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Er hatte recht, und ich sah die außerordentlichen
Widersprüche in der menschlichen Natur, wie ich es beim Fall des Leo Myers und
auch bei zahlreichen anderen Gelegenheiten seit dem getan hatte, und vor allem
anderen sah ich den Abgrund, der allzu häufig den Autor, der seine Ansichten zu
Papier bringt, von dem Mann, der er in seinem persönlichen Leben ist, trennt. Während
das Ziel des Islam darin besteht, eine vollkommene Harmonie zwischen
verschiedenen Elementen der Persönlichkeit zu erreichen, damit sie harmonisch
zusammenarbeiten, in dieselbe Richtung weisen und demselben geraden Weg folgen,
ist es im Westen üblich, Menschen zu finden, die völlig unausgeglichen sind,
die eine Seite ihrer selbst auf Kosten aller anderen entwickelt haben. Ich
habe mich so manches Mal gefragt, ob das Schreiben oder Sprechen über Weisheit
nicht ein Ersatz dafür sein könnte. Dies ist nicht genau der Fall von
Heuchelei (obwohl die Aussage: ´Arzt heile dich selbst!´ passt), den solche
Menschen sind völlig aufrichtig in dem, was sie schreiben oder sagen,
tatsächlich könnte dies das beste in ihnen ausdrücken; aber sie können nicht
danach leben.
Nach zweieinhalb Jahren kehrte ich
aus familiären Gründen nach England zurück. Unter jenen, die mir geschrieben
hatten, nachdem sie mein Buch gelesen haben, gab es zwei Männer, die sich
tiefgründig mit den Schriften Guenons befasst hatten und diesem in den Islam
gefolgt waren... Ich traf sie. Sie sagten mir, dass ich das, was ich
offensichtlich suchte, weder in Indien noch in China finden würde, sondern
näher bei meiner Heimat in der Tradition Abrahams... Sie fragten, wann ich
damit beginnen wolle, das, was ich predigte zu praktizieren und einen
´spirituellen Weg´ einzuschlagen. Es wäre an der Zeit, so sagten sie
freundlich aber bestimmt, so dass ich darüber nachdachte, das was ich bereits
theoretisch kannte, in meinem eigenen Leben zu verkörpern. Ich antwortete
höflich aber ausweichend, ich besäße nicht die Absicht, ihren Ratschlägen zu
folgen, bis ich um einiges älter sei und die Möglichkeiten der weltlichen
Abenteuer ausgekostet habe. Allerdings begann ich mit zunehmendem Interesse,
über den Islam zu lesen.
Dieses Interesse rief das
Missfallen meines engsten Freundes hervor, der im Mittleren Osten gearbeitet
und ein starkes Vorurteil gegen den Islam entwickelt hatte. Die Bemerkung,
dass diese grausame Religion eine spirituelle Dimension habe, erschien ihm
absurd. Es sei, so versicherte er mir, nichts als äußerlicher Formalismus,
blinder Gehorsam unvernünftigen Verboten gegenüber, wiederholte Gebete,
niedriger Fanatismus und Heuchelei. Er erzählte mir Geschichten von
muslimischen Praktiken, von denen er dachte, dass sie mich überzeugen würden. Ich
erinnere mich ein einen bestimmten Fall von einer jungen Frau, die unter großen
Schmerzen im Krankenhaus im Sterben lag. Sie nahm ihre ganze Kraft zusammen,
um auf die Füße zu kommen und ihr Eisenbett so zu drehen, dass sie beim Sterben
in Richtung Mekka sehen konnte. Mein Freund war von dem Gedanken angewidert,
dass sie dieser ´dummen Übertreibung´ zuliebe, noch mehr Leiden auf sich
genommen hatte. Mir hingegen schien es eine wunderbare Geschichte zu sein. Ich
bewunderte den Glauben dieser jungen Frau, mit Abstand, als wäre es von einem irgendeinem
Geisteszustand, den ich mir vorstellen könnte.
Inzwischen konnte ich keine Arbeit
finden und lebte in Armut. Ich bewarb mich für fast jeden Job, den ich in den
Annoncen fand, einschließlich als Assistenzlektor für englische Literatur an
der Universität in Kairo. Das war verrückt, dachte ich. Ich hatte in
Camebridge ein Diplom in Geschichte erhalten und wußte nichts über Literatur
vor dem neunzehnten Jahrhundert. Wie konnte ich hoffen, dass sie jemanden
nehmen würden, der so unqualifiziert war? Aber sie überlegten es sich und
stellten mich ein. Im Oktober 1950 im Alter von 29 Jahren brach ich auf nach
Kairo, in gerade dem Moment, wo mein Interesse für den Islam Wurzeln schlug.
Unter meinen Kollegen war ein
englischer Muslim, Martin Lings, der in Ägypten sein Heim aufgeschlagen hatte. Er
war ein Freund Guenons, auch ein Freund der beiden Männer, mit denen ich in
London gesprochen hatte und er ähnelte keinem, dem ich jemals zuvor begegnet
war. Er war die lebende Verkörperung von dem, was bis dahin nicht mehr als
Theorien in meinem Kopf gewesen war, und ich wußte, dass ich schließlich
jemanden getroffen hatte, der alles in einem war, vollständig und beständig. Er
lebte in einem traditionellen Heim außerhalb der Stadt und ihn und seine Frau
zu besuchen, was ich fast jede Woche tat, war ein Schritt heraus aus dem
lärmenden Stadtgetümmel Kairos und ein Eingang zu einer zeitlosen Zuflucht, in
der das Innere und das Äußere ungetrennt waren und in der die angenommenen
Realitäten der Welt, an die ich gewöhnt war, nur noch schemenhaft existierten.
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