Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 1 von 7): Eine Einleitung
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Beschreibung: Eine islamische Sicht von der Rolle der Zinsen in der heutigen Gesellschaft, mit einer historischen und gegenwärtigen Studie. Teil 1: Warum Muslime am Verbot der Zinsen festhalten, obwohl christliche und jüdische Säkularisten zu deren Legalisierung aufrufen.
von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2010 IslamReligion.com)
Veröffentlicht am 15 Nov 2010 - Zuletzt verändert am 15 Nov 2010
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Einleitung
Zins wird im Oxford English Dictionary
definiert als: “Geld, das für die Benutzung entliehenen Geldes bezahlt wird
(Hauptbedeutung), oder für das Aufschieben einer Schuld, gemäß eines
festgelegten Anteils.”
In der Tat kennt der Einzelne und vermutlich
die ganze Welt die Last der Zinsen nur zu gut, so dass keiner wirklich die oben
zitierte Definition benötigt. Zinsen sind etwas, das jedem bekannt ist, der in
einem kapitalistischen Land lebt. Sie sind in den modernen Ökonomien so
institutionalisiert und akzeptiert worden, dass es fast unmöglich ist, sich
vorzustellen, dass manche sie völlig ablehnen und jegliche Transaktionen, die
Zinsen beinhalten, vermeiden. Aber es gibt ergebene Muslime, die mit Zinsen
nichts zu tun haben wollen.
Der tatsächliche Grund, warum solche
Muslime mit Zinsen nichts zu tun haben wollen, ist, dass Zinsen in der
islamischen Religion verboten sind, wie wir in kürze genauer betrachten werden.
Zur gleichen Zeit glauben Muslime auch, dass Gottes Rechtleitung auf Seinem
Wissen, Seiner Weisheit und Seiner Gerechtigkeit basiert. Mit anderen Worten,
Gott verbietet den Menschen nichts ohne irgendeinen Grund. Daher gibt es
zweifellos gute Gründe dafür – manche davon können wir deutllich erkennen –
warum Gott diese Praktik verboten hat.
In der heutigen Welt werden Muslime ständig
mit Argumenten bombardiert, die den Handel mit Zinsen unterstützen. Viele
Muslime haben derartigem Druck und vermeintlich vernünftigen Argumenten
nachgegeben, was dazu führte, dass sie das Konzept der Zinsen akzeptierten.
Daher soll dieser kurze Artikel den
islamischen Standpunkt bezüglich der Zinsen auf der Grundlage der Haupttexte
des Glaubens diskutieren und auch eine vernünftige Diskussion über Zinsen
anregen, um festzustellen, ob die Argumente die zugunsten der Zinsen
vorgebracht werden, wahrhaftig gültig sind.
Gottes Rechtleitung für die Menschheit
Der Islam lehrt, dass Gott der Menschheit
gnädig Rechtleitung in allen Aspekten des Lebens gegeben hat. Diese
Rechtleitung umfasst nicht nur gottesdienstliche Handlungen sondern alles von
der Ethik in Ökonomie und Geschäftsleben bis hin zu ehelichen Beziehungen,
internationalen Verbindungen, Sittenkodex für die Kriegsführung usw. Es ist
einer der unterscheidenden Züge der heutigen Muslime, dass sie noch immer an
derartige Rechtleitung von Gott glauben, während so viele der Menschen ihre
religiösen Lehren abgelegt oder verkauft haben, wenn es um „sekuläre“ Dinge
geht.
Es gibt zahlreiche Gründe, warum viele
Muslime nicht denselben Weg verfolgen, den beispielsweise viele Juden und
Christen eingeschlagen haben. Einer der größten Gründe ist, dass Muslime davon
überzeugt sein können, dass die Offenbarung, die die Grundlage der islamischen
Religion bildet, seit der Zeit ihrer Offenbarung nicht verfälscht oder verdreht
wurde. Mit anderen Worten, es hat keinerlei menschliche Einflussnahme oder
Veränderung an der Offenbarung gegeben. Aus diesem Grund besteht kein Bedarf
daran, jetzt daherzukommen und die Fehler der früheren Menschen zu beheben, wie
sekuläre Juden und Christen argumentieren würden. Tatsächlich wäre das einzige
Ergebnis für Muslime, dass die Menschen die Offenbarung Gottes beschädigen, die
von Gott gekommen ist.
Zweitens glauben viele Muslime, dass ihnen
nicht viele starke oder überzeugende Beweise gezeigt worden wären, dass ihre
Religion irgendwie mit der Realität nicht mehr in Verbindung stehe oder in
modernen Zeiten nicht mehr durchführbar wäre. Im Islam beispielsweise hat es
nie einen Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft gegeben, der zum
Zusammenbruch des Vertrauens in die Kirche geführt hatte und zur eigentlichen
Revolte gegen die Autorität der Religion, wie sie der Westen erfahren hat.
Viele Menschen, auch manche Muslime, haben sich für zahlreiche
Veränderungen im Islam ausgesprochen, aber in Wirklichkeit sind die Argumente,
die sie vorbringen - milde ausgedrückt - fehlerhaft und fadenscheinig. Der
Fall der Zinsen, das Thema dieses Artikels, kann hierfür als vortreffliches
Beispiel dienen.
Interessanterweise, hat die Erfahrung des
Verfassers gezeigt, dass viele Nicht-Muslime, obwohl der Islam in letzter Zeit
ziemlich oft in den Medien aufgetaucht ist, nichts über seinen Standpunkt zu
Zinsen wissen. Daher wirft dieser Artikel Licht auf dieses interessante Thema,
das kein totes, “mittelalterliches” Thema ist, sondern eines mit
außerordentlicher Relevanz in unserer heutigen Welt.
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Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 2 von 7): Der Islamische Standpunkt
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Beschreibung: Eine islamische Sicht von der Rolle der Zinsen in der heutigen Gesellschaft, mit einer historischen und gegenwärtigen Studie. Teil 2: Ein kurzer Einblick in einige Texte aus Qur´an und Sunna, die ernsthaft davor warnen, Zinsen zu nehmen.
von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2010 IslamReligion.com)
Veröffentlicht am 22 Nov 2010 - Zuletzt verändert am 22 Nov 2010
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Die islamischen Texte über Zinsen
Wenn man die islamischen Texte über Zinsen
liest, fällt einem gleich auf, wie bindend die Warnungen gegen jegliche
Verwicklung in Zinsen sind. Der Islam verbietet zahlreiche unsittliche Taten
wie Unzucht, Ehebruch, Homosexualität, Alkoholkonsum und Mord. Aber die
Vielfalt der Diskussion und das Ausmaß der Warnungen erreicht nicht das gleiche
Level wie bei denen über Zinsen. Dies hat Sayyid Qutb zu der Aussage geführt:
“Kein anderes Thema wurde derart heftig verdammt und kritisiert wie der Qur´an
es mit Wucher gemacht hat.”
Der Qur´an enthält beispielsweise folgende
Verse über Zinsen:
“O ihr, die ihr glaubt, verschlingt nicht die
Zinsen in mehrfacher Verdoppelung, sondern fürchtet Gott; vielleicht werdet ihr
erfolgreich sein. Und fürchtet das Feuer, das für die Ungläubigen vorbereitet
ist.” (Quran 3:130-131)
Dies ist eine ziemlich gewaltige Warnung
für die Gläubigen, sie warnt vor den fatalen Konsequenzen: in das Höllenfeuer
geworfen zu werden, das für die Ungläubigen vorbereitet worden ist.
Gott sagt auch:
“Diejenigen, die Zinsen verschlingen, sollen
nicht anders dastehen als wie einer, der vom Satan erfaßt und zum Wahnsinn
getrieben wird. Dies (soll so sein,) weil sie sagen: „Handel ist dasselbe wie
Zinsnehmen.“ Doch Gott hat den Handel erlaubt und das Zinsnehmen verboten. Und
wenn zu jemandem die Ermahnung von seinem Herrn kommt und er dann aufhört – dem
soll verbleiben, was bereits geschehen ist. Und seine Sache ist bei Gott. Wer
es aber von neuem tut – die werden Bewohner des Feuers sein, darin werden sie
ewig bleiben. Gott wird den Zins dahinschwinden lassen und die Mildtätigkeit
vermehren. Und Gott liebt keinen, der ein hartnäckiger Ungläubiger und
Übeltäter ist. Wahrlich, denjenigen, die gläubig sind und gute Werke tun und
das Gebet verrichten und die Zakah entrichten, ist ihr Lohn von ihrem Herrn
(gewiß) und sie brauchen keine Angst haben noch werden sie traurig sein.” (Quran
2:275-276)
Diese Verse enthalten viele interessante
Punkte. Beim Kommentar vom ersten Teil des Verses, schrieb Maududi:
Gerade wie eine geisteskranke Person, ohne die
Zügel irgendwelcher Vernunft, unsittliche Taten aller Art begeht, so tut dies
auch derjenige, der Zinsen nimmt. Er ist hinter dem Geld her, als wäre er
geisteskrank. Er ist der Tatsache gegenüber sorglos, dass Zinsen die
tatsächlichen Wurzeln der menschlichen Liebe, Brüderlichkeit und Nächstenliebe
schneidet und das Wohlergehen und die Freude der menschlichen Gesellschaft
untergräbt, und dass seine Bereicherung auf Kosten des Wohlergehens vieler
anderer Menschen geht. Dies ist der Zustand seiner „Geisteskrankheit“ in
dieser Welt: da jemand im Jenseits in dem Zustand wieder erweckt wird, in dem
er in dieser Welt verstorben war, wird er als Wahnsinniger wieder erweckt.
