Kurze Geschichte des Islam (teil 1 von 5): Der Prophet des Islam
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Beschreibung: Das frühe Leben des Propheten vor seiner Berufung und ein kurzer Blick auf seine Mission in Mekka.
von Ismail Nawwab, Peter Speers und Paul Hoye (herausgegeben von IslamReligion.com)
Veröffentlicht am 19 Jan 2009 - Zuletzt verändert am 19 Apr 2009
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> Islamische Geschichte
> Kurz gesagt
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Im Jahr 570 wurde ein Kind mit dem Namen
Muhammad, das einmal der Prophet von einer der größten Weltreligionen - dem
Islam - werden würde, in eine Familie hineingeboren, die zum Stamm der Quraisch
gehörte, der in Mekka, einer Stadt im Hijaz in Nordwestarabien, regierte.
Mit der Kaaba, einem Heiligtum aus alter
Zeit, war Mekka im Zuge des Untergangs Südarabiens im sechsten Jahrhundert zu
einem wichtigen Handelszentrum mit ähnlicher Macht wie die Sassanier, die
Byzantiner und die Äthiopier geworden. Infolge dessen wurde die Stadt von den
Familien mächtiger Händler beherrscht, von denen die Männer der Quraisch die
überragendsten waren.
Muhammads Vater, ´Abd Allah ibn ´Abd
al-Muttalib, starb noch vor der Geburt seines Sohnes; seine Mutter, Aminah,
starb, als er sechs Jahre alt war. Der Waisenjunge wurde von seinem Großvater
in Obhut genommen, dem Oberhaupt vom Stamm der Haschim. Nach dem Tod seines
Großvaters, wurde Muhmmad von seinem Onkel, Abu Talib, aufgenommen. Wie es der
Brauch war, wurde das Kind Muhammad für ein oder zwei Jahre zu einer
Beduinenfamilie geschickt. Dieser Brauch, der noch bis vor kurzem von
verehrten Familien in Mekka, Medina, Taif und anderen Städten des Hijaz
aufrecht erhalten wurde, hatte eine wichtige Bedeutung für Muhammad. Zusätzlich
dazu, dass er lernte, die Härten des Wüstenlebens zu ertragen, eignete er sich
ihre reiche Sprache an, welche die Araber so sehr liebten, deren Sprache ihre
stolzeste Kunst darstellte, und er lernte auch die Geduld und die Beherrschung
der Hirten zu verstehen und zu würdigen, deren einsames Leben er zuerst geteilt
hatte.
Im Alter von etwa zwanzig trat Muhammad in
den Dienst einer verwitweten Händlerin mit dem Namen Khadija und leitete ihre
Handelskarawanen in den Norden. Etwas später heiratete er sie, und sie bekamen
zwei Söhne, von denen keiner am Leben blieb, und vier Töchter.
Er begann, sich zum Meditieren in eine
Höhle auf dem Berg Hira außerhalb von Mekka zurückzuziehen, wo sich die erste
große Begegnung des Islam ereignete. Eines Tages als er in der Höhle saß,
hörte er eine Stimme, die sich später als die Stimme des Engels Gabriel
herausstellte, der ihm befahl:
“ Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf. Er
erschuf den Menschen aus einem Blutklumpen.” (Quran 96:1-2)
Dreimal erklärte Muhammad, er sei des
Lesens nicht mächtig, aber jedesmal wiederholte der Engel den Befehl.
Schließlich rezitierte Muhammad die Worte, die heute als die ersten fünf Verse
des 96. Kapitels des Qur´an bekannt sind – Worte, die verkünden, dass Gott der
Schöpfer des Menschen ist und die Quelle allen Wissens.
Zuerst vertraute Muhammad seine Begegnung
nur seiner Frau und dann seinem engsten Kreis an. Aber als er dann mehr
Offenbarungen erhielt, die ihn aufforderten, die Einheit Gottes allgemein zu
verkünden, wuchs die Menge seiner Anhänger an, zuerst unter den Armen und den
Sklaven, aber später auch von den bekanntesten Männern Mekkas. Die
Offenbarungen, die er zu jener Zeit erhielt, und solche, die er später erhielt,
sind alle im Qur´an, der Heiligen Schrift des Islam, enthalten.
