Die Grundlagen des politischen Systems im Islam (teil 1 von 2): Islam – eine vollkommene Lebensweise
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Beschreibung: Um das Regierungskonzept des Islam zu verstehen, muss man zuerst das Wesen der Religion verstehen. Dieser Artikel erklärt, wie die fundamentellen Glaubensgrundlagen des Islam eine zentrale Rolle im Regierungssystem spielen. Teil 1: Die Trennung von ´Kirche und Staat´.
von IslamReligion.com
Veröffentlicht am 14 Mar 2011 - Zuletzt verändert am 14 Mar 2011
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> Islamische Ordnung
> Politik
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Einleitung
Der Westen macht beim Verständnis der
islamischen Tradition einen natürlichen Fehler, indem er annimmt, dass Religion
für Muslime das gleiche bedeutet wie für die Anhänger der meisten anderen
Religionen seit der industriellen Revolution und für einige Gemeinschaften
sogar bereits zuvor; das bedeutet, ein Lebensbereich, der für bestimmte
Angelegenheiten reserviert und von anderen Lebensbereichen abgetrennt ist. Dies
entspricht nicht der islamischen Weltsicht. So etwas gab es in der
Vergangenheit nicht, und auch die modernen Versuche, es so zu machen, werden
als Verirrung angesehen.
Islam: Eine vollkommene Lebensweise
Der Islam ist eine „vollkommene
Lebensweise“. Er hat Anleitung für jeden Bereich des Lebens geliefert, von der
individuellen Reinheit, den Regeln des Handelns bis hin zur Struktur und Politik
der Gesellschaft. Der Islam kann nie vom gesellschaftlichen, politischen oder
ökonomischen Leben getrennt werden, denn die Religion liefert moralische
Rechtleitung für alles, was eine Person tut. Die erste Tat des Glaubens ist,
sich zu bemühen, den Willen Gottes sowohl im privaten als auch im öffentlichen
Leben zu verwirklichen. Muslime sehen, dass sie selbst ebenso wie die Welt um
sie herum Gott und Seinem Willen gänzlich ergeben sein müssen. Außerdem wissen
sie, dass dieses Konzept Seiner Herrschaft auf der ganzen Erde eingerichtet
werden muss, um eine gerechte Gesellschaft zu schaffen. Wie die Juden und die
Christen vor ihnen, wurden die Muslime zu einer Beziehung des Bundes mit Gott
gerufen, die aus ihnen eine Gemeinschaft Gläubiger machte, die für andere
Völker als Vorbild dienen sollten, indem sie eine moralische gesellschaftliche
Ordnung aufstellten. Gott sagt der muslimischen Welt:
“Ihr seid die beste Gemeinde, die für die Menschen entstand.
Ihr gebietet das, was Rechtens ist, und ihr verbietet das Unrecht…”
(Quran 3:110)
Durch die gesamte Geschichte hindurch
bedeutete, ein Muslim zu sein, nicht nur zu einer religiösen Gemeinschaft
Gläubiger zu gehören, sondern auch unter dem islamischen Gesetz zu leben. Denn
das islamische Gesetz wird als eine Erweiterung von Gottes absoluter
Souveränität angesehen.
Gott ist der Einzige Souverän
Gott ist der absolute Souverän im Islam
und deshalb ist Er der Herr des Himmels und der Erde. Genau wie Er der Herr
des physikalischen Universums ist, ist Gott für die wahren muslimischen
Gläubigen auch der Gesetzgeber für jeden Bereich des menschlichen Lebens.
Genau wie Er der Meister der physikalischen Welt ist, ist Gott der Herrscher
über die Angelegenheiten der Menschen in der islamischen Doktrin. Also ist
Gott der allerhöchste Gesetzgeber, der Absolute Richter und der Gesetzemacher. Wer unterscheidet
richtig und falsch? Genau wie sich die physikalische Welt unvermeidlich ihrem
Herrn unterwirft, indem sie Seinen ´Naturgesetzen´ des Universums gehorcht,
müssen sich die Menschen den moralischen und religiösen Lehren ihres Herrn
unterwerfen, des Einen, der für sie das Rechte vom Falschen unterscheidet. Mit
anderen Worten Gott allein besitzt die Autorität, Gesetze zu erlassen,
gottesdienstliche Taten festzulegen, über Moral zu entscheiden und einen
Standard für zwischenmenschliche Beziehungen und Verhaltensweisen festzulegen.
