"Born To Be Free"? (teil 1 von 2): Freiheit, ein unschätzbares Geschenk
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Beschreibung: Eine kleine Übersicht, wieviel Freiheit wir wirklich über uns selbst und unser Leben haben.
von Ruqaiyyah Waris Maqsood
Veröffentlicht am 16 Feb 2009 - Zuletzt verändert am 25 Sep 2011
Gesehen: 3662 (Tagesmittelwerte: 3) - Bewertung: 5 von 5 - Bewertet von: 2 Gedruckt: 273 - Emailed: 0 - Kommentiert am: 0
Kategorie: Artikel
> Gottesdienst und Leben
> Islamische Sitten und Gebräuche
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“Der freie Wille ist
von den Geschenken Gottes das am schwierigsten zu verstehende und anzuwendende.
Die Person, welche die selbstsüchtige Freiheit aufgibt und damit einverstanden
ist, Gottes Diener zu sein, wird immer wahrhaftig frei sein.”
Freiheit
ist eines der wertvollsten Dinge, die es gibt, obwohl die meisten von uns keine
Vorstellung davon haben, wie kostbar sie ist, bis wir unter ihrem Verlust zu
leiden haben. Sie wird als ein Grundrecht des Menschen betrachtet und jemandem
dieses Recht ohne rechtmäßigen Grund zu verweigern, ist eine schwere Sünde. Wir
alle denken gerne, dass wir frei sind und dass wir den freien Willen haben,
wenn wir uns im Leben für etwas entscheiden – aber lass uns mal kurz über die
Realität dieser Situation nachdenken. Sind wir tatsächlich geboren, um frei zu
sein? Und wenn ja, dann auf welche Art? Was bedeutet das für uns?
Die Menge Freiheit, die wir tatsächlich
haben, ist weit begrenzter, als uns vielleicht bewusst ist. Lass uns mit einfachen
Beispielen anfangen, die wir alle verstehen können; Dinge, die unsere Körper
betreffen. Wieviel Freiheit besitzen wir über unser Gähnen oder unser Niesen
oder unser Schwitzen oder unser Bluten oder unser Atmen oder unser Verdauen
oder unser Ausscheiden? Wieviel Freiheit haben wir über das, was wir sehen
oder hören oder fühlen können oder wie wir unsere Muskeln und Glieder zum
Arbeiten bewegen? Ich pflegte immer zum Bus zu rennen und auf Berge zu steigen
– aber egal, wie sehr ich darauf bestehe, dass ich auch jetzt noch die Freiheit
dazu besitze, dies zu tun, ich kann es nicht. Ich kann nicht einmal aufstehen;
wenn ich lange Zeit getippt habe, werden meine Beine so steif, dass ich es
einfach nicht kann. Ich habe überhaupt keine Kontrolle darüber, was innerhalb
meines Körpers passiert - wie meine Nieren Stoffe ausscheiden oder woher sie
genau wissen, was noch gebraucht wird und was nicht. Ich habe keine
Vorstellung davon, was mein Herz schlagen lässt oder wann es damit aufhören
wird. Ich kann mir nicht aussuchen, ob ich speichele oder uriniere, ob mein
Blut gerinnt, meine Zellen sich vermehren oder ob ich alt werde und mich
zersetze!
Und denk nur an die Menschen, mit denen
ich verwandt bin. Ich hatte nicht die Freiheit, meine Eltern oder Großeltern
auszuwählen, oder meine Brüder und Schwestern. Ich konnte mir nicht meine Gene
aussuchen. Ich versuchte es, als ich selbst Kinder bekam, aber es hat nicht so
funktioniert, wie ich es erwartet hatte. Und ich hatte keine Vorstellung
davon, welches Geschlecht meine Kinder haben würden oder wie sie sein würden. Manche
Leute meinen, es sei nur eine Frage der Zeit, bis wir mit Hilfe der Genetik in
der Lage sein werden, Kinder nach Wunsch zu produzieren, aber dann wird diese
kleine produzierte Person – natürlich – auch nicht die Freiheit darüber haben,
zu bestimmen, wie oder was er oder sie gern sein will. Wenn du also über all
dies nachdenkst – scheint es tatsächlich nicht gerade so, als hätten die
Menschen sehr viel Freiheit, oder?
