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Der Papst selbst warf ein bedachtsames
Wort ein. Als ehrlicher und erneuernder Theologe konnte er es sich nicht
leisten, geschriebene Texte zu verfälschen. Deshalb gab er zu, dass der Qur´an
selbst die Verbreitung des Glaubens mit Zwang verbot. Er zitierte die zweite
Sure, Vers 256 (seltsam fehlbar für einen Papst, er meinte Vers 257), der
lautet:
“Es
gibt keinen Zwang im Glauben.”
Wie kann man so eine unpassende Aussage
ignorieren? Der Papst argumentiert einfach, dieser Befehl sei vom Propheten
erlassen worden, als er noch am Anfang seiner Karriere gewesen sei, schwach und
machtlos, aber dann später hätte er angeordnet, den Glauben mit dem Schwert zu
verbreiten. Eine derartige Anordnung existiert aber nicht im Qur´an. Tatsache
ist, dass Muhammad den Gebrauch des Schwertes im Kampf gegen gegnerische Stämme
in Arabien angeordnet hat – Christen, Juden und andere – als er seinen Staat
aufgebaut hat. Aber das war ein politischer Akt, kein religiöser;
hauptsächlich ein Kampf um Territorium und nicht um den Glauben zu verbreiten.
Jesus sagte: “Ihr werdet sie an ihren
Früchten erkennen.” Die Behandlung anderer Religionen durch den Islam muss
einer einfachen Prüfung unterzogen werden: Wie verhielten sie muslimischen
Machthaber vor über tausend Jahren, als sie die Macht hatten, “den Glauben mit
dem Schwert zu verbreiten“?
Nun, sie taten es einfach nicht.
Viele Jahrhunderte regierten Muslime
Griechenland. Sind die Griechen Muslime geworden? Hat irgend jemand auch nur
versucht, sie zu islamisieren? Im Gegenteil, christliche Griechen hatten in
der ottomanischen Verwaltung die höchsten Posten inne. Die Bulgaren, Serben,
Rumänen, Ungarn und andere europäische Nationen lebten eine Zeit lang unter
Ottomanischer Herrschaft und hielten an ihrem christlichen Glauben fest. Keiner
nötigte sie, Muslime zu werden und alle blieben ergebene Christen.
Die Albaner wurden Muslime, ebenso wie die
Bosniaken. Aber keiner kann behaupten, sie seien dazu gezwungen worden. Sie
nahmen den Islam an, um Günstlinge der Regierung zu werden und um die Früchte dessen
zu genießen.
1099 haben die Kreuzritter Jerusalem
erobert und im Namen des sanftmütigen Jesus wahllos die muslimischen und
jüdischen Bewohner massakiert. Zu jener Zeit, 400 Jahre nach der Besetzung Palästinas
durch die Muslime, bildeten Christen immer noch die Mehrheit im Land. Während
dieser langen Zeit war kein Versuch unternommen worden, ihnen den Islam
aufzuzwingen. Erst nach der Vertreibung der Kreuzritter aus dem Land begann
die Mehrheit der Bewohner, die arabische Sprache und den muslimischen Glauben
anzunehmen – und das waren die Vorväter der meisten der heutigen Palästinenser.
Es gibt keinerlei Beweise dafür, dass der
Islam Juden aufgezwungen wurde. Wie wohlbekannt ist, haben die Juden Spaniens
unter muslimischer Herrschaft eine Blütezeit erlebt, wie sonst nirgendwo bis
zum heutigen Tag. Dichter wie Yehuda Halevy schrieben auf Arabisch wie die
großen Maimoniden. Im muslimischen Spanien waren Juden Minister, Dichter,
Wissenschaftler. Im muslimischen Toledo arbeiteten christliche, jüdische und
muslimische Gelehrte zusammen und übersetzten antike griechische philosophische
und wissenschaftliche Texte. Dies war in der Tat ein goldenes Zeitalter. Wie
hätte dies möglich sein können, wenn der Prophet „die Verbreitung des Glaubens
durch das Schwert“ bestimmt hätte?
