Abraham in Kanaan & Ägypten
Abraham blieb mehrere Jahre in Kanaan, zog
predigend von einer Stadt zur nächsten und lud die Menschen zu Gott ein, bis
eine Hungersnot ihn und Sarah zwang, nach Ägypten auszuwandern. In Ägypten war
ein tyrannischer Pharao, der die leidenschaftliche Begierde besaß, Besitz von
verheirateten Frauen zu ergreifen.
Die islamische Erzählung unterscheidet sich auffallend von den
jüdisch-christlichen Traditionen, die sagen, dass Abraham, um sich vor dem
Pharao zu schützen, behauptet habe, Sarah sei seine Schwester. Der Pharao nahm Sarah in seinen Harem und
belohnte Abraham dafür. Als aber sein Haus vom schweren Seuchen heimgesucht
wurde, erkannte er, dass sie Abrahams Ehefrau war und bestrafte ihn, weil er es
nicht gesagt hatte und verbannte ihn aus Ägypten.
Abraham hatte gewußt, dass Sarah seine
Aufmerksamkeit erregen würde, daher hatte er sie angewiesen, wenn sie vom
Pharao danach gefragt würde, zu sagen, dass sie Abrahams Schwester sei. Als
sie sein Königreich betreten hatten, hatte ihn der Pharao wie erwartet, nach
seiner Beziehung zu Sarah befragt, und Abraham hatte geantwortet, sie sei seine
Schwester. Obwohl die Antwort seine Leidenschaft minderte, nahm er sie dennoch
als Gefangene. Aber der Schutz des Allmächtigen bewahrte sie vor seinem bösen
Plan. Als Pharao Sarah kommen ließ, um seinen wirren Leidenschaften
nachzukommen, wandte sich Sarah im Gebet zu Gott. In dem Moment, wo Pharao
sich nach Sarah streckte, versteifte sich sein Oberkörper. Er jammerte in
seiner Verzweiflung und versprach Sarah, sie gehen zu lassen, wenn sie für
seine Heilung beten würde! Sie betete für ihn. Aber erst nach einem dritten
Versuch nahm er schließlich Abstand von ihr. Als er ihre Besonderheit
bemerkte, ließ er sie gehen und gab sie ihrem vermeintlichen Bruder zurück.
Sarah kam mit Geschenken des Pharao zurück,
während Abraham ins Gebet vertieft war, darunter auch mit Hagar, der Tochter
des Pharao, nach jüdisch-christlicher Tradition als Dienerin. Sie hatte Pharao und den heidnischen Ägyptern eine kraftvolle
Botschaft übermittelt.
Nachdem sie nach Palästina zurückgekehrt
waren, blieben Sarah und Abraham trotz des göttlichen Versprechens, dass ihnen
ein Kind gewährt würde, noch immer kinderlos. Da es in jenen Zeiten häufiger
vorkam, dass unfruchtbare Frauen ihren Ehemännern ihre Dienerin gaben, damit
sie Nachkommen bekämen, schlug Sarah Abraham vor, Hagar als Nebenfrau zu nehmen. Einige
christliche Gelehrten sagen auch, dass er sie tatsächlich zur Ehefrau nahm. Wie auch immer, in jüdischer und babylonischer Tradition wurde
jeglicher Nachwuchs einer Konkubine ihrer früheren Herrin zugesprochen und
genauso behandelt, wie ein Kind, das sie selbst geboren hatte, auch in Erbangelegenheiten. In Palästina gebar Hagar ihm einen Sohn,
Ismael.
Abraham in Mekka
Als Ismael noch immer gestillt wurde,
wollte Gott den Glauben Seines geliebten Dieners Abraham erneut prüfen und
befahl ihm, Hagar und Ismael in das unfruchtbare Tal von Bakka 700 Meilen
südöstlich von Hebron zu bringen. Später wurde es Mekka genannt. Es war wirklich
eine große Prüfung, denn er und seine Familie hatten so lange auf Nachwuchs
gewartet, und als ihre Augen von Freude über einen Erben erfüllt waren, wurde
befohlen, ihn in ein fernes Land zu bringen, in eines, das für seine
Unfruchtbarkeit und Härte bekannt war.
Während der Qur´an bestätigt, dass dies
nur eine weitere Prüfung für Abraham war, als Ismael immer noch ein Baby war,
versichern die jüdisch-christlichen Traditionen, dass es eine Folge der
Eifersucht Sarahs gewesen sei, die Abraham aufgefordert habe, Hagar und ihren Sohn
zu verbannen, als sie sah, wie Ismael sich über Isaak "lustig" machte, als er entwöhnt war. Da das übliche Alter für die Entwöhnung
zumindest in der jüischen Tradition 3 Jahre war, heißt das, Ismael war ungefähr 17 Jahre alt, als es zu diesem Ereignis kam. Es scheint, von der Logik her
unmöglich zu sein, dass Hagar in der Lage gewesen sein soll, einen jungen Mann auf
ihren Schultern zu tragen, über Hunderte von Meilen, bis sie Paran erreicht
hatten und ihn dann erst, wie die Bibel sagt, unter einen Busch zu legen. In diesen Versen wird von Ismael mit einem anderen Wort gesprochen
als bei seiner Verbannung. Dieses Wort zeigt, dass er ein Junge war,
möglicherweise ein Baby, eher als ein Jugendlicher.