Zweitens macht der Vers ganz deutlich, dass
es einen Unterschied zwischen erlaubten geschäftlichen Transaktionen und Zinsen
gibt. Der Unterschied dazwischen ist so auffallend, dass der Vers sich nicht
die Mühe macht, ihn näher zu erklären, was ein stilistisches Mittel des Qur´an
ist. Drittens sagen diese Verse klar und deutlich aus, dass Gott “den Zins dahinschwinden lassen und die
Mildtätigkeit vermehren“ wird. Dies ist eines der Gesetze Gottes, das die
Menschheit nicht ohne weiteres selbst entdecken kann. Die ultimativen und
vollen negativen Auswirkungen der Zinsen auf den Einzelnen, die Gesellschaft
und die gesamte Welt in diesem Leben und im Jenseits sind nur Gott bekannt.
Allerdings werden wir später einige dieser negativen Effekte, die die Wahrheit
dieser Verse bezeugen, nennen. Tatsächlich betont die Aussage des Propheten (Gottes
Segen und Frieden seien auf ihm) ebenfalls: “ Zinsen – auch wenn es eine große
Menge ist, werden später eine kleine Menge ergeben.“
Zweifellos wird, wenn der Einzelne Gott im Jenseits trifft,
alles, was mit solchen unerlaubten Mitteln angehäuft hat, zu einer Quelle
seiner eigenen Zerstörung werden.
Kurz nach dem oben zitierten Vers sagt
Gott weiter:
“O ihr, die ihr glaubt, fürchtet Gott und
verzichtet auf das, was noch übrig ist an Zinsen, wenn ihr Gläubige seid. Und
wenn ihr dies nicht tut, dann ist euch Krieg angesagt, von Gott und Seinem
Gesandten. Doch wenn ihr bereut, dann soll euch euer Kapital zustehen, so dass
weder ihr Unrecht tut, noch euch Unrecht zugefügt wird.” (Quran 2:278-279)
Welcher Vernünftige würde sich selbst
einer Kriegserklärung durch Gott und Seinen Gesandten aussetzen? Ohne Zweifel
gibt es keine stärkere Drohung. Am Ende des Verses macht Gott sehr deutlich,
warum Zinsen verboten sind: sie sind ein Unrecht. Das arabische Wort dafür ist
Dhulm, was bedeutet, dass jemand einem anderen oder seiner Seele Unrecht
getan, ihm geschadet oder ihn unterdrückt hat. Dieser Vers zeigt, dass Zinsen
nicht einfach so verboten sind, wegen irgendwelcher Regelungen Gottes ohne vernünftigen
Grund dahinter. Zinsen schaden definitiv und deshalb sind sie verboten
worden.
Außerdem machte auch der Prophet Muhammad
(Gottes Segen und Frieden seien auf ihm) Aussagen über Zinsen. Beispielsweise
die folgende, die deutlich die Schwere dieser Sache zeigt.
“Meidet die sieben zerstörerischen
Sünden: Gott Partner beigesellen, Zauberei, eine Seele töten, die Gott (zu
töten) verboten hat, außer es entspricht dem Gesetz, Zinsen verzehren, den
Besitz der Waisen verzehren, fliehen, wenn die Heere auf einander treffen und
keusche, gläubige, unschuldige Frauen verleumden.” (al-Bukhari und Muslim)
Eine andere Aussage des Propheten (Gottes
Segen und Frieden seien auf ihm) sollte genügen, um jeden Gottes-fürchtigen
Menschen gänzlich von Zinsen fernzuhalten. Der Prophet (Gottes Segen und
Frieden seien auf ihm) sagte:
“Eine Münze von Zinsen, die bewußt
von einer Person ausgegeben wird, ist in der Sicht Gottes schlimmer als 36 mal
unerlaubten Geschlechtsverkehr zu haben.” (al-Tabarani und al-Hakim)
Der Gefährte Jaabir berichtete, dass
der Gesandte Gottes (Gottes Segen und Frieden seien auf ihm) denjenigen
verfluchte, der Zinsen nimmt, denjenigen, der sie gibt, denjenigen, der darüber
Zeuge ist [d.h. über den Vertrag] und den, der darüber berichtet. Dann sagte
er: „Sie sind alle gleich.“ (Muslim)
Dies ist ein Grundprinzip des Islam. Wenn
etwas verboten oder falsch ist, sollte ein Muslim nicht daran teilnehmen oder
es auf irgendeine Art und Weise unterstützen. Da Zinsen verboten sind, ist es
auch verboten, derartige Verträge zu bezeugen, darüber zu berichten und so
weiter. Die Worte des Propheten erklären ebenfalls, dass kein Unterschied
besteht zwischen demjenigen, der Zinsen bezahlt, und demjenigen, der sie
erhält. Dies ist so, weil sie beide an dieser verachtenswerten Tat beteiligt
sind und daher sind beide gleich schuldig.
Der Prophet Muhammad (Gottes Segen und
Frieden seien auf ihm) sagte auch:
“Wenn unerlaubte sexuelle Beziehungen
und Zinsen in einer Stadt öffentlich auftauchen, haben sie sich der Strafe
Gottes selbst geöffnet.” (al-Tabarani und al-Hakim)
Diese Feststellung bezieht sich auf eines
von Gottes “Sozialgesetze”. Die Strafe Gottes kann in verschiedenen Formen
kommen – in dieser Welt oder in der nächsten.
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Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 3 von 7): Religion und frühe Denker
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Beschreibung: Zinsen und Wucher in der Bibel (Judentum und Christentum) und gemäß der frühen Denker.
von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2010 IslamReligion.com)
Veröffentlicht am 29 Nov 2010 - Zuletzt verändert am 29 Nov 2010
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Der Islam ist natürlich nicht die einzige
Religion, die Zinsen verbannt hat und sie für eine verachtenswerte Sache halt. Das
Verbot von Zinsen – wenigstens in einem gewissen Ausmaß – ist ein bekanntes
Gesetz sowohl im Alten als auch im Neuen Testament der Bibel. An vielen Stellen
des Alten Testaments wird sich auf “Wucher” oder “Zins” bezogen. (Wieder
werden die Begriffe Wucher und Zinsen gleichmaßen verwendet und erst mit der
Zeit bekam Wucher die Bedeutung eines übertriebenen oder ungesetzlichen Betrags
von Zinsen. Daher hat die American Standard Version der Bibel wiederholt
in der King James Version Wucher zu Zinsen geändert.)
Im 5. Buch Mose 23:19-20 lesen wir:
“Du sollst von deinem Bruder nicht
Zinsen nehmen, weder für Geld noch für Speise noch für alles, wofür man Zinsen
nehmen kann. Von dem Ausländer darfst du Zinsen nehmen, aber nicht von deinem
Bruder, auf dass dich der Herr, dein Gott, segne in allem, was du unternimmst
im Lande, dahin du kommst, es einzunehmen.”
Ähnlich heißt es im 2. Buch Moses 22:25:
“Wenn du Geld verleihst an einen aus
meinem Volk, an einen Armen neben dir, so sollst du an ihm nicht wie ein
Wucherer handeln; du sollst keinerlei Zinsen von ihm nehmen.”
Im 3.Buch Moses 25:37 liest man:
“Denn du sollst ihm dein Geld nicht
auf Zinsen leihen noch Speise geben gegen Aufschlag.”
In Jeremia 15:10 beklagt sich der Prophet
darüber, dass er verflucht wurde, obwohl er nie so etwas getan habe, wie Zinsen
nehmen, was bedeutet, dass eine derartige Verfluchung für ihn angemessen wäre,
wenn er jemand gewesen wäre, der Zinsen nahm. Vielleicht ist einer schärfsten
Verse des Alten Testaments bezüglich Zinsen in Hezekiel 18:13:
“.. der Zinsen gibt und einen
Aufschlag nimmt – sollte der am Leben bleiben? Er soll nicht Leben, sondern,
weil er alle diese Greuel getan hat, soll er des Todes sterben; seine
Blutschuld komme über ihn.”
Es gibt noch andere Verse des Alten
Testaments, die auf das Verbot von Zinsen hinweisen, aber was oben zitiert
wurde, sollte genügen.
Easton’s Bible Dictionary hat das
Mosaische Gesetz zu Zinsen in folgender Passage zusammengefasst.
