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Jerald F. Dirks, Priester der Vereinigten Methodistenkirche, USA (teil 1 von 4)
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Beschreibung: Das frühe Leben und die Ausbildung des "Harvard Hollis" Gelehrten und Autor des Buches “The Cross and the Crescent” (Das Kreuz und der Halbmond), desillusioniert vom Christentum durch die an der Schule für Theologie erlernten Informationen. Teil1.
von Jerald F. Dirks
Veröffentlicht am 29 Sep 2008 - Zuletzt verändert am 29 Sep 2008
Gesehen: 1822 (Tagesmittelwerte: 4) - Bewertung: noch keiner - Bewertet von: 0 Gedruckt: 158 - Emailed: 0 - Kommentiert am: 0
Kategorie: Artikel
> Geschichten von neuen Muslimen
> Priester und Theologen
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Eine meiner frühesten
Kindheitserinnerungen ist das Läuten der Kirchenglocke für den Gottesdienst am
Sonntagmorgen in der kleinen ländlichen Stadt, in der ich aufgewachsen bin. Die
Methodistenkirche hatte eine alte hölzerne Konstruktion mit einem Glockenturm,
zwei Klassenräumen für die Sonntagsschule, gemütlich hinter hölzernen Türen,
die sie vom Altarraum trennten, und einem Orgelchor, der die Räume für die
Sonntagsschule der älteren Kinder beherbergte. Sie stand weniger als zwei
Häuserblocks von meinem Zuhause entfernt. Wenn die Glocke läutete, kamen wir
als Familie zusammen und pilgerten wie jede Woche zur Kirche.
In diesem ländlichen Wohngebiet in
den 50ern bildeten die drei Kirchen der 500 Einwohnerstadt das Zentrum des
Gemeinschaftslebens. Die örtliche Methodistenkirche, der meine Familie
angehörte, veranstaltete gemeinschaftliche Eiscreme-Tage mit handgerührter und
hausgemachter Eiscreme, Chicken Potpie Dinner und Getreidebratlingen. Meine
Familie und ich waren immer mit eingebunden, aber jedes kam nur einmal im Jahr
vor. Zusätzlich gab es im Juni immer eine zweiwöchige Gemeinschafts-Bibelschule,
deren regelmäßiger Teilnehmer ich bis zur achten Klasse war. Allerdings waren
der Gottesdienst am Sonntagmorgen und die Sonntagsschule wöchentliche
Ereignisse und ich war bestrebt, meine Sammlung an Pins für vollständige
Teilnahme und Auszeichnungen für das Auswendiglernen von Bibelversen zu
vermehren.
In meiner Junior Highschool Zeit
war die örtliche Methodistenkirche geschlossen und wir besuchten die
Methodistenkirche in der Nachbarstadt, die nur wenig größer war als die Stadt,
in der wir lebten. Dort begannen meine Gedanken zuerst um das Priesteramt zu
kreisen. Ich wurde in der Methodistenjugend aktiv und diente mal als Distrikt-
und mal als Konferenzofficer. Ich wurde auch zum ordentlichen
"Prediger" während des jährlichen Youth Sunday Service. Meine
Predigten begannen, weite Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und bald predigte
ich gelegentlich auch auf der Kanzel anderer Kirchen, in einem Genesungsheim
und bei verschiedenen kirchennahen Jugend- und Damengruppen, wo ich
kennzeichnende Teilnehmerrekorde aufstellte.
Im Alter von 17, als ich mein
Anfängerjahr am Harvard College begann, hatte sich meine Entscheidung,
Geistlicher zu werden, gefestigt. Während meines Anfängerjahres belegte ich
einen zwei Semester dauernden Kurs über vergleichende Religionen, der von Wilfred
Cantwell Smith gehalten wurde, dessen besonderes Fachgebiet der Islam war.
Während des Kurses spendete ich dem Islam weitaus weniger Aufmerksamkeit als
anderen Religionen, wie dem Hinduismus und Buddhismus, denn die letzteren
erschienen mir esoterischer und fremder zu sein. Im Gegensatz dazu schien mir
der Islam meinem eigenen Christentum irgendwie zu ähneln. Daher konzentrierte
ich mich nicht so sehr darauf, wie ich es wahrscheinlich hätte tun sollen,
obgleich ich mich daran erinnern kann, für den Kurs ein Referat über das
Konzept der Offenbarung im Qur´an geschrieben zu haben. Nichtsdestotrotz, da
es sich bei diesem Kurs um einen nach strengen akademischen Standards und
Vorschriften handelte, erwarb ich eine kleine Bibliothek von einem halben
Dutzend Büchern über den Islam, alle von Nicht-Muslimen verfasst, und alle von
ihnen sollten mir gut 25 Jahre später nützlich sein. Ich erwarb auch zwei
unterschiedliche Übersetzungen der Bedeutung des Qur´an, die ich zu jener Zeit
las.
In jenem Frühling nannte mich
Harvard einen "Hollis Scholar", was bedeuten sollte, dass ich einer
der besten, angehenden Vor-Theologie-Studenten am College war. Den Sommer
zwischen meinem Anfängerjahr und meinem 2. Sudienjahr verbrachte ich als
Jugendpriester an einer ziemlich großen Vereinigten Methodistenkirche. Im
folgenden Sommer erhielt ich von der Vereinigten Methodistenkirche die Lizenz, zu
predigen. Nachdem ich das Harvard College 1971 abgeschlossen hatte, schrieb
ich mich in der Harvard Divinity School ein und dort erhielt ich 1974 meinen
"Master of Divinity"-Grad, nachdem ich zuvor 1972 in das Diakonat der Vereinigten Methodistenkirche eingetreten war und ein Steward Stipendium von
der Vereinigten Methodistenkirche zusätzlich zu meinem Harvard Divinity School
Stipendium erhalten hatte. Während meiner Ausbildung im Priesterseminar
absolvierte ich ein zweijähriges Programm als Krankenhauskaplan am Peter Bent
Brigham Hospital in Boston. Nach dem Abschluss von der Harvard Divinity School
verbrachte ich den Sommer als Priester zweier Vereinigten Methodistenkirchen im
ländlichen Kansas, deren Besucherzahlen derart in die Höhe schnellten, wie seit
Jahren nicht.
