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Teil 2.
Nach der fünften Kategorie kann ein Hadith
auch anhand der Natur seines Textes und des Isnads klassifizert werden.
Gemäß Al-Schafi’i ist ein Hadith schadh oder “unregelmäßig”, wenn der
von einer vertrauenswürdigen Person überlieferte Hadith der Überlieferung einer
anderen, vertrauenswürdigeren Person widerspricht. Gemäß Ibn Hajar wird ein
Hadith als munkar (“kritisiert”) eingestuft, wenn die Überlieferung von
einem schwachen Überlieferer einem authentischen Hadith widerspricht, obwohl
andere Gelehrte jeden Hadith eines schwachen Überlieferers als munkar einstufen
würden. Ein Hadith wird ebenfalls als munkar eingestuft, wenn sein Text
allgemeinen Aussagen des Propheten widerspricht. Wenn ein Hadith, der von
einer aufrichtigen Person überliefert wird, einige zusätzliche Informationen
enthält, von denen die anderen authentischen Quellen nicht sprechen, werden
diese Zusätze angenommen, solange sie ihnen nicht widersprechen und der Zusatz
ist als ziyadatu thiqah (“ein Zusatz von einem Aufrichtigen”) bekannt. Wenn
allerdings ein Überlieferer etwas zu dem überlieferten Hadith hinzufügt, dann
wird der Hadith als mudraj oder “verfälscht” eingestuft. Wenn dies bei
einem Hadith auftaucht, dann gewöhnlich bei seinem Text und häufig zur
Erklärung eines schwierigen Wortes. Bei einigen wenigen Beispielen tritt dies
beim Isnad auf – ein Überlieferer nimmt einen Teil eines Isnads
und fügt ihn einem anderen Isnad hinzu. Ein Überlieferer, bei dem die
Gewohnheit absichtlicher idraj oder Verfälschungen gefunden wird, wird
gewöhnlich als Lügner betrachtet, obwohl Gelehrte mit solchen Überlieferern,
die es tun, um ein schwieriges Wort zu erklären, milder umgehen (Hasan 37-39).
In der sechsten Kategorie werden Hadithe,
die in ihren Isnads oder in ihren Texten verborgene Fehler enthalten,
als ma’uuol oder mu’allal (“fehlerhaft”) eingestuft. Dies könnte
passieren, wenn ein Hadith als musnad eingestuft wurde, obwohl er
eigentlich mursal ist oder wenn ein Hadith einem bestimmten Gefährten zugeordnet
wurde, während er eigentlich von einem anderen stammt. Um derartige Fehler zu
entdecken, wurden alle Isnads eines Hadith gesammelt und untersucht. Zum
Beispiel:
“Einige Gelehrte schrieben Bücher darüber,
welche Nachfolger Hadithe von welchen Gefährten gehörte haben. Durch diese
Informationen wissen wir, dass Al-Hasan Al-Basri nicht Ali getroffen hatte,
obwohl es eine kleine Chance gegeben haben könnte, dass er ihn während seiner
Kindheit in Medina gesehen haben könnte. Dies ist bedeutsam, denn viele
Sufi-Traditionen gehen angeblich auf Al-Hasan Al-Basri zurück, von dem gesagt
wird, er habe sie direkt von Ali berichtet ” (Hasan 42-43)
Es kann auch Unsicherheit über den Isnad
oder den Text bestehen, in deren Fall der Hadith als mudtarib (“wackelig”)
eingestuft wird. Dies tritt auf, wenn Überlieferer sich über manche Punkte in
den Isnads oder im Text in solchem Maße nicht einig sind, dass keine
Ansicht überwiegt. Ein Hadith kann als maqluub (“verändert” oder “verdreht”)
wenn im Isnad ein Name vertauscht wurde (d.h. Ka’b b. Murra versus Murra
b. Ka’b) oder wenn die Anordnung der Sätze vertauscht wurde (Azami 66). Dies
kommt auch bei den Hadithen zur Anwendung, deren Texten ein anderer Isnad
zugeordnet wurde oder umgekehrt oder auf diejenigen, in denen der Name eines
Überlieferers durch einen anderen ersetzt wurde (Hasan 41-42).