Nicht jeder nahm die Botschaft Gottes an,
die Muhammad verkündete. Sogar von seinem eigenen Stamm gab es solche, die
seine Lehren zurückwiesen, und viele Händler bekämpften die Botschaft aktiv. Dieser
Widerstand bestärkte Muhammads in seiner Mission und seinem Verständnis, worin
genau sich der Islam vom Götzedienst unterschied. Der Glaube an die Einheit
Gottes steht im Islam an erster Stelle; alles andere folgt daraus. Die Verse
des Qur´an betonen Gottes Einzigartigkeit, warnen jene, die dies leugnen, vor
ihrer bevorstehenden Strafe und verkünden Seine unbegrenzte Zufriedenheit mit
denen, die sich Seinem Willen unterwerfen. Sie bestätigen das Jüngste Gericht,
wenn Gott, der Richter, den Glauben und die Taten eines jeden Menschen wägen
wird, Er wird die Gläubigen belohnen und die Übertreter bestrafen. Denn der
Qur´an weist die Vielgötterei ab und betont die moralische Verantwortlichkeit
des Menschen in kraftvollen Bildern – eine gewaltige Herausforderung für die
weltlichen Mekkaner.
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Kurze Geschichte des Islam (teil 2 von 5): Die Hiğrah
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Beschreibung: Die Hiğrah oder Auswanderung der Muslime nach Medina und die größten Herausforderungen der ersten Zeit, die der Prophet dort zu bestehen hatte.
von Ismail Nawwab, Peter Speers und Paul Hoye (herausgegeben von IslamReligion.com)
Veröffentlicht am 26 Jan 2009 - Zuletzt verändert am 29 Jan 2009
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> Islamische Geschichte
> Kurz gesagt
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Nachdem Muhammad über ein Jahrzehnt in der
Öffentlichkeit gepredigt hatte, erreichte die Feindschaft gegen ihn einen
Höhepunkt, so dass er aus Angst um ihre Sicherheit einige seiner Anhänger nach
Äthiopien schickte. Der christliche Herrscher dort gewährte ihnen Schutz,
wodurch er den Muslimen immer in Erinnerung blieb. In Mekka aber wurde die
Verfolgung immer schlimmer. Muhammads Anhänger wurden gestört, beleidigt und
sogar gequält. Schließlich wurden siebzig von Muhammads Anhängern auf seinen
Befehl hin nach Norden in die Stadt Yathrib geschickt, in der Hoffnung einen
neuen Wirkungskreis der islamischen Bewegung aufzubauen. Diese Stadt wurde
später umbenannt in Medina ("Die Stadt"). Später, im frühen Herbst
622, brach er mit seinem engsten Freund, Abu Bakr al-Siddieq, auf, um mit den
Emigranten zu sein. Dies ereignete genau zu der Zeit, als die mekkanischen
Führer eine Verschwörung planten, um ihn zu töten.
Als die Verschwörer in Mekka in Muhammads
Haus kamen, fanden sie seinen Kousin Ali in seinem Bett vor. Außer sich vor
Wut setzten die Mekkaner eine Belohnung auf Muhammads Kopf aus und nahmen seine
Verfolgung auf. Muhammad und Abu Bakr aber hatten in einer Höhle Zuflucht
gesucht, wo sie sich vor ihren Verfolgern versteckten. Durch den Schutz Gottes
zogen die Mekkaner an der Höhle vorbei, ohne sie zu bemerken, und Muhammad und
Abu Bakr zogen weiter nach Medina. Dort wurden sie voller Freude von einer
großen Menschenmenge empfangen – von den Bewohnern Medinas und von den Mekkanern,
die schon zuvor ausgewandert waren, um ihnen den Weg zu bereiten.
