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Both read the Bible day and night,
(Beide LESEN die Bibel Tag und Nacht)
But thou read’st black where I read white.
(Aber wo du schwarz liest, lese ich weiß.)
—William
Blake, The Everlasting (Die Unendliche)
Evangelium
Natürlich ist William Blakes Gefühl in dem Zitat oben nichts Neues. Das
Neue Testament enthält genügend Ungereimtheiten, um eine schwindelerregenden
Vielfalt an Auslegungen, Glaubensrichtungen und Religionen zu erzeugen, alle
vermeintlich bibeltreu. Und so finden wir einen Schriftsteller, der die
amüsante Beobachtung machte:
You can and you can’t,
(Du kannst und du kannst nicht,)
You shall and you shan’t,
(Du
solltest und du solltest nicht,)
You will and you won’t,
(Du wirst und du wirst
nicht,)
And you will be damned
if you do,
(Und du wirst verdammt, wenn
du es tust,)
And you will be damned
if you don’t.
(Und du wirst verdammt, wenn
du es nicht tust.)
Warum solche abweichenden
Ansichten? Um zu Beginnen: unterschiedliche theologische Lager sind darüber uneins,
welche Bücher in der Bibel enthalten sein sollten. Die Apokryphen der
einen sind die Schriften der anderen. Zweitens: selbst bei
diesen Büchern, die heilig gesprochen worden sind, fehlt es aufgrund der
vielfältigen Textquellen an Einheitlichkeit. Dieser Mangel an Einheitlichkeit
ist so allgegenwärtig, dass das The Interpreter’s Dictionary of the Bible
feststellt: “Man kann mit Sicherheit sagen, dass es nicht einen Satz im Neuen
Testament gibt, bei dem die Überlieferung des MS (Manuskripts) völlig gleich
ist.”
Kein einziger Satz? Wir können
keinem einzigen Satz der Bibel trauen? Kaum zu glauben!
Mag sein
Tatsache ist, dass es über 5700
griechische Manuskripte von allen Teilen des Neuen Testaments gibt. “Nicht zwei von diesen Manuskripten sind in allen ihren Einzelheiten
genau gleich... Und manche dieser Unterschiede sind bedeutend. Dazu kommen grob geschätzt zehn tausend Manuskripte der Lareinischen
Vulgata, ergänzt von zahlreichen uralten Varianten (syrisch, koptisch,
armenisch, georgianisch, äthiopisch, nubisch, gothisch, slavisch) – und was
haben wir?
Viele Manuskripte
Viele Manuskripte gibt es, die
nicht an den entsprechenden Stellen übereinstimmen und sich nicht selten
gegenseitig widersprechen. Gelehrte schätzen die Zahl derManuskriptvariationen
auf hunderttausende, manche schätzen sie sogar auf 400,000. Bart D. Ehrman’s jetzt berühmte Aussage dazu: “Es ist möglicherweise
am einfachsten, die Dinge in einem Vergleich auszudrücken: es gibt in unseren
Manuskripten mehr Unterschiede, als es Worte im Neuen Testament gibt.”
Wie konnte dies passieren?
Armselige Berichterstattung. Unehrlichkeit. Inkompetenz.
Vorurteile in der Doktrin. Nimm deinen Spieß.
Keines der Originalmanuskripte hat
seit der frühen Zeit des Christentums überlebt./ Die ältesten vollständigen Manuskripte(Vatican MS. No. 1209 und der
Sinaitische Syrische Kodex) stammen aus dem vierten Jahrhundert, dreihundert
Jahre nach der Berufung Jesu´. Aber die Originale? Verloren gegangen. Und
die Kopien der Originale? Auch verloren gegangen. Unsere
ältesten Manuskripte sind mit anderen Worten Kopien von den Kopien von den
Kopien von keiner-weiß-wie-vielen-Kopien von den Originalen.
Kein Wunder, dass sie sich
unterscheiden
In den besten Händen wären
Kopierfehler keine Überraschung. Allerdings waren die Manuskripte des Neuen
Testaments nicht in den besten Händen. Während der Zeit der
christlichen Originale waren die Schreiber ungeübt, unglaubwürdig, inkompetent
und in manchen Fällen ungebildet.
Jene, die unter Sehschwäche litten, können Fehler mit ähnlich
aussehenden Buchstaben oder Worten gemacht haben, wohingegen solche mit
Gehördefiziten Fehler bei der Wiedergabe der Schrift gemacht haben, wenn sie
laut verlesen wurde. Häufig waren die Schreiber überarbeitet und neigten dementsprechend
zu Fehlern aufgrund ihrer Müdigkeit.
Mit den Worten Metzgers und
Ehrmanns: “Da die meisten, wenn nicht alle, von ihnen [den Schreibern] in der
Kunst des Kopierens ungeübt waren, schlich sich eine relativ große Menge von
Fehlern in ihre Texte ein, als sie diese reproduzierten.” Schlimmer noch, dass manche Schreiber erlaubten, Vorurteile in der Doktrin
mit in ihre Übertragung des Schriften mit einfließen zu lassen. Wie Ehrmann feststellt: “Die Schreiber, die die Texte kopierten,
veränderten sie.”
