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Altruismus
(Uneigennützigkeit), selbstlose Taten zum Nutzen anderer zu tun anstatt für
sich selbst, ist eine humanitäre Bemühung, die von allen Gesellschaften gelobt
wird. Praktisch jedes Volk erzählt sich Geschichten von großen Königen,
mutigen Kämpfern und edlen Männern und Frauen, die ihre materiellen
Besitztümer, ihre Stellung oder sogar sich selbst für etwas Gutes oder für die
Allgemeinheit aufgeopfert haben. Ohne Vorbehalt oder ohne zu zögern, können
wir betonen, dass die Religion des Islam für den vollkommensten, aufrichtigsten
und verständlichsten Ausdruck des Altruismus steht (iethaar in der islamischen
Terminologie). Der Prophet Muhammad, Gottes Segen und Frieden seien auf ihm,
sagte in einer Überlieferung, die vielleicht jeder ergebene Muslim kennt:
“Keiner von euch glaubt wahrhaftig,
bis er für seinen Bruder liebt, was er auch für sich selbst liebt.” (Sahieh Al-Bukhari)
Und damit ist der Altruismus zu einer
Bedingung für den wahren Glauben an Gott, den Allerhöchsten, geworden. Dieser
Akt des Glaubens wurde in der Geschichte des Islams so häufig demonstriert, von
Muhammads Beauftragung als Prophet bis zu unserer gegenwärtigen Zeit, dass es
kaum die Oberfläche berühren würden, wenn wir uns auch nur einen Teil der
authentischen Überlieferungen in die Erinnerung rufen. Allerdings werden wir dies
für diese Erklärung tun.
Während der großen Schlacht von Yarmuk
zwischen dem jungen islamischen Staat und dem römischen Reich, wurden ein
Gefährte des Propheten, Ikrima b. Abu Jahl, und zwei weitere edle Kämpfer
tödlich verwundet. Ein Muslim, der weniger verletzt war, bot den schwer
verwundeten Kämpfern etwas Wasser an, aber der selbstlose Soldat weigerte sich
zu trinken und bestand darauf, dass einem der anderen Schwerverletzten zuerst
Wasser angeboten würde. Als das Wasser den zweiten Mann erreichte, weigerte
auch er sich, zu trinken, bevor der Durst der anderen verwundeten Kämpfer
gestillt sei. Als das Wasser den dritten Mann erreicht hatte, war es bereits
zu spät: er und die beide anderen waren schon gestorben. Diese drei Vorbilder
spiegeln mit ihrer Selbstaufopferung die Worte des Propheten wieder, als er
sagte:
“Das beste Almosen ist das, was jemand
in Not und Bedrängnis gibt.”(Ibn Kathier)
“…(Und diejenigen) empfinden in ihren Brüsten kein
Bedürfnis nach dem, was (jenen) gegeben worden ist, und sie ziehen (sie) sich
selbst vor, auch wenn sie selbst Mangel erlitten...” (Quran 59:9)
Der Vers oben wurde tatsächlich in
Verbindung mit etwas, das vielleicht einfach der großartigste Akt von
gemeinschaftlichem Altruismus darstellte, den die Geschichte die Menschheit
jemals erlebt hat: die Bildung der Brüderlichkeit zwischen den muslimischen
Auswanderern, die der Verfolgung in Mekka entflohen sind (den Muhajiruun)
und ihren Helfern, die sie in Medina aufgenommen haben (den Ansaar). Die
Ansaar erbrachten zuvor nie gekannte Opfer für ihre Brüder im Islam, ungeachtet
der Tatsache, dass sie selbst sehr bedürftig waren. Durch ihre Taten wurden
die Bande der Brüderlichkeit in der neuen Gesellschaft Medinas gestärkt und
gefestigt, auf eine Art, die noch nie zuvor oder danach gesehen wurde. Ein
Araber wurde mit einem Nicht-Araber verbunden, ein Freier mit einem früheren
Sklaven, ein Quraisch (Angehöriger des Stammes des Propheten) mit einem
Nicht-Quraisch, und so weiter.
