|
Inmitten des
heranwachsenden 19. und 20. Jahrhunderts im Bewusstsein der
Unterschiede zwischen der Lehre von der Dreieinigkeit und der Periode ihres
Ursprungs, könnte man überrascht sein, eine Gruppe zu finden, die behauptet,
Anhänger Jesu´ zu sein und folgenden Qur´anvers verliest:
“O Leute der Schrift, übertreibt nicht in eurem
Glauben und sagt von Gott nichts als die Wahrheit. Wahrlich, der Messias,
Jesus, Sohn der Maria, ist nur der Gesandte Gottes und Sein Wort, das Er Maria
entboten hat, und von Seinem Geist. Darum glaubt an Gott und an Seine
Gesandten, und sagt nicht: ‘Drei.’ Lasset (davon) ab – (das) ist besser
für euch. Gott ist nur ein einziger Gott. Es liegt Seiner
Herrlichkeit fern, Ihm ein Kind zuzuschreiben. Sein ist, was in den Himmeln
und was auf Erden ist; und Gott genügt als Anwalt.” (Quran 4:171)
Und die warnt:
“O Leute der Schrift! Übertreibt nicht zu
Unrecht in eurem Glauben und folgt nicht den bösen Neigungen von Leuten, die
schon vordem irregingen und viele irregeführt haben und weit vom rechten Weg
abgeraten sind.” (Quran 5:77)
Man mag sich wundern, was im Neuen
Testament diese zwei Gruppen im Verständnis so weit von einander abweichen
lässt. Ganz zweifellos ist der Hauptunterschied, der die Dreieinigkeit vom
Monotheismus, die Christen von den Muslimen trennt, die Theologie des Paulus. Jahrhundertelang
wurde das Argument vorgebracht, dass die Christen der Dreieinigkeit auf weiten
Strecken mehr der Theologie des Paulus folgen als den Lehren Jesu´. Dieser
Einwand ist schwer zu widerlegen, denn Jesus lehrte das Gesetz des Alten
Testaments, während Paulus die Mysterien des Glaubens lehrte, wobei er das
Gesetz, für dessen Übermittlung die Propheten gelitten und sich aufgeopfert
hatten, verleugnete. In Missachtung der Jahrtausende, in denen einer langen
Kette von verehrten Propheten Offenbarungen zuteil geworden waren und im
Widerspruch zu den Lehren des Rabbis Jesus selbst, richtete sich Paulus nicht
nach dem Leben und den Lehren Jesu´, sondern lediglich nach seinem Tod. Wie
Lehmann dies in Worte fasste:
“Das Einzige, das Paulus für wichtig erachtet, ist der Tod des Juden
Jesus, der alle Hoffnung auf eine Befreiung durch einen Messias zerstörte. Er
machte aus dem gescheiterten jüdischen Messias den siegreichen Christus, aus
dem Toten das Lebendige, aus dem Menschensohn den Sohn Gottes.”
Mehr als nur ein paar Gelehrte betrachten
Paulus als den hauptsächlichen Verfälscher des apostolischen Christentums und
der Lehren Jesu´:
“Was Paulus als ‘Christentum’ proklamierte, war reine Ketzerei, die
weder auf dem jüdischen Glauben, noch auf den Lehren des Rabbi Jesus basieren
konnte. Aber wie Schonfield sagt: ‘Die Ketzerei des Paulus wurde zur Grundlage
der orthodoxen Christen und die legitime Kirche wurde als ketzerisch enteignet.’”
Lehmann fährt fort:
“Paulus tat etwas, das der Rabbi Jesus nie getan hatte und zu tun verabscheute.
Er weitete das Versprechen Gottes auf die Nichtjuden aus; er schaffte das
mosaische Gesetz ab, und er vermied direkte Annäherung an Gott durch das
Einsetzen eines Vermittlers.”
Andere erheben Paulus in den
Heiligenstatus. Joel Carmichael, im Folgenden zitiert, ist offensichtlich
keiner von diesen:
“Wir sind ein Universum weit von Jesus
entfernt. Wenn Jesus kam, ‘nur um das Gesetz und die Propheten zu
vervollständigen’; wenn er dachte, dass ‘kein Tüpfelchen, kein Punkt von dem
Gesetz abgewichen werde’, dass das vornehmste Gebot lautet:
‘Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist allein der Herr’ und dass ‘niemand
gut ist, als allein Gott’ ... Was würde er
dann von Paulus Taten denken! Der Triumph des Paulus bedeutete die
letztendliche Auslöschung des historischen Jesus; er kommt in Christentum
einbalsamiert zu uns, wie eine Fliege im Bernstein.”
Viele Autoren haben auf die Ungleichheit
zwischen den Lehren von Paulus und Jesus hingewiesen; die besten von ihnen
haben es vermieden, ihre Ansichten in den Kommentar miteinzubeziehen und
beschränkten sich einfach darauf, die Unterschiede aufzuzeigen. Dr.
Wrede kommentiert:.
“Bei Paulus ist der zentrale Punkt ein göttlicher Akt, in der
Geschichte aber über die Geschichte hinausgehend, oder ein Komplex solcher
Akte, welche der gesamten Menschheit eine vorgefertigte Erlösung übermitteln. Wer
auch immer an diese göttlichen Akte glaubt – die Fleischwerdung, Tod und
Wiedererweckung eines himmlischen Wesens, erlangt Erlösung.
“Und dies, was für Paulus den Inbegriff der Religion darstellt – das
Gerüst der Konstruktion seiner Frömmigkeit, ohne das sie kollabieren würde –
kann dies eine Fortsetzung oder eine Wandlung des Evangeliums von Jesus sein?
