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Wo sollte ich nach Wissen suchen? Mittlerweile
war ich 15, ich hatte entdeckt, dass es etwas gab, das sich ´Philosophie´
nannte und dass das Wort ´Liebe des Wissens´ bedeutete. Wissen war, was ich
suchte, also musste die Befriedigung meines Bedüfnisses in diesen dicken
Büchern verborgen sein, die von weisen Männern geschrieben worden waren. Mit
einem Gefühl intensiver Erregung wie ein Eroberer, der Land sichtet,
durchfurchte ich Descartes, Kant, Hume, Spinoza, Schopenhauer und Bertrand
Russell oder las in den Werken, die ihre Lehren erläuterten. Nicht allzu lange
später wurde mir bewusst, dass irgendetwas nicht richtig war. Ich hätte
genauso gut auch Sand essen können, um von dieser Quelle Nahrung zu erhalten. Diese
Männer wußten überhaupt nichts. Sie spekulierten lediglich, ersponnen Ideen in
ihren eigenen ärmlichen Köpfen, und jeder kann spekulieren (sogar ein
Schuljunge). Wie konnte ein 15 bis 16-Jähriger die Unverschämtheit besitzen
und die gesamte westliche sekuläre Philosophie als wertlos bezeichnen? Man
braucht keine Reife, um zwischen dem, was der Qur´an als dhann (´Meinung´)
bezeichnet, und wahrem Wissen zu unterscheiden. Zur selben Zeit verpflichtete
mich meine Mutter mit ihrer ständigen Beharrlichkeit, ich solle dem, was andere
dachten oder sagten, keinerlei Beachtung schenken, dazu, meinem eigenen Urteil
zu vertrauen. Die westliche Kultur behandelte diese ´Philosophen´ als weise
Männer und Studenten an den Universitäten studierten deren Werke respektvoll. Aber
was bedeuteten sie für mich?
Einige Zeit später, als ich in der
Sechsten war, machte ein Lehrer, der besonderes Interesse an mir hatte, eine
seltsame Bemerkung, die ich nicht verstand. ´Du bist´, sagte er, ´der einzige
wirklich universale Skeptiker, den ich kenne.´ Er bezog das nicht speziell auf
Religion. Er meinte, ich schien alles anzuzweifeln, dass jeder andere als
selbstverständlich voraussetzte. Ich wollte wissen, warum es als sicher
angenommen wurde, dass unsere Vernunft, die so gut geeignet ist, Nahrung,
Schutz und einen Partner zu finden, eine Anwendung über die weltliche Sphäre
hinaus habe. Ich war von der Bemerkung verwirrt, dass von dem Gebot ´Du sollst
nicht töten´ erwartet wurde, dass es für diejenigen, die weder Juden noch
Christen waren, verbindlich wäre, und ich war nicht weniger verblüfft, warum in
einer Welt voller hübscher Frauen die Regel der Monogamie als universale
Anwendung betrachtet wurde. Ich zweifelte sogar meine eigene Existenz an.
Lange danach hörte ich die Geschichte von einer chinesischen Saga: Chuangtzu,
der eines Nachts geträumt hatte, er sei ein Schmetterling, stand auf, um zu
fragen, ob er tatsächlich der Mann Chuangtzu sei, der geträumt hat, er sei ein
Schmetterling, oder ein Schmetterling, der geträumt hat, er sei Chuangtzu. Ich
verstand sein Dilemma.
