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Zahreiche Christen haben während der
islamischen Eroberungen bald nach dem Tod des Propheten den Islam angenommen. Sie
wurden nie gezwungen, es war vielmehr eine Bestätigung dessen, was sie bereits
erwarteten. Anselm Tormeeda, ein Priester und christlicher Gelehrer, war eine solche
Persönlichkeit, deren Geschichte es wert ist, erzählt zu werden. Er schrieb
ein berühmtes Buch mit dem Titel: "Das Geschenk für den Intelligenten, der
die Argumente der Christen zurückweist". In der Einleitung seines Werks berichtet er seine Geschichte.
“Ihr sollt alle wissen, dass ich
ursprünglich aus der Stadt Mallorca stamme, die eine große Stadt am Meer
zwischen zwei Bergen ist und von einem kleinen Tal geteilt wird. Es ist eine
Handelsstadt mit zwei wundervollen Häfen. Große Handelsschiffe kommen mit
verschiedenen Waren und ankern in den Häfen. Die Stadt befindet sich auf einer
Insel, die denselben Namen trägt – Mallorca, und der Großteil des Landes ist
mit Feigen- und Olivenbäumen übersäht. Mein Vater war ein sehr anerkannter
Mann in der Stadt und ich war sein einziger Sohn.
Als ich sechs Jahre alt war, schickte er
mich zu einem Priester, der mich das Lesen im Evangelium und die Logik lehrte,
was ich innerhalb von sechs Jahren beendete. Danach verließ ich Mallorca und
reiste in die Stadt Larda in der Region von Castillion, die ein Zentrum für
lernende Christen der Region bildete. Ein bis eineinhalbtausend christliche
Studenten versammelten sich dort. Alle unterstanden der Führung des Priesters,
der sie unterrichtete. Ich studierte weitere vier Jahre das Evangelium und
seine Sprache. Dann zog ich weiter nach Bologne in der Region von Anbardia. Bologne
ist eine sehr große Stadt, sie bildete das Zentrum für lernende Menschen jener
Region. Jedes Jahr versammelten sich dort über zwei Tausend Studenten von
unterschiedlichen Plätzen. Sie bedeckten sich mit rauhen Umhängen, die sie "Protest
Gottes" nannten. Alle von ihnen, egal ob Arbeitersohn oder der Sohn eines
Herrschers, trugen diesen Umhang, damit die Studenten von den anderen zu
unterscheiden waren.
Nur der Priester lehrte, kontrollierte und
leitete sie. Ich lebte in der Kirche mit einem älteren Priester. Er wurde von
den Menschen überaus respektiert, denn er war sehr wissend, religiös und
asketisch, damit unterschied er sich von anderen christlichen Priestern. Fragen
und Ersuche um Rat kamen von überallher, von Königen und Herrschern, zusammen
mit Geschenken und Gaben. Sie hofften, er würde ihre Gaben annehmen und ihnen
seinen Segen gewähren. Dieser Priester lehrte mich die Prinzipien des
Christentums und seine Gesetze. Ich kam ihm sehr nahe, indem ich ihm diente
und bei seinen Pflichten assistierte, bis ich einer seiner vertrautesten
Assistenten wurde, so dass er mir sogar die Schlüssel seines Domizils in der
Kirche und der Vorratsräume anvertraute. Er selbst behielt nur den Schlüssel
des kleinen Zimmers, in dem er zu schlafen pflegte. Ich denke, und Gott weiß
es am besten, er bewahrte dort sein Schatzkästchen auf. Ich war für zehn Jahre
sein Student und Diener, dann wurde er krank und konnte nicht mehr an den
Treffen mit den anderen Priestern teilnehmen.
In seiner Abwesenheit diskutierten die
Priester verschiedene religiöse Angelegenheiten, bis sie dahin kamen, wo Gott, der
Allmächtige, durch seinen Propheten Jesus im Evangelium sagt: "Nach ihm
wird ein Prophet kommen, der Paraclet genannt wird". Sie diskutierten und
stritten sich über diesen Propheten und wer von den Propheten er sei. Jeder
gab seine Meinung gemäß seiner Kenntnisse und seines Verständnisses ab; und sie
verabschiedeten sich, ohne irgendeinen Nutzen in dieser Sache zu erzielen. Ich
ging zu meinem Priester und wie gewöhnlich berichtete ich ihm, worüber an
diesem Tag bei dem Treffen geredet worden war. Ich erwähnte die
unterschiedlichen Meinungen der Priester über den Namen Paraclet und wie sie
das Treffen beendet haben, ohne die Bedeutung verdeutlichen zu können. Er
fragte mich: "Was war deine Antwort?" Ich gab meine Meinung ab, die
von der Interpretation einer wohlbekannten Bibel-Exegese stammte. Er sagte,
ich läge fast richtig wie einige der Priester und was die anderen Priester
sagten, sei falsch. "Aber die Wahrheit unterscheidet sich von alledem.