Äußerlich betrachtet, war ich ein
vielversprechender junger Priester, der eine exzellente Ausbildung erhalten
hatte, große Menschenmengen am Sonntagmorgen in die Kirche lockte und der bei
jeder Stelle seines geistlichen Werdegangs erfolgreich war. Allerdings, aus
meiner Sicht, kämpfte ich einen anhaltenden Krieg, um meine persönliche
Integrität angesichts meiner priesterlichen Verantwortlichkeiten zu bewahren. Dieser
Kampf war weit entfernt von denen, die vermutlich einige spätere
Televangelisten kämpften, in dem erfolglosen Versuch persönliche Sexualmoral
aufrechtzuerhalten. Demgemäß war es auch ein ganz anderer Kampf als ihn jene
kämpfen, die Schlagzeilen füllenden, pädophilen Priester gerade jetzt. Mein
Bestreben, meine persönliche Integrität zu behalten, dürfte der alltäglichste
sein, der sich den besser ausgebildeten Mitgliedern des Pristeramts entgegenstellt.
Es liegt einige Ironie in der
Tatsache, dass die vermutlich besten, leuchtendsten und idealistischsten
zukünftigen Priester ausgewählt werden, für die beste Ausbildung, d.h. die zur
Zeit an der Harvard Divinity School geboten wird. Die Ironie ist, dass der
Seminarteilnehmer so viel historischer Wahrheit ausgesetzt wird, wie bekannt
ist:
1) die Formierung der
frühen Kirche, und wie sie durch geopolitische Betrachtungen gestaltet worden
ist;
2) der
"ursprüngliche" Wortlaut verschiedener Bibeltexte, von denen viele
einen starken Kontrast zu dem bilden, was die meisten Christen lesen, wenn sie
ihre Bibel aufschlagen, obgleich manche dieser Informationen nach und nach in
neueren und besseren Übersetzungen aufgenommen worden sind;
3) die Entwicklung
derartiger Konzepte, wie die "Dreieinige Gottheit" und die "Gottessohnschaft"
Jesu´, Gottes Segen und Friede sei mit ihm:
4) nicht-religiöse
Betrachtungen unterliegen vielen christlichen Glaubensgrundsätzen und
Doktrinen;
5) die Existenz jener
frühen Kirchen und christlichen Bewegungen, die nie das Konzept der Dreieinigkeit
und die Vorstellung von der Göttlichkeit Jesu´ angenommen haben; und
6) etc. (Einige dieser
Früchte meiner Ausbildung im Priesterseminar sind in meinem letzten Buch
"The Cross and the Crescent: An Interfaith Dialogue between Christianity
and Islam", Amana Publications, 2001 detaillierter beschrieben.)
An sich ist es kein wirkliches
Wunder, dass die Mehrheit der Absolventen derartiger Seminare dieses nicht
verlassen, um in die Kanzel zu steigen, wo sie das Predigen müssen, von dem sie
genau wissen, dass es nicht der Wahrheit entspricht, sondern andere Wege
einschlagen. Dies war auch bei mir der Fall, so dass ich zunächst den Magister
und dann den Doktorgrad in klinischer Psychologie errang. Ich nannte mich
weiterhin einen Christ, denn ich brauchte ein wenig Identität und nach alledem
war ich ein ordentlicher Priester, trotz meines Vollzeitberufs als
freiberuflicher Psychotherapeut. Allerdings hat meine Ausbildung im
Priesterseminar mir jeglichen Glauben, den ich in bezug auf die Dreieinigkeit oder
die Göttlichkeit Jesu´, Gottes Segen und Friede sei mit ihm, gehabt haben mag,
genommen. (Befragungen zeigen immer wieder, dass Priester weitaus weniger an
diese und andere Doktrinen der Kirche glauben, als die Laien, denen sie
predigen. Priester verstehen Begriffe, wie "Sohn Gottes"
metaphorisch, während ihre Gemeinde diese wörtlich nimmt.) Somit wurde ich zu
einem "Weihnachten und Ostern Christen", der sporadisch zur Kirche
geht und dann mit den Zähnen knirscht und auf seine Zunge beißt, wenn er in den
Predigten das hört, von dem er genau weiß, dass es nicht stimmt.
Das soll nicht heißen, dass ich
weniger religiös oder weniger spirituell orientiert gewesen sei, als ich es
zuvor gewesen war. Ich betete regelmäßig, mein Glaube an eine höhere Gottheit
blieb fest und sicher, und ich richtete mein eigenes Leben nach den ethischen
Richtlinien aus, die ich einst in der Kirche und der Sonntagsschule gelernt
hatte. Die kannte ich einfach besser als die von menschenhand gefertigten
Dogmen und Glaubensartikel der organisierten Kirche, die so schwer mit
götzendienerischen Einflüssen, polytheistischen Zügen und geopolitischen
Betrachtungen einer vergangenen Zeit beladen waren.
