Beschneidung von Frauen im Islam (teil 1 von 2): Die Geschichte des Female Genital Cutting (FGC) und seine Arten
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Beschreibung: Die unterschiedlichen Arten des Female Genital Cutting (FGC), seine geographische Verbreitung und die verschiedenen Gründe, aus denen es in den Gesellschaften durchgeführt wurde.
von IslamReligion.com
Veröffentlicht am 08 Nov 2010 - Zuletzt verändert am 08 Nov 2010
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Ein allgemeines Phänomen, das leider fast
ausschließlich mit dem Islam im Zusammenhang gebracht wird, sind die
unterschiedlichen Formen der Beschneidung von Frauen oder FGC. Obwohl viele von denen, die an dieser Sache beteiligt sind, sie mit
dem Islam in Verbindung bringen, sind die meisten Formen von FGC, die
gegenwärtig in der Welt vorkommen, und die wirklich verabscheuungswürdige Taten
sind, Taten, an denen die Religion des Islam unschuldig ist. In keiner Weise
unterstützt der Islam diese Taten, und sie sollten als etwas rein Kulturelles
und nichts Islamisches angesehen werden. Amnesty International versichert: “FGC
[female genital cutting] schadet dem Islam und wird von der Mehrheit der
Muslime nicht praktiziert, hat aber eine religiöse Dimension angenommen.”
Das Female Genital Cutting Education and Networking Project stellte
fest: “...es ist keine islamische Handhabung. FGC ist ein kulturübergreifendes
und religionsunabhängiges Ritual. In Afrika und dem Mittleren Osten wird es
von Muslimen, koptischen Christen, Mitgliedern unterschiedlicher einheimischer
Gruppen, Protestanten und Katholiken praktiziert, um nur einige wenige zu
nennen.” Eine Sekte der Juden, die Falashas, beschneiden ebenfalls beide
Geschlechter. Wir werden zuerst die verschiedenen Arten des FGC betrachten und dann
untersuchen, warum die verschiedenen Kulturen diese Techniken ihren weiblichen
Anhängern auferlegt haben.
Arten der Beschneidung bei Frauen
Female genital cutting
ist “ein Begriff, der für jegliche Art der Entfernung oder Veränderung an den
weiblichen Genitalien verwendet wird.”
Es gibt diese Arten von FGC:
Typ I: Dies ist die leichteste Form von FGC, die
das Entfernen oder Teilen der Vorhaut, die die Klitoris bei Frauen bedeckt, und
so die Glans clitoridis freilegt. Dies kann verbunden sein mit einer
teilweisen oder vollständigen Entfernung der Klitoris. Es ist als Klitoridotomie
bekannt. Nach dem United Nations Population Fund ist diese Art der Beschneidung
beim Mann vergleichbar. Sie wird manchmal „Sunna-Beschneidung“ genannt, wegen der Tatsache,
dass es diese Art ist, die gewöhnlich von den Muslimen durchgeführt wird, die glauben,
dass es gestattet sei.
Typ II: Diese Art ist unter dem Namen Klitoridektomie
bekannt, die Klitoris und die Labia minora wird teilweise oder vollständig
entfernt.
Typ III: Eine der extremsten Arten der FGC ist
die vollständige Entfernung der Klitoris, sowohl der Labia minora und majora
und das Verbinden der beiden Seiten der Vulva über der Vagina durch Nähen mit
Faden oder mit anderen Mitteln, so dass sie schließlich zusammenheilen. Nur
ein kleines, bleistift-großes Loch wird gelassen, um Menstruationsblut und Urin
abfließen zu lassen. Dies ist als Infibulation oder pharaonische
Beschneidung, auf ihren Ursprung bezug nehmend, bekannt.
Typ IV: Diese Art beinhaltet alle anderen
Arten der genitalen Veränderungen, wie durchstechen, durchbohren oder schneiden
der Klitoris und / oder der Labien; Dehnen der Klitoris und / oder der Labien;
Verbrennen der Klitoris und des umliegenden Bereichs; Einschneiden, Zerkratzen
(angurya Schnitte) oder Schneiden (gishri Schnitte) der Vagina oder des
umgebenden Gewebes; und das Einführen von ätzenden Substanzen oder Pflanzen in
die Vagina.