Und der Glaube an die Freiheit des
menschlichen Geistes ist einer der Schlüssel, die Gott zu allen Zeiten
offenbart hat. Der Islam klärt uns darüber auf, dass dies etwas ist, das Gott
den Menschen gewährt hat, aber Er gewährte es nicht den Engeln. Wir können uns
unseren Körper nicht aussuchen, aber wir müssen selbst auswählen, wie unsere
Seele sich verhält. Was Gott von uns verlangt, ist, uns selbst unter Kontrolle
zu bekommen und eine bestimmte Wahl zu treffen und uns auf eine bestimmte Art
und Weise zu verhalten – aber Er zwingt uns nie dazu. Wir brauchen nicht
einmal an Ihn zu glauben und wir können uns aussuchen, Ihn zu ignorieren oder
ihm ungehorsam zu sein. Millonen von Menschen tun dies.
Aber wir sind eben keine programmierten
Roboter. Wir reagieren nicht auf dieselbe Weise auf unterschiedliche
Situationen; einige von uns sind selbstsüchtiger, großzügiger, verzeihender,
hilfsbereiter und kooperationsbereiter als andere. Aber wir müssen es nicht
sein. Wenn wir eine alte Dame sehen, die sich auf der Straße mit schweren
Paketen abplagt, können wir uns aussuchen, ob wir ihr helfen, ob wir sie
niederschlagen und ihre Pakete stehlen, ob wir so tun, als würden wir sie nicht
sehen oder ob wir sie beschimpfen und wegrennen. Dies führt uns zu
interessanten Überlegungen. Wir können uns damit beschäftigen, uns
auszudenken, was irgendein bestimmtes Individuum mit der alten Dame mit den
Paketen anfangen könnte. Aber wir alle haben ein Gefühl dafür, was man tun
"müsste"; wir denken, wir wissen, welche Tat eine gute Person, eine
religiöse Person, eine vernünftige Person tun sollte.
Immer wenn wir sagen, dass eine Person etwas
tun müsste, nehmen wir an, dass diese Person eigentlich frei und in der Lage ist,
es zu tun. Es wäre ziemlich sinnlos zu sagen, jemand sollte ihr helfen, die
beispielsweise im Gefängnis eingesperrt ist oder der nicht bei Bewußtsein ist
oder der in einem fernen Land lebt. ‘Müsste’ impliziert ‘kann’. Nun, wenn
Gott alles tun kann, was Er will, dann würde es Ihm offensichtlich auch
durchaus möglich sein, unseren Verstand und unsere Wahl zu beeinflussen. Dies
ist eine Angelegenheit, die in den Fähigkeiten der Menschen selbst liegt, und
es wäre Gott ein Leichtes. Die Tatsache allerdings, dass Er den Menschen
gestattet, sich auszusuchen, nicht an Ihn zu glauben, und nicht zu tun, was Er
will, zeigt schließlich, dass Gott den Verstand der Menschen nicht
robotisiert.
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"Born To Be Free"? (teil 2 von 2): Was Gott von uns will
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Beschreibung: Eine islamische Sicht des Schicksals und wie Muslime diese Vorstellung in ihren Leben unterbringen.
von Ruqaiyyah Waris Maqsood
Veröffentlicht am 23 Feb 2009 - Zuletzt verändert am 23 Feb 2009
Gesehen: 3414 (Tagesmittelwerte: 3) - Bewertung: 5 von 5 - Bewertet von: 2 Gedruckt: 284 - Emailed: 0 - Kommentiert am: 0
Kategorie: Artikel
> Gottesdienst und Leben
> Islamische Sitten und Gebräuche
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Jeder Prophet, Abraham, Moses, Jesus und Muhammad eingeschlossen,
lehrte die Menschen, dass wenn sie aus Gottesglauben und Gehorsamkeit Gott
gegenüber eine Wahl treffen, dann wird diese einen sehr großen Unterschied auf
den endgültigen Ausgang ihrer Angelegenheiten haben. Menschen besitzen die
gewaltigen Fähigkeiten, zu lieben und freundlich zu sein, oder zu hassen und zu
zerstören. Dies bedeutet, obwohl sie alle mit Seelen von gleicher Wertigkeit
geboren wurden, bleiben sie doch nicht gleich. Der freie Wille ist in
Wirklichkeit das am schwierigsten zu verstehende und anzuwendende Geschenk
Gottes. Der Sinn des freien Willens ist, der menschlichen Moral eine Bedeutung
zu geben – ohne so etwas wie gutes oder schlechtes Verhalten wären wir einfach
nur Automaten.
