Prinzipien des Sufismus
‘Willige und absolute Ergebenheit dem
Schaikh’, ist vermutlich das Motto des Sufismus. Auf den ersten Blick ist
klar, dass ein besonderer und vollständiger Bund zwischen dem Anführer der
Sufibruderschaft (dem ´Schaikh´) und dem Muried (Anhänger) gebildet wird;
um die Prinzipien des Sufismus zu verstehen, muss man aber auch seine
Grundstruktur verstehen. Wie sieht diese also aus?
Grundsätzlich legt der Anhänger einen
Treueschwur ab, wodurch er sich verpflichtet, dem Schaikh gehorsam zu sein und
im Gegenzug verspricht der Schaikh, seinen Anhänger von jedem Problem oder
Kümmernis zu befreien, das ihn befallen könnte. Der Schaikh bietet dem
aufrichtigen Anhänger lohnende Vorteile am Rande. Sobald der Anhänger zustimmt,
wird er gesegnet und ihm werden einige Dhikr (Gesänge) zugewiesen. Der
Anhänger soll sein Leben auf eine Weise weiterleben, die ihm die Sufibruderschaft
vorschreibt. Wenn ein Konflikt in bezug auf seine Pflichten gegenüber der Bruderschaft
und äußere Pflichten auftritt, muss der Anhönger den Anweisungen seines
Schaikhs entsprechend handeln. In diesem Fall wird die Macht des Schaikhs
absolut.
In allem ist der Anhänger von der
Außenwelt abgeschlossen und wird auf viele Arten ausgenutzt. Als Muslime
glauben wir, dass kein menschliches Wesen spezielle Kräfte oder Fähigkeiten
besitzt, um uns von den Qualen im Grab oder im Jenseits zu befreien. Jeder von
uns wird vor Gott stehen, und es wird über jeden einzeln gerichtet werden.
Gott sagt uns:
“Und keine Seele wirkt, es sei denn, gegen sich
selbst, und keine lasttragende (Seele) soll die Last einer anderen tragen.” (Quran
6:164)
Wir glauben auch, dass wir uns als Muslime
niemand anderem als Gott, dem Allmächtigen, unterwerfen und hingeben dürfen. Alle
außer dem Schöpfer neigen dazu, Fehler zu begehen. Der Prophet (Gottes Segen
und Frieden seien auf ihm) sagte:
“Jeder Sohn Adams begeht Fehler und
die besten von ihnen sind die, die bereuen.” (Tirmidhi)
Der Schaikh
Er ist die ´oberste Autorität´, das absolute
Oberhaupt der Bruderschaft und teilt jedem seiner Anhänger sein notwendiges Dhikr
zu. Diesem Menschen schwören die Anhänger vollständigen und absoluten
Gehorsam; hernach treten die beiden universellen Gesetze für den Anhänger des
Schaikhs in Kraft.
a. Der Anhänger darf niemals mit
dem Schaikh streiten und ihn auch nicht nach Beweisen für seine Taten
befragen.
b. Wer dem Schaikh widerspricht,
dessen ´Bund´ mit ihm ist gebrochen und damit erlöschen für ihn auch die
lohnende Vorteile, die ihm der Schaikh bot, auch wenn er sein enger Freund
bleibt.
Als Muslime glauben wir, dass alle
gottesdienstliche Handlungen ´Tauqiefijah´ sind, d.h. keine Auswahlmöglichkeit
besteht, sondern sie sind durch Beweise zu belegen, die sowohl authentisch als
auch entscheidend sind. Gott der Allmächtige sagt uns:
“Bringt euren Beweis her, wenn ihr wahrhaftig
seid.” (Quran 2:111)
Wir glauben, dass es keinen Vermittler
zwischen Gott und Seinen Dienern gibt, wir dürfen Gott direkt ansprechen. Gott
sagt uns:
“Und euer Herr
sprach: "Bittet Mich, Ich will eure Bitte erhören." Die aber, die zu
überheblich sind, um Mir zu dienen, werden unterwürfig in die Hölle eintreten.”