Geographische
Verbreitung
Verschiedene Arten von FGC werden auf der
ganzen Welt praktiziert, aber sie ist in Afrika, südlich der Sahara, am
weitesten verbreitet; in einem Band, das sich von Senegal bis Somalia erstreckt,
wie die Karte zeigt. Die Beschneidung existiert auch im Mittleren Osten, Nord
und Süd Amerika, Indonesien und Malaysia. Der Typ III kommt exklusiv in
Somalia, Sudan und Südägypten vor, und auch in manchen Regionen Malis und
Nigerias.
In manchen Gesellschaften, wie in Somalia,
Eritrea und Äthiopien finden wir bei fast allen Frauen Typ III der FGC. Die
Günde rangieren von der Ansicht, dass die Frau unrein sei, wenn die Klitoris
nicht vollständig entfernt ist, bis zum Sicherstellen, dass die Frauen bis zu
ihrer Ehe keusch bleiben. Diese Praktik ist ein sehr alter Brauch in diesen
Gesellschaften und die Mitglieder haben Angst, es zu unterlassen, weil sie die
Züchtigung fürchten. Frauen könnten niemanden finden, der sie heiratet oder
sogar der Unzucht beschuldigt werden. Familien könnten ihre Ehre verlieren,
wenn diese Tradition nicht eingehalten wird.
FGC war
auch in Nord Amerika und besonders in den Vereinigten Staaten allgemein
verbreitet; bis 1950 wurden Typ I, II und III angewandt, um die Sexualität der
Frauen zu kontrollieren. Klitoridektomie wurde aus unterschiedlichem Gründen
angewandt. Einer der Hauptgründe war, die Masturbation zu reduzieren. In
England veröffentlichte Isaac Baker Brown ein Buch über seinen Erfolg,
Masturbation bei Frauen mit Klitoridektomie zu unterbinden. Er behauptete
ebenfalls, sie heile seltsame nervöse Störungen wie Hysterie und Epilepsie.
Es wurden noch viel mehr Lösungen für Masturbation geboten, wie
Keuschheitsgürtel, die zuerst im Mittelalter angewandt worden waren, um
sicherzustellen, dass Ehefrauen keusch blieben, wenn ihr Ehemann nicht da war. Um
Masturbation bei Jungen vorzubeugen, wurden Ringe mit Stacheln und noch
drastischere Methoden angewandt, wie Kauterisierung und sogar Kastration.
In einem der klassischsten Bücher der
Kinderheilkunde, Diseases of Infancy and Childhood, das in der Zeit von
1897 bis 1940 elfmal gedruckt wurde, befürwortete der Autor L.E.Holt die
Kauterisierung der Klitoris ebenso wie das Verätzen der Vulva als vorbeugende
Maßnahmen gegen Masturbation. Masturbation wurde als Grund für viele
Krankheiten angesehen, wie Neurosen, Ungehorsam und Respektlosigkeit den Eltern
gegenüber.
In den Vereinigten Staaten wurde eine
Organisation gegrndet, die unter dem Namen Orificial Surgery Society bekannt
ist und Journale herausgibt, die die verschiedenen Nutzen der Klitoridektomie
erwähnen, sogar für so einfache Dinge wie Kopfschmerzen.
Es gibt auch viele hygienische Nutzen, die
der Klitoridotomie zugesprochen werden. C.F. McDonald stellt in einem 1958
veröffentlichten Papier mit dem Titel Circumcision of the Female
fest: “Wenn der Mann die Beschneidung für Reinheit und
Hygiene benötigt, warum nicht die Frau? Ich habe vielleicht 40 Patienten
operiert, die diese Behandlung nötig hatten.” Der Autor sagte, es heile „Irritationen,
Juckreiz, Erregbarkeit, Masturbation, Häufigkeit und Dringlichkeit“, und
Smegmaliths, die “Dyspareunia und Frigidität” verursachen.