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Jerald F. Dirks, Priester der Vereinigten Methodistenkirche, USA (teil 2 von 4)
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Beschreibung: Das frühe Leben und die Ausbildung des "Harvard Hollis" Gelehrten und Autor des Buches “The Cross and the Crescent” (Das Kreuz und der Halbmond), desillusioniert vom Christentum durch die an der Schule für Theologie erlernten Informationen. Teil2: Mangel an Religiösität, Kontakt mit Muslimen, Selbstbefragung und die Antwort.
von Jerald F. Dirks
Veröffentlicht am 29 Sep 2008 - Zuletzt verändert am 29 Sep 2008
Gesehen: 1593 (Tagesmittelwerte: 4) - Bewertung: 5 von 5 - Bewertet von: 1 Gedruckt: 151 - Emailed: 0 - Kommentiert am: 0
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> Priester und Theologen
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Als die Jahre vergingen, wurde ich
mehr und mehr besorgt über das Verschwinden der Religiösität in Amerikas
Gesellschaft. Religiösität ist ein Leben, Atmen, spirituell und moralisch in jedem
Einzelnen und darf nicht verwechselt werden mit Religiösität, die sich mit den
Riten, Ritualen und formalisierten Glaubensgrundsätzen einer organisierten
Gesamtheit äußert zB. der Kirche. Amerikas Kultur schien zunehmend ihren
religiösen und moralischen Kompass zu verlieren. Zwei von drei Ehen endeten
mit Scheidungen; Gewalt wurde an unseren Schulen und auf unseren Straßen immer
mehr verbreitet, Selbstverantwortung wurde immer rückläufiger, Selbstdisziplin
wurde durch eine "wenn du dich gut fühlst, tu es" – Moral ersetzt,
verschiedene christliche Führer und Institutionen fielen durch Skandale
sexueller und finanzieller Art auf und Gefühle rechtfertigten Benehmen, wie
abstoßend es auch sein mochte. Die amerikanische Kultur wurde zu einer
moralisch bankrotten Institution und ich fühlte mich bei meiner persönlichen
religiösen Nachtwache ziemlich allein.
Es war an diesem Punkt, als ich
begann, Kontakt mit der örtlichen muslimischen Gemeinde aufzunehmen. Ein paar
Jahre zuvor hatten meine Frau und ich aktiv Nachforschungen über die Geschichte
des arabischen Pferdes angestellt. Um die Übersetzungen verschiedener
arabischer Dokumente zu sichern, brachten uns diese Forschungen in Kontakt mit
arabischen Amerikanern, die Muslime waren. Unser erster Kontakt dieser Art war
mit Jamal im Sommer 1991.
Nach anfänglichen
Telefongesprächen besuchte uns Jamal zu Hause und bot uns an, ein paar
Übersetzungen für uns zu machen und uns dabei zu helfen, uns durch die
Geschichte des Araberpferdes im Mittleren Osten zu führen. Bevor uns Jamal an
jenem Nachmittag verließ, fragte er, ob er unser Bad benutzen könne, um sich
vor seinem vorgesehenen Gebet zu waschen; und ob wir ihm ein Stück Zeitung als
Gebetsmatte leihen können, damit er beten kann, bevor er unser Haus verlässt.
Natürlich erwiesen wir ihm diese Gefälligkeit, aber wir fragten uns, ob wir ihm
nicht etwas passenderes als eine Zeitung geben könnten. Ohne dass wir es zu jener
Zeit bemerkten, machte Jamal eine wunderbare Art der Dawa (Predigt oder
Mahnung). Er machte keine Bemerkung über die Tatsache, dass wir keine Muslime
waren und er predigte uns nichts über seine religiösen Ansichten. Er zeigte
uns "lediglich" sein Beispiel, ein Beispiel, das Bände sprach, wenn
man nur willens war, die Lektion anzunehmen.
In den folgenden 16 Monaten
steigerte sich der Kontakt mit Jamal langsam auf zweiwöchentlich bis
wöchentlich. Während seiner Besuche predigte Jamal nie über den Islam,
befragte mich nie über meine eigenen religiösen Ansichten oder Überzeugungen
und schlug mir nie vor, Muslim zu werden. Trotzdem begann ich, eine Menge zu
lernen. Erstens: da war das andauernde gute, beispielhafte Verhalten, wie
Jamal seine vorgeschriebenen Gebetszeiten einhielt. Zweitens: da war das
beispielhafte Verhalten geprägt von hohen moralischen und ethischen Werten, mit
denen Jamal sein tägliches Leben sowohl im geschäftlichen wie auch im
zwischenmenschlichen Bereich führte. Drittens: da war das beispielhafte
Verhalten, wie Jamal mit seinen beiden Kindern umging. Meiner Frau erging es
mit Jamals Frau ähnlich. Viertens: immer in dem Rahmen, mir zu helfen, die
Geschichte des arabischen Pferdes im Mittleren Osten verstehen zu lernen,
begann Jamal folgendes Wissen mit mir zu teilen: 1) Geschichten aus der
arabischen und islamischen Geschichte; 2) Aussagen des Propheten Muhammad,
Gottes Segen und Frieden seien mit ihm, und 3) Qur´anverse und deren Bedeutung
im Kontext. Im Endeffekt enthielt jeder Besuch mittlerweile mindestens 30
Minuten Gespräche, die sich um manche Aspekte des Islam drehten, aber immer so
dargestellt, dass sie mir helfen sollten, den Zusammenhang des Islam mit der
Geschichte des arabischen Pferdes intellektuell zu verstehen. Mir wurde nie
gesagt: "das ist eben so", mir wurde höchstens gesagt: "das
glauben Muslime". Da mir nicht "gepredigt" wurde und da mich
Jamal nie nach meinem eigenen Glauben befragte, brauchte ich mich auch nie für
meinen Glauben rechtfertigen. Alles war wie eine intellektuelle Übung, nicht
wie eine Bekehrung.