Dies ist so, weil die Bedeutung dieses noblen Namens nur einer kleinen Zahl von
versierten Gelehrten bekannt ist. Und wir besitzen nur wenig Wissen."
Ich fiel nieder, küsste seine Füße und sagte: "Sir, sie wissen, dass ich
weit gereist bin und zu ihnen aus einem fernen Land gekommen bin, ich habe
ihnen mehr als zehn Jahre gedient, und ich habe hochgeschätztes Wissen erlangt,
also bitte geben sie mir den Vorzug und sagen sie mir die Wahrheit über diesen
Namen." Der Priester schluchzte und sagte: "Mein Sohn, bei Gott, du
bist mir sehr teuer, denn du dienst mir und hast dich meiner Sorge
unterstellt. Du musst wissen, die Wahrheit über diesen Namen zu kennen, hat
einen großartigen Nutzen, aber es birgt auch eine große Gefahr. Und ich
fürchte, wenn du diese Wahrheit kennst, und die Christen dies entdecken, dann
werden sie dich auf der Stelle töten.” Ich antwortete: "Bei Gott, beim
Evangelium und dem, der damit gesandt worden ist, ich werde nie ein Wort über
das, was du mir erzählst, sprechen; ich werde es in meinem Herzen
bewahren." Er sagte: "Mein Sohn, als du aus deinem Land hierher
kamst, fragte ich dich, ob es in der Nähe der Muslime läge und ob diese
Überfälle auf euch gemacht haben und ihr Überfälle auf sie. Dies fragte ich
als Prüfung deines Hasses auf den Islam. Wisse, mein Sohn, dass Paraclet der Name
ihres Propheten Muhammad ist, dem das vierte Buch, das bei Daniel erwähnt wird,
offenbart wurde. Sein Weg wurde ganz deutlich im Evangelium beschrieben."
Ich sagte: "Dann Sir, was sagen sie über die Religion der Christen?"
Er antwortete: "Mein Sohn, wenn die Christen an der ursprünglichen
Religion Jesu´ festgehalten hätten, dass wären sie auf der Religion Gottes,
denn die Religion von Jesus und allen anderen Propheten ist die wahre Religion
Gottes. Aber sie veränderten sie und wurden Ungläubige." Ich fragte ihn:
"Dann Sir, was ist die Rettung davor?" Er sagte: "O mein Sohn,
den Islam anzunehmen." Ich fragte ihn: "Wird derjenige, der den
Islam annimmt, gerettet sein?" Er antwortete: "Ja, in dieser Welt
und in der Nächsten." Ich sagte: "Der Vorsichtige wählt für sich
selbst zuerst. Sir, wenn sie die Vorzüge des Islam kennen, was hält sie dann
noch davon zurück?" Er antwortete: "Mein Sohn, der Allmächtig Gott
zeigte mir die Wahrheit des Islam und den Propheten des Islam erst nachdem mein
Körper alt und schwach geworden war. Ja, es gibt keine Entschuldigung für uns
in dieser Angelegenheit, ganz im Gegenteil, die Beweise Gottes stehen gegen
uns. Wenn Gott mich in deinem Alter hierzu geleitet hätte, dann hätte ich
alles verlassen und die Religion der Wahrheit angenommen. Die Liebe zu dieser
Welt ist die Essenz jeder Sünde, und ich sehe, wie ich von den Christen
geschätzt, gerühmt und geehrt werde, und wie ich im Überfluss und Komfort
lebe! In meinem Fall, wenn ich auch nur die geringste Zuneigung zu den
Muslimen zeige, werden sie mich sofort töten. Nehmen wir einmal an, ich würde
vor ihnen geschützt und es gelänge mir, zu den Muslimen zu flüchten; sie würden
mir sagen, wähne deinen Islam nicht als einen Anspruch auf uns, du hat dir nur
selbst Nutzen gebracht, indem du in die Religion der Wahrheit eingetreten bist,
die Religion die dich vor der Strafe Gottes bewahren wird! Dann würde ich als
armer alter Mann von über neunzig Jahren unter ihnen leben, ohne ihre Sprache
zu kennen und würde unter ihnen verhungern. Ich folge, und gepriesen sei Gott,
der Religion Christus und dem, mit dem er gekommen ist, und Gott weiß das von
mir." Da fragte ich ihn: "Raten sie mir, in das Land der Muslime zu
gehen und ihre Religion anzunehmen?" Er sagte zu mir: "Wenn du weise
bist und hoffst dich selbst zu retten, dann eile zu dem, was dich dieses und
das nächste Leben erlangen lässt. Aber mein Sohn, keiner ist in dieser
Angelegenheit anwesend; es bleibt nur zwischen dir und mir. Bemühe dich und
bewahre das Geheimnis. Wenn es gelüftet wird und die Leute erfahren davon,
dann werden sie dich auf der Stelle töten. Ich werde dir gegen sie nicht von
Nutzen sein. Noch wird es dir nutzen, wenn du ihnen erzählst, was du von mir
über den Islam gehört hast, oder dass ich dich ermutigt habe, Muslim zu werden,
denn ich werde es leugnen. Sie trauen meinem Zeugnis mehr als deinem. Also
sag kein Wort, was auch immer passiert." Ich versprach ihm, es nicht zu
tun.