Da ließ Abraham sie zurück, nachdem er
sich kurz mit ihnen dort aufgehalten hatte, ließ ihnen einen Behälter mit
Wasser dort und einen Ledersack voller Datteln. Als Abraham begann,
fortzugehen und sie zurückzulassen, bekam Hagar Angst vor dem, was passierte. Abraham
blickte nicht zurück. Hagar folgte ihm. ‘O Abraham, wohin gehst du,
läßt du uns in diesem Tal zurück, wo es keinen Menschen gibt, der uns
Gesellschaft leistet, noch sonst irgend etwas?’
Abraham beschleunigte seine Schritte. Schließlich
fragte Hagar: ‘Hat Gott die befohlen, dies zu tun?’
Plötzlich stoppte Abraham, drehte sich um
und sagte: ‘Ja!’
Ein wenig Trost in seiner Antwort fühlend,
fragte Hagar: ‘O Abraham, wem überläßt du uns?’
‘Ich überlasse euch der Obhut Gottes,’ antwortete Abraham.
Hagar ergab sich ihrem Herrn. ‘Ich bin
zufrieden mit Gott!’
Während sie zu dem kleinen Ismael
zurückkehrte, zog Abraham weiter, bis er einen engen Paß im Berg erreichte, wo
sie ihn nicht sehen konnten. Er hielt an und bat Gott im Gebet:
“Unser Herr! Ich habe einen Teil meiner Nachkommenschaft
in einem unfruchtbaren Tal nahe bei Deinem heiligen Haus angesiedelt, o unser
Herr, auf dass sie das Gebet verrichten mögen. So mache ihnen die Herzen der
Menschen zugeneigt und versorge sie mit Früchten, damit sie dankbar sein mögen.”
(Quran 14:37)
Bald waren das Wasser und die Datteln
verbraucht und Hagars Verzweiflung wuchs. Unfähig, ihren eigenen Durst und ihr
kleines Baby zu stillen, fing Hagar an, nach Wasser zu suchen. Sie ließ Ismael
unter einem Baum, kletterte auf die Anhöhe eines nahegelegenen Hügels. ‘Vielleicht
kommt eine Karavane vorbei,’ dachte sie bei sich. Sie lief zwischen den beiden
Hügeln Safa und Marwa siebenmal hin und her und hielt nach Zeichen für Wasser
oder Hilfe Ausschau, versinnbildlicht von allen Muslimen bei der Pilgerreise. Erschöpft
und müde hörte sie eine Stimme, aber sie konnte die Quelle nicht ausmachen.
Dann, als sie in das Tal hinabblickte, sah sie einen Engel, den die islamischen
Quellen als Gabriel identifizieren, der neben Ismael stand. Der Engel schlug mit seiner Ferse in den
Boden, und es sprudelte Wasser hervor. Das war ein Wunder! Hagar versuchte,
ein Becken zu machen, damit das Wasser nicht davonlief und füllte ihren Behälter.
‘Hab´ keine Angst, dass du abgewiesen wirst,’ sagte der
Engel, ‘denn dies ist das Haus Gottes, das von diesem Jungen und seinem Vater
erbaut werden wird, und Gott weist sein Volk nie zurück.’
Diese Quelle, Zamzam genannt, fließt heute noch in Mekka, auf
der arabischen Halbinsel.
Nicht lange später zog der Stamm Jurham
aus Südarabien nördlich, stoppte im Tal von Mekka, nachdem sie das
ungewöhnliche Zeichen von einem Vogel, der in diese Richtung flog, gesehen
hatten, was nur bedeuten konnte, dass es dort Wasser gab. Sie siedelten in
Mekka und Ismael wuchs unter ihnen auf.
Eine ähnliche Erzählung hierüber finden
wir in der Bibel in 1 Mose 21. In dieser Erzählung war der Grund, sich von dem
Baby wegzubewegen, eher um ihn nicht sterben zu sehen, als um Hilfe zu suchen.
Dann, nachdem das Baby begonnen hatte, vor Durst zu jammern, bat sie Gott, denn
sie wollte ihn nicht sterben sehen. Es wird gesagt, das Erscheinen der Quelle
wäre die Antwort auf das Weinen von Ismael gewesen, nicht auf Hagars Gebet, und
es wird hier auch kein Versuch Hagars beschrieben, um Hilfe zu finden. Die
Bibel erwähnt ebenfalls, dass die Quelle in der Enöde von Paran gewesen sei, wo
sie später weilten. Jüdisch-christliche Gelehrte meinen, Paran sei irgendwo
nördlich der Sinai Halbinsel, wegen der Erwähnung des Berges Sinai in 5 Mose
33:2. Moderne biblische Archäologen sagen allerdings, Berg Sinai liegt
tatsächlich im heutigen Saudi Arabien, dem entsprechend muss sich Paran auch
dort befinden.
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