Bis vor kurzem wurde die Klitoris als
etwas Unreines angesehen. Sogar Sigmund Freud, einer der Gründer der modernen
Psychologie, sagte in einem seiner Bücher Sexuality and the Psychology of
Love,(Sexualität und die Psychologie der Liebe) die “Beseitigung der klitoralen
Sexualität ist eine notwendige Vorbedingung für die Entwicklung von Feminität.“
Heutzutage suchen
sich viele Erwachsene aus, sich freiwillig der Klitoridotomoie zu unterziehen,
denn einige Ärzte und andere befürworten Klitoridotomie, indem sie behaupten, sie erhöhe den
sexuellen Genuß. Sie sagen, dass eine übergroße Klitorishaube die Stimulierung
der Klitoris behindern könnte. Manche Websites wie Circlist, BMEzine und geocities zeigen sogar Bezeugungen von Menschen, die sich diesem Prozess
unterzogen haben, ebenso wie medizinische Berichte, die diese Praktiken preisen.
Sie zeigen, dass von der Mehrheit der Frauen eine erhöhter sexueller Genuss
nach der Prozedur berichteten (87.5% in Rathmans Studien, 1959
uand 75% in Knowles’).
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Beschneidung von Frauen im Islam (teil 2 von 2): Beschneidung unter Muslimen
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Beschreibung: Eine Diskussion der Vorstellung, dass die weibliche “sunna” Beschneidung oder Typ I FGC eine islamische Grundlage habe.
von IslamReligion.com
Veröffentlicht am 15 Nov 2010 - Zuletzt verändert am 15 Nov 2010
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Verschiedene Ansichten
Obwohl die Beschneidung
von Männern eine Angelegenheit ist, die im Islam als empfehlenswert gilt, gehen
die Meinungen der Gelehrten auseinander, wenn es um Frauen geht. Einige
Gelehrten haben sie als empfehlenswert betrachtet, andere lediglich als
gestattet. Schließlich haben manche sogar ihre Unzulässigkeit festgestellt.
Alle diese Meinungen haben ihre Grundlage in einer Menge prophetischer Aussagen
(Hadith), die mit diesem Thema in Verbindung stehen.
Die islamischen
Gelehrten, die sagen, die Beschneidung sei empfehlenswert, tun dies
hauptsächlich aufgrund eines Hadith, in dem der Prophet gesagt hat:
“Beschneidung ist Sunna für Männer und
etwas Ehrenwertes für Frauen.” (Musnad Ahmad)
Anhand dieser
Überlieferung verstanden die Gelehrten des Islam, dass der Prophet aufforderte,
sowohl Männer als auch Frauen zu beschneiden, als empfehlenswerte religiöse
Tat, basierend auf den bekannten Prinzipien des islamischen Rechtssprechung.
Diejenigen, die
sie bloß als gestattet ansehen, begründen ihre Meinung auf einer zusätzlichen
Überlieferung von Umm Atiyyah, worin der Prophet von einer Beschneidung an
einem Mädchen erfuhr. Es wird von den Anweisungen für die Frau, die sie
durchführte, berichtet:
“Beschneiden, aber nicht
hineinschneiden, denn es macht das Gesicht (des Mädchens) leuchtender und ist vorteilhafter
mit dem Ehemann.” (Mu`jam al-Tabarânî al-Awsat)
Von diesem Hadith
nehmen die Gelehrten die Erlaubnis für die Beschneidung von Frauen, weil der
Prophet sie nicht für verboten erklärt hatte. Sie ziehen daraus ebenfalls die
Lehre, dass es nicht gestattet ist, dabei ins Extrem zu gehen, aufgrund seines
Verbots „nicht hineinzuschneiden“.
Wenn man die
Aussagen der Gelehrten des Hadith betrachtet, findet man geraus, dass eine
ziemlich große Anzahl der bekanntesten, wie Ibn Hajar, al-Bukhari, Abu Dawud,
al-Bayhaqi, ibn-ul-Mundthir, ash-Shawkani, feststellten, dass sie schwach seien
und man sich darauf nicht verlassen kann. Ibn ul-Mundthir sagte:
“Es gibt keine
Überlieferung über die Beschneidung, auf die man sich berufen kann und keine
Überliefererkette, die nachverfolgt werden kann.”