Nach und nach begann Jamal, uns
mit anderen arabischen Familien in der lokalen muslimischen Gemeinschaft
bekannt zu machen. Da war Wa´iel und seine Familie und noch ein paar andere.
Immer wieder beobachtete ich Leute und deren Familien, die ihr Leben auf einem
wesentlich höheren ethischen Niveau lebten, als die amerikanische Gesellschaft,
zu der wir gehörten. Möglicherweise war es etwas wie dieses Praktizieren im
Islam, das mir in meinen Tagen im College und dem Priesterseminar gefehlt
hatte.
Im Dezember 1992 fing ich an, mir
ernsthafte Fragen darüber, wo ich war und was ich tat, zu stellen. Diese Fragen
führten zu folgenden Überlegungen:
1) Im Verlauf der
vergangenen 16 Monate hatte sich unser gesellschaftliches Leben mehr und mehr
auf den arabischen Teil der lokalen muslimischen Gemeinschaft konzentriert. Bis
Dezember verbrachten wir vielleicht 75% unseres sozialen Lebens mit arabischen
Muslimen.
2) Durch meine Ausbildung
im Seminar wußte ich, wie sehr die Bibel verändert worden war (oft genug wußte
ich auch genau, wann, wo und warum), ich hatte keinerlei Glauben an eine
dreieinige Gottheit und ich besaß keinerlei Glauben an mehr als eine
metaphorische "Sohnschaft" Jesu, Gottes Segen und Frieden seien mit
ihm. Kurz gesagt, während ich sicherlich an Gott glaubte, war ich doch ein
ebenso strikter Monotheist wie meine muslimischen Freunde.
3) Meine persönlichen
Werte und Moralvorstellungen entsprachen eher denen meiner muslimischen Freunde
als denen der "christlichen" Gesellschaft um mich herum. Nach
alledem hatte ich die nicht-konfrontierenden Beispiele von Jamal, Khalid und
Wa´iel als Beispiele. Kurz gesagt, meine nostalgische Sehnsucht nach der Art
von Gemeinschaft, wie die, in der ich aufgewachsen bin, fand ihre Genugtuung in
der muslimischen Gemeinschaft. Die amerikanische Gesellschaft mochte moralisch
bankrott sein, aber dies schien für diesen Teil der muslimische Gesellschaft,
mit der ich Kontakt hatte, nicht der Fall zu sein. Die Ehen waren stabil,
Ehegatten waren einander verbunden, und Aufrichtigkeit, Integrität,
Selbst-verantwortlichkeit und Familienwerte wurden betont. Meine Frau und ich
hatten versucht, unsere Leben auf dieselbe Art zu leben, aber seit ein paar
Jahren fühlte ich, dass wir uns in einem Millieu des moralischen Vakuums
befanden. Die muslimische Gemeinde schien anders zu sein.
Die verschiedenen Fäden verwoben
sich zu einem einzigen Strang. Arabische Pferde, das Aufwachsen in meiner
Kindheit, meine Einschreibung in das Priesterseminar und meine Ausbildung, meine
nostalgische Sehnsucht nach einer moralisch intakten Gesellschaft und mein
Kontakt zu der muslimischen Gemeinde wurden kompliziert miteinander verflochten.
Meine Selbstbefragung kam zu ihrem Höhepunkt, als ich mich schließlich fragte,
was mich von dem Glauben meiner muslimischen Freunde trennte. Ich vermute, ich
hätte diese Frage auch mit Jamal oder Khalid klären können, aber zu diesem
Schritt war ich noch nocht bereit. Ich hatte mit ihnen noch nie über meine
religiösen Ansichten diskutiert, und ich dachte nicht, dass ich dieses
Gesprächsthema in unsere Freundschaft einbringen wollte. Also begann ich, aus
dem Bücherregal alle Bücher über den Islam herauszuholen, die ich in meinen
Tagen am College und im Seminar erworben hatte. Wie weit meine eigenen
Ansichten sich auch von der traditionellen Position der Kirche entfernt hatten,
und wie selten ich tatsächlich die Kirche besuchte, ich identifizierte mich
trotzdem noch als Christ und so wandte ich mich den Werken der westlichen
Gelehrten zu. Jenen Dezember las ich so ungefähr ein halbes Dutzend Bücher von
westlichen Gelehrten über den Islam, einschließlich einer Biographie des
Propheten Muhammad, Gottes Segen und Frieden seien mit ihm. Außerdem fing ich
an, zwei verschiedene Übersetzungen der Bedeutung des Qur´an zu lesen. Ich
sprach nie mit meinen muslimischen Freunden über meine persönliche
Selbstfindung. Ich erwähnte nie, was für Bücher ich gerade las, noch sprach
ich darüber, warum ich sie las. Wie auch immer, bei Gelegenheit würde ich
einem von ihnen eine sehr präzise Frage stellen.
Ich sprach zwar nie mit meinen
muslimischen Freunden über diese Bücher, meine Frau und ich hatten jedoch
zahlreiche Gespräche über das, was ich las. In der letzten Dezemberwoche 1992
war ich gezwungen, zuzugeben, dass ich in keinem Bereich tatsächliche
Unstimmigkeiten zwischen meinen eigenen religiösen Ansichen und den allgemeinen
Glaubensgrundlagen des Islam gefunden habe. Während ich schon bereit war,
anzuerkennen, dass Muhammad, Gottes Segen und Frieden seien mit ihm, ein
Prophet Gottes gewesen war (der aus Inspiration sprach) und während ich
absolute keine Schwierigkeiten damit hatte, zu bestätigen, dass es keine
Gottheit außer Gott gibt, Gepriesen und Erhaben ist Er, zögerte ich noch immer,
meine Entscheidung zu treffen. Ich konnte ohne Weiteres zugeben, dass ich
weitaus mehr mit den islamischen Glaubensgrundsätzen gemein hatte, je mehr ich
sie verstand, als ich es mit dem traditionellen Christentum der organisierten
Kirche jemals gehabt hatte. Ich wusste nur zu gut, dass ich durch das Wissen
aus dem Seminar das meiste, was der Qur´an über das Christentum, die Bibel und
Jesus, Gottes Segen und Frieden seien mit ihm, sagt, durchaus bestätigen konnte.