Das Mosaische Gesetz besagte, wenn ein
Israelit etwas leihen wollte, um das er bat, musste es ihm frei geliehen
werden, und kein Zins durfte darauf veranschlagt werden, obgleich er von
Ausländern genommen werden durfte. (2.Buch Moses 22:25; 5.Buch
Moses 23:19,20; 3.Buch
Moses 25:35-38). Nach
Beendigung von sieben Jahren wurden sämtliche Schulden erlassen. Von einem
Ausländer allerdings konnte die Leihe gefordert werden. Später im hebräischen
Reich als der Handel mehr geworden war, kam die Vorgehensweise auf, Wucher oder
Zinsen auf Anleihen zu fordern, und von einer Sicherheit im kommerziellen
Sinn. Aber das Fordern von einem Hebräer wurde als verachtenswert angesehen. (Psalter 15:5; Sprüche 6:1,4; 11:15; 17:18; 20:16; 27:13; Jeremia
15:10).
Unglücklicherweise, wie so häufig mit
praktischen Angelegenheiten, ist das Neue Testament mit dem Thema der Zinsen
etwas vage. Gemäß der The Encyclopedia of Religion and Ethics, “gibt es
keine direkten Vorschriften [bezüglich Zinsen], um das christliche Bewusstsein
zu leiten.” Allerdings gibt es in den Lehren, die Jesus im Neuen Testament
zugesprochen werden, einige Passagen, die ganz eindeutig gegen die
Vorgehensweise der Zinsen zu sein scheinen. In einer Passage wird berichtet,
dass Jesus gesagt habe:
“Vielmehr liebet eure Feinde, tut
wohl und leihet, wo ihr nichts dafür hoffet, so wird euer Lohn groß sein und
ihr werdet Kinder des Allerhöchsten sein, denn er ist gütig über die
Undankbaren und Bösen.” (Lukas 6:35).
In dieser Passage wurden die Christen
angewiesen, Geld zu verleihen, ohne irgendeinen Lohn oder Gewinn daran zu
haben. Dies könnte für eine der „harten Aussagen“ gehalten werden, denn es ist
wohlbekannt, dass christliche Gelehrte unterschiedliche Meinungen darüber
vertreten, wie solche Passagen zu interpretieren und anzuwenden sind.
In Matthäus 25:14-28 gibt es eine längere
Parabel, in der Gott verschiedenen Dienern unterschiedliche Mengen an Münzen
(Talente oder Zentner genannt) gibt. Einige von ihnen investierten das Geld
und brachten Gott mehr zurück, als Er ihnen gegeben hatte. Derjenige aber, dem
Gott nur eine solche Münze gegeben hatte, wird in Vers 18 beschrieben:
“Der aber den einen empfangen hatte,
ging hin und machte eine Grube in die Erde und verbarg seines Herrn Geld.”
Als Gott seine Diener
zu Sich rief und fragte, was sie mit dem Geld angefangen hatten, sagte der, der
nur eine Münze erhalten hatte zu Gott:
“Da trat auch herzu, der einen
Zentner empfangen hatte, und sprach: Herr, ich wußte, dass Du ein harter Mann
bist: Du schneidest, wo Du nicht gesät hast, und sammelst, wo Du nicht
ausgestreut hast; und ich fürchtete mich und ging hin und verbarg deinen
Zentner in die Erde. Siehe, da hast du das Deine.” (Matthäus 25:24-25).
Da antwortete der Herr
ihm streng:
“Sein Herr aber antwortete und sprach
zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Wußtest du, dass ich schneide, wo ich
nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe, so solltest du
mein Geld zu den Wechslern getan haben, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich
das Meine zu mir genommen mit Zinsen. Darum nehmet von ihm den Zentner und gebet
ihn dem, der die zehn Zentner hat.” (Matthäus 25:26-28).
Im Kommentar dieses
Verses stellt die Geneva Study Bible fest:
Banker, die ihre Läden oder Tische draußen
aufstellen, wo sie Geld gegen Zinsen verleihen. Wucher oder Geld gegen Zinsen
verleihen, ist in der Bibel streng verboten (2.Buch Moses 22:25-27; 5.Buch Moses
23:19,20). Selbst eine
geringe Rate wie ein Prozent Zinsen war nicht gestattet (Nehemia 5:11). Dieser Diener hat bereits zwei Lügen erdichtet.
Zuerst sagte er, sein Herr sei ein harter, strenger Mann. Dies ist eine Lüge,
denn der Herr ist gnädig und barmherzig. Dann nannte er seinen Herrn einen
Dieb, denn er raube, was er nicht säe. Schließlich sagte der Herr sarkastisch
zu ihm, warum hast du nicht Beleidigung zu den Übertretungen noch hinzugefügt
und das Geld gegen Zinsen verliehen, damit du deinen Herrn einen “Wucherer”
auch noch nennen kannst! Wenn der Diener dies getan hätte, wäre sein Herr für
die Taten seines Dieners verantwortlich und des Wuchers schuldig.
Auf der Grundlage des Alten und Neuen
Testaments verbot die frühe Kirche Zinsen. Schließlich war allen Christen die
Beteiligung an Zinsen untersagt, nicht nur dem Klerus. Kirchenväter wie St.
Thomas Aquinas, behandelten das Thema der Zinsen detaillierter. “In dem Erlaß von
Gratian, wie nachfolgend bei dem Third Lateran Council (1179), legte ein Kanon
fest, dass ´augenscheinliche Wucherer weder zur Kommunion zugelassen werden
sollen, noch wenn sie auf dieser Sünde sterben, die christliche Beisetzung
erhalten dürfen.´” Das Fourth Lateran Council von 1215 verdammte die Praktik, gestattete
sie aber den Juden. Die Christen blieben bis zum 19ten Jahrhundert fest gegen
Zinsen. Martin Luther, der protestantische Führer, verdammte im 16ten
Jahrhundert ebenfalls Wucherei, aber es wird behauptet, dass er sie unter dem
Vorwand der menschlichen Schwäche gestattet habe. Mit Calvin
begann mehr als mit irgendeinem anderen eine weichere Sicht bezüglich der
Zinsen unter christlichen Führern. Langsam befreite sich die zivile
Gesetzgebung von dem kanonischen Gesetz und Zinsen fingen an, sich mit der Zeit
durchzusetzen.
Es waren nicht nur diejenigen mit
jüdisch-christlicher Denkweise, die Zinsen verdammten. In der Tat hatten auch
die griechischen Philosophen hatten sehr negative Ansichten von Zinsen. Aristoteles
und andere führende griechische Gelehrte verdammten Zinsen. Der berühmte
österreichische Ökonom Eugen von Böhm von Bawerk (auch bekannt als
Boehm-Bawerk) schrieb in seinem wichtigen Werk Capital and Interest:
Die feindlichen Ausdrücke der antiken Welt,
nicht wenige an der Zahl, bestehen aus einer Menge legislativer Akte, die das
Nehmen von Zinsen verbieten und aus teilweise unabsichtlichen Aussagen von
Philosophen wie Plato, Aristoteles, die beiden Catos, Cicero, Seneca und
Pantus etc. Die griechischen Philosophen betrachteten Geld als nichts weiter
als ein Tauschmittel und daher lehnten sie die Produktivität von Geldleihen ab.
Ein Geldstück kann kein anderes Geldstück befruchten, war die Doktrin des
Aristoteles. Die offensichtliche Schlussfolgerung war, dass Zinsen ungerecht sind.
Anfänglich verbot das Römische Reich
ebenfalls das Nehmen von Zinsen. Mit dem Aufkommen der Handelsklassen lies
dies ein wenig nach, jedoch gab es noch strenge Einschränkungen für das Leihen
mit Zinsen ebenso wie Gesetze zum Schutz des Schuldners.
Shakespeares Figur Shylock in The
Merchant of Venice (der Kaufmann von Venedig) (kurz vor 1600 geschrieben)
demonstriert, wie die Geldverleiher, die mit Zinsen handelten, verachtet wurden.
Die Frage, die nun auftaucht, ist, wie es dazu kam, dass Zinsen, die verachtet
und verboten waren, zu einer gesellschaftlich anerkannten und
institutionalisierten Praktik im Westen wurden.