(Quran 40:60)
Im Sufismus wird der Schaikh als ´der
inspirierte Mann´ angesehen, ´vor dessen Augen die Geheimnisse der
Verborgenheit enthüllt wurden, denn die Schaikhs sehen mit dem Lichte Gottes
und wissen, welche Gedanken und Verwirrungen in den Herzen des Menschen sind.
Nichts kann vor ihnen verborgen werden´. Ibn Arabi behauptete,
er pflege direkte Offenbarungen von Gott zu erhalten, ähnlich der Weise, wie es
der Prophet Muhammad erhalten hatte, und es wird zitiert, dass er sagte:
"Einige Werke, die ich auf Befehl Gottes schrieb, sandte mir Gott im
Schlaf oder durch mystische Offenbarungen". M. Ibn Arabi, “The Bezels
of Wisdom,” S.3ff
Wir glauben, dass die Kenntnis von der
Verborgenheit auf Gott Allein beschränkt ist. Jeder, der behauptet, Kenntnis
von der Verborgeheit zu besitzen, erzählt Lügen. Gott sagt uns:
“Wer ist ungerechter als derjenige, der eine
Lüge gegen Gott erdichtet oder sagt: "Mir wurde offenbart," während
ihm doch nichts offenbart worden war?” (Quran 6:93)
Der Prophet (Gottes Segen und Frieden
seien auf ihm) sagte:
“Erdichtet keine Lügen gegen mich,
denn derjenige, der dies tut, betritt das Feuer.” (Sahieh Muslim)
Der Bund
Dies ist eine interessante Zeremonie, die
bei weitem das wichtigste Prinzip des Sufismus darstellt und bei allen
sufistischen Bruderschaften zu finden ist. Hier fassen sich der Schaikh und
seine Anhänger an den Händen und schließen ihre Augen in schlafähnlicher
Meditation. Der Anhänger schwört aus freiem Willen und mit ganzem Herzen, den
Schaikh als ihren Führer und Leiter zum Weg Gottes zu respektieren. Er schwört
an den Riten der Bruderschaft sein Leben lang festzuhalten und verspricht,
niemals davon wegzugehen, gleichzeitig schwört der Anhänger vollständige und bedingungslose
Treue, Gehorsam und Loyalität dem Schaikh gegenüber. Danach rezitiert der
Schaikh:
“Wahrlich, diejenigen, die dir huldigen – sie
huldigen in der Tat nur Gott.” (Quran 48:10)
Dem Anhänger wird ein spezielles Dhikr gegeben.
Der Schaikh fragt den Anhänger: "Hast du mich als deinen Schaikh
geistlichen Führer vor Gott, dem Allmächtigen, akzeptiert?" Der Anhänger
antwortet darauf: "Ich habe akzeptiert." Darauf antwortet der
Schaikh: "Und wir haben akzeptiert." Beide rezitieren das
Glaubensbekenntnis und die Zeremonie endet damit, dass der Anhänger die Hand
des Schaikhs küsst.
Diese ganze Zeremonie war während des
Lebens unseres Propheten und der drei besten Generationen, die darauf folgten,
unbekannt. Der Prophet (Gottes Segen und Frieden seien auf ihm) sagte:
“Wer nach mir lebt, wird viele
Unterschiede (d.h. religiöse Erneuerungen) sehen; daher haltet an meiner Sunnah
und der Sunnah meiner Rechtgeleiteten Kalifen fest.” (Abu Dawuud)
Der Prophet (Gottes Segen und Frieden
seien auf ihm) sagte ebenfalls:
“Wahrlich, die beste Rede ist das
Buch Gottes, und die beste Rechtleitung ist die Rechtleitung von (dem
Propheten) Muhammad und das Schlechte in allen religiösen Angelegenheiten ist
eine Bid´ah, und jede Bid´ah ist eine Irreführung, und jede
Irreführung wird ins Feuer führen.” (Sahieh Muslim)
Imam Malik, möge Allah mit ihm zufrieden
sein, sagte: "Derjenige, der eine Erneuerung in die Religion des Islam
einführt und es für eine gute Sache hält, der behauptet in der Tat damit, dass
Muhammad bei der (vertrauenswürdigen Übermittlung der) Göttlichen Botschaft
betrogen hat.”