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Jerald F. Dirks, Priester der Vereinigten Methodistenkirche, USA (teil 3 von 4)
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Beschreibung: Das frühe Leben und die Ausbildung des "Harvard Hollis" Gelehrten und Autor des Buches “The Cross and the Crescent” (Das Kreuz und der Halbmond), desillusioniert vom Christentum durch die an der Schule für Theologie erlernten Informationen. Teil3: Psychologische Spiele und der Kampf sich zu stellen.
von Jerald F. Dirks
Veröffentlicht am 06 Oct 2008 - Zuletzt verändert am 06 Oct 2008
Gesehen: 1482 (Tagesmittelwerte: 4) - Bewertung: 5 von 5 - Bewertet von: 1 Gedruckt: 203 - Emailed: 0 - Kommentiert am: 0
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Nichtsdestotrotz zögerte ich. Außerdem
erklärte ich mir meine Zurückhaltung damit, dass ich die genauen Einzelheiten
des Islam noch nicht kannte und die Gebiete, mit denen ich einverstanden war,
bezogen sich auf die allgemeinen Konzepte. Also fuhr ich damit fort, zu lesen
und dann nochmals zu lesen.
Unser Identitätssinn ist eine sehr
kräftige Bestätigung unserer eigenen Position im Kosmos. In meinem Beruf wurde
ich gelegentlich gerufen, um bestimmte Neigungen, vom Rauchen bis zum Alkohol
und Drogenmissbrauch zu behandeln. Als Kliniker wusste ich, dass die Basis der
physischen Neigung überwunden werden muss, um eine anfängliche Abstinenz zu
erzeugen. Das war der leichte Teil der Behandlung. Wie Mark Twain einmal
sagte: "Rauchen aufzugeben, ist einfach, ich habe es mehrere hundert Mal
gemacht." Wie auch immer, ich wusste auch, dass der Schlüssel diese
Abstinenz über eine ausgedehnte Zeitspanne aufrechtzuerhalten, bedeutete, die
psychologische Neigung des Patienten zu überwinden, die tief in Identitätssinn
des Patienten gründet, d.h. der Patient identifiziert sich selbst als
"Raucher" oder als "Trinker", usw. Diese Neigung war ein
wesentlicher Bestandteil seines Identitätssinns geworden, ein untrennbarer Teil
seines Ichs. Diesen Identitätssinn zu verändern war ein wesentlicher
Bestandteil der psychotherapeutischen "Behandlung". Dies war der
schwierige Teil der Behandlung. Den Identitätssinn einer Person zu verändern,
ist die schwierigste Aufgabe. Die Psyche eines Menschen tendiert dazu, an
alten und bekannten Dingen festzuhalten, was psychologisch bequemer und
sicherer zu sein scheint als das Neue und Unbekannte.
Im professionellen Bereich besaß
ich das eben zusammengefasste Wissen und nutzte es täglich. Wie die Ironie es
wollte, war ich noch nicht bereit, es bei mir selbst und dem Thema meines
eigenen Zögerns um meine religiöse Identität anzuwenden. 43 Jahre lang wurde
meine religiöse Identität als "Christ" bezeichnet, egal was im Laufe
der Zeit noch zu dieser Bezeichnung hinzugekommen sein mag. Diese persönliche
Identität einfach so aufzugeben, war keine leichte Aufgabe. Es war ein
wesentlicher Bestandteil dessen, wie ich mein Sein identifizierte. Wenn man
die Einsicht nutzt, ist klar, dass mein Zögern den Zweck verfolgte,
sicherzustellen, dass ich meine bekannte religiöse Identität als Christ
behalten könnte, allerdings als Christ, der glaubt, wie ein Muslim glaubt.
Es war ziemlich am Ende vom
Dezember und meine Frau und ich füllten unsere Antragsformulare für die U.S.-Reisepässe
aus, damit eine geplante Reise in den Mittleren Osten endlich Wirklichkeit
werden konnte. Eine der Fragen hatte mit der Religionszugehörigkeit zu tun.
Ich dachte nicht einmal darüber nach und fiel automatisch in das Alte und
Bekannte zurück, als ich "Christ" eintrug. Es war einfach, es war
bekannt und es war bequem.
Allerdings wurde das Bequeme
vorübergehend unterbrochen, als mich meine Frau fragte, wie ich die Frage
bezüglich der religiösen Zugehörigkeit auf dem Formular beantwortet hätte. Ich
antwortete sofort "Christ" und kicherte hörbar. Nun, eine von Freuds
Beiträgen über die menschlichen Psyche war seine Realisierung, dass Lachen
häufig die Entspannung nach psychologischer Anspannung ist. Wie falsch Freud
auch in mancherlei Aspekten seiner Theorie über psychosexuelle Entwicklung
liegen mag, seine Einsichten über das Lachen treffen genau ins Schwarze. Ich
hatte gelacht! Was war diese psychische Anspannung, die ich durch das Mittel
des Lachens lösen musste?
Dann beeilte ich mich, meiner Frau
eine kurze Bestätigung zu bieten, dass ich ein Christ und kein Muslim sei.