Dies war die Hiğrah, unrichtiger
Weise häufig als "Flucht" übersetzt, mit der die islamische
Zeitrechnung beginnt. Tatsache ist, dass die Hiğrah keine Flucht war,
sondern eine sorgfältig geplante Auswanderung, die nicht nur einen Bruch in der
Geschichte – den Beginn der Islamischen Ära - markiert, sondern für Muhammad
und die Muslime auch eine neue Lebensweise. Zukünftig bildete nicht mehr nur
Blutsverwandschaft das organisatorische Prinzip der Gesellschaft, sondern etwas
größeres: die Bruderschaft aller Muslime. Die Männer, die Muhammad bei der
Hiğrah begleitet hatten, wurden die Muhağiruun genannt –
"diejenigen, die Hiğrah gemacht haben" oder
"Auswanderer" – während die Muslime aus Medina die Ansaar oder
"Helfer" genannt wurden.
Muhammad war mit der Situation in Medina
wohlvertraut. Früher, vor der Hiğrah, waren verschiedene von den
Bewohnern Medinas nach Mekka gekommen, um an der jährlichen Pilgerschaft
teilzunehmen. Der Prophet hatte die Gelegenheit dazu genutzt, um die Pilger
zum Islam einzuladen, und die Gruppe aus Medina hatte auf seinen Ruf gehört und
den Islam angenommen. Sie waren es auch, die Muhammad angeboten hatten, sich
in Medina anzusiedeln. Nach der Hiğrah waren die Bewohner Medinas von
Muhammads außergewöhnlichen Fähigkeiten so beeindruckt, dass die
rivalisierenden Stämme und ihre Verbündeten sich zeitweilig zusammenschlossen,
wie am 15. März 624 um Muhammad und seine Unterstützer gegen die Götzendiener
Mekkas zu verteidigen.
Der erste Kampf, der in der Nähe von Badr,
jetzt eine kleine Stadt im Südwesten Medinas, stattfand, hatte unterschiedliche
wichtige Auswirkungen. Erstens schlugen die muslimischen Kräfte die dreifache
Menge der Mekkaner in die Flucht. Zweitens zeigte die Disziplin, die die
Muslime den Mekkanern demonstrierten, vielleicht zum ersten Mal die Fähigkeiten
des Mannes, den sie aus ihrer Stadt vertrieben hatten. Drittens wurde einer
der verbündeten Stämme, der geschworen hatte, die Muslime in der Schlacht bei
Badr zu unterstützen und sich dann gleichgültig zeigte, als der Kampf begann,
einen Monat nach der Schlacht aus Medina verwiesen. Jenen, die behaupteten,
Verbündete der Muslime zu sein, aber sie insgeheim bekämpften, wurde auf diese
Weise eine Warnung erteilt: von einem Mitglied der Gemeinschaft wurde absolute
Unterstützung erwartet.
Ein Jahr darauf schlugen die Mekkaner
zurück. Mit einem Aufgebot von dreitausend Mann trafen sie bei Uhud, einer
Hügelkette außerhalb von Medina aufeinander. Nach anfänglichem Erfolg wurden
die Muslime zurückgedrängt und der Prophet selbst wurde verletzt. Da die
Muslime nicht vollständig geschlagen worden waren, griffen die Mekkaner Medina
zwei Jahre später mit einer Armee von nunmehr zehntausend Mann wieder an, aber
mit einem ganz anderen Ergebnis. In der Grabenschlacht, auch die Schlacht der
Verbündeten genannt, errangen die Muslime einen signalisierenden Erfolg, indem
sie eine ganz neue Art der Verteidigung einführten. Auf der Seite Medinas, auf
der der Angriff erwartet wurde, hoben sie einen Graben aus, der zu tief war,
als dass die mekkanische Reiterei ihn überwinden konnte, ohne sich den
Bogenschützen, die hinter Erdwällen dahinter aufgestellt waren, auszuliefern.
Nach einer erfolglosen Belagerung waren die Mekkaner gezwungen, sich zurückzuziehenn.