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Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 4 von 7): Vom Verbot zur Rechtfertigung
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Beschreibung: Wie etwas so verachtenswertes wie Zinsen gerechtfertigt werden und sogar als ein Standard istitutionalisiert werden konnte.
von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2010 IslamReligion.com)
Veröffentlicht am 06 Dec 2010 - Zuletzt verändert am 06 Dec 2010
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> Wirtschaft
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Mit der Zeit wurde in betracht gezogen,
dass das Verbot von Zinsen nichts weiter als ein religiöses Dogma sei, das
beiseite geschafft werden müsse. Der Religion dürfte nicht länger gestattet
sein, die Wirtschaft zu bestimmen. Dies war sicherlich ein Gefühl, das von dem
bekannten Wirtschaftshistoriker Richard Tawney ausgedrückt wurde, als er sagte:
“Das ganze Schema der mittelalterlichen Gedanken versuchte die wirtschaftlichen
Angelegenheiten als Teil einer Hierarchie von Werten zu behandeln, die
sämtliche Zinsen und Tätigkeiten umfasste, deren Gipfel die Religion bildete.” Zur gleichen Zeit schien sich die Veränderung in der Haltung, die
stattfand, nicht nur aus rein wirtschaftlichen Gründen zu vollziehen. Lawrence
Dennis sagte:
Aristoteles, die römisch-katholischen
Kanonisten, die jüdische Thora,….alle verboten das Leihen mit Zinsen oder
verurteilten Zinsen als Wucher. Das Leihen mit Zinsen verbreitete sich in den
Jahrhunderten des Mittelalters als Folge des Preisausgleichs, der nötig war,
weil nicht genug Geld zur Kriegsführung und für öffentliche Zwecke aufgebracht
werden konnte. Im Gegensatz zu den gegenwärtigen Vorstellungen wurde das
Verleihen nicht ursprünglich als Mittel, um den Handel zu finanzieren
entwickelt. Die Venezier, Holländer, Hanseaten, Briten und anderen Händler
finanzierten ihre Transaktionen bis zum siebzehnten Jahrhundert mit Partner-Kapitaleinlagen.
Dennis stellt weiter fest:
Die katholischen Kanonisten mißbilligten nicht
die Profite aus Handelsrisiken, Miete für die Nutzung von Land oder den Verkauf
von Früchten des Landes oder anderem Kapital. Sie mißbilligten lediglich
Zinsen in Form von Geld für das Verleihen von Geld. Während der
Reformationszeit kam es dazu, dass Zinsen hauptsächlich von den Protestanten
wirtschaftlicher gestaltet wurden, um die Entgegnungen der Kanonisten zu
umgehen. Die katholische Kirche hat diese Haltung gegenüber den Zinsen nie
aufgegeben, aber sie fügte sich oder tolerierte die Leihen auf der Grundlage
bestimmter Voraussetzungen. Diese moralische Billigung durch die katholische
Kirche und die positive Unterstützung durch die kalvinistischen Händler führte
zur Verankerung in Gesetzen und Denkweisen und Verhaltensmustern der modernen
Gesellschaften.
Die Rationalisierungen, auf die Dennis
sich beruft, können an einer Menge Bibelkommentare gesehen werden. Obwohl die
Texte des Alten Testaments klar und deutlich in ihrer Verdammung der Zinsen
sind, hielt dies die späteren Gelehrten nicht davon ab, diese einfach zu
ignorieren oder dieses Verbot anscheinend zu verdrehen.
Beispielsweise heißt es im Henry’s Concise Commentary vom
3. Buch Moses 25:37:
Und dieses Gesetz ist zwar immer noch bindend,
kann aber nicht als verbindlich betrachtet werden, wenn Geld für den Kauf von
Land, Handel oder andere Verbesserungen geliehen wird; denn dort ist es
vernünftig, dass der Verleiher den Profit des Leihenden teilt. Das Gesetz hier
beabsichtigt nur, die Armen zu entlasten, für die es manchmal ein großes
Almosen ist, freie Anleihen zu geben.
Diese Erklärung ist
widerlegbar, angesichts dessen, dass es bei Zinsen nie darum ging, dass der
Verleiher mit dem Leihenden den Profit teilt. Wenn dies der Fall wäre, würde
viel Schaden der Zinsen beseitigt. Ähnlich
heißt es im Jameison-Fausset-Brown Kommentar:
“Wucher wurde streng verbannt (Psalter 15:5, Hezekiel
18:8,17), aber das
Verbot kann in der modernen Handlungsweise von Männern in Geschäftsleben,
Leihen und Borgen bei berechtigten Zinsenraten nicht mehr als anwendbar
betrachtet werden.”
Wie konnte die Tat von
der strengen Verdammung zu möglicherweise in der “modernen Handlungsweise von Männern
in Geschäftsleben“ nicht anwendbar kommen? Kein logischer Beweis wird
für einen derartigen Sprung geliefert. Ähnlich heißt es in ihrem Kommentar vom
5. Buch Moses:.
“Du sollst von deinem Bruder nicht Zinsen nehmen, …von
dem Ausländer darfst du Zinsen nehmen – Die Israeliten lebten in einem
bescheidenen gesellschaftlichen Staat und deshalb wurden sie ermuntert,
untereinander auf freundliche Weise zu leihen, ohne einen Gewinn zu erwarten. Aber
mit Fremden, die in Handel und Kommerz engagiert waren und liehen, um ihr
Kapital zu vermehren, war der Fall anders, und es könnte vernünftig sein, dass
sie auf die Leihen Zinsen bezahlen.”
Wieder geben sie für
ihre Vorschläge keinerlei Beweise. (Da scheint es allerdings so, als wären die
heiligen Texte nicht in der Lage, sich deutlich auszudrücken.) Tatsächlich
versuchte sogar ein berühmter Wirtschaftler, einen Bibelkommentar abzugeben: Paul
Samuelson schrieb in seinem klassischen Buch über Ökonomie: “Die biblischen
Aussagen gegen Zinsen und Wucher beziehen sich eindeutig eher auf
Leihen, die zum Gebrauch bestimmt waren, als auf solche zu Investitionszwecken.”
Mit der Widerlegung der Einsprüche der
“Gelehrten” war es eine Angelegenheit der angehenden Wirtschaftswissenschaft,
das Zahlen von Zinsen zu rechtfertigen. Dies war, wie sich herausstellte, viel
schwieriger als es klingt. Haberler hatte sicherlich recht, als er sagte:
Die Theorie der Zinsen war lange Zeit ein
Schwachpunkt in der Wirtschaftswissenschaft, und die Erklärung und die
Festlegung der Zinsraten läßt noch immer weiter Unstimmigkeiten unter den
Ökonomen anschwellen als irgendein anderer Zweig der allgemeinen
Wirtschaftstheorie.
In Wirklichkeit gibt es unter Ökonomen
“keine einzige angemessene und allgemeine akzeptierte Theorie des Zinses, die
eine einleuchtende Erklärung des Ursprungs und der Begründung für Zinsen geben
kann”.
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Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 5 von 7): Erklärungen und Theorien
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Beschreibung: Die unterschiedlichen Wege, mit denen Denker in der Vergangenheit versucht haben, Erklärungen für die Existenz von Zinsen zu beschwören.
von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2010 IslamReligion.com)
Veröffentlicht am 13 Dec 2010 - Zuletzt verändert am 13 Dec 2010
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> Islamische Ordnung
> Wirtschaft
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Die bloße Fülle der Meinungen, die
versuchen, die Existenz der Zinsen zu erklären und ihre Zahlung zu
rechtfertigen – begleitet von glaubwürdigen Kritiken aller dieser Ansichten von
bekannten und respektierten Ökonomen- sollten ein Zeichen für jeden sein, dass etwas nicht ganz richtig
ist. In der Geschichte der wirtschaftlichen Gedanken kann man (unter anderen) folgende
Theorien finden, die Zinsen rechtfertigen:
(1) Die “Farblosen” Theorien (wie Böhm-Bawerk
sie nennt): Diese wurden von Adam Smith, Ricardo und anderen frühen Ökonomen vorgebracht.
Diese Theorie hat viele Fehler, einschließlich der Vermischung von Zinsen mit
Zuwachsprofit von Kapital. Ricardo verfolgt alle Werte vom Kapital auf Arbeit
zurück – aber irgendwie versäumt er, zu bemerken, dass es nie Arbeit war, die
die Bezahlung für den besagten Wert erhielt.
(2) Die Abstinenztheorien
(„Enthaltsamkeitstheorien“): Diese Art von Theorien sind immer wieder
aufgetaucht. Ökonome haben bemerkt, dass „Enthaltsamkeit“ kein guter Begriff
sein könnte und benutzen oft andere Begriffe wie „warten“ (a la Marshall). Zins
ist, im wesentlichen, der Lohn, den jemand erzielt, für das Warten oder die
Enthaltsamkeit von der unmittelbaren Nutzung. Diese Theorie schlug fehl, denn sie
läßt einen denken, dass Ersparnisse einzig und allein eine Funktion der Zinsen
seien, was bewiesenermaßen nicht der Fall ist.
(3) Produktivitätszuwachs: Diejenigen,
die diese Theorie vorbringen, sehen Produktivität als dem Kapital innewohnend
an und daher ist Zins einfach nur die Bezahlung für diese Produktivität. Die
Theorie, die von Say vorgebracht wird, nimmt an, dass Kapital einen Überschuß an
Wert produziert, aber wieder gibt es keinen Beweis, der diese Behauptung
unterstützt. Das äußerste, das man behaupten kann, ist dass etwas Wert
geschaffen wurde, das eine Bezahlung für das Kapital darstellt, aber man kann
nicht beweisen, dass Übermaß oder überschüssiger Wert geschaffen wurde, was die
Essenz ihrer Behauptung darstellt, die Zinsen rechtfertigt. Natürlich
ignorieren diese Theorien die Geldfaktoren, wenn sie Zinsen analysieren.