Worauf sie freundlich antwortete, dass sie lediglich gefragt habe, ob ich
"Christ", "Protestant" oder "Methodist"
geschrieben hätte. Auf professioneller Basis wusste ich, dass eine Person sich
nicht gegen eine Anschuldigung verteidigt, die nicht gemacht worden war. (Wenn
mein Patient im Verlauf der psychotherapeutischen Sitzung herausplatzt:
"Ich bin darauf nicht wütend," und ich habe das Thema Ärger gar nicht
angesprochen, ist klar, dass mein Patient das Gefühl hat, er müsse sich selbst
gegen eine Last, die sein eigenes Unterbewusstsein hervorruft, verteidigen.
Kurz gesagt, er ist wirklich wütend, aber er ist nicht breit, es zuzugeben oder
damit umzugehen.) Wenn meine Frau die Beschuldigung, d.h. "du bist ein
Muslim", nicht ausgesprochen hat, dann muss diese Beschuldigung von meinem
Unterbewusstsein gekommen sein, denn ich war die einzige anwesende Person. Ich
war mir dessen bewusst, aber ich zögerte noch immer. Dieses religiöse Etikett,
das seit 43 Jahren an meinem Identitätssinn klebte, war nicht so leicht zu
entfernen.
Ungefähr ein Monat war seit der
Frage meiner Frau vergangen. Es war nun spät im Januar 1993. Ich hatte alle
Bücher über den Islam von westlichen Gelehrten wieder weggeräumt, nachdem ich
sie alle gründlich gelesen hatte. Die beiden Qur´anübersetzungen standen
wieder im Bücherregal und ich las gerade eine dritte Übersetzung der Bedeutung
des Qur´an. Möglicherweise würde ich in dieser Übersetzung eine Rechtfertigung
finden für…
Meinen Lunch nahm ich
üblicherweise in einem örtlichen arabischen Restaurant ein, das ich regelmäßig
besuchte. Ich trat wie gewöhnlich ein, setzte mich an einen kleinen Tisch und
öffnete meine dritte Übersetzung der Bedeutung des Qur´an dort, wo ich
aufgehört hatte, zu lesen. Ich dachte, ich könnte die Lunchzeit auch zum Lesen
nutzen. Augenblicke später wurde ich gewahr, dass Mahmoud an meiner Schulter
war und meine Bestellung erwartete. Er blickte auf das Buch, das ich las,
sagte aber nichts darüber. Nachdem er meine Bestellung aufgenommen hatte,
kehrte ich zu meiner Einsamkeit des Lesens zurück.
Ein paar Minuten später kam
Mahmouds Frau, Iman, eine amerikanische Muslima, die Hijab (Kopftuch) und ein
unauffälliges Kleid trug, das ich mittlerweile mit weiblichen Muslimen in
Verbindung setzte, und brachte meine Bestellung. Sie sah mich Qur´an lesen und
fragte freundlich, ob ich Muslim sei. Das Wort hatte meinen Mund verlassen,
noch bevor es durch irgendein gutes Benehmen oder Höflichkeit modifiziert
werden könnte: "Nein!" Dieses einzige Wort wurde so kraftvoll
ausgestoßen und mit mehr als einen Hinweis auf Erregbarkeit. Damit zog sich
Iman höflich von meinem Tisch zurück.
Was geschah mit mir? Ich hatte
mich so grob und irgendwie aggressiv verhalten. Was hatte diese Frau getan,
dass sie deratiges Benehmen von mir verdiente? War ich das? Dank meiner
Erziehung benutzte ich noch immer "Sir" (mein Herr) und "Ma´am"
(meine Dame), wenn ich mich an Verkäufer oder Kassierer wandte, die mich in
Läden bedienten. Ich konnte so tun, als würde ich mein eigenes Lachen nicht
bemerken, aber ich konnte nicht beginnen, derartiges unbewusstes Verhalten zu
ignorieren. Meine Lektüre wurde beiseite gelegt, und ich sann die ganze
Mahlzeit lang über diese Wendung der Ereignisse nach. Je mehr ich nachdachte,
desto schuldiger fühlte ich mich für mein Verhalten. Ich wusste, wenn Iman mir
die Rechnung am Ende der Mahlzeit brachte, würde ich das richtigstellen
müssen. Wenn kein anderer Grund vorläge, so würde es einfach schon die
Höflichkeit verlangen. Außerdem war ich wirklich ziemlich beunruhigt, wie
unmöglich ich auf ihre harmlose Frage geantwortet hatte. Was ging in mir vor,
dass ich so ungehalten auf so eine einfache und direkte Frage antwortete? Warum
führte diese eine, einfache Frage zu derartigem untypischen Verhalten von
meiner Seite?
Später, als Iman mit der Rechnung
kam, versuchte ich eine umständliche Entschuldigung, indem ich sagte: "Es
tut mir leid, ich war ein bisschen schroff, als ich ihre Frage vorhin
beantwortete. Wenn sie mich fragen würden, ob ich glaube, dass Muhammad einer
der Propheten des einen Gottes ist, dann ist meine Antwort ´ja´." Sie
sagte darauf sehr nett und sehr unterstützend: "Ist schon in Ordnung. Es
dauert bei manchen Leuten ein wenig länger als bei anderen."