Hierauf war Medina ganz in den Händen der Muslime.
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Kurze Geschichte des Islam (teil 3 von 5): Die Eroberung von Mekka
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Beschreibung: Der letzte Teil des Aufenthalts des Propeten in Medina, vom Abkommen von Hudaibiyyah über die Eroberung von Mekka, bis zu seinem Tod.
von Ismail Nawwab, Peter Speers und Paul Hoye (veröffentlicht von IslamReligion.com)
Veröffentlicht am 26 Jan 2009 - Zuletzt verändert am 26 Jan 2009
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> Kurz gesagt
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Die Konstituierung Medinas – unter der
sich die Stämme, die Muhammad als den Propheten Gottes akzeptierten, verbündet
oder vereinigt hatten – stammt aus jener Zeit. Sie zeigte, dass das das
politische Bewusstsein der Gemeinschaft einen wichtigen Punkt erreicht hatte; ihre
Mitglieder definierten sich selbst als eine Gesellschaft, die anders war als
alle anderen. Die Konstituierung definierte ebenfalls die Rolle der
Nicht-Muslime in der Gesellschaft. Juden, beispielsweise, waren ein Teil der
Gesellschaft; die waren Dhimmis, dh. beschützte Menschen, solange sie
sich an die Gesetze hielten. Dies stellte einen Präzedenzfall für die
Behandlung betroffener Menschen während der späteren Eroberungen dar. Christen
und Juden wurde, gegen Zahlung einer geringen Steuer, religiöse Freiheit
gewährt und, unter Aufrechterhaltung ihres Stands als Nicht-Muslime, waren sie verbündete
Mitglieder des muslimischen Staates. Dieser Status konnte nicht auf
Götzendiener angewendet werden, die in einer Gesellschaft, in der der Eine Gott
angebetet wird, nicht toleriert werden konnten.
Ibn Ishaq, einer der frühesten Biographen
des Propheten, sagte, es war ungefähr zu dieser Zeit, als Muhammad Briefe an
die Herrscher der Erde schickte – an den König der Perser, den Kaiser der
Byzantiner, den Negus von Abbessinien und den Statthalter von Ägypten unter
anderen – um sie einzuladen, sich dem Islam zu unterwerfen. Nichts zeigt das volle
Vertrauen dieser kleinen Gemeinschaft mehr, deren militärische Kraft trotz der
Grabenschlacht noch unbedeutend war. Aber ihr Vertrauen war nicht umsonst.
Muhammad knüpfte eine Serie so effektiver Bündnisse zwischen den Stämmen, dass
er 628 mit 15 000 Anhängern Zugang zur Kaaba verlangen konnte. Dies war ein
Meilenstein in der Geschichte der Muslime. Nur kurze Zeit war vergangen, seit
Muhammad seinen Geburtsort verlassen hatte, um einen islamischen Staat in
Medina zu gründen. Jetzt wurde er von seinen früheren Feinden als ein Führer
in seinem eigenen Reich behandelt. Ein Jahr später 629 kam er zurück und
eroberte Mekka ohne Blutvergießen und mit dem Geist einer Toleranz, die ein
Ideal für zukünftige Eroberungen aufstellte. Er zerstörte auch die Götzen in
der Kaaba, um dem Götzendienst dort ein für allemal ein Ende zu bereiten. Zur
selben Zeit, nahmen ‘Amr ibn al-’As, der zukünftige Eroberer von Ägypten, und
Khalid ibn al-Walid, das zukünftige "Schwert Gottes", den Islam an
und schworen Muhammad die Treue. Ihre Konversion ist besonders erwähnenswert,
denn diese beiden Männer hatten noch kurz zuvor zu den erbittertsten Feinden
Muhammads gezählt.
In einer Hinsicht bildete Muhammads
Rückkehr nach Mekka den Höhepunkt seiner Mission. 632, gerade drei Jahre
später, erkrankte er plötzlich und am 8. Juni desselben Jahres verstarb der
Gesandte Gottes in Anwesenheit seiner dritten Frau Aischa "in der
Mittagshitze".
