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Wilfried Hofmann, Deutscher Soziologe und Diplomat (teil 1 von 2)
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Beschreibung: Die Geschichte wie ein deutscher Diplomat und Botschafter in Algerien den Islam annimmt. Teil 1.
von Wilfried Hofmann
Veröffentlicht am 01 Jun 2009 - Zuletzt verändert am 01 Jun 2009
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Kategorie: Artikel
> Geschichten von neuen Muslimen
> Persönlichkeiten
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Ph.D (Law) Harvard. Deutscher Soziologe und Diplomat. Nimmt
1980 den Islam an.
Dr. Hofmann, der 1980 den Islam
annahm, wurde 1931 als Katholik in Deutschland geboren. Er absolvierte das Union
College in New York und vervollständigte seine Studien an der Universität in
München, wo er 1957 seinen Doktor in Jura machte.
Er wurde wissenschaftlicher
Assistent für die Reform des Bundes – Zivilprozeßes und 1960 erhielt er einen
LL.M. Grad von der Harvard Law School. Er war von 1983 – 1987 Direktor für
Information bei der NATO in Brüssel. 1987 wurde er als deutscher Botschafter
nach Algerien entsandt. Und dann 1990 nach Marokko, wo er vier Jahre diente. Er
verrichtete 1982 Umrah (kleinere Pilgerreise) und 1992 Hağğ
(Pilgerreise).
Verschiedene Schlüsselerfahrungen
führten Dr. Hofmann zum Islam. Das erste davon begann 1961, als er als Attache
in die Deutsche Botschaft in Algerien entsandt wurde und sich inmitten von
blutigen Guerillakämpfen zwischen französischen Truppen und der Algerischen
Nationalfront wiederfand, die seit acht Jahren für die Unabhängigkeit Algeriens
kämpften. Dort wurde er Zeuge der Brutalität und der Massaker, welche die
algerische Bevölkerung ertrug. Jeden Tag wurden fast ein Dutzend Menschen
getötet – im Exekutionsstil - nur dafür, dass sie Araber waren oder sie sich
für die Unabhängigkeit aussprachen. “Ich wurde Zeuge der Geduld und
Biegsamkeit der algerischen Bevölkerung angesichts des extremen Leidens, ihrer
überwältigenden Disziplin während des Ramadhan, ihr Vertrauen auf den Sieg,
ebenso wie ihrer Humanität inmitten des Elends.” Er fühlte, dass es ihre
Religion war, die sie so machte, und deshalb begann er, ihr religiöses Buch,
den Qur´an, zu studieren. “Ich habe nie wieder aufgehört, darin zu lesen, bis
zum heutigen Tag.”
Islamische Kunst war die zweite
Erfahrung für Dr. Hofmann auf seiner Reise zum Islam. Von seiner Jugend an war
er von Kunst und Schönheit und Balletttanz angezogen. All dies wurde
überschattet, als er islamische Kunst kennenlernte, die ihn sehr stark anzog.
In Bezug auf islamische Kunst sagte er: "Ihr Geheimnis scheint in der
innerlichen und universellen Anwesenheit des Islam als Religion in all ihren
künstlerischen Manifestationen, Kalligraphien, raumfüllenden Arabekornamenten,
Teppichmustern, Moschee und Wohnarchitektur zu liegen, ebenso wie in ihrer
Städteplanung. Ich denke an die Helligkeit der Moscheen, die jeglichen
Mystizismus eingrenzt, an den demokratischen Geist ihres architektonischen
Layouts."
“Ich denke auch an die introspektive Qualität der muslimischen
Paläste, ihre Auffassung vom Paradies als Gärten voller Schatten, Fontänen und
Bächlein, an die komplizierte soziale gesellschaftliche Struktur der alten
islamischen Stadtkerne (madinahs), welche den Gesellschaftsgeist nährt und der
Tranzparenz des Marktes, temperiert Hitze und Wind und sichert die Integration
der Moschee und der angrenzenden Wohlfahrtszentren für die Armen, Schulen und
Herbergen in Markt und Wohnanlagen. Was ich erfahren habe, ist an so vielen
Plätzen so wunderbar islamisch… das ist der spürbare Effekt aus islamischer
Harmonie, islamischer Lebensweise und der islamischen Behandlung des Raumes,
was sowohl das Herz als auch den Verstand anspricht."