Er war mit meinem Versprechen beruhigt und
zufrieden. Ich begann, mich auf meine Reise vorzubereiten und ihm
"Lebewohl" zu sagen. Er betete für mich und gab mir fünfzig goldene
Dinar. Dann nahm ich ein Schiff zu meiner Stadt Mallorca, wo ich sechs
Monate mit meinen Eltern blieb. Dann reiste ich nach Sizilien, blieb dort fünf
Monate und wartete auf ein Schiff, das in das Land der Muslime segelte. Schließlich
kam ein Schiff, das nach Tunis auslief. Wir legten vor Sonnenuntergang ab und
erreichten den Hafen von Tunis am zweiten Tag zu Mittag. Als ich aus dem Schiff
stieg, kamen christliche Gelehrte, die von meiner Ankunft gehört hatten, um
mich zu begrüßen und ich blieb vier Monate mit ihnen. Danach fragte ich sie,
ob es einen Übersetzer gibt. Der Sultan zu jener Zeit war Abu al-Abbas Ahmed.
Sie sagten, es gäbe einen fähigen Mann, den Arzt des Sultans, der einer seiner
engsten Berater war. Sein Name war Yusuf al-Tabieb. Ich war hocherfreut, das zu
hören und fragte, wo er lebte. Sie brachten mich zu ihm, damit ich ihn allein
sprechen konnte. Ich erzählte ihm meine Geschichte und den Grund warum ich
hierher gekommen war: um den Islam anzunehmen. Er war überaus erfreut, denn
diese Angelegenheit wurde mit seiner Hilfe vollbracht. Wir ritten zum Palast
des Sultans. Er ging zum Sultan und erzählte ihm von mir und bat für mich um
Erlaubnis, bei ihm eintreten zu dürfen.
Der Sultan war einverstanden, und ich
stellte mich ihm vor. Die erste Frage, die mir der Sultan stellte, war über
mein Alter. Ich sagte ihm, ich sei fünfunddreißig Jahre alt. Dann befragte er
mich über mein Lernen und die Wissenschaften, die ich studiert hatte. Nachdem
ich ihm dies mitgeteilt hatte, sagte er: "Deine Ankunft ist etwas Gutes. Sei
Muslim mit dem Segen Gottes." Da sagte ich zu dem Doktor: "Sag dem
ehrenwerten Sultan, immer, wenn jemand seine Religion ändert, verleumdet ihn
sein Volk und spricht schlecht von ihm. Deshalb bitte ich, ob er so freundlich
wäre, die christlichen Priester und Händler dieser Stadt herzurufen und sie
über mich zu befragen und zu hören, was sie antworten. Dann wenn Gott will den
Islam annehmen. Er ließ mir durch seinen Übersetzer mitteilen: "Du hast
um das gebeten, worum Abdullah bin Salaam den Propheten gebeten hat, als er
–Abdullah kam, um seinen Islam zu verkünden." Er ließ daraufhin die
Priester und einige christliche Händler kommen und ließ mich in einem Nebenraum
sitzen, wo sie mich nicht sehen konnte. "Was sagt ihr über den neuen
Priester, der mit dem Schiff gekommen ist?" fragte er. Sie antworteten:
"Er ist ein großer Gelehrter unserer Religion. Unsere Bischöfe sagen, er
sei der Gelehrteste und keiner von uns ist ihm im religiösen Wissen überlegen."
Nachdem er sich angehört hatte, was die Christen sagten, ließ mich der Sultan
rufen, und ich stellte mich vor sie. Ich erklärte die beiden Bekenntnisse,
dass es keinen gibt, dem zu Recht gedient wird, außer Gott und dass Muhammad,
Gottes Segen und Frieden seien auf ihm, Sein Gesandter ist. Und als die
Christen dies hörten, bekreuzigten sie sich und sprachen: "Nichts als das
Verlangen zu heiraten kann ihn dazu bewegt haben, denn die Priester in unserer
Religion dürfen nicht heiraten." Dann gingen sie besorgt und grämten sich.
Der Sultan
vereinbarte für mich jeden Tag einen Viertel Dinar aus der Staatskasse und ließ
mich die Tochter von al-Hağğ Muhammad al-Saffar heiraten. Als ich
mich entschied, die Ehe zu vollziehen, gab er mir einhundert goldene Dinar und
hervorragende Kleidung. Dann vollzog ich die Ehe und Gott segnete mich mit
einem Kind, dem ich den Namen Muhammad gab, als einen Segen von dem Namen des
Propheten.”
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