Wenn wir nicht wirklich eine freie Auswahl
treffen könnten, dann könnte das Gericht nicht über uns gehalten werden – das
wäre dann absolut ungerecht. Immer wenn Menschen keine freie Wahl treffen
können, dann können sie nicht zur Verantwortung gezogen werden. Aischa
berichtete, dass der Prophet, Gottes Segen und Frieden seien auf ihm, erklärt
hat, dass jene, deren Freiheit oder deren Verstand eingeschränkt ist,
beispielsweise weil sie zu jung oder zu unwissend sind oder weil ihr seelisches
Gleichgewicht gestört ist – nicht für ihre Taten zur Verantwortung gezogen
werden können, sei es vor einem Gericht der Schari´ah (oder einem deutschen
Gericht) oder am Tag des Gerichts.
Was also hat es mit dem muslimischen
Konzept von al-Qadr auf sich, der Doktrin von der vollständigen und
endgültigen Kontrolle Gottes über die Erfüllung der Ereignisse oder des
Schicksals? Wie kann man die Vorstellung davon, dass Gott absolut alles weiß
mit der des freien Willens in Übereinstimmung bringen? Wenn Gott bereits alles
zuvor schon weiß, das passieren wird, dann muss doch wohl das gesamte Leben
einer Person vorherbestimmt sein? Desweiteren wenn Gott nicht eingreift, um
bestimmte Dinge, die geschehen, zu stoppen, dann könnte man sagen, Er sei
dafüer verantwortlich. Dies steht mit dem Problem des Bösen in Verbindung.
Wer ist für das Böse verantwortlich, wenn Gott ultimativ für alles
verantwortlich ist? Ein Dieb könnte plädieren, er sei unschuldig, weil es ihm
sicherlich vorherbestimmt war, zu stehlen, und wie könnte es dann sein Fehler
sein?
Viele Menschen denken, Muslime seien
Fatalisten, die glauben, weil ja schließlich sowieso ´alles vorgeschrieben´ ist
und Gott alles vorher weiß – deshalb muss alles schon vorherbestimmt sein. Kein
menschliches Gehirn war tatsächlich in der Lage, dieses Problem gänzlich zu
entwirren – und meines ganz bestimmt nicht – aber die Tatsache, dass Gott
Gesandte mit Offenbarungen geschickt hat, zeigt eindeutig, dass von den
Menschen erwartet wird, zu hören und dann eine Wahl zu treffen und ihre Leben
entsprechend auszurichten. (Quran 6:91; 23:73). Gott hat offenbart:
“Gewiß, Gott ändert die Lage eines Volkes nicht,
ehe sie nicht selbst das ändern, was in ihren Herzen ist.” (Quran 13:11)
Dies zeigt ganz deutlich, dass Menschen
die Macht besitzen, durch ihren freien Willen etwas zu verändern und diese
Entscheidungen verändern ihr Schicksal. Es muss wahr sein, dass Gott alles und
jede Möglichkeit kennt aber die Menschen nicht. Wenn sich ein Mensch daher für
eine bestimmte Sache entscheidet, dann wird diese bestimmte Sache zu einem
bestimmten Schluss führen. Wenn der Mensch einen anderen Verlauf der Handlung
wählt, dann wird der Ausgang und der Schluss ein anderer sein. Wenn du
beschließt, eine ganze Packung Schmerztabletten zu schlucken, wirst du heute
nachmittag sterben; aber wenn du dich entschließt, nur zwei zu nehmen, könnte
es gegen deine Migräne helfen und du könntest noch hundert werden. Gott kennt
alle möglichen Ausgänge, aber Er überlässt dir die Wahl. Wir können das nicht
verstehen, aber Gott kann es – Seine ´Intelligenz´ ist millionenmal größer und
völlig anders als unsere.