Vielleicht noch mehr als dies
alles was einen besonderen Druck auf seine Suche nach der Wahrheit ausübte, war
sein Wissen über die christliche Geschichte und ihre Doktrinen. Ihm war völlig
bewußt, dass es eine grundlegende Differenz zwischen einem christlichen
Gläubigen gab und dem, was ein Geschichtsprofessor an der Universität lehrte.
Insbesondere verwirrte ihn, dass die Kirche den Doktrinen, die der
"Heilige Paulus" aufgestellt hatte, den Vorrang vor Jesus gab.
"Er, der Jesus niemals begegnet war, ersetzte mit seiner extremen
Christiologie die ursprünglich und korrekte jüdisch-christlichen Ansicht über
Jesus!“
Er fand es schwierig, zu
akzeptieren, dass die Menschheit mit der "Erbsünde" belastet sein
soll und damit, dass Gott seinen eigenen Sohn hätte quälen und am Kreuz
ermorden lassen, um Seine Geschöpfe zu schützen. "Ich begann, gewahr zu
werden, wie monströs, ja sogar blasphemisch es ist, sich vorzustellen, Gott
hätte in Seiner Schöpfung Fehler machen können; dass Er unfähig gewesen sein
sollte, etwas gegen das Verderben, das vermutlich von Adam und Eva verursacht
worden war, unternehmen zu können, ohne einen Sohn zu zeugen, nur um ihn auf
eine so blutige Art opfern zu müssen; dass Gott für die Menschheit, Seine
Schöpfung, leiden könnte.
Er kam auf die grundsätzliche
Frage übr die Existenz Gottes zurück. Nachdem er die Werke von Philosophen wie
Wittgenstein, Pascal, Swinburn, und Kant analysiert hatte, kam er zu einer
intellektuellen Überzeugung von der Existenz Gottes. Die nächstlogische Frage,
der er sich widmete, war, wie Gott mit den Menschen kommunizierte, damit sie
geleitet wurden. Dies ließ ihn den Bedarf an Offenbarungen zugeben. Aber was
enthält die Wahrheit – zu der Antort auf diese Frage fand er durch seine dritte
wichtige Erfahrung, als er folgende Verse des Qur´an las, diese Verse öffneten
seine Augen. Klar und unzweideutig für ihn weisen sie die Vorstellung von den
Lasten der "Erbsünde" und den Aussichten einer "Fürsprache"
durch die Heiligen zurück. "Ein Muslim lebt in einer Welt ohne Klerus und
ohne religiöse Hierarchie; wenn er betet, betet er nicht über Jesus, Maria oder
andere vermittelnde Heilige, sondern direkt zu Gott – als ein vollständig
emanzipierter Gläubiger – und das ist eine Religion frei von Mysterien."
Gemäß Hofmann ist ein Muslim der emanzipierte Gläubige par excellance."
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Wilfried Hofmann, Deutscher Soziologe und Diplomat (teil 2 von 2)
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Beschreibung: Die Geschichte wie ein deutscher Diplomat und Botschafter in Algerien den Islam annimmt. Teil 2.
von Wilfried Hofmann
Veröffentlicht am 08 Jun 2009 - Zuletzt verändert am 08 Jun 2009
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Kategorie: Artikel
> Geschichten von neuen Muslimen
> Persönlichkeiten
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“Ich begann, den Islam mit meinen
eigenen Augen zu sehen, als den unverfälschten, reinen Glauben an den Einen und
Einzigen, den Wahren Gott, Der nicht zeugt und nicht gezeugt wurde, Dem nichts
und niemand ähnelt... Anstelle des qualifizierten Deismus eines Stammesgottes
und der Konstruktionen einer göttlichen Trinität zeigte mir der Qur´an das
einleuchtendste, geradlinigste, abstrakteste – und deshalb historisch
fortschrittlichste – und am wenigsten anthropomorphische Konzept von Gott.”
“Die ontologischen Feststellungen des Qur´an ebenso wie seine
ethischen Lehren beeindruckten mich, da sie grundsätzlich plausible waren,
"so gut wie Gold", da gab es keinen Platz auch nur für den geringsten
Zweifel an der Glaubwürdigkeit über die prophetische Mission Muhammads. Menschen,
die die menschliche Natur verstehen, werden nicht umhin können, die unendliche
Weisheit der Gebote und Verbote des Islams, die Gott dem Menschen mit dem
Qur´an ausgehändigt hat, zu schätzen.”