Der Tod Muhammads war ein schwerer
Verlust. Für seine Anhänger war dieser einfache Mann aus Mekka weit mehr als
ein geliebter Freund, weit mehr als ein begabter Verwalter, weit mehr als der
verehrte Führer, der aus den Häufchen einander bekriegender Stämme einen neuen
Staat gebildet hatte. Muhammad war auch ein Vorbild für die Lehren, die er
ihnen von Gott gebracht hatte: die Lehren des Qur´an, die Jahrhunderte lang die
Gedanken und die Taten, den Glauben und das Verhalten unzählbarer Männer und
Frauen geleitet haben, und welche eine andere Ära für die Menschheit
einleiteten. Sein Tod hatte allerding wenig Auswirkung auf die dynamische
Gesellschaft, die er in Arabien geschaffen hatte, und überhaupt keine
Auswirkungen auf seine zentrale Botschaft: den Qur´an der Welt mitzuteilen. Wie
Abu Bakr es in Worte fasste: "Was den betrifft, der Muhammad anzubeten
pflegte, lasset ihn wissen, dass Muhammad gestorben ist. Aber was den
betrifft, der Gott anzubeten pflegte, lasst ihn wissen, dass Gott lebt und nie stirbt!"
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Kurze Geschichte des Islam (teil 4 von 5): Das Kalifat von Abu Bakr und Umar
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Beschreibung: Das Kalifat oder die Nachfolge von Abu Bakr und Umar, zwei der berühmtesten Gefährten des Propheten, die Ausbreitung des Islam und seine Außenpolitik in bezug auf die Einwohner der unterworfenen Länder.
von Ismail Nawwab, Peter Speers und Paul Hoye (herausgegeben von IslamReligion.com)
Veröffentlicht am 02 Feb 2009 - Zuletzt verändert am 17 Mar 2009
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Mit Muhammads Tod stand die muslimische
Gemeinschaft dem Problem der Nachfolge gegenüber. Wer sollte der Führer sein?
Vier Personen waren offensichtlich für die Führerschaft vorgemerkt: Abu Bakr
al-Siddieq, der Muhammad nicht nur zehn Jahre zuvor nach Medina begleitet
hatte, sondern der auch dazu bestimmt wurde, die Menschen während der letzten
Krankheit des Propheten im öffentlichen Gebet zu führen; Umar ibn al-Khattab,
ein fähiger und vertrauenswürdiger Gefährte des Propheten; Uthman ibn ‘Affan,
ein respektierter früher Konvertierter und ‘Ali ibn Abi Talib, Muhammads Kousin
und Schwiegersohn. Ihre Frömmigkeit und Fähigkeit, die Angelegenheiten der islamischen
Nation zu lenken, war bei allen außergewöhnlich. Bei einem Treffen, das
einberaumt worden war, um die Führerschaft festzulegen, ergriff Umar die Hand
von Abu Bakr und schwor ihm seinen Treueeid, ein traditionelles Zeichen, dass
er ihn als neuen Führer anerkannte. Bei Sonnenuntergang kamen alle zusammen
und Abu Bakr wurde als Khaliefah – eingedeutscht: Kalif – anerkannt; dieses
Wort bedeutet eigentlich "Nachfolger", deutet aber auch an, welche
historische Rolle er spielen würde: gemäß dem Quran und der Handlungsweise des
Propheten zu regieren.
Abu Bakrs Kalifat war kurz aber bedeutend.
Ein vorbildlicher Führer, er lebte einfach, erfüllte eifrig seine religiösen
Pflichten und war seinem Volk zugänglich und sympatisch. Aber als einige
Stämme, die den Islam nur dem Namen nach anerkannt hatten, ihn unmittelbar nach
dem Tod des Propheten widerriefen, erwies er sich als standhaft. In einer
großen Vollendung disziplinierte Abu Bakr sie unverzüglich. Später vereinte er
die Kräfte der Stämme auf der Arabischen Halbinsel und konzentrierte ihre
Energie gegen die mächtigen Imperien des Ostens: Sassaniden in Persien und die
Byzantiner in Syrien, Palästina und Ägypten. Kurz: er demonstrierte die
Lebensfähigkeit des Muslimischen Staates.
