Die ideologische Basis ökonomischer Aktivität
Die ideologische Basis im Islam kann in
sechs Grundprinzipien zusammengefasst werden:
Der Eckpfeiler ist, dass alles mit dem
Glauben an Gott als Schöpfer, Herrn und Souverän des Universums beginnt. Das
beinhaltet den Willen, sich Gottes Willen zu unterwerfen, und Ihm vollständig
und uneingeschränkt zu dienen. Dies bedeutet, dass Muslime – einzeln und
gemeinsam – kein anderes System imitieren oder nachmachen sollten, wenn es von
ihren besonderen Prinzipien abweicht, beispielsweise das System des Wuchers
oder der Zinsen.
Das zweite Grundprinzip ist, dass Islam,
als Religion, eine vollständige Lebensweise darstellt; etwas, das dem Leben
einer Person in allen seinen Aspekten Führung bietet: moralisch,
gesellschaftlich, ökonomisch, politisch, usw. Alle diese Aspekte basieren auf
der Rechtleitung Gottes. Daher ist es keine Frage, ob jemand die Lehren Gottes
in einer Angelegenheit akzeptiert und in einer anderen ablehnt. Alles muss mit
dieser grundsätzlichen Rechtleitung übereinstimmen.
“…Und
Wir haben dir das Buch zur Erklärung aller Dinge herniedergesandt, und als
Führung und Barmherzigkeit und frohe Botschaft für die Gottergebenen…”
(Quran 16:89)
Ein drittes Prinzip ist, dass Gott die
Menschen auf der Erde als Seine Statthalter geschaffen hat, was bedeutet, dass
jeder geschaffen wurde, um eine bestimmte Verantwortung auf dieser Erde zu
erfüllen. Gott hat die Menschen mit freiem Willen ausgestattet, damit sie ihre
Leben den moralischen und ethischen Werten, die Er Selbst aufgestellt hat,
entsprechend führen. Außerdem liefert der Islam eine Gelegenheit im
materiellen Fortschritt, wobei moralischer, gesellschaftlicher und materieller
Fortschritt alle harmonisch verbunden sind.
Das vierte Prinzip ist, dass Gott, um den
Menschen zu unterstützen, die Verantwortung der Statthalterschaft zu erfüllen, ihm
alles im Universum dienstbar gemacht hat. Es gibt viele Verse im Qur´an, die
dies betonen, wie:
“Gott ist es, Der euch das Meer dienstbar gemacht hat, auf daß die Schiffe
darauf nach Seinem Geheiß fahren, und auf daß ihr nach Seiner Gnadenfülle
trachten und dankbar sein möget.” (Quran 45:12)
Dies bedeutet allerdings nicht, dass den
Menschen die freie Herrschaft gegeben worden sei, die Ressourcen, mit denen
Gott uns versorgt hat, zu gebrauchen und zu missbrauchen, wie es uns gefällt. Es
gibt vielmehr Verse, die die Menschheit auffordern, die verschiedenen
Ressourcen, die Gott ihnen zugänglich gemacht hat, verantwortungsvoll nutzbar
zu machen. Die Menschen werden ermutigt, die guten Dinge zu genießen, die Gott
geschaffen hat, aber sie sollen dies innerhalb der Grenzen, die Er uns
vorgegeben hat, tun. Dies zu tun, wird nicht als Sünde angesehen, solange Sein
Weg befolgt wird und Seine Grenzen nicht übertreten werden. Gott sagt:
“Und
Er ist es, Der Gärten wachsen läßt, mit und ohne Pfahlwerk, und die Dattelpalme
und die Getreidefelder, deren Früchte von verschiedener Art sind, und Oliven
und Granatapfel(Bäume), einander ähnlich und unähnlich. Esset von ihren
Früchten, wenn sie Früchte tragen, doch gebet davon am Tage der Ernte (dem
Armen) seinen Anteil, seid (dabei aber) nicht verschwenderisch! Wahrlich, Er
liebt diejenigen nicht, die nicht maßhalten.” (Quran 6:141)
Das fünfte Prinzip ist das Prinzip der
Verantwortlichkeit im Jenseits. Gott hat den Menschen die Statthalterschaft
und die Ressourcen gegeben. Dies bedeutet, dass jede einzelne Person am Tag
des Gerichts befragt werden wird, wie er oder sie sich verhalten hat, als er
oder sie das irdische Leben genoß. Dies beinhaltet natürlich auch unser ökonomisches
Verhalten. Gott sagt:
“Dann
werdet ihr, an jenem Tage (dem Tag des Gerichts), nach dem Wohlstand befragt.”
(Quran 102:8)
Das sechste Prinzip ist, dass die
Unterschiedlichkeit des Wohlstandes unter den Menschen selbst eine Person nicht
unterlegen oder überlegen macht. Armut und Überfluss unterliegen eher der
absoluten Kontrolle Gottes, Der – aus Seiner Unendlichen Gerechtigkeit und
Weisheit heraus – diese Dinge denen, die Er auswählt, zukommen lässt.
“Allah
erweitert und beschränkt die Mittel zum Unterhalt, wem Er will…” (Quran
13:26)
Überfluss ist ebenso wie Armut als eine
Prüfung von Gott anzusehen, eine, durch die man sehen kann, was jemand mit
seinem Reichtum tun wird – ihn selbst genießen oder auf positive Art und Weise
verwenden, wie die Religion es vorschreibt. Gott sagt:
“Eure
Reichtümer und eure Kinder sind wahrlich eine Versuchung; doch
bei Allah ist großer Lohn.”(Quran 64:15)
Nachdem er zahlreiche Gaben und Schätze
und ein Königreich, das mit keinem anderen auf der Erde verglichen werden kann,
erhalten hatte, sagte Salomo, wie Gott uns im Qur´an mitteilt:
“…Dies
geschieht durch die Gnade meines Herrn, um mich zu prüfen, ob ich dankbar oder
undankbar bin…” (Quran 27:40)
Gott kümmert es nicht, wieviel Reichtum
eine Person angehäuft haben mag, ihre Schönheit oder Farbe, sondern eher ist
Sein Maßstab die Frömmigkeit in den Herzen. Gott sagt:
“O
ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern
und Stämmen gemacht, auf daß ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor Allah
ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist.”
(Quran 49:13)
Der Prophet sagte ebenfalls:
“Wahrlich Gott kümmert weder eure
Erscheinung noch euer Reichtum, sondern vielmehr eure Herzen und Taten.” (Sahieh
Muslim)
Wie man von diesen Prinzipien sofort
vermuten kann, ist das islamische Wirtschaftssystem aufgrund der
Verschiedenheit der Werte, die zugrunde gelegt werden, radikal anders als
andere. In einer kapitalistischen Gesellschaft kann man bestimmte Regeln der
Ökonomie erkennen, die wegen der eigentlichen Natur und den Werten dieses
Systems eine Vorrangstellung gegenüber moralischen und ethischen Werten
besitzen. Dasselbe kann man auch in kommunistischen, sozialistischen und
anderen Gesellschaften beobachten. Aus diesen Prinzipien, die in diesem
Artikel erwähnt werden, entspringt das islamische Wirtschaftssystem, das ein
Gleichgewicht zwischen persönlichem Nutzen und Nutzen für die gesamte
Gesellschaft herstellt, ebenso wie weltlichen Profit und spirituelle
Verdienste, die alle sichern, dass man die Zufriedenheit des Herrn der Welten
erreicht.
|