Vielleicht
wird derjenige, der dies liest, so freundlich sein, die psychologischen Spiele
zu bemerken, die ich mit mir selbst spielte, ohne zu hart an meinem mentalen
Zustand und Verhalten zu rütteln. Ich wusste, dass ich auf meine eigene Art
und Weise, meine eigenen Worte benutzend, gerade die Schahada, das islamische
Glaubnsbekenntnis ausgesprochen hatte, d.h. "Ich bezeuge, dass es keine
Gottheit außer Gott gibt und ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Gottes
ist." Allerdings nachdem ich dies gesagt hatte, und nachdem ich erkannt
hatte, was ich gesagt hatte, konnte ich immer noch mein altes, bekanntes
Etikett der religiösen Identität wieder aufhängen. Ich hatte schließlich nicht
gesagt, ich sei Muslim. Ich war einfach ein Christ, wenngleich ein atypischer
Christ, der willens war, zu sagen, dass es einen Gott gibt, keine dreifaltige
Gottheit, und der willens war, zu sagen, dass Muhammad einer der Propheten war,
die von Gott inspiriert worden waren. Wenn ein Muslim mich als Muslim
akzeptieren wollte, dann war das seine oder ihre Sache, und sein oder ihr
Etikett der religiösen Zugehörigkeit. Allerdings war es nicht meines. Ich
dachte, ich hätte meinen Weg aus meiner Krise mit der religiösen Identität
gefunden. Ich war ein Christ, der vorsichtig erklären würde, dass ich dem
islamischen Glaubensbekenntnis zustimme und bereit bin, es zu bezeugen.
Nachdem ich meine verdrehte Erklärung abgegeben hatte und die englische Sprache
zerlegt hatte, konnten andere mir das Etikett anhängen, welches auch immer sie
wollten. Es war ihrs, und nicht meins.
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Jerald F. Dirks, Priester der Vereinigten Methodistenkirche, USA (teil 4 von 4)
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Beschreibung: Das frühe Leben und die Ausbildung des "Harvard Hollis" Gelehrten und Autor des Buches “The Cross and the Crescent” (Das Kreuz und der Halbmond), desillusioniert vom Christentum durch die an der Schule für Theologie erlernten Informationen. Teil 4: "Vom Kreuz zum Halbmond".
von Jerald F. Dirks
Veröffentlicht am 06 Oct 2008 - Zuletzt verändert am 06 Oct 2008
Gesehen: 1540 (Tagesmittelwerte: 4) - Bewertung: 5 von 5 - Bewertet von: 1 Gedruckt: 149 - Emailed: 0 - Kommentiert am: 0
Kategorie: Artikel
> Geschichten von neuen Muslimen
> Priester und Theologen
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Es war jetzt März 1993 und meine
Frau und ich genossen einen fünfwöchigen Urlaub im Mittleren Osten. Es war
gerade der islamische Monat Ramadhan, wenn die Muslime von Sonnenaufgang bis
Sonnenuntergang fasten. Weil wir so häufig mit Familienmitgliedern unserer muslimischen
Freunde aus den Staaten waren oder von ihnen begleitet wurden, entschieden
meine Frau und ich, dass wir auch fasten wollten, wenn wir keinen anderen Grund
hatten, dann wenigstens aus Höflichkeit. Während dieser Zeit hatte ich auch
begonnen, die fünf täglichen Gebete im Islam mit meinen neugefundenen Freunden
im Mittleren Osten zu verrichten. Schließlich gab es nichts in diesen Gebeten,
dem ich nicht zustimmen konnte.
Ich war Christ, oder so sagte
ich. Schließlich bin ich in eine christliche Familie geboren worden, war
christlich erzogen worden, habe am Gottesdienst und der Sonntagsschule als Kind
teilgenommen, hatte das Priesterseminar abgeschlossen und war ein ordentlicher
Priester in einer großen protestantischen Gemeinschaft. Allerdings war ich
ebenfalls ein Christ, der nicht an eine dreifaltige Gottheit glaubte oder an
die Göttlichkeit Jesu´, Gottes Segen und Frieden seien mit ihm, der ziemlich
genau wusste, wie die Bibel verändert worden war; der das islamische
Glaubensbekenntnis in seinen eigenen wohlüberlegten Worten ausgesprochen hatte,
der im Ramadhan gefastet hatte, der die täglichen islamischen Gebete verrichtete
und der von dem beispielhaften Verhalten in der muslimischen Gesellschaft tief
beindruckt war, sowohl in Amerika als auch im Mittleren Osten. (Zeit und Platz
erlauben es nicht, die Beispiele für die persönlichen Werte und Moral, die ich
im Mittleren Osten erlebt habe, im Detail zu erläutern.) Wenn ich gefragt
wurde, ob ich Muslim sei, war ich in der Lage, die oben aufgeführten Dinge
detailliert in einem fünf minütigen Monolog darzulegen, und die Frage
unbeantwortet zu lassen. Ich spielte intellektuelle Wortspiele und hatte darin
ziemlich guten Erfolg.
Es war nun spät auf unserer Reise
durch den Mittleren Osten. Ein älterer Freund, der kein Englisch sprach, und
ich gingen eine windige, kleine Straße entlang, irgendwo in den ökonomisch
unterentwickelten Vierteln von ´Amman in Jordanien. Ein älterer Mann kam uns
entgegen, sagte: "As-Salamu alaikum", d.h. "Friede sei mit
dir" und streckte seine Hand zur Begrüßung. Wie waren die einzigen drei
Menschen dort. Ich sprach kein Arabisch, und weder mein Freund noch der Fremde
sprachen Englisch. Mich anblickend, fragte der Fremde: "Muslim?"