Für den nahen 18ten Geburtstag
seines Sohnes im Jahr 1980 bereitete er ein zwölfseitiges Manuskript vor, das
die Dinge enthielt, die er aus philosophischer Sicht für unfragwürdig wahr
hielt. Er bat einen muslimischen Imam in Köln mit dem Namen Muhammad Ahmad
Rassoul, einen Blick auf das Werk zu werfen. Nachdem er es gelesen hatte,
bemerkte Rassoul, dass wenn Dr. Hofmann glaubte, was er da geschrieben habe,
dann sei er Muslim! Das wurde dann auch wenige Tage darauf der Fall, als er
erklärte: "Ich bezeuge, es gibt keine (wahre) Gottheit ausser Gott, und
Muhammad ist der Gesandte (Prophet) Gottes". Das war am 25.
September 1980
Dr. Hofmann setzte seine
berufliche Karriere als deutscher Diplomat und NATO Offizier noch fünfzehn
Jahre lang fort, nachdem er Muslim geworden war. “Ich erfuhr keinerlei
Diskriminierung in meinem Berufsleben" sagte er. 1984, dreieinhalb Jahre
nach seiner Konvertierung, zeichnete ihn der deutsche Bundespräsident Dr. Carl
Carstens mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland aus. Die
deutsche Regierung verteilte sein Buch: "Tagebuch eines deutschen
Muslim" an alle Auslandsbotschaften in den muslimischen Ländern als
analytisches Hilfsmittel. Berufliche Pflichten hielten ihn nicht davon ab,
seine Religion zu praktizieren.
Der frühere Rotweinkenner lehnte
nun höflich jegliche Angebote, Alkohol zu trinken, ab. Als Außenminister hatte
er gelegentlich Essen für ausländische Gäste zu organisieren. An derartigen
Essen nahm er im Ramadhan mit einem leeren Gedeck vor sich teil. Im Jahr 1995
zog er sich freiwillig aus dem Außenministerium zurück, um sich dem Islam zu
widmen.
Als er die schlechten Einflüsse
diskutiert, die der Alkohol auf das individuelle und gesellschaftliche Leben
besitzt, erwähnte Dr. Hofmann ein Ereignis aus seinem eigenen Leben, das durch
Alkohol hervorgerufen wurde. Während seiner Kollegejahre in New York, reiste
er 1951 einmal von Atlanta nach Mississippi. Als er in Holy Spring,
Mississippi, war, erschien plötzlich vor seinem Wagen ein Fahrzeug, das
offensichtlich von einem betrunkenen Fahrer gefahren wurde. Es passierte ein
schwerer Unfall, der ihn neunzehn Zähne kostete und seinen Mund verunstaltete.
Nachdem er sein Kinn und seine
Hüfte einem chirugischen Eingriff unterzogen hatte, tröstete ihn der Chirurg,
indem er sagte: "Unter normalen Umständen überlebt keiner einen solchen
Unfall. Gott hat etwas besonderes mit dir vor, mein Freund." Als er nach
der Entlassung aus dem Krankenhaus mit seinem "Arm in einer Schlinge,
einem bandagierten Knie, einer jodverfärbten, zusammengenähten unteren
Gesichtshälfte" durch Holy Spring humpelte, fragte er sich, was der Arzt
mit seiner Bemerkung gemeint haben konnte.
Eines Tages kam er darauf, aber
sehr viel später. "Schließlich, dreißig Jahre später, an dem Tag, an dem
ich meinen Glauben an den Islam bezeugt hatte, wurde mir die wahre Bedeutung
meines Überlebens deutlich bewußt!"
Eine Stellungnahme zu seiner
Konversion:
“Seit einiger Zeit habe ich nun versucht, um Präzision und Kürze
bemüht, auf systematische Weise alle philosophischen Wahrheiten zu Papier zu
bringen, die meiner Ansicht nach ohne vernünftige Zweifel in Erfahrung gebracht
werden können. Im Verlauf dieser Bemühungen wurde mir klar, dass die typische
Art eines Agnostikers keine intelligente ist; dass Mann einer Entscheidung für
den Glauben nicht entfliehen kann; dass das Geschaffensein von allem, was um
uns herum existiert, offensichtlich ist; dass der Islam zweifellos die größte
Harmonie mit der Wirklichkeit darstellt. Da wurde mir klar, nicht ganz ohne
Schock, dass ich Schritt für Schritt in mir selbst und ohne es zu bemerken, zu
einem Muslim gewachsen war. Nur der letzte Schritt musste noch vollzogen
werden: meine Konversion zu formulieren.
So bin ich heute ein Muslim. Ich
bin angekommen.
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