Dies ist so, weil:
„Wahrlich,
Sein ist die Schöpfung und der Befehl!“ (Quran
7:54)
Die Trennung der institutionellen Religion &
des Staates
Wie wir erwähnt haben, wird Gott im Islam
als alleiniger Souverän menschlicher Angelegenheiten anerkannt, daher gab es
nie eine Unterscheidung zwischen religiöser und staatlicher Autorität. Im
Christentum wird diese Unterscheidung zwischen diesen beiden Autoritäten
zurückgeführt auf Berichte von Jesus im Neuen Testament, der seine Anhänger
aufforderte, Caesar zukommen zu lassen, was ihm gebührt, und Gott zukommen zu
lassen, was Ihm gebührt. Aus diesem Grunde gab es in der christlichen
Geschichte bis zur gegenwärtigen Zeit immer zwei Autoritäten: ´Gott und Caesar´
oder ´Kirche und Staat´. Jedes hat seine eigenen Gesetze und seine eigene
Gesetzgebung, seine eigene Struktur und seine eigene Hierarchie. In der
islamischen Welt vor der Verwestlichung hatte es niemals zwei Mächte gegeben
und die Frage nach der Trennung war nie aufgetaucht. Die Trennung zwischen
Kirche und Staat, die im Christentum so tief verwurzelt ist, hat im Islam nie
existiert.
Die Vision von einem islamischen Staat
Die Vision von einem islamischen Staat und
der Zweck seiner politischen Autorität ist, das göttliche Gesetz auszuführen. Daher
ist der ideale islamische Staat eine Gemeinschaft, die durch das Gesetz regiert
wird, das Gott offenbart hat. Dies beinhaltet weder, dass ein solcher Staat
notwendigerweise eine Theokratie unter der direkten Regierung von
Religionsgelehrten sein muss, noch ist es eine Autokratie, die dem Herrscher
absolute Macht gewährt. Die Funktion eines islamischen Staates ist, Sicherheit
und Ordnung zu liefern, damit die Muslime sowohl ihre religiösen als auch ihre
weltlichen Pflichten erfüllen können. Der Khalif
ist der Hüter des Glaubens und der Gemeinschaft. Seine Rolle
wurde von den Ulama (den religiösen Gelehrten) nicht so sehr geprüft,
aber von ihnen verbessert, denn sie geben ihm religösen und rechtlichen Rat.
Er benennt auch die Richter, die Streitfragen im Einklang mit dem islamischen
Recht lösen. Es gibt bis zu einem gewissen Grad Flexibilität, was das
Regierungssystem und seine Errichtung im Islam angeht, allerdings muss die
Religion im Staat und in der Gesellschaft völlig einbezogen sein.
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Die Grundlagen des politischen Systems im Islam (teil 2 von 2): Islam und Demokratie
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Beschreibung: Um das Regierungskonzept des Islam zu verstehen, muss man zuerst das Wesen der Religion verstehen. Dieser Artikel erklärt, wie die fundamentellen Glaubensgrundlagen des Islam eine zentrale Rolle im Regierungssystem spielen. Teil 2: Sind Islam und Demokratie vereinbar?