Es ist unter den Gelehrten
des Islam bekannt, wenn ein Hadith für schwach und unglaubwürdig befunden wird,
dass es dann ist nicht erlaubt ist, diesen als Beweis zu verwenden, um eine
Regelung im Islam aufzustellen, denn alle rechtlichen Regelungen in der
Religion müssen mit authentischen, unzweideutigen Beweisen belegt werden.
“Sunna” Beschneidung
Häufig ist zu
hören, dass die Typ I FGC gelegentlich “Sunna” Beschneidung genannt wird und im
Islam eine Grundlage besäße, wie schwach diese auch sein mag. Es ist wichtig,
anzumerken, dass es nur dieser erste Typ ist, den manche Gelehrte als gestattet
oder empfehlenswert angesehen haben; es ist das Schneiden der Vorhaut, so dass
die Glans clitoridis freigelegt wird oder weniger als das. Diese Prozedur ist
unschädlich und hat keine Nebenwirkungen auf die Frauen und sie ist der
Beschneidung von Männern vergleichbar, wie zuvor erwähnt. Manche haben sogar
argumentiert, dass diese Prozedur nützliche Auswirkungen habe, wie zuvor
erwähnt, wie erhöhten sexuellen Genuss, Vorbeugung unangenehmer Gerüche, die
von der Ansammlung fauler Sekretionen unter der Vorhaut herrühren und Verminderung
von Infektionen im Urogenitaltrakt und am Reproduktionssystem.
Was den anderen
Typen der FGC angeht, gibt es dafür im Islam keinerlei Grundlage, sondern sie
sind eher streng verboten, worauf der Hadith schließen läßt, der sie zwar
gestattet, aber verbietet, ins Extrem zu gehen. Das Islamische Recht schützt
ebenfalls das Recht der Frau auf sexuellen Genuß, was die Tatsache zeigt, dass
eine Frau das Recht auf Scheidung besitzt, wenn ihr Ehemann nicht für ihre
sexuelle Befriedigung sorgt. Was jene Muslime in bestimmten Teilen der Erde
angeht, die jene Art der genitalen Verstümmelung von Frauen praktizieren, wenn
sie in ihrem Verständnis vom Islam wachsen werden, dann werden sie auch diese
widerwärtigen Taten unterlassen. Ein deutliches Beispiel hierfür ist, dass die
verschiedenen Gruppen in Kenya, die keine Beschneidung der Frauen durchführen,
Muslime sind, während es ein Land ist, dessen Einwohner dafür bekannt sind,
dass sie diese machen.
Wir müssen
allerdings betonen, dass der korrekte Standpunkt ist, dass es keinen
zuverlässigen Text gibt, der direkt zu irgendeiner Form der Beschneidung von
Frauen auffordert, und damit ist die Angelegenheit anderen allgemeinen Texten
überlassen, die das Zufügen von Schaden verbieten und solchen, die zu allem
auffordern, das gesundheitsfördernd und nützlich ist. Ein Fundament des islamischen
Rechts ist, dass etwas, das nicht speziell verboten wurde, gestattet, aber
immer noch anderen indirekten Texten unterworfen ist. Dies bringt eine Menge
Toleranz in die Religion, aber es gestattet auch, mit neuen Themen umzugehen,
welche die Zeit mit sich bringt. Wenn herausgefunden wird, dass die
Beschneidung für die Frauen oder für die Gesellschaft nützlich ist, dann würde sie
im Islam erforderlich werden, denn alle Dinge, die für das Leben nutzbringend
sind, werden von der Religion empfohlen. Wenn aber herausgefunden wird, dass
die Beschneidung schädlich ist, dann wird sie als etwas absolut Verbotenes
betrachtet werden, wie Dr. Abd al-Rahmân b. Hasan al-Nafisah, Herausgeber des Contemporary
Jurisprudence Research Journal in Riyadh, Saudi Arabien in seinem Artikel
mit dem Titel Female Circumcision & Islam feststellte: “Im
islamischen Recht ist die Bewahrung der Person – das Leben und die körperliche
Unversehrtheit – ein rechtliches Erfordernis. Alles, das dieses rechtliche
Erfordernis gefährdet, indem es der Person Schaden bringt, ist verboten.”
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