(4) Nutzungstheorien: “Böhm lehnte
die Gültigkeit der Annahme ab, dass es neben jedem Kapitalgut einen Nutzen
gäbe, wonach ein unabhängiges Wirtschaftsgut einen unabhängigen Wert besäße. Er
betonte desweiteren, dass ´es in erster Linie keine Sache gäbe, wie eine
unabhängige Nutzung von Kapital´, und demgemäß kann es weder einen unabhängigen
Wert besitzen, noch durch seine Teilnahme zum ´Phänomen von überschüssigem Wert´
beitragen. Einen solchen Nutzen anzunehmen, gleicht eine unhaltbare Fiktion
aufzustellen, die jeglichen Fakten widerspricht.”
(5) Entschädigungstheorien: Diese
Gruppe von Ökonomen sieht Zinsen als Entschädigung für “die verrichtete Arbeit”
durch den Geldgeber an. Obwohl von englischen, französischen und deutschen
Ökonomen unterstützt, benötigt diese Ansicht vielleicht keinen Kommentar.
(6) Die auswählende (Kombination
früherer Theorien, wie Produktivität und Abstinenz) Theorie: Afzal-ur-Rahman
schreibt:
Dieser Gedankengang scheint ein Symptom
der Unzufriedenheit mit der Doktrin der Zinsen, wie sie von den Ökonomen in der
Vergangenheit und der Gegenwart präsentiert und diskutiert wurden, zu enthüllen.
Und, da keine einzige Theorie zu diesem Thema in sich selbst als befriedigend
betrachtet wird, haben die Leute versucht, eine Kombination der Elemente
verschiedener Theorien zu machen, um eine befriedigende Lösung des Problems zu
finden.
(7) Moderne Fruktifikationstheorie
(Boden-Fruchtbarkeits-Theorie): Henry George war der Entwickler dieser Theorie,
aber sie trug nie genug Gewicht, um viele, wenn überhaupt einige, Anhänger zu finden.
(8) Modifzierte Abstinenztheorie: Noch
eine andere einzigartige Theorie, die von Schellwien vorgeschlagen worden ist,
besaß nie großen Einfluß.
(9) Die österreicher Theorie (Die
Agio oder Zeit-Bevorzugungs-Theorie): Dies ist die Sicht, die Böhm-Bawerk selbst
gutheißt. Nach dieser Theorie steigt Zins „durch einen Wertunterschied
zwischen gegenwärtigen und zukünftigen Gütern“. Cassel hat diese Theorie im
Detail kritisiert. Sie kocht herunter zu einer fantastischen “Warte”-
Theorie.
(10)Geldtheorien (die Ausleihbare Fonds
Theorie, die Liquiditäts-Präferenz-Theorie, die Stocks and Flows Theorie (´Lager
und Fluss-Theorie´), die Assets-Preference Approach (die
Güter-Bevorzugungs-Annäherung): Letztlich haben Ökonome versucht, den Einfluß
von geldlichen Faktoren in das Thema der Zinsen einzuführen und zu betonen. In
Wirklichkeit beginnt die Betonung hier, von dem ´warum Zinsen gezahlt werden´,
zu ´was die maßgebende Rate der Zinsen festlegt´, umzuschalten. “Gemäß Robertson
ist Zins in der Liquiditäts-Präferenz-Theorie zu nichts weiter reduziert als
einer Risikoprämie gegen Schwankungen, über die wir uns nicht sicher sind. Sie
läßt den Zins in der Schwebe, so dass, um es krass zu sagen, Zins existiert,
weil Zins existiert.” Ähnliche Kritiken wurden über andere Ansichten dieser ´Familie´
gemacht.
(11) Exploitations-Theorie:
Anfänglich haben sozialistische Ökonome Zinsen als bloße Ausbeutung betrachtet.
Man sollte sich daran erinnern, dass die „Gründungsväter“ der kapitalistischen
Theorie, Adam Smith und Ricardo, glaubten, die Quelle aller Werte sei nichts
als Arbeit. Wenn dies wahr ist, dann sollten alle Zahlungen mit Arbeit gemacht
werden und Zinsen sind nur Ausbeutung.
An einigen Stellen hat Afzal-ur-Rahman ausgezeichnete
Schlußfolgerungen bezüglich dieser verschiedenen Zinstheorien gegeben. Er
stellte fest:
Eine kritische Studie der historischen Entwicklung des Phänomens der
Zinsen hat gezeigt, dass Zinsen als unabhängiger Faktor der Produktion gezahlt
wird, entweder als Wartezeit oder Aufschub oder Abstinenz usw. Aber alle diese
Theorien versäumen es, zu beantworten oder zu beweisen, warum Zinsen auf diesen
Faktor gezahlt werden oder gezahlt werden sollen. Einer betont die
Notwendigkeit des Wartens, ein anderer die Notwendigkeit der Abstinenz, wieder
ein anderer die Notwendigkeit des Aufschubs; aber keine von diesen Erklärungen
beantwortet die Frage. Weder bloße Notwendigkeit des Wartens oder des
Aufschubs oder der Abstinenz noch bloßer Nutzen oder Produktivität des Kapitals
genügt, um zu beweisen, dass Zinsen eine notwendige Zahlung für die Verwendung
des Kapitals bei der Produktion sind. Abgesehen davon können diese Theorien
keine Antwort auf die Frage geben, wie ein variable Faktor möglicherweise einen
festgelegten Faktor wie eine Zinsrate bestimmen kann? Wie kann eine solche
Theorie gültig und haltbar sein?
Später schreibt er:
Die Geldtheorien wie die Grenzproduktivitätstheorie haben keinen
Versuch unternommen, folgende Frage zu beantworten: warum sollten Zinsen
gezahlt werden? Sie haben diese Frage ganz einfach ignoriert und bei der
Theorie über den Wert Zuflucht gesucht. Sie sagen, wie bei allen anderen Dingen,
wird der Preis des Kapitals durch die Nachfrage nach der Verfügbarkeit von Geld
bestimmt. Aber es scheint so, als hätten sie den grundsätzlichen Unterschied
zwischen den beiden Problemen vergessen; die Theorie des Wertes ist ein Problem
des Austauschs, während die Zinstheorie ein Problem der Verteilung ist. Sowohl
Loanable Fonds als auch Liquiditätspräferenz – Theorien sind gründsätzlich
Angebot und Nachfrage Theorien des Zinses und erklären ihn unter Berufung auf
das zur Verfügung stehen und die Nachfrage an ausleihbaren Fonds und Geld im
einzelnen. Aber sie geben keinerlei Rechtfertigung für das Phänomen des
Zinses. Selbst wenn das Kapital ein Anrecht auf angemessene Entschädigung für
die Schaffung von Reichtum besitzt, „kann es nur seinen Anteil vom Anstieg
nationalen Reichtums nur zu dem Ausmaß seiner Wiedergutmachung ziehen. Es kann
nicht gestattet werden, mit seinem Pfund Fleisch davonzulaufen, das im Voraus
bestimmt wird und ohne Beziehung zu den aktuellen Produktionsdaten steht.“
Nach Böhm-Bawerk enthüllt die Studie all dieser Theorien “die
Entwicklung von drei wesentlichen abweichenden Grundkonzepten des Zinsproblems.“
Eine Gruppe, die Repräsentanten der Produktivitätstheorie, behandelt das
Zinsproblem als ein Produktionsproblem. Das sozialistische Beispiel von der
Ausbeutung behandelt das Zinsproblem als reines Problem der Verteilung; während
die dritte Gruppe, die Unterstützer der Geldtheorien, in der Zinstheorie das
Problem des Wertes sucht. Es besteht kein Zweifel daran, dass alle diese
Theoretiker von dem Großmut und der Durchdringlichkeit des Phänomens des Zinses
durcheinander gekommen, das Hauptthema, warum Zins gezahlt werden sollte,
vermieden haben. Sie haben in der Tat alle ihre Energien darauf verwendet, das
Problem des Wartens oder der Abstinenz oder der Produktivität oder des
„Arbeitswerts“ oder „der Bestimmung des Wertes“ zu lösen und sie haben nichts
über den Ursprung oder die Rechtfertigung der Einrichtung von Zinsen gesagt.