“Ihr werdet die Güte nicht erreichen, bevor ihr
nicht von dem ausgebt, was euch lieb ist…” (Quran 3:92)
Als ein erstaunliches Beispiel dafür, wie
sich diese Brüderlichkeit äußerte, haben wir den Fall der beiden Gefährten des
Propheten: Abdur-Rahman b. Auf, der ein Muhajir war und Sa’d b. al-Rabie,
einem Ansari. Abdur-Rahman berichtet mit seinen eigenen Worten:
“Als wir nach Medina kamen, knüpfte
der Gesandte Gottes die Bande der Brüderlichkeit zwischen mir und Sa’d b. al-Rabie.
Sa’d sagte: ´Ich bin der reichste der Ansaar, also werde ich dir die Hälfte meines Reichtums geben. Und siehe,
welche meiner Frauen du bevorzugst, ich werde sie für dich scheiden und wenn
sie dir (als Geschiedene) erlaubt sein wird, kannst du sie heira ten.´ Ich (Abdur-Rahman)
sagte zu ihm: ´Ich brauche das nicht. (Aber sag´ mir, ) gibt es hier einen
Marktplatz, wo die Leute Handel treiben?´ Sa‘d sagte: ´Es gibt den Markt von
Qaynuqa’… Und da ging Abdur-Rahman am folgenden Tag zum Markt und begann, zu
handeln. Nicht lange danach war er wieder reich, so wie er es in Mekka gewesen
war, und er war in der Lage, auf eigene Kosten zu heiraten…” (Sahieh Al-Bukhari)
“Und diejenigen, die in der Wohnstätte und im
Glauben vor ihnen zu Hause waren, lieben (all jene,) die zu ihnen ausgewandert
sind und empfinden in ihren Brüsten kein Bedürfnis nach dem, was (diesen)
gegeben worden ist, und sie ziehen (sie) sich selbst vor, auch wenn sie selbst
Mangel erlitten. Und diejenigen, die vor ihrer eigenen Habsucht bewahrt
bleiben, sind diejenigen, denen es wohl ergeht.” (Quran 59:9)
Der Altruismus der Muslime in Medina, den
Gott im Qur´an lobt, war so großartig in seinem Ausmaß und seinem Einfluß, dass
die mekkanischen Empfänger der Selbstlosigkeit ihrer Brüder besorgt waren, dass
keine Gnade mehr für sie übrig bliebe! Der Gefährte Anas b. Malik
sagte:
“Als der Prophet nach Medina kam,
kamen die Muhajiruun zu ihm und sagten: ´O Gesandter Gottes, wir haben nie ein Volk
gesehen, das großzügiger ist, wenn es die Mittel dazu hat, und hilfsbereiter,
wenn sie wenig haben, als das Volk unter denen wir uns angesiedelt haben. Sie
haben sich um uns gekümmert, und sie haben uns in ihre Gesellschaft aufgenommen
und an ihren Freuden in einem solchen Ausmaß teilhaben lassen, dass wir
fürchten, dass sie den ganzen Lohn (von Gott im Jenseits) erhalten werden.´ Der
Prophet sagte: ´Nicht solange ihr für sie betet und sie lobt.“ (At-Tirmidhi)
Gott Selbst lobte die Gefährten Muhammads,
sowohl die Muhajir als auch die Ansar, für ihre großartigen
selbstlosen Opfer und Dienste um Seineswillen. Er, der Allmächtige, lobte
jeden, der ihren Fußstapfen folgen wird. Lasst uns ihnen folgen, vielleicht
werden wir dann auch mit dem Himmel belohnt.
“Die vorausgeeilten Ersten von den Auswanderern
und den Helfern und diejenigen, die ihnen auf die beste Weise gefolgt sind, -
Gott hat Wohlgefallen an ihnen, und sie haben Wohlgefallen an Ihm. Und Er hat
für sie Gärten bereitet, durcheilt von Bächen ewig une immer darin zu bleiben;
das ist der großartige Erfolg.” (Quran 9:100)
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