Das Dhikr
Es ist ebenfalls als ´Wird´ bekannt
und im Sufismus ist es das ständige Wiederholen von Gottes Namen und das
Wiederholen einer bestimmten Anzahl von Anrufungen. Diese Anrufungen können
das Ersuchen toter Menschen oder anderer als Gott um Hilfe bei Bedürfnissen
beinhalten, die nur Gott, der Allmächtige, gewähren kann.
Ahmad at-Tijani, ein Sufi-Älterer,
behauptete, das Wird sei vom Propheten Muhammad zurückgehalten worden;
er habe es keinem seiner Gefährten gelehrt. At-Tijani behauptete, der
Prophet habe gewusst, dass eine Zeit kommen würde, zu der das Wird öffentlich
gemacht würde, aber die Person, die dies tun würde, sei dann nicht mehr
existent. Als Ergebnis dessen glauben Sufis, dass es eine fortwährende Kette
der Übermittlung zwischen dem Propheten Muhammad und ihrem gegenwärtigen
Schaikh gäbe.
Dhikr wird von
den Sufi-Älteren in drei Kategorien unterteilt:.
A. Dhikr der Gemeinde, in
dem sie ‘La ilaaha ill-Allah Muhammad-ur-Rasuulullah’ (d.h. es gibt keine
Gottheit, der Anbetung zusteht, außer Allah und Muhammad ist der Gesandte
Gottes.)
B. Dhikr der oberen Klasse,
was das Wiederholen von Gottes Namen ´Allah´ ist.
C. Dhikr der Elite, was das
Wiederholen des göttlichen Pronomens ´Hu´ (d.h. Er) ist.
Zeitweilig wird das Dhikr in
melodischen Hymnen mit geschlossenen Augen gesungen, reichlich Musik kann gespielt
werden (manchmal ist dies wesentlich); desweiteren tanzen manche vor dem
Schaikh, während sie die Dhikr sagen. Häufig beinhalten die Dhikr
offenen Polytheismus (die größte Sünde im Islam). Gott sagt uns:
“(Dies) wo dir doch offenbart worden ist, wie
schon denen vor dir: "Wenn du (Gott) Nebengötter zur Seite stellst, so
wird sich dein Werk sicher als eitel erweisen, und du wirst gewiss unter den
Verlierenden sein.” (Quran 39:65)
Auslegung des Qur´an
Im Sufismus ist das Studium der
Qur´anauslegung oder das Nachdenken über seine Bedeutung verpönt, zu manchen
Zeiten sogar verboten. Sufis behaupten, dass jeder Vers des Qur´an eine
äußerliche und eine innerliche Bedeutung besitzt. Die innerliche Bedeutung
wird nur von den Sufi-Älteren verstanden. Aufgrund dessen habenn Sufis
Konzepte und Worte eingeführt, die den Lehren des Islam völlig fremd sind.
Im Qur´an fordert Gott, der Allmächtige,
uns auf, Seine Worte richtig zu verstehen. Gott sagt:
“Es ist ein Buch voll des Segens, das Wir zu dir
herabgesandt haben, auf dass sie über seine Verse nachdenken, und auf dass
diejenigen ermahnt werden mögen, die verständig sind.” (Quran 38:29)
Die Qur´anexegese wird vervollständigt, indem der Qur´an
gemeinsam mit der Sunnah studiert wird; diese beiden Quellen des
Islamischen Gesetzes müssen Hand in Hand gehen als eine integrale Einheit. Wir
sollen den Qur´an und die Sunnah auf die Weise verstehen, wie sie von den
ersten Generationen verstanden wurde.
Schlussfolgerung
Wie an dem Oberen zu erkennen ist,
unterscheidet sich der Sufismus ziemlich drastisch von dem wahren Geist des
Islam. Sufismus prägt dem Anhänger ein, auf die grundlegenden Fakutäten, die
ihm von Gott, dem Schöpfer der Welten, gegeben worden sind, zu verzichten und
sich selbst einer Form der Sklaverei zu unterwerfen.
Der Islam andererseits ist sehr einfach;
es besteht kein Bedarf an Vermittlern oder irgendwelchen Heiligen zwischen dem
Menschen und Gott, und man soll sich einzig und allein Gott, dem Allmächtigen, hingeben
und unterwerfen.
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