Als mein Lehrer diese Bemerkung
machte, hatte ich bereits einen Schlüssel zu dem, was sichereres Wissen sein
könnte, entdeckt. Durch Zufall – obwohl es so etwas wie ´Zufall´ nicht gibt –
bin ich über das Buch mit dem Titel ´Der urzeitliche Qzean´, von einem gewissen
Professor Perry, einem Ägyptologen, gestolpert. Der Professor hatte die fixe
Idee, dass die alten Ägypter in ihren Papyrusbooten durch Teile der Welt
gereist seien und ihre Religion und Mythologie weit und breit verbreitet
hätten. Um seinen Fall zu beweisen, hat er mehrere Jahre damit verbracht, alte
Mythologien zu erforschen und auch die Mythen und Symbole ´primitiver´Völker
unserer Zeit. Was er offenbarte, war eine erstaunliche Einstimmigkeit im
Glauben, wie unterschiedlich die verschiedenen Bilder auch waren, mit denen der
Glaube ausgedrückt wurde. Er hatte seine Theorie über die Papyrusboote nicht
bewiesen; er hatte, dachte ich, etwas ganz anderes bewiesen. Es schien, dass
es hinter der Tapete der Formen und Bilder bestimmte universelle Wahrheiten
bezüglich des Wesens der Wirklichkeit, der Schöpfung der Welt und der
Menschheit und der Bedeutung der menschlichen Erfahrung gäbe; Wahrheiten, die
so sehr Teil von uns sind wie unser Blut oder unsere Knochen.
Einer der Hauptgründe für den
Unglauben in unserer modernen Welt ist die Vielfalt von Religionen, die sich
gegenseitig zu widersprechen scheinen. Solange die Europäer von der
Überlegenheit ihrer eigenen Rasse überzeugt waren, hatten sie keinen Grund
gehabt, daran zu zweifeln, dass das Christentum der einig wahre Glaube sei. Die
Bemerkung, dass sie die ´Krone des Evolutionsprozesses´seien, machte es leicht
anzunehmen, dass alle anderen Religionen nicht mehr als naïve Versuche
darstellten, immer wiederkehrende Fragen zu beantworten. Es war als diese
rassische Selbstzufriedenheit nachließ, dass sich Zweifel einschlichen. Wie
war es für einen guten Gott möglich, zu erlauben, dass die Mehrheit der
menschlichen Wesen im Dienste falscher Religionen lebten und starben? War es
dem Christen weiterhin möglich, zu glauben, dass er allein gerettet sein
würde? Andere behaupteten dasselbe – Muslime zum Beispiel – wie konnte also
irgendjemand sicher sein, wer im Recht war und wer unrecht hatte? Für viele
Menschen, einschließlich mir selbst bis mir Perrys Buch in die Hände fiel, war
die deutliche Schlussfolgerung, dass, da ja nicht jeder Recht haben kann, alle
im Unrecht seien. Religion war eine Illusion, das Produkt des Wunschdenkens. Andere
mögen es für möglich gehalten haben, ´wissenschaftliche Wahrheit´ durch
religiöse Mythen zu ersetzen. Ich konnte das nicht, denn Wissenschaft basierte
auf Annahmen bezüglich der Unfehlbarkeit der Vernunft und der Wirklichkeit des
mit den Sinnen Wahrgenommenen, was nie bewiesen werden kann.
Als ich Perrys Buch las, wußte ich
nichts vom Qur´an. Das kam erst viel später, und das Bisschen, das ich vom
Islam kannte, war von Vorurteilen zerstört, die sich in den tausend Jahren der
Konfrontationen angestaut haben. Und schon hatte ich, ohne es zu wissen, einen
großen Schritt in Richtung des größten Rivalen des Christentums gemacht. Der
Qur´an versichert uns, dass kein Volk auf Erden ohne göttliche Führung und eine
Doktrin der Wahrheit geblieben sei, überbracht von Gesandten Gottes, die immer
mit den Menschen in deren eigenen ´Sprache´ gesprochen haben, passend zu ihren
besonderen Umständen und ihren Bedürfnissen entsprechend. Die Tatsache, dass
derartige Botschaften im Laufe der Zeit verdreht wurden, bedarf keiner
Erwähnung, und niemand sollte darüber erstaunt sein, dass sie verdreht worden
sind, wenn sie von einer Generation zu anderen weitergereicht wurden, aber es
wäre erstaunlich, auch wenn Jahrhunderte vergangen sind, keine Spuren
hinterlassen worden wären. Jetzt schien ich ganz im Einklang mit dem Islam zu
glauben, dass diese Spuren, gekleidet in Mythen und Symbolen (der ´Sprache´ der
Mensche früherer Zeiten) direkt von der offenbarten Wahrheit stammen und die
letzte Botschaft bestätigen.
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