Die siebte und letzte Kategorie, die hier
besprochen werden soll, ist die Einstufung nach der Qualität der Überlieferer,
von der die abschließende Beurteilung einer Hadithkritik abhängt. Hadithe von
denjenigen, die als adil, hafiz, thabit und thiqa bekannt
sind, sind die Hadithe mit dem höchsten Rang und werden als sahieh oder
“gesund” eingestuft. Denn jemand, der als adil betrachtet wird, muss
ein sehr frommer Muslim sein, ehrlich und zuverlässig in allen seinen Taten. Durch
sorgfältigen Vergleich, verbale Übereinstimmung in den Hadithtexten
verschiedener Überlieferer zeigte sich, wer die genauesten (thabit) und die
glaubwürdigsten (thiqa) waren und wer das beste Gedächtnis besaß (hafiz).
Wenn ein Gelehrter in einer oder mehreren Kategorien diesem Ideal nicht
entspricht, aber nicht kritisiert wird, dann werden die Hadithe, die von ihm
überliefert werden, als weniger gesund oder hasan (“gerecht”) bezeichnet.
Wenn ein Überlieferer dafür bekannt ist, ein schwaches Gedächtnis zu haben oder
aus Unachtsamkeit Fehler zu machen, dann werden seine Hadithe als da’ief
(“schwach”) beurteilt (Burton 110-111).
Natürlich gibt es noch andere Faktoren,
die in die abschließende Beurteilung des Hadith miteinfließen und nach den
Worten von Ibn Al-Salah: “Ein sahih Hadith ist einer, der einen
kontinuierlichen Isnad besitzt, von Überlieferern mit vertrauenswürdigem
Gedächtnis von ähnlichen Autoritäten stammt und der für frei von jeglichen
Unregelmäßigkeiten (im Text) oder Fehlern (im Isnad) befunden wird.” Nach
Al-Tirmidhi ist ein hasan Hadith: “Ein Hadith, der nicht schadhdh ist,
keinen herabgewürdigten Überlieferer in seinem Isnad enthält, und der
mit mehr als einer Route der Überlieferung berichtet wird ” (Hasan 44-46). Ein
Hadith, der die Erfordernisse für einen hasan Hadith nicht erfüllt, wird
als da’ief eingestuft und oft ist das aufgrund des Isnad. Er
kann auch als da’ief eingestuft werden, wenn einer der Überlieferer kein
gutes Ansehen hat, aus welchem Grund auch immer, sei es weil er Fehler macht oder
weil er nicht ehrlich ist. Wenn die Fehler viele und schwerwiegende sind, dann
wird der Hadith eher als mawdu’ oder „erfunden“ eingestuft. Gemäß Al-Dhahabi
ist der mawdu’ Hadith der, dessen Text gegen die Normen verstößt, die
der Prophet in seinen Aussagen aufgestellt hat oder dessen Isnad einen
Lügner enthält. Ein Hadith kann auch als mawdu’ eingestuft werden
aufgrund “externer Beweise in Verbindung mit einer Diskrepanz in den Daten oder
Zeiten eines bestimmten Ereignisses” (Hasan 49).
Schließlich bilden die zuvorgenannten
Klassifizierungen nur einen Teil der ganzen Klassifizierungen, die existieren.
Die Hadithstudien sind sehr komplex und es scheint so, dass die Gelehrten an
jeden vorstellbaren Winkel gedacht haben, aus dem der Hadith zu analysieren
ist. All dies diente dem Zweck, zwischen den unterschiedlichen Arten der
Überlieferungen zu unterscheiden insbesondere um die authentischen von den
nicht authentischen zu trennen.
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