Die wirkliche Wahrheit liegt im Bereich
von al-Ghayb [Dinge, die außerhalb der menschlichen Vorstellungskraft
liegen]. Alles, was Gläubige tun können, ist, um Rechtleitung auf unserem
Lebensweg zu bitten. Wir können vielleicht den Weg in der Ferne nicht
erkennen, aber wir können Gott bitten, dass Er uns den nächsten Schritt zeigt,
einen Schritt nach dem anderen. Wenn es den Menschen nicht möglich wäre,
auszuwählen, weil ihre Zukunft und ihr Schicksal bereits feststände, dann wäre
Gott nicht nur ungerecht, sondern es würde für uns keinen Sinn machen, auch nur
zu versuchen, ein gutes Leben zu führen. Fatalismus führt zu
Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit, Miesmacherei und würde de Menschen daran
hindern, sich anzustrengen, um sein eigenes Los oder das der anderen zu
verbessern.
Was will Gott von uns? Er will, dass wir
glücklich und erfolgreich sind. Er will, dass wir die wahre Freiheit finden.
Wenn wahre Freiheit glücklich sein lässt, dann scheinen die Dinge so zu sein,
wie die meisten Leute denken. Ich könnte sehr glücklich damit sein, jede Woche
ein Verhältnis mit einem anderen Partner zu haben oder wenn ich mich mit
leckerem aber ungesundem Essen vollstopfe oder wenn ich ein Vermögen für
Schmuck oder Pop CDs ausgeben würde oder wenn ich rauchen würde oder abends
lange wegbleiben und meine Eltern ängstigen würde oder unangenehme Arbeiten
oder Hausaufgaben meiden könnte oder oder wenn ich über meine Feinde lachen
könnte oder wenn ich eine Menge Geld unehrenhaft verdienen würde oder wenn ich
berühmt wäre und von vielen Menschen bewundert würde. Sind dies die Dinge, die
die Menschen glücklich machen?
Wie einfach wäre es, wenn es so wäre. Es
ist für den Satan so leicht, die Menschen irrezuführen – der Weg zum Verderben
ist so verlockend und angenehm. Aber halt, denk mal nach. Viele der reichsten
und mächtigsten Menschen auf der Welt sind die Einsamsten. Menschen, die sich
vollstopfen, leiden unter allen Problemen und dem Elend des Übergewichts.
Diejenigen, die faul sind und das Lernen und Üben in ihrer Jugend meiden,
werden später aufwachen und feststellen, dass sie ihre Leben vergeudet haben. Raucher,
die zufrieden hinter Fahrradständen paffen, werden jung an Krebs oder
Herzversagen sterben – zum großen Kummer derjenigen, die sie lieben. Menschen,
die häufig Wechselbeziehungen eingehen, enden normalerweise mit einem
Herzinfarkt und die Kinder, die daraus entstehen, werden vernachlässigt, in
Stich gelassen (von den jungen Vätern) oder durch Abtreibung getötet (von den
jungen Müttern).
Wahres Glück ist, das zu erkennen, was
Gott uns für diese kurze Zeit verliehen und in Gewahrsam gegeben hat – unsere
Körper, unsere Familien, unsere Fähigkeiten, unsere Einfühlsamkeit anderen
gegenüber. Dies bedeutet nicht, frei zu sein, um uns unseren Wünschen und
Gelüsten hinzugeben, denn, wie wir nur zu gut wissen, werden diese Dinge uns
und andere auf die Dauer nur verletzen. Aber genau hier kommen wir darauf –
derjenige, der diese Art selbstsüchtiger Freiheit aufgibt und damit
einverstanden ist, Gottes Diener zu sein, der ist wirklich immer frei. Er wird
wissen, dass er immer sein Bestes getan hat; sein Gewissen ist rein; sein
Inneres ist zufrieden und voller Hoffnung und er wird nie der Sklave seines
Egos, einer anderen Person oder Sache sein.
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