Wo in alledem ist das Evangelium, von dem Paulus behauptet, es verstanden zu
haben?
“Von dem, was für Paulus das ein und alles darstellt: wieviel weiß
Jesus davon? Überhaupt nichts!”
Und Dr. Johannes Weiss fügt hinzu:.
“Daher stellte der Glaube an Christus, der von den einfachen Kirchen und
von Paulus aufrechterhalten wurde, verglichen mit den Lehren Jesu´ etwas ganz
Neues dar, es war eine ganz neue Art der Religion.”
Welche Religion den Sieg davontrug und
warum und wie, das sind Fragen, die den Analysen der oben genannten Autoren
überlassen bleiben. Wenn man bemerkt, dass die Lehren des Paulus und die von
Jesus einander widersprechen, sollte man die Frage in betracht ziehen:
"Wenn ich zwischen beiden auswählen müsste, wem würde ich den Vorzug geben
– Jesus oder Paulus?" Diese Frage ist so wichtig, dass Michael Hart in
seinem lehrreichen Wälzer, in dem er die 100 einflussreichsten Männer der
Geschichte einordnete, folgendes dazu zu sagen hatte:
“Obgleich Jesus für die hauptsächlichen ethischen und moralischen
Regeln des Christentums verantwortlich war (soweit sich diese vom Judentum
unterschieden), war der Heilige Paulus der Hauptentwickler der christlichen
Theologie, ihr bedeutendster Bekehrer und der Verfasser eines großen Teils des
Neuen Testaments.”
In bezug auf den Standpunkt des Paulus:
“Er fragt nicht, was zum Tode Jesu´ geführt hatte, er sieht nur, was er
für ihn persönlich bedeutet. Er macht aus einem Mann, der die Menschen zur
Aussöhnung mit Gott aufgerufen hat, einen Erlöser. Er macht aus einer
orthodoxen jüdischen Bewegung eine universelle Religion, die letztendlich mit
dem Judentum kollidierte.”
Die drei Hauptpunkte, in denen die
Theologie des Paulus von der Jesu´ abweicht, sind kritisch – Elemente, die so
entscheidend sind, dass ein Abweichen von der Wahrheit die Erlösung eines Menschen
bedroht. In der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit sind sie hier
aufgelistet:
1) Die Göttlichkeit Jesu´, die in
der Theologie des Paulus vorgeschützt wird, gegenüber der Eizigkeit Gottes, die
Jesus lehrte.
2) Rechtfertigung durch den
Glauben gegenüber dem Gesetz des Alten Testaments, das von Jesus Christus
unterstützt wurde.
3) Jesus sei ein universeller
Prophet gewesen, wie Paulus behauptete, gegenüber den Lehren von Jesus
Christus, der sagte, er sei zum Hause Israels entsandt worden. Interessant genug, dass es gerade diese drei Punkte sind, die das
Christentum nicht nur vom Judentum, sondern auch vom Islam unterscheiden. Lässt
man einen theologischen Zeigefinger das Rückgrat des offenbarten Monotheismus
zurückverfolgen, so scheint das Christentum der Dreieinigkeit völlig ohne
Gelenk dazustehen.
Um auf den Ersten dieser Punkte
zurückzukommen, so wird von Jesus berichtet, er habe die Einzigkeit Gottes
gelehrt, wie in Markus 12:29:
“Jesus
aber antwortete ihm: "Das vornehmste Gebot ist das: «Höre, Israel, der
Herr, unser Gott, ist allein der Herr.» und es
wird weiter überliefert, dass Jesus fortfuhr: «Und du sollst Gott, deinen Herrn,
lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüte und von allen
deinen Kräften» und er endete mit Nachdruck auf der
ersten Anordnung: «Dies ist das vornehmste Gebot.»” (Markus 12:30). Jesus betonte die Wichtigkeit nicht nur mit der Wiederholung und der
Nachdrücklichkeit von: «Dies ist das vornehmste Gebot», auch in Matthäus
22:37 und Lukas 10:27 betont er dies, und ebenso ergänzt durch den ersten
Befehl, wie in 2. Mose 20:3: ‘Du sollst keine anderen Götter haben neben
mir.’ Jesus vermittelte diese Lehre aus dem 5. Buch Mose 6:4-5 (wie alle
angesehenen Bibelkommentare anerkennen), aber die Theologie des Paulus
entwickelte irgendwie außerordentliche Konzepte, die das, was heutzutage als
Dreieinigkeit bekannt ist, unterstützen sollten. Man wundert sich, wie das
möglich war. Jesus bezog sich auf das Alte Testament – worauf bezogen sich die
Theologen des Paulus? Ganz deutlich von den Lehren Jesu´ entfernt ist das
Gleichsetzen von ihm mit Gott. Nirgends im ganzen Neuen Testament gab es eine
bessere Zeit oder eine bessere Stelle für Jesus, an dem er seine
Teilhaberschaft an der Göttlichkeit hätte erklären können, wenn es wirklich so
gewesen wäre. Aber genau das tat er nicht. Er sagte
nicht: «Höre, Israel,
der Herr, unser Gott, ist allein der Herr – aber das ist nicht so einfach, also
lasst es mich erklären....»
Copyright © 2007
Laurence B. Brown; used by permission.
Der obrige
Auszug stammt aus Dr. Browns in Erscheinen begriffenen Buch MisGod´ed,
das bald zusammen mit seiner Fortsetzung God´ed publiziert wird. Beide
Bücher können auf Dr. Browns Website eingesehen werden:. www.LevelTruth.com. Dr.
Brown kann kontaktiert werden unter: BrownL38@yahoo.com
|