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Ein anderer wichtiger Aspekt bei der
Erhaltung der Hadithe war die frühe Entwicklung der Hadithkritik und der
Bewertung der Überlieferer. Sogar als der Prophet Muhammad, Gottes Segen und
Frieden seien auf ihm, noch lebte, gingen die Gefährten häufig zu ihm, um ein
paar Berichte, die sie unter Berufung auf ihn gehört hatten, bestätigen zu
lassen. Professor Azami verweist auf Beispiele aus den Hadithsammlungen von
Ahmad, al‑Bukhari, Muslim und al‑Nasaai, und schreibt:
“Wenn Kritik die Bemühung ist, zwischen dem
Richtigen und dem Falschen zu unterscheiden, dann können wir sagen, dass sie zu
Lebzeiten des Propheten ihren Anfang nahm. Aber in dieser Phase bedeutete es
nicht mehr, als zum Propheten zu gehen und zu prüfen, ob etwas, von dem
berichtet wurde, dass er es gesagt haben soll, wahr ist...
“Diese Art der Nachforschung oder Bestätigung [sic]
wurde von Ali, Ubaiy ibn Kaab, Abdullah ibn Amr, Umar, Zainab der Frau von ibn
Mas´uud und anderen durchgeführt. Angesichts dieser Tatsache kann behauptet
werden, dass die Nachforschung über Hadithe oder, mit anderen Worten, die
Hadithkritik in einer anfänglichen Form zur Zeit des Propheten begann.”
Selbstverständlich war das direkte
Bestätigen der Überlieferungen mit dem Gesandten Gottes nach dessen Tod
beendet. In der Zeit der Gefährten pflegten diese, angeführt von den Rechtschaffenen
wie Abu Bakr, Umar, Ali, ibn Umar und anderen, Hadithe unter einander zu
bestätigen. Umar beispielsweise war sehr streng in der Absicherung der
ordnungsgemäßen Verbreitung von Hadithen. In Sahih Muslim kann man das
Beispiel von Abu Musa al-Aschari finden. Umar drohte, ihn zu bestrafen, wenn
er keinen Zeugen für einen Hadith bringen könnte, den er Umar berichtet hatte.
Als er diesen Hadith kommentierte, sagte Abdul Hamid Siddiqi, dass Umar Abu
Musa nicht angezweifelt hat, sondern er wollte eine strenge Kontrolle über die
Übermittlung der Hadithe behalten.
Es gibt viele Beispiele dieser Art. Abu
Hurairah, Aishah, Umar und ibn Umar haben die haben die Richtigkeit der Hadithe
geprüft. Manchmal haben sie die Hadithe mit “Kreuz-Referenz” überprüft (wie Umar
und Abu Musa oben) und ein anders Mal wandten sie etwas an, das man als
“Zeit-Serie” – Prüfung bezeichnen könnte. Imam Muslim berichtet, dass Aischa
einen bestimmten Hadith gehört hatte, den Abdullah ibn Amr berichtet hat. Ein Jahr
später ließ sie ihren Diener zu Abdullah ibn Amr gehen, um den Hadith wieder
von ihm zu hören, um sicherzugehen, dass er ihn exakt so berichtete, wie er ihn
vom Propheten gehört hatte und dass er in seiner Erzählung keine Fehler oder
Zusätze machte.
Diese Prüfung der Überlieferer führte zu
der Entwicklung der faszinierendsten und einzigartigen Wissenschaft des Al-jarh
wa al-tadeel, in dem die Leben, akademischen und moralischen Eigenschaften
von Tausenden Überlieferern in allen Einzelheiten festgehalten sind. Jeder
Überlieferer muss sowohl akademische als auch moralische Vorzüge haben, damit
sein Hadith anerkannt wird. Eines davon ohne das andere war einfach nicht
ausreichend. Eine Person kann ein großartiges Gedächtnis haben oder in der
Lage sein, etwas sehr exakt zu berichten, aber wenn er nicht als völlig ehrlich
und vertrauenswürdig angesehen wird, werden seine Überlieferungen von Hadithen,
die wichtigste Information, die eine Person weitergeben kann, nicht
akzeptiert. Dementsprechend kann eine Person sehr fromm und ehrlich sein, wenn
sie aber keine literarischen oder akademischen Vorzüge besitzt, um diese
fehlerlos und exakt weiterzugeben, dann kann man sich auf ihre Berichte nicht
verlassen.