Der zweite Kalif, Umar – von Abu Bakr
benannt, fuhr damit fort, diese Lebensfähigkeit zu demonstrieren. Er nahm den
Titel Amier al-Muminien oder Befehlshaber der Gläubigen an und weitete die
Islamische Herrschaft mit vom rein militärischen Standpunkt her erstaunlichen Siegen
auf Syrien, Ägypten, Irak und Persien aus. Innerhalb von vier Jahren nach dem
Tod des Propheten hatte der muslimische Staat seinen Herrschaftsbereich auf
ganz Syrien ausgeweitet und hatte in einer berühmten Schlacht während eines
Sandsturms in der Nähe des Flusses Yarmuk die Macht der Byzantiner beschnitten
– deren Herrscher, Heraklius, sich kurz zuvor geweigert hatte, den Ruf des
Islam anzunehmen.
Was sogar noch erstaunlicher ist, ist die
Art mit der der muslimische Staat die eroberten Territorien verwaltete: mit
einer Toleranz die zu jener Zeit nicht alltäglich war. In Damaskus
beispielsweise unterzeichnete der muslimische Führer, Khalid ibn al-Walid,
folgenden Vertrag:
Dies ist, was Khalid ibn al-Walid den Bewohnern von Damaskus gewährt,
wenn er dort einzieht: er verspricht ihnen, dass ihre Leben, ihr Besitz und
ihre Kirchen in Sicherheit sind. Ihre Stadtmauer soll nicht beschädigt werden;
es soll kein Muslim in ihren Häusern einquartiert werden. Dazu geben wir ihnen
den Vertrag Gottes und den Schutz Seines Propheten, des Kalifs und der
Gläubigen. Solange sie die Kopfsteuer bezahlen, soll ihnen nichts als Gutes
widerfahren.
Diese Toleranz war bezeichnend für den
Islam. Ein Jahr nach Yarmuuk erhielt Umar in dem Militärlager von al-Jabijah auf
dn Golanhöhen das Wort, dass die Byzantiner bereit seien, Jerusalem zu
übergeben. Daraufhin ritt er persönlich hin, um die Übergabe anzunehmen. Einer
Überlieferung zufolge betrat er die Stadt alleine und mit einem einfachen
Umhang bekleidet, was die Menschen in höchstes Erstaunen versetzte, die die
verschwenderischen Trachten und Hofzeremonien der Byzantiner und Perser gewohnt
waren. Er erstaunte sie noch mehr, als er ihre Befürchtungen beruhigte, indem
er einen großzügigen Vertrag abschloss, in welchem er festlegte: "Im Namen
Gottes...ihr habt vollkommene Sicherheit für eure Kirchen, die von den Muslimen
weder besetzt noch beschädigt werden sollen."
Diese Politik erwies sich überall als
erfolgreich. In Syrien beispielsweise, freuten sich zahlreiche Christen, die
in schwere theologische Konflikte mit den herrschenden Byzaninern verwickelt
gewesen waren – und deshalb verfolgt wurden, über das Kommen des Islam und das
Ende der Tyrannei. Und in Ägypten, das Amr ibn al-As nach einem
unerschrockenen Marsch durch die Sinai-Halbinsel von den Byzantinern übernahm,
hießen die koptischen Christen die Araber nicht nur willkommen, sondern
unterstützten sie enthusiastisch.
Dieses Muster wiederholte sich im gesamten
Byzantiner Reich. Konflikte zwischen grichisch Orthodoxen, syrischen
Monophysiten, Kopten und nestorischen Christen trugen zum Fall der Byzantiner –
die immer als Eindringline betrachtet wurden – mit dazu bei, öffentliche
Unterstützung zu entwickeln, wohingegen die Toleranz, welche die Muslime gegenüber
Christen und Juden an den Tag legten, den primären Grund, sie abzulehnen,
aufhob.