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Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 6 von 7): Die Krankheiten des Zinses I
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Beschreibung: Die verschiedenen Arten, auf die Zinsen der Gesellschaft geschadet hat.
von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2010 IslamReligion.com)
Veröffentlicht am 20 Dec 2010 - Zuletzt verändert am 20 Dec 2010
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Die Krankheiten des Zinses
Wirtschaftler können versuchen, mit
zahllosen Rechtfertigungen für die Zahlung von Zinsen aufzuwarten, aber die
wirkliche Prüfung besteht darin, zu studieren, welche Auswirkungen Zinsen
haben. Es ist wichtig, zu bemerken, dass wenn Gott etwas verboten hat, dies
nicht bedeutet, dass es absolut nichts Nützliches an dem verbotenen Ding oder der
verbotenen Handlung gäbe. In der Tat mag man in der Lage sein, auch in
verbotenen Dingen etwas Nützliches zu finden. Beispielsweise sagt Gott im
Qur´an über Alkohol:
“Sie befragen dich (O Prophet) über Berauschendes und
Glücksspiel. Sprich: „In beiden liegt großes Übel und Nutzen für die
Menschen. Doch ihr Übel ist größer als ihr Nutzen…” (Quran 2:219)
Also ist nicht der wesentliche Punkt, ob
es etwas Nützliches darin gibt, sondern ob sein Schaden den Nutzen überwiegt. Die
Wirtschaftler können in der Lage sein, einen Hinweis auf eine Rechtfertigung
für die Zahlung von Zinsen zu finden, aber diese wird den Schaden, den Zinsen
nachweislich verursachen können, nicht aufwiegen, wie in diesem Abschnitt
besprochen werden soll.
Selbst wenn Zinsen als eine Art Zahlung
für einen Produktionsfaktor betrachtet werden, so besitzen sie einige
einzigartige Eigenschaften, die sie von jedem anderen Produktionsfaktor
unterscheiden. Aufgrund dieser einzigartigen Natur führt es zu einigen
ziemlich störenden Ergebnissen.
Erstens führen Zinsen zu einer
ungleichmäßigen Verteilung des Einkommens. Dies kann man sehen, wenn wir zum
Beispiel drei Menschen nehmen. Nehmen wir an, da sind drei Menschen, die all
ihr Einkommen in einem vorgegebenen Jahr aufbrauchen, aber der erste von ihnen
beginnt mit $1,000 Ersparnissen, der zweite mit $100 und der dritte mit
keinen. Bei 10% Zinsen pro Jahr wird die erste Person $1,100, die zweite $110 und
die dritte Person nichts auf ihren Konten. Wenn es im folgenden Jahr genauso
weitergeht, wird die erste Person $1,210, die zweite $121 und die dritte wird
nichts haben. Man kann schon erkennen, wie die Verteilung zwischen den Dreien
mit jedem Jahr mehr auseinandergeht, auch zwischen dem, der über eigene
Ersparnisse verfügt. Dieses Szenario wird noch schlimmer, wenn die reichste
Person Ersparnisse hinzufügen kann. Nehmen wir an, er fügt am Ende eines jeden
Jahres ein Tausend hinzu. Er wird dann am Ende des ersten Jahre 1,100 haben,
er fügt $1,000 und macht weiter mit seinen 10% Zinsen und wird am Ende des
zweiten Jahres $2,310 haben und so weiter. Nun ist es eine Sache, ob dieses
gezahlte Geld tatsächlich aufgrund eines positiven Produktionsfaktors gezahlt
wurde, aber in Wirklichkeit kann keiner in diesem Fall dieses Argument
bringen. Das Geld, das die Menschen mit Zinsen machen, könnte von den
Menschen, die es ausliehen,verschwendet, verloren oder sogar gestohlen worden
sein, aber man muss immer noch Zinsen bezahlen. Es könnte in ein völlig zum
Scheitern verurteilts Objekt investiert worden sein und daher tatsächlich
nichts produziert haben. Aber dies alles zählt nicht, es muss gezahlt werden,
ob dieser „Produktionsfaktor“ nun produziert oder nicht. Dies ist einfach
einer der einzigartigen Aspekte von Geld und Zahlungen von Geld. Keiner kann
argumentieren, dass dies gerecht sei und deswegen ist das Ergebnis eine
ungleichmäßige Verteilung des Geldes.
Desweiteren wird die Verteilung des
Einkommens nach und nach immer schiefer. Man kann sich vorstellen, dass manche
Einzelne mit Millionen handeln, während andere in Hundertern oder Tausendern
rechnen. Der Unterschied in ihren Zinseinkommen wird in der Tat riesig sein
und mit jedem Jahr anwachsen. Mit anderen Worten, wie man häufig hört, wird es
zu einer Situation führen, in der die Reichen reicher werden, während die Armen
ärmer werden. Bemerke, dass diejenigen in Schulden Zinsen zahlen, die von Jahr
zu Jahr mehr werden, noch nicht bedacht wurden. In ihrem Fall, wenn die Zinsen
weiter ansteigen, wird immer mehr von ihrem Einkommen durch die Zinsen
verbraucht, die ungleiche Verteilung des Einkommens wird damit noch weiter
verschoben.
Manch einer könnte fragen, ob eine
gleichmäßige Verteilunng des Einkommens als ein Hauptthema betrachtet werden
kann. Abgesehen von den psychologischen Auswirkungen auf die Armen,
insbesondere durch Massenmedien, die die Betonung des guten Lebens und des
Bedarfs zu Konsumieren anpreisen, gibt es sehr wichtige Auswirkungen auf den
Markt im Ganzen. In einer Marktwirtschaft ist die Produktion auf diejenigen
eingestellt, die Geld haben, um für die Leistung zu bezahlen, ungeachtet der
Tatsache, wie notwendig andere Güter für die Gesellschaft sein könnten. Wenn
die Reichen eine Menge Geld für SUVs und benzin-saufende Fahrzeuge auszugeben
wünschen, danach fragen und dazu willig sind, werden diese produziert (ohne
Rücksicht darauf, wie viele Umweltschützer sich darüber beschweren könnten). Da
die Einkommensverteilung immer schiefer wird, werden immer mehr Ressourcen den
Wünschen der reichen Klassen geopfert. Ressourcen sind aber etwas
„festgelegtes“, daher bedeutet dies, dass immer weniger den Bedürfnissen der ärmeren
Klassen gewidmet wird. Außerdem je weniger Ressourcen für Güter, die die Armen
brauchen, verwendet werden, desto höher gehen die Preise dieser Güter und
schaden damit noch mehr der ökonomischen Situation der armen Menschen. Zum
Beispiel kann man zahlreiche medizinische Kliniken nehmen, die vorwiegend
Reiche versorgen (diejenigen, die sich solche Behandlungen leisten können),
auch wenn sie alles andere als notwendig sind, wie an vielen Stellen für
kosmetische Chirurgie und ähnlichem. Zur selben Zeit kann man wenige Kliniken
finden, die Arme versorgen und ihre Grundbedürfnisse stillen. Wenn sie für
solche essentiellen Dienste mehr zahlen könnten, würde man in einer
marktorientierten Ökonomie, auf jeden Fall mehr von diesen Kliniken finden,
mehr Ressourcen, die für ihre Bedürfnisse eingesetzt werden und einen geringeren
Preis auf lange Zeit für das, was sie benötigen. (Außerdem hat diese schiefe
Verteilung starke Bedeutungen für die Gesundheit der Demokratie; allerdings
geht diese Diskussion über den Umfang dieser Abhandlung hinaus.)
Zusätzlich verbreitert die Last der Zinsen
auf die Armen, die Schulden machen und sie in eine Situation kommen lassen, wo
sie sozial oder ökonomisch nicht weiterkommen, die Kluft zwischen den Reichen
und den Armen. Schulden selbst schaffen eine schwierige Situation für jeden
Einzelnen. Allerdings sind es Zinszahlungen , die aus den Schulden eine
lebende Zielscheibe machen, mit denen der Einzelne oft nicht zurechtkommt. Wieder
ist es ein Schwindelfaktor der Produktion, aber er funktioniert und gestattet
den Reichen reicher zu werden, während er all jenen eine große Last auferlegt,
die sich verschulden. Vielleicht sind alle Leser damit vertraut, wieviel die
Vereinigten Staaten, das reichste Land der Welt, von einer
Schuldnergesellschaft erhält. Dies hat nicht nur die niederen Klassen betrübt,
sondern auch viele aus der Mittelklasse. Einige bemitleidenswerte
Einzelpersonen erkennen nicht, dass sie beispielsweise wenn sie nur den Minimum
ihrer Kreditkartenrechnung bezahlen, nie den Ausgleich schaffen.
Aber sicherlich trifft es den Armen am härtesten. In der Tat
ist das System gegen sie; je ärmer ein Einzelner ist, je schlimmer seine
Kreditraten und je höher die Zinsrate, die er zu zahlen hat, sind. Mirza
Shahjahan Income, Debt and the Quest for Rich America: The Economic Tale of
Small and Mid-Sized US Cities ist eine Studie darüber, wie Schulden und die
damit zusammenhängende Zinslast viel von „Mittel-Amerika“ betrübt hat.