Daher haben die Gelehrten viele Mittel
entwickelt, um die Fähigkeit und Exaktheit der Überlieferer von Hadithen zu
prüfen. Azami stellt fest, dass es vier grundsätzliche Wege gibt, um die
Fähigkeit eines Überlieferers zu prüfen. Er hat für jeden Weg ein Beispiel
gegeben. Die vier sind:
(1) Vergleich zwischen den Hadithen verschiedener
Schülern desselben Gelehrten. Ein Beispiel ist das von Yahya ibn Maien, der
die Bücher von Hammad ibn Salama und von 17 Schülern Hammads las. Er sagte,
auf diese Weise wäre er in der Lage, die Fehler, die Hammad gemacht habe,
herauszufinden (indem er sie mit dem verglich, was andere Gelehrten berichtet
hatten) und die Fehler, die jeder einzelne Schüler gemacht hatte (indem er sie
mit den anderen Schülern Hammads verglich).
(2) Vergleich zwischen den Aussagen
eines einzelnen Gelehrten zu unterschiedlichen Zeiten. Zuvor war der Hadith
erwähnt worden, über den Aischa Abdullah ibn Amr ibn al‑As befragt hatte,
den er ein Jahr zuvor berichtet hatte. Als sie herausgefunden hatte, dass er
an dem Hadith nichts verändert hat, wusste sie, dass er ihn exakt auswendig
gelernt hat, als er ihn vom Propheten gehört hatte.
(3) Vergleich zwischen verbaler
Rezitation und geschriebenen Dokumenten. Azami gab folgendes Beispiel:
Abdur Rahman b. Umar überlieferte einen Hadith
von Abu Hurairah bezüglich des Dhuhurgebets [das Mittagsgebet], das im Sommer
über seine frühe Zeit hinausgezögert werden darf [sic]. Abu Zurah
sagte, das sei nicht korrekt. Dieser Hadith werde unter Berufung auf Abu Said
überliefert. Abdur Rahman b. Umar nahm dies sehr ernst und vergaß es nicht. Als
er in seine Stadt zurückkehrte, kontrollierte er sein Buch und fand den Fehler
bei sich selbst. Da schrieb er Abu Zurah, gab seinen Fehler zu, bat ihn, sich
zu bemühen [sic] und die-und- die Person und andere zu informieren, die
darueber gefragt hatten und ihnen von seinem Fehler zu erzählen und er sagte,
Gott werde ihn belohnen, denn die Schande sei besser als die Hölle.
(4) Vergleich zwischen dem Hadith
und dem Qur´antext. Diese Handhabe begann mit den Gefährten. Der Qur´an war
die erste Prüfung, welcher der Hadith unterzogen wurde. Die Gefährten
akzeptierten keinen Hadith, der dem Qur´an widersprach; statt dessen zogen sie
den Schluss, dass dem Gefährten einen Fehler unterlaufen sein musste oder dass
er missverstanden haben muss, was der Prophet gesagt hat. Sie wussten, dass
der Qur´an und die Sunna im wesentlichen eine Offenbarung waren und es war
unmöglich, dass eine der anderen widerspricht.
Azami erwähnt nur die obrigen vier
Methoden zur Überprüfung der Fähigkeit eines Überlieferers, aber es gab noch
andere. Die Folgenden waren ziemlich gewöhnlich: Vergleich zwischen dem, was
der Überlieferer berichtete mit dem, was andere überliefert haben (d.h. nicht
Schüler desselben Lehrers), Vergleich einer Sunna mit einer anderen und
Vergleich des Hadithtextes mit wohlbekannten historischen Ereignissen.
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