Umar nahm diese Eigenschaft auch bei der
Verwaltung an. Obgleich er Muslime als Statthalter in die neuen Provinzen
schickte, wurden existierende byzantinische und persische Verwalter
beibehalten, wo es möglich war. Fünfzig Jahre lang war Griechisch die
offizielle Sprache in Syrien, Ägypten und Palästina gewesen, während Pahlavi
die offizielle Sprache der Sassaniden weiterhin in Mesopotanien und Persien
benutzt wurde.
Umar, der zehn Jahre lang Kalif war,
beendete seine Herrschaft mit einem bedeutenden Sieg über das Persische Reich.
Der Kampf gegen das Sassanidische Reich hatte 636 bei al-Qadisiyah begonnen, in
der Nähe von Ctesiphon im Irak, wo die Kavallerie der Muslime sich erfolgreich
mit den Elefanten messen konnten, welche von den Persern als eine Art einfacher
Panzer eingesetzt wurden. Mit der Schlacht von Nihavand besiegelte Umar dann
das Schicksal Persiens; von da an bildete es eine der wichtigsten Provinzen des
muslimischen Reiches.
Sein Kalifat war ein Höhepunkt der frühen
islamischen Geschichte. Er war bekannt für seine Gerechtigkeit, seine sozialen
Ideale, seine Verwaltung und seine Staatsführerschaft. Seine Erneuerungen
hinterließen einen alles überdauernden Eindruck auf die soziale Fürsorge, die Steuer
und die finanzielle und verwaltungspolitische Beschaffenheit des wachsenden
Reiches.
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Kurze Geschichte des Islam (teil 5 von 5): Das Kalifat von Uthman ibn Affan
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Beschreibung: Die Wahl, Regierung und der Charakter des dritten Kalifs des Islam.
von Amatullah Abdullah (veröffentlicht von IslamReligion.com)
Veröffentlicht am 02 Feb 2009 - Zuletzt verändert am 02 Feb 2009
Gesehen: 2148 (Tagesmittelwerte: 5) - Bewertung: 4.7 von 5 - Bewertet von: 3 Gedruckt: 164 - Emailed: 0 - Kommentiert am: 0
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> Kurz gesagt
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Wahl von Uthman
Umar ibn Al-Khattab, der zweite Kalif des
Islam, wurde von einem persischen Sklaven Abu Lu´lu´ah, einem persischen
Zauberer, erstochen, als er das Fajrgebet führte. Als Umar auf dem Totenbett
lag, baten ihn die Menschen, die um ihn herum standen, einen Nachfolger zu
bestimmen. Umar benannte ein Kommittee aus sechs Leuten, die unter sich den
nächsten Kalif bestimmen sollten.
Dieses Kommittee bestand aus Ali ibn Abi
Talib, Uthman ibn Affan, Abdur-Rahman ibn Auf, Sad ibn Abi Waqqas, Az-Zubayr
ibn Al-Auam und Talhah ibn Ubayd Allah, die zu den angesehensten Gefährten des
Propheten, Gottes Segen und Frieden seien auf ihm, gehörten und die zu ihren
Lebzeiten bereits die guten Nachrichten vom Paradies bekommen haben.
Die Anweisung Umars besagte, dass
innerhalb von drei Tagen ein Nachfolger feststehen sollte und dieser sollte am
vierten Tag seinen Dienst beginnen. Nachdem zwei Tage ohne eine Entscheidung
vergangen waren, wurden die Mitglieder besorgt, weil die Zeit so schnell
verging und noch immer keine Lösung des Problemes in Sicht zu sein schien. Abdur-Rahman
ibn Auf bot an, auf seinen eigenen Anspruch zu verzichten, wenn die anderen
sich bereit erklärten, seiner Entscheidung zuzustimmen. Alle waren damit
einverstanden, Abdur-Rahman den neuen Kalif auswählen zu lassen. Er befragte
jeden Nominierten und ging durch Medina, um die Menschen zu befragen, wen sie
wählen würden. Schließlich bestimmte er Uthman zum neuen Kalif, weil ihn die
Mehrheit der Menschen gewählt hatten.