Was danach geschah, spricht eher für sich
selbst. Als die Katholiken Spanien von den Muslimen zurück eroberten,
richteten sie eine Herrschaft des religiösen Terrors ein. Die Juden und die
Muslime wurden vor eine grausame Wahl gestellt: Christen zu werden,
niedergemetzelt zu werden oder das Land zu verlassen. Und wohin entflohen
Hunderttausende von Juden, die ablehnten, ihren Glauben aufzugeben? Fast alle
von ihnen wurden in muslimischen Ländern mit offenen Armen empfangen. Die
Sephardi (“spanischen”) Juden siedelten in der ganzen muslimischen Welt, von
Marokko im Westen, von Bulgarien (Teil des osmanischen Reiches) im Norden bis
zum Sudan im Süden. Nirgendwo wurden sie verfolgt. Sie kannten nichts wie die
Inquisition, die Flammen der auto-da-fe, die Pogrome, die furchtbaren
Massenvertreibungen, die in fast allen christlichen Ländern stattfanden, bis
hin zum Holocaust.
Warum? Weil der Islam ausdrücklich
jegliche Verfolgung der “Leute der Schrift” verbietet. In islamischen Gesellschaften ist für Juden und Christen
ein besonderer Platz reserviert. Sie genießen nicht genau die gleichen Rechte,
aber doch nahezu. Sie müssen eine besondere Steuer entrichten, aber sie sind
vom Militärdienst ausgenommen - ein Handel, der bei vielen Juden recht
willkommen war. Es wurde gesagt, dass muslimische Herrscher jeglichen Versuch
missbilligten, Juden zu Islam zu konvertieren, selbst mit sanfter Überzeugung,
denn dies würde einen Verlust ihrer Steuern nach sich ziehen.
Jeder ehrliche Jude, der die Geschichte
seines Volkes kennt, kann für den Islam, der die Juden fünfzig Generationen
hindurch beschützt hat, während die Christen die Juden verfolgt haben und viele
Male versucht haben, sie „mit dem Schwert“ zur Aufgabe ihres Glaubens zu
bewegen, nur tiefe Dankbarkeit empfinden.
Die Geschichte über die „Verbreitung des
Glaubens durch das Schwert” ist eine böse Legende, einer der Mythen, die in
Europa während der größten Kämpfe gegen die Muslime entstanden ist – der
Wiedereroberung Spaniens durch die Christen, der Kreuzzüge und der Vertreibung
der Türken, die fast Wien eingenommen hätten. Ich vermute, dass der deutsche
Papst diese Fabeln ehrlich gesagt auch glaubt. Das bedeutet, dass der Führer der
katholischen Welt, der ein christlicher Theologe ist, sich nicht die Mühe
gemacht hat, die Geschichte anderer Religionen zu studieren.
Warum hat er diese Worte in der
Öffentlichkeit gesagt? Und warum jetzt?
Es gibt keinen anderen Ausweg, als sie vor
dem Hintergrund des Neuen Kreuzzuges von Bush und seinen evangelistischen
Unterstützern zu betrachten, mit seinen Slogans wie “Islamofaschismus” und dem
„globalen Krieg gegen den Terrorismus“ – wobei „Terrorismus“ zu einem Synonym
für Muslim geworden ist. Bushs Handlungsweise ist ein zynischer Versuch, die
Herrschaft über die Ölquellen der Welt zu rechtfertigen. Nicht zum ersten Mal
in der Geschichte wird eine religiöse Robe ausgebreitet, um die Nacktheit
ökonomischer Interessen zu bedecken; nicht zum ersten Mal ist aus einem Raubzug
ein Kreuzzug geworden.
Die Ansprache des Papstes passt zu dieser
Bemühung. Wer kann die schrecklichen Konsequenzen voraussagen?
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