von IslamReligion.com
Veröffentlicht am 21 Mar 2011 - Zuletzt verändert am 21 Mar 2011
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Islam und Demokratie
Um das Thema der Demokratie produktiv zu
besprechen, muss man zuerst die Ursprünge und Bedeutung dieses Konzepts selbst
verstehen. Aber um es kurz zu halten, kann gesagt werden, dass gemäß dem
„modernen“ und rudimentärsten Verständnis dieses Begriffs der Islamische
Gedanke einigen seiner Aspekte entspricht. Ein solcher Aspekt ist die
Tatsache, dass Muslime das Recht haben, ihre Herrscher zu bestimmen, sie zur
Verantwortung zu ziehen und, wenn nötig, sie ihres Amtes zu entheben. Der
Islam bevollmächtigt das Regierungssystem allerdings nicht, die Gesetzgebung
der Religion in der Gesellschaft aufzuheben oder zu verändern und läßt ihm auch
nicht das Recht, eine neue Gesetzgebung zu schaffen. Die Gesetzgebung ist das
alleinige Recht Gottes und die Religion muss die zentrale Rolle bei der
Entscheidung über die Gültigkeit irgendeines neuen Gesetzes spielen. Dieses
Recht Gottes zu umgehen, trägt zu der unverzeihlichen Sünde der Mehrgötterei
bei, denn zu der Grundlage des Glaubens an die Einheit Gottes gehört, dass Er
und nur Er das Recht hat, Gesetze zu erlassen. Dies bedeutet, dass die
Menschen oder ihre gewählten Vertreter nicht das Recht besitzen, etwas zu
erlauben, was Gott verboten hat oder für verboten zu erklären, was Gott erlaubt
hat. Sowohl ihnen so ein Recht zuzusprechen als auch dann ihrer Gesetzgebung zu
folgen, ist eine Erhöhung, indem man sie zu Herrn wie Gott nimmt, und dies ist
mit Mehrgötterei gemeint. Niemand hat das Recht, das Gesetz Gottes zu
verändern und Sein Gesetz ist erhaben und ersetzt alle von Menschen gemachten
Gesetze.
Um die Grenzen für Interaktionen zwischen
Islam und Demokratie zu setzen, debattieren Muslime heute die Beziehung
zwischen Islam und demokratischen Institutionen in ihren Gesellschaften. Während
die meisten Muslime sich größere politische Mitsprache, Gesetzgebung,
Regierungsverantwortung, Freiheiten und Menschenrechte wünschen, gibt es
unterschiedliche Wege, dieses Ziel zu erreichen. Für manche hat der Islam
seine eigenen Mechanismen, die demokratische Institutionen ausschließen. Andere
wieder behaupten, dass der Islam völlig fähig ist, demokratischen Institutionen
entgegenzukommen und diese zu unterstützen. Sich für einen Prozess der
Reformen einsetzend, argumentieren sie über die Vereinbarkeit von Islam und
bestimmten Arten von ´Demokratie´, indem sie traditionelle islamische Konzepte
wie Beratung (schura) zwischen Herrscher und Beherrschten,
Gemeinschaftskonsens (ijma), öffentliches Interesse (maslaha) und
auf den Schriften basierender Meinung (ijtihad) aufzählen. Diese
Mechanismen können verwendet werden, um Herrschaftsformen mit Systemen von
Kontrollen und Salden der exekutiven, legislativen und judikativen Zweige zu
unterstützen. Die Herrscher autorischer Staaten tendieren allerdings dahin,
demokratische Institutionen zu ignorieren, behindern oder zu unterdrücken.
Im allgemeinen kann man sehen, dass der
Islam eine Religion ist, die nicht nur das private religiöse Leben des
Einzelnen regelt, sondern er regelt alle Aspekte des öffentlichen Lebens. Wie
die Vorstellung des Gottedienstes nicht auf bloße Rituale beschränkt ist,
sondern alle Taten des Gehorsams und der Güte einschließt, so ist auch das
Konzept der Religion auf alle Bereiche des Lebens auf dieser Erde ausgeweitet.
Für einen Muslim sind die Konzepte von Religion und Staat untrennbar. Dieses
Prinzip respektvoll beachtet werden, egal welche Regierungsform eine muslime
Gesellschaft auch auswählt, alle ihre Bestandteile müssen direkt mit den
Prinzipien der Religion vereinbar sein. Mit keinem Mittel kann das
Regierungssystem irgendeine Vollmacht der Religion beenden, aufheben oder
einfügen, und dies ist nur ein weiteres Beispiel für das reine monotheistische
Wesen des Islam, und dafür dass alle Rechte Gott gebühren und niemandem sonst.
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