Sein Leben als Kalif
Uthman führte ein einfaches Leben, auch
nachdem er der Führer des islamischen Staats geworden war. Es wäre für ihn als
erfolgreichen Geschäftsmann leicht gewesen, ein luxuriöses Leben zu führen,
aber das war nie sein vorrangiges Ziel in dieser Welt. Sein einziges Ziel war,
die Freuden des Jenseits zu genießen, denn er wusste, dass diese Welt nur eine
Prüfung für das Jenseits darstellt und vorübergeht. Uthman war, als er Kalif
geworden war, noch genauso großzügig.
Die Kalifen wurden für ihre Dienste aus
der Staatskasse bezahlt, aber Uthman nahm nie ein Gehalt für seinen Dienst am
Islam. Nicht nur das, er machte es sich zum Brauch, jeden Freitag Sklaven zu
befreien, nach Witwen und Waisen zu sehen und unbegrenzt Almosen zu geben. Seine
Geduld und Beständigkeit waren Charaktereigenschaften, die zu einem
erfolgreichen Führer machten.
Uthman erreichte sehr viel in seiner
Regierungszeit. Er kam voran in Befriedung Persiens, verteidigte den
muslimischen Staat weiter gegen die Byzantiner, fügte das, was heute Libyen
genannt wird, zum Reich dazu und unterwarf den größten Teil Armeniens. Mit
seinem Kousin Mu'awiyah ibn Abi Sufyan, dem Statthalter von Syrien, stellte er
eine arabische Flotte auf, die eine Serie wichtiger Gefechte gegen die
Byzantiner schlug.
Von noch größerer Bedeutsamkeit für den
Islam war allerdings, Uthmans Zusammenstellung des Qurantextes, wie er dem
Propheten offenbart worden war. Erkennend, das die ursprüngliche Botschaft
Gottes unabsichtlich durch Textvarianten verdreht werden könnten, benannte er
ein Kommittee, das die kanonischen Verse sammeln und abweichende Texte
vernichten sollte. Das Ergebnis war der Text, der bis zum heutigen Tag in der
gesamten muslimischen Welt anerkannt ist.
Widerstand und Ende
Während seines Kalifats trat Uthman viel
Widerstand von neuen, angeblichen Muslimen aus neuen islamischen Staaten
entgegen, die begannen, ihn zu beschuldigen, nicht dem Beispiel des Propheten
und der vorangegangenen Kalifen in Regierungsangelegenheiten zu folgen. Die
Gefährten des Propheten allerdings verteidigten ihn immer. Diese
Beschuldigungen veränderten ihn nie. Er blieb immer ein gnädiger Herrscher.
Auch in der Zeit, als ihn seine Widersacher angriffen, nutzte er nicht die
Staatskasse, um sein Haus oder sich bewachen zu lassen. Wie vom Propheten
Muhammad vorhergesehen, machten Uthmans Feinde ihm ununterbrochen das Regieren
schwer, indem sie ihn konstant befeindeten und beschuldigten. Letztendlich
schmiedeten seine Widersacher einen Komplott gegen ihn und beauftragten Leute,
um ihn zu töten.
Viele seiner Berater baten ihn, der
Bedrohung ein Ende zu bereiten, aber das tat er nicht, bis er beim
Quranrezitieren ermordet wurde, genau wie der Prophet es vorausgesagt hatte. Uthman
starb als Märtyrer.
Anas ibn Malik berichtete folgendes.
“Der Prophet stieg einmal mit Abu
Bakr, Umar und Uthman auf den Berg Uhud. Der Berg bebte unter ihnen. Der
Prophet sagte (zu dem Berg): "Bleib fest, o Uhud! Denn auf dir stehen ein
Prophet, ein früher Unterstützer von mir und zwei Märtyrer.” (Sahieh al-Bukhari)
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