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Der Mensch ist von Natur aus ein geselliges
Wesen. Er kann nicht andauernd auf sich allein gestellt leben, völlig
unabhängig von anderen. Menschen sind von einander abhängig. Dem entsprechend
kommt es zwischen ihnen zu Reibungen, wenn ihre persönlichen Interessen in
Konflikt geraten oder wenn das, was sie als ihre individuellen Rechte ansehen,
die der anderen beeinträchtigen. Konflikte unter ihnen sind unvermeidlich. In
manchen Fällen wird eine Konfliktpartei stärker und aggressiver sein, während
die andere schwach ist, unfähig ihre Rechte zu verteidigen.
Aus diesem Grund ist es notwendig, dass es
einen Weg gibt, die Menschen davor zu bewahren, einander zu unterdrücken, um
sicherzustellen, dass die schwächeren Mitglieder der Gesellschaft ihre Rechte
erhalten und um festzulegen, was richtig und was falsch ist, wenn die Themen
kompliziert oder unsicher werden. Dies kann nur durch einen Richter geschehen,
der die Macht hat, rechtliche Erlasse in Streitfragen zu geben.
Aus diesem Grund sehen wir, dass die
Existenz eines Richters im islamischen Recht und auch in den Gesetzen aller
anderen offenbarten Religionen vorgesehen ist, sowohl als religiöse
Verpflichtung als auch als Notwendigkeit des menschlichen Lebens. Gott sagt:
“Wahrlich,
Wir schickten Unsere Gesandten mit klaren Beweisen und sandten mit ihnen das
Buch und die Waagewerte herab, auf daß die Menschen Gerechtigkeit üben mögen.”
(Quran 57:25)
Der Islam – die Religion, die Gott für die
Menschheit seit der Zeit, als Er den Propheten Muhammad gesandt hat, bis zum
Tag des Gerichts will – zeigt große Sorge um das Rechtssystem und um
diejenigen, die dazu benannt werden, seine Verantwortung auszuführen. Der
Islam schreibt dafür viele gesetzliche Regelungen vor. Wie könnte es auch
sonst sein, wo doch der Islam eine Religion der Gnade, Gleichheit und
Gerechtigkeit ist? Es ist die Religion, die kommt, um die Menschen von der
Anbetung der Schöpfung zu befreien und sie zur Anbetung Gottes zu bewegen. Es
ist die Religion, die kommt, um die Unterdrückung und Ungleichbehandlung der
Menschen zu beseitigen und ihnen den höchsten Grad an Gerechtigkeit und
Freiheit zu bringen.
Der Gesandte Gottes war der größte
Richter. Er pflegte in der Stadt Medina, dem ersten islamischen Staat, als
Richter zu urteilen. Er pflegte Menschen als Richter für andere Städte zu
benennen. Unter diesen waren `Utâb b. Asyad, der nach Mekka geschickt wurde, Ali
b. Abu Talib und Muadh b. Jabal, die beiden in den Jemen geschickt wurden.
In der Zeit der rechtgeleiteten Khalifen
blieb das Staatsoberhaupt derjenige, der die Richter benannte, ihre
Angelegenheiten regelte, ihre Unabhängigkeit schützte und die Gouverneure und
die politischen Benannten - und sogar die Khalifen – waren an die Erlasse der
Richter gebunden. Umar b. al-Khattaab, der zweite Khalif, war der erste
Mensch, der den Richter zu einer vom Khalif und den Gouverneuren unabhängigen
Einheit machte.
Auf diese Weise entfaltete sich das
Rechtssystem durch die frühe islamische Ära hindurch, während der Umayyiden Ära
und auch der Abbasiden Ära. Das Amt des obersten Gerichts wurde zu dieser Zeit
ins Leben gerufen. Das oberste Gericht war für das Einsetzen und Absetzen von
Richtern verantwortlich. Es war dafür verantwortlich, ihr Verhalten und ihre
Ausübung zu überwachen. Die erste Person die diesen Posten bekam, war Abu
Yusuf, der Schüler des großen Juristen Abu Haniefah (möge Gott ihnen beiden
gnädig sein). Danach wurde dieses Amt in den muslimischen Ländern weit verbreitet.
Es existierte weiter bis zum Fall des Ottomanischen Reiches.
Die Namen vieler gerechter Richter wurden
in der islamischen Geschichte bewahrt. Ihre Namen stehen für Gerechtigkeit und
Integrität. Viele Seiten in den Geschichtsbüchern widmen sich den Leben und
Karrieren berühmter Richter wie Iyâs b. Muawiyah, Shurayh b. Abdallah, al-`Izz
b. `Abd al-Salam und anderer, die die Lehren des Islam auf die bestmögliche
Weise angewandt haben. Sie gaben uns ein lebendiges Beispiel dafür, wie sich
ein muslimischer Richter verhalten sollte.
Wir sollten erwähnen, da wir das
islamische Rechtssystem besprechen, dass der Islam breite Richtlinien und
Grundprinzipien bezüglich der Angelegenheiten des Lebens aufstellt und sich
selten mit den besonderen Einzelheiten des Lebens befasst. Dies ist so, damit
diese Richtlinien für alle Zeiten und Orte relevant bleiben können. Eine
dieser Richtlinien ist, dass das die Gerechtigkeit unter den Menschen eine
Verpflichtung ist, die ausgeübt werden muss. Was die Art und Weise betrifft,
wie dies erreicht wird, wird dies in den heiligen Texten nicht weiter ausgeführt.
Es wurde den Menschen einer jeden Generation überlassen, den geeignetesten Weg
für ihre einzigartigen Lebensumstände herauszufinden. Die einzige Bedingung
ist, welche Methode auch immer ausgewählt wird, sie darf dem islamischen Gesetz
nicht widersprechen.
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