Die gefährliche Lage von Kleinbauern, die sie zwang, aufgrund
der fallenden Preise auf ihre Produkte auszuleihen, wurde gut dokumentiert. Viele
von ihnen haben ihre besonderen Besitztümer verpfändet oder ihre Farmen
verloren, die über Generationen ihren Familien gehört hatten, einfach nur wegen
der Zinszahlungen, mit denen sie nicht zurecht gekommen sind. Shahjahan fand
heraus, dass einige der Armen über 15% auf ihr jährliches Einkommen alleine an
Zinsen zahlen (die meisten zahlen 8% bis 12%) – nicht zu reden von der
Belastung der Anrufe und Drohungen durch die Kreditgeber, die die Armen häufig
erhalten. In Shahjahans Schlußfolgerung stellt er fest:
Sowohl die geldlichen als auch die wirklichen
Belastungen der Schulden haben viele Schuldner in einen lebenslangen Kampf im
Dienste ihrer Schulden versetzt. Die durchschnittliche Größe der Schulden von
verschuldeten Haushalten für die Zeit von 1990 bis 1993 war $32,493, was fast 100%
des Einkommens dieser Haushalte entsprach. Unsere Schätzung der pro Kopf
Schulden im Haushalt für 1990-1993 liegt bei $12,571. Schulden dieser
Größenordnung in Verbindung mit einer Teilzeitstelle und niedrigem Einkommen
können deprimierend sein und überwältigende psychologische Zustände schaffen...
Die Zinszahlungen mancher Haushalte
übersteigen 15% ihres Einkommens. Die hohen Zinskosten waren eine Quelle
bedeutungsvoller Abtragungen des Haushaltseinkommens...
Die meisten Haushalte in mittelgroßen Städten
– Millionen an der Zahl – kämpfen Tag und Nacht, um ihre Grundbefürfnisse
stillen zu können. Tausenden von ihnen gelingt es nicht, für ein bescheidenes
Leben ihrer Familien zu sorgen oder eine höhere Bildung ihrer Kinder zu
finanzieren. Sie leben mit Schulden und sterben mit Schulden. Diese Situation
läßt sie das Gefühl haben, kein volles Leben zu führen...
Diese Haushalte sind in einer Situation der
ökonomischen Dienstbarkeit gefangen, in der die offensichtlichsten Fluchtwege
durch institutionelle Kräfte blockiert sind. Sich Fertigkeiten oder eine
höhere Schulbildung anzueignen, könnte der Schlüssel zu wirklichem Erfolg sein,
aber höhere Bildung ist teuer und außerhalb der Reichweite der meisten
Haushalte dieser Städte. Diese Haushalte bestitzen keine Gelegenheit, sich
fortzuentwickeln und finden sich still von den Positionen überholt, auf die sie
gehofft hatten. Dies ist die bedenkliche Lage der Familien der Arbeiterklasse
in den kleinen und mittelgroßen Städten unserer Nation.“
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Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 7 von 8): Die Krankheiten des Zinses II
|
Beschreibung: Die verschiedenen Arten, auf die Zinsen der Gesellschaft geschadet haben. Teil 2: Die zerstörerischen Krankheiten des Zinses auf internationaler Ebene.
von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2010 IslamReligion.com)
Veröffentlicht am 27 Dec 2010 - Zuletzt verändert am 27 Dec 2010
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Auf internationaler Ebene ist die Situation
noch zerstörerischer und gefährlicher. Ganz ohne Zweifel, wenn man die
Situation aus internationaler Perspektive betrachtet, töten Zinsen Menschen. Die
Schuldentilgung weniger entwickelter Länder ist heute so groß, dass sie
wesentliche gesundheitliche und versorgungsbezogene Bedürfnisse opfern müssen.
Es ist erschütternd, wenn man bedenkt, dass die unausgesprochene Zahl von
Kindern, die täglich in weniger entwickelten Ländern sterben, dies aufgrund des
„Werkzeugs“ des modernen Kapitalismus: des Zinses, tun. Manche afrikanische
Regierungen sind gezwungen, mehr für die Schuldenbegleichung auszugeben, als
sie für Gesundheit oder Bildung ausgeben.
In diesem Zusammenhang hat die UNDP (1998)
vorausgesagt, wenn die externen Schulden der 20 ärmsten Länder der Welt
erlassen würden, könnten bis zum Jahr 2000 die Leben von über 20 Millionen
Menschen gerettet werden. Mit anderen Worten bedeutet das, dass nicht
rückgängig gemachte Schulden am Tod von 130.000 Kindern wöchentlich bis zum
Jahr 2000 verantwortlich waren.
Ken Livingston, Mayor of London, behauptete,
dass globaler Kapitalismus jedes Jahr mehr Menschen tötet, als von Adolf Hitler
getötet worden waren. Er tadelte die IMF und die Weltbank für den Tod von
Millionen aufgrund ihrer Ablehnung, die Schuldenlasten zu erleichtern. Susan
George stellte fest, dass seit 1982 jedes Jahr zwischen 15 und 20 Millionen
Menschen unnötigerweise wegen Schludenlasten gestorben sind „weil die
Regierungen der Dritten Welt die Programme zur Wasserreinigung und für die
Gesundheit einschränken mussten, um die Rückzahlungen einhalten zu können.”
Schulden mit ihrer ansteigenden Menge an
Zinsen darauf sind gefährlich für jedes Land, denn sie bedeuten einen Verlust
der Souveränität und der Kontrolle.
Dieser Aspekt ist zufällig kein Unfall. Weniger entwickelte
Länder – insbesondere deren Eliten und korrupten Führer – sind nicht
unschuldig, wenn es um das Thema der Schulden geht, die sie angehäuft haben. Wenn
sie außerdem nichts geliehen hätten und Schulden gemacht hätten, so wären die
unter den Druck geraten, dies zu tun. Caufield bemerkte:
So war es mit der Weltbank; Rückzahlungsleistungen sind vom Ganzen der
Anleihen mehr und mehr geworden. Das Ergebnis war eine Anhäufung der Schulden
bei den Entleihern der Bank geworden – und ein gradueller Verlust der
Souveränität ebenfalls. Kein Gläubiger ist willens Rückzahlungen für immer zu
halten, ohne etwas Kontrolle darüber zu haben, wie der Schuldner wirtschaftet.
In früheren Zeiten zögerten die Großmächte nicht, militärische Kraft
einzusetzen, um widerspenstige Schuldner gefügig zu machen. In seinem
klassischen Essay “Public Debts”, 1887 veröffentlicht, schrieb der
amerikanische Ökonom Henry Carter Adams, dass “die Bewilligung ausländischer
Kredite der erste Schritt zum Aufbau einer aggressiven Außenpolitik ist und
unter bestimmten Bedingungen unausweichlich zu Unterwerfung und Besetzung
führt.”
Die Annäherung der Bank an die Schuldner
ist nicht so grausam. Anstatt die Marine zu schicken, bietet sie Ratschläge,
wie die Länder ihre Finanzen managen sollten, wie sie ihre Gesetze machen
sollten, stellt Dienste für das Volk zur Verfügung und bewegt sich selbst auf
dem internationalen Markt. Ihre Überzeugungskräfte sind riesig, aufgrund der
allgemeinen Überzeugung, dass wenn sie sich entscheiden sollte, einen Entleiher
zu ächten, ihrer Führung alle großen nationalen und internationalen Kräfte
folgen werden. Daher hat die Bank durch das übermäßige Leihen – geboren aus
einer zugrundeliegenden Inkonsistenz ihrer Mission – sich selbst Kraft
hinzugefügt und die ihrer Entleiher erschöpft.
John Perkins’ jetzt bekanntes Confessions of an Economic Hit Man
erläutert zeitgenössische Wirtschaftsintrigen. Als er seine
Arbeit, die Bewertung von Projekten, beschreibt, berichtet er:
Der unausgesprochene Aspekt von jedem
dieser Projekte war, dass sie dazu beabsichtigt waren, große Erträge für die
Vertragsschließenden zu schaffen und um eine Handvoll wohlhabener und
einflußreicher Familien in den erhaltenden Ländern sehr glücklich zu machen,
während sie eine finanzielle Langzeitabhängigkeit sicherten und daher die
politische Loyalität der Regierungen auf der ganzen Welt. Je höher die
Ausleihe, umso besser. Die Tatsache, dass die Schuldenlast, die auf einem Land
lastet, die ärmsten Einwohner der Gesundheit, Bildung und anderen sozialen
Diensten für kommende Jahrzehnte beraubt, wurde nicht in Betracht gezogen.
Perkins Werk ist nun gefolgt worden von A Game as Old
as Empire: The Secret World of Economic Hit Men und Web of Global
Corruption herausgegeben von Steven Hiatt.Hiatt schreibt:
Schulden halten die Dritte Welt unter Kontrolle. Abhängig von Hilfe, Darlehensverlängerungen
und Schuldenumverlegungen, um zu überleben – egal, wie es sich tatsächlich
entwickelt - sind sie gezwungen worden, ihre Wirtschaft zu restrukturieren und
ihre Gesetze umzuschreiben, um die Bedingungen zu erfüllen, die in den IMF Strukturangleichungsprogrammen
und den Konditionen der Weltbank vorschreiben.
Die laufende Schuldensituation mit der
Hauptrolle, die Zinsen darin spielen, ist möglicherweise sehr zerstörerisch für
die gesamte Welt. In Global Trends 2015 bemerkte die Central
Intelligence Agency (CIA):
Die aufgehende Stömung der Weltwirtschaft
wird viele wirtschaftliche Gewinner schaffen, aber sie wird nicht alle Schiffe
ins Trockene bringen. [Sie wird] Konflikte zu Hause und außerhalb hervorbringen,
die eine immer breitere Kluft zwischen regionalen Gewinnern und Verlierern
sichern wird, als sie heute existiert. Die Entwicklung [Globalisierung] wird
steinig sein, gekennzeichnet von einer chronischen finanziellen Unbeständigkeit
und einer sich ausbreitenden ökonomischen Teilung. Regionen, Länder und
Gruppen, die sich verlassen fühlen, werden tiefer werdende ökonomische
Stagnation, politische Instabilität und kulturelle Entfremdung verspüren. Sie
werden politischen, ethnischen, ideologischen und religiösen Extremismus mit
der Gewalt, die ihn häufig begleitet, nähren.
Noreena Hertz hat in ihrem Werk The
Debt Threat: How debt is destroying the developing world… and threatening us
all ein hervorragendes Kapitel, das viele Gefahren von massive Zinsen
skizziert – und die, wieder einmal, gar nicht so massiv wären, wenn die ständig
anwachsenden Aspekte der Zinsen nicht wären – die der Welt heute auferlegt
sind. Sie geht im Einzelnen auf die Gefahren des Extremismus, des Terrorismus,
der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen der Welt unter anderen ein. Um nur
einen Aspekt zu zitieren, schreibt sie:
Die häßlichen Nachkommen der Schulden – Armut, Ungleichheit und
Ungerechtigkeit – werden auch immer wieder angeführt, um Akte größter Gewalt zu
rechtfertigen, ja sogar zu legitimieren. Nur wenige Wochen nachdem das World
Trade Center angegriffen wurde, schrieb der führende afrikanische
Berichterstatter Michael Fortin: “Wir müssen erkennen, dass diese
verachtenswerte Tat der Aggression zumindest teilweise ein Racheakt von Seiten
verzweifelter und gedemütigter Menschen gewesen sein könnte, die am Gewicht der
ökonomischen Unterdrückung zerbrochen sind, die von den Völkern des Westens
praktiziert wird.” Fortins Sprache -“zerbrochen”, “Unterdrückung”, “verzweifelt”,
“gedemütigt” – ist mit Bedacht beschwörend. Und es ist offensichtlich und
klar, dass es eine Zuhörerschaft gibt, bei der solche Worte wiederhallen.
Es gibt tatsächlich noch andere
Krankheiten, die mit den Zinsen in Verbindung stehen und hier erläutert werden
könnten, aber das zuvor genannte sollte unserem Zweck hier genügen.
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Zinsen und ihre Rolle in der Wirtschaft und im Leben (teil 8 von 8): Die Islamische Lösung
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Beschreibung: Eine islamische Lösung für das Zinsenmodell und wie Wirtschaft ohne Zinsen gedeihen kann.
von Jamaal al-Din Zarabozo (© 2011 IslamReligion.com)
Veröffentlicht am 03 Jan 2011 - Zuletzt verändert am 03 Jan 2011
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Die islamische Lösung
Die islamische Lösung des Themas Zinsen
beruht auf zwei Grundprinzipien:
(1) Wenn ein Einzelner einem anderen
Geld ausleihen möchte, um ihm zu helfen, sollte diese Tat auf “brüderlichen
Prinzipien” basieren, und es ist absolut nicht akzeptabel, in so einem Fall
Zinsen zu berechnen. Es ist kein Helfen, wenn man einen anderen in einen
Schuldenzustand versetzt, wo er mehr zurückzahlen muss, als er ausgeliehen
hatte. Dieses Prinzip wird ebenfalls auf die internationalen islamischen
Beziehungen angewendet. Wenn dieses wichtige Prinzip heute angewendet würde,
dann würden die Länder wahre “Hilfe” leisten und andere Länder eher unterstützen,
als sie in eine Form der Abhängigkeit und der Schuldenlast zu drängen.
(2) Wenn jemand sein Geld dazu
verwenden möchte, um mehr Geld zu machen, dann muss er auch bereit sein, ein
Risiko einzugehen. Mit anderen Worten er kann sich selbst nicht garantieren,
dass sie Summe fest bestehen bleibt (deren Betrag immer weiter anwächst), egal
welches Resultat seine Investition, für die sein Geld verwendet wird, bringt.
Wenn er sein Geld riskiert, dann stehen ihm Anteile am Profit zu. Allerdings
bedeutet dies ebenfalls, dass er seine Verluste akzeptieren muss, wenn Verluste
auftreten. Dies ist ein System, das auf Gerechtigkeit basiert. Es hat auch
viel Nutzen. Derjenige, der investiert, ist um die Resultate seiner
Investition besorgt und kann sein “Pfund Fleisch” nicht ohne Rücksicht auf den
Schuldner verlangen.
Die islamische Lösung gilt für Einzelne
genauso wie für die gesamte Geselschaft. Banken sind im wesentlichen
finanzielle Zwischenhändler. Sie nehmen Geld von denen, die überschüssiges
Geld haben (Ersparnisse) und stellen es denen zur Verfügung, die Geld für
Investitionen benötigen. Zinsen sind nicht notwendig, damit ein derartiges
System arbeitet. Die Bank und ihre Einzahler (Aktionäre) investieren ihr
Kapital eher als es einfach zu verleihen. Das Geld wird einem Risiko
ausgesetzt, und die Rückgabe an die Einzahler wird auf der Grundlage der
Profite, die in den betreffenden Investitionen gemacht wurden, geschehen. Unter
normalen Umständen einer wachsenden Wirtschaft ist der Bank, wenn sie groß
genug ist und ihren Investmentbereich abwechslungsreich gestaltet, eigentlich
ein positive Umsatz auf ihre gesamten Investitionen „garantiert”. Daher werden
diejenigen, die ihr Geld bei der Bank investieren, ebenfalls positive Umsätze
auf ihr Geld verbuchen, ohne dass es ihnen im voraus garantiert oder festgelegt
wurde.
Zahlreiche “islamische”
Finanzinstitutionen wurden heutzutage auf der ganzen Welt aufgebaut. Sie
wurden auf dem Prinzip eingerichtet, Zinsen zu vermeiden und einige von ihnen
florieren.
Schlußfolgerungen
Da der größte Teil der “modernen
Zivilisation” beschlossen hat, der göttlichen Führung den Rücken zu kehren,
(größtenteils aufgrund der Erfahrungen mit dem Christentum im Westen,) haben
sie versucht, ihre eigenen Wirtschaftssysteme, politischen Systeme,
internationalen Gesetze usw. aufzubauen. Indem sie das taten, müssen sie
allerdings zugeben, dass sie etwas versuchen, dass über ihre Macht hinaus geht.
Die Gesellschaftswissenschaft unterscheidet sich erheblich von der
Physikwissenschaft. Da gibt es keine Laboratorien, in denen Menschen
eingesetzt werden können, um festzustellen, was die besten Ergebnisse unter verschiedenen
Szenarien bringen wird (und selbst da würde man davon ausgehen, dass Menschen
unter den gleichen Umständen immer gleich reagieren würden).
Im Reich der Wirtschaft ist das erste, das
einem in den Sinn kommt, der Kollaps von der Theorie des Sozialismus und des
Kommunismus. Man sollte daher einen intensiveren Blick auf den Kapitalismus
werfen und wie weit die Realität davon entfernt ist, so zu sein, wie von ihr
erwartet wird. Die frühen kapitalistischen Theoretiker besaßen die Vision von
einer Theorie, die „zur bestmöglichen aller Welten“ führen würde. Allerdings
gründeten ihre Theorien auf Voraussetzungen, die nie bestanden haben und nie
erfüllt werden. Sie gingen von einem perfekten Wettbewerb aus, perfektem
Wissen, freiem Handel und so weiter. Sobald alle diese Voraussetzungen
gebrochen werden, und das werden sie unvermeidlich, dann führen sie nicht zur „zur
bestmöglichen aller Welten“. Anstatt dessen führen sie leicht zu einer Welt
der Ausbeutung, in der die Reichen immer reicher werden und die Armen immer
ärmer. Eine der treibenden Kräfte hinter diesem System ist die
Institutionalisierung der Zinsen.
Gott hat die Menschen mit der Rechtleitung
durch den Qur´an gesegnet – einem Buch, das seit seiner Offenbarung genauestens
bewahrt wurde. Dieses Buch enthält die Rechtleitung, die die Menschheit
benötigt, um ein erfolgreiches Leben sowohl in dieser Welt als auch im Jenseits
zu führen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass dieses Buch Zinsen auf
stärkste Weise absolut verbietet und verdammt.
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