Genau in diesem Augenblick war ich
vollkommen und vollständig in der Falle. Da gab es keine intellektuellen
Wortspiele zu spielen, denn ich konnte nur auf Englisch kommunizieren, und sie
konnten nur auf Arabisch kommunizieren. Da war kein Übersetzer mit uns, der
die Situation für mich hätte regeln können und der mir erlaubt hätte, mich
hinter meinem sorgfältig vorbereiteten Monolog zu verstecken. Ich konnte auch
nicht vorgeben, die Frage nicht verstanden zu haben, denn es war zu
offensichtlich, dass ich es verstanden hatte. Meine Auswahl war nun plötzlich unvorhergesehener
und unerklärlicher Weise auf zwei Worte reduziert. Ich konnte “N’am” sagen,
d.h. "ja"; oder ich konnte “La” sagen, d.h. "nein". Ich
hatte die Wahl und ich hatte keine andere. Ich musste wählen und ich musste
mich hier und jetzt entscheiden; es war so einfach. Gepriesen sei Gott, ich
antwortete: “N’am.”
Mit dem Aussprechen dieses einen
Wortes ließ ich alle Wortspiele hinter mir. Mit den intellektuellen
Wortspielen hinter mir, lagen auch die psychologischen Spiele bezüglich meiner
religiösen Identität hinter mir. Ich war kein seltsamer, atypischer Christ. Ich
war Muslim. Gepriesen sei Gott, meine 33 jährige Frau wurde ungefähr zur
selben Zeit Muslima.
Nicht allzuviele Monate nach
unserer Rückkehr nach Amerika aus dem Mittleren Osten lud uns ein Nachbar zu
sich nach Hause ein und sagte, er wollte mit uns über unsere Konvertierung zum
Islam reden. Er war ein Methodistenpriester in Rente, mit dem ich in der
Vergangenheit verschiedene Unterhaltungen gehabt hatte. Obwohl wir
gelegentlich oberflächlich über solche Themen wie den künstlichen Aufbau der
Bibel aus verschiedenen, früheren, unabhängigen Quellen gesprochen hatten,
hatten wir nie eine tiefgründige Unterhaltung über Religion gehabt. Ich wusste
nur, dass er eine solide seminarische Ausbildung erhalten zu haben schien, und
er sang jeden Sonntag in dem örtlichen Kirchenchor.
Meine anfängliche Reaktion war:
"Oh, oh, jetzt kommt es." Nichtsdestotrotz ist es die Pflicht eines
Muslim, ein guter Nachbar zu sein, und es ist die Pflicht eines Muslim, bereit
zu sein, mit anderen über den Islam zu reden. Daher nahm ich die Einladung für
den nächsten Abend an und verbrachte die verbleibenden 24 Stunden damit, zu
überlegen, wie man das gewünschte Gesprächsthema des Gentleman am besten
angehen sollte. Die verabredete Zeit rückte näher, und wir fuhren zum Nachbarn
hinüber. Nach wenigen Momenten "Smalltalk" fragte er schließlich,
warum ich mich entschlossen habe, Muslim zu werden. Ich hatte diese Frage
erwartet und mir meine Antwort sorgfältig vorbereitet. "Wie sie aus ihrer
Ausbildung im Seminar wissen, gab es viele nicht-religiöse Erwägungen, die zum
Konzil von Nicaea geführt haben und die Entscheidungen geformt haben." Er
schnitt mir unvermittelt das Wort mit einer einfachen Feststellung: "Sie konnten
den Götzendienst einfach nicht mehr ertragen, oder?" Er wusste genau,
warum ich Muslim war, und er war mit meiner Entscheidung einverstanden! Für
ihn, in seinem Alter und an seiner Stelle im Leben, war er dazu erwählt worden,
"ein atypischer Christ" zu sein. So Gott will, wird er jetzt seine
Reise vom Kreuz zum Halbmond beendet haben.
Es gibt Opfer, die man bringen
muss, wenn man in Amerika Muslim ist. Überall müssen Muslime Opfer bringen,
aber in Amerika fühlt man eher, dass man Opfer bringt, insbesondere unter Konvertierten.
Einige dieser Opfer sind vorhersehbar und beinhalten eine veränderte Bekleidung
und Enthaltsamkeit vom Alkohol, Schweinefleisch und Zinsgeschäften. Einige
dieser Opfer sind nicht so offensichtlich. Beispielsweise eine christliche
Familie, mit der wir eng befreundet waren, unterrichtete uns darüber, dass sie
nichts länger mit uns zu tun haben wollen, denn sie könnten nicht mit Menschen
sein, die "Jesus Christus nicht als seinen Erlöser anerkennt".
Allerdings veränderen nur wenige meiner Berufskollegen ihren Umgang mit mir.
Ob es Zufall war oder nicht, meine berufliches Ansehen sank, und das hatte fast
30% weniger Einkommen zur Folge. Einige dieser nicht vorhersehbaren Opfer
waren schwer zu akzeptieren, obgleich diese Opfer ein geringer Preis für das
sind, was man dafür erhält.
Für jene, die in Erwägung ziehen,
den Islam zu akzeptieren, und sich Gott zu unterwerfen, gepriesen und erhaben
ist Er, gibt es auf dem Weg viele Opfer. Viele dieser Opfer sind leicht
vorauszusehen, während andere ziemlich überraschend und unvermutet sein
können. Man kann die Existenz dieser Opfer nicht leugnen, und ich beabsichtige
nicht, die Pillen mit Zucker zu dragieren. Aber seid nicht überbesorgt wegen
dieser Opfer. Wenn man es letztendlich analysiert, sind diese Opfer weniger
wichtig, als sie im Moment erscheinen. Wenn Gott will, wirst du entdecken,
dass diese Opfer ein geringer Preis für das Gute sind, das du dafür
"erwirbst".

Bemerkng: das
Ordinationszertifikat oben war zu groß, um komplett gescannt zu werden – die
oberste Zeile des Textes fehlt, die lautet: "Lasst alle Menschen wissen,
dass".


Seine Web Seite:
www.muslimsweekly.com/index.php?option=com_content&task=blogcategory&id=92&Itemid=93
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