erlaubnis.

Dieser Auszug stammt aus Dr. Browns Buch: MisGod´ed, das bald verlegt und zusammen mit dem zweiten Teil God´ed  veröffentlicht wird.  Beide Bücher können auf Mr. Browns Website: www.Leveltruth.com. gesehen werden.   Laurence B. Brown, MD, kann kontaktiert werden über: [email protected]



Footnotes:

[1] Meagher, Paul Kevin et al.  Vol. 1, p. 77.

[2] Huxley, Thomas Henry.  Agnosticism.  1889.

[3] Thompson, Della.  p. 16.

[4] Huxley, T. H.  Collected Essays.  v.  Agnosticism.

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