Noch genauer: “Die Zahl der Abänderungen, die im Interesse der Doktrin
vorgenommen wurden, ist nur schwer festzustellen.” Und
sogar noch genauer: “In der technischen Ausdrucksweise der Textkritik – die ich
für ihre bedeutenden Ironien beibehalte – diese Schreiber haben ihre Texte aus
theologischen Gründen verfälscht.”
Fehler wurden in Form von
Zusätzen, Weglassungen, Ergänzungen und Veränderungen eingefügt, gewöhnlich
Worte oder Zeilen, aber gelegentlich auch ganze Verse. In der
Tat “kamen zahlreiche Änderungen in den Text” mit dem
Ergebnis, dass “alle bekannten Zeugnisse des Neuen Testaments in größerem oder
geringerem Ausmaß gemischte Texte sind, und sogar verschiedene der frühesten
Manuskripte sind nicht frei von haarsträubenden Fehlern”.
In Misquoting Jesus, präsentiert
Ehrman überzeugende Beweise dafür, dass die Geschichte von der Frau, die des
Ehebruchs beschuldigt wurde (Johannes 7:53-8:12) und die letzten zwölf Verse
des Markusevangeliums nicht in den Originalevangelien enthalten waren, sondern
von späteren Schreibern eingefügt worden sind.
Darüberhinaus repräsentieren diese Beispiele “lediglich zwei von tausenden
Stellen, an denen die Manuskripte des Neuen Testaments von den Schreibern
geändert worden sind.”
Tatsächlich wurden ganze Bücher in
der Bibel verfälscht. Das bedeutet nicht, dass ihr Inhalt unbedingt falsch sein muss, aber
mit Sicherheit heißt es nicht, dass er richtig ist. Welche Bücher also wurden
verfälscht? Epheser, Kolosser, 2 Thessalonicher, Titus, 1 und 2 Petrus, und
Judas – umwerfende neun von den 27 Büchern des Neuen Testaments – sind auf die
eine oder andere Art suspekt.
Verfälschte Bücher? In der Bibel?
Warum sind wir nicht überrascht?
Letzten Endes sind sogar die Autoren der Evangelien unbekannt. Sie sind
tatsächlich anonym. Bibelgelehrte schreiben die Urheberschaft der Evangelien selten, wenn
überhaupt, Matthäus, Markus, Lukas oder Johannes zu. Wie uns Ehrmann mitteilt:
“Heutzutage haben die meisten Gelehrten diese Identifikationen aufgegeben und
erkennen an, dass die Bücher von in dieser Hinsicht unbekannten aber gut ausgebildeten,
griechisch sprechenden (und schreibenden) Christen während der zweiten Hälfte
des ersten Jahrhunderts geschrieben worden sind. Graham
Stanton bestätigt: “Die Evangelien, unterschiedliche meist griechisch-römische
Schriften, sind anonym. Die bekannten Überschriften, die den Namen eines
Autors (´Das Evangelium des ...´) angeben, waren kein Teil des
Originalmanuskripts, denn sie wurden erst früh im zweiten Jahrhundert hinzugesetzt.”
Was also, wenn überhaupt, hatten
die Jünger Jesu´ mit den Verfassern der Evangelien zu tun? Wenig bis gar
nichts, soweit wir wissen. Aber wir haben keinen Grund zu glauben, dass sie
irgendwelche der biblischen Bücher verfasst haben können. Lasst uns zuerst mit
Markus beginnen, der war ein Sekretär des Petrus und Lukas ein Gefährte von
Paulus. Die Verse von Lukas 6:14-16 und Matthäus 10:2-4 zählen die zwölf
Jünger auf, und obgleich sich diese Listen in zwei Namen unterscheiden, tauchen
Markus und Lukas in keiner Liste auf. Also waren nur Matthäus und
Johannes wahre Jünger. Aber weit gefehlt, für moderne Gelehrte scheiden auch
sie als Autoren aus.
Warum?
Gute Frage. Johannes ist der
bekanntere von den beiden, warum sollten wir ihn von der Möglichkeit, das
Evangelium des `Johannes” verfasst zu haben, ausschließen?
Hmm … weil er tot war?
Vielfältige Quellen bemerken, dass
es keinen Beweis dafür gibt, außer fragwürdige Bezeugungen von Verfassern aus
dem zweiten Jahrhundert, um zu vermuten, dass der Jünger Johannes der Verfasser
des “Johannes” Evangeliums sei.
Die vielleicht überzeugendste Widerlegung ist, dass der Jünger Johannes
wahrscheinlich um 98 nChr gestorben ist. Das
Evangelium des Johannes wurde jedoch 110 nChr geschrieben. Also, wer auch immer Lukas (Paulus´ Gefährte), Markus (Petrus´Sekretär)
und Johannes (der Unbekannte, aber sicherlich nicht der längst Verstorbene)
waren, wir haben nicht den geringsten Grund glauben zu können, die Evangelien
seien von den Jüngern Jesu´ verfasst worden....
Copyright © 2007 Laurence B. Brown; mit dessen Einverständnis.
Der
obrige Auszug stammt aus Dr. Browns in Erscheinen begriffenen Buch MisGod´ed,
das bald zusammen mit seiner Fortsetzung God´ed publiziert wird. Beide
Bücher können auf Dr. Browns Website eingesehen werden:. www.LevelTruth.com. Dr. Brown kann kontaktiert werden unter